Weg „mit Familie“

Ich kann, wenn es um manche Dinge geht, ungeheuer schwerfällig sein und wundere mich anschließend selbst darüber. Seit mindestens 2012 wußte ich von dem Vorhandensein eines professionell korrigierten Exemplars der Erstausgabe von Eine Frau in Berlin (dank ZVaB). Das konnte natürlich alles mögliche heißen, also kaufte ich es mir nicht. Letzte Woche, bei einer Routineüberprüfung von angebotenen Hillers-Veröffentlichungen, stellte ich fest, daß dieses Angebot erweitert worden war – und zwar um eine Kopie des maschinengeschriebenen Vorworts von C. W. Ceram, das es nie in die deutsche Erstausgabe schaffte. Jetzt läuteten sämtliche Alarmglocken in meinem Kopf Sturm. Zumal, als sich herausstellte, daß der Anbieter ein Schweizer Antiquar war…
Unnötig zu sagen, daß ich diesmal sofort kaufte.
Am Samstag traf die Sendung ein, und da waren sie alle: Sämtliche Veränderungen und Korrekturen zwischen der Erst- und der Neuausgabe fein säuberlich in Maschinenschrift gelistet und mit rotem Kuli ergänzt, ja, auch das berüchtigte „Schietkram“: S. 98, Z.17: „(Stil 1880)“ (statt Schietkram)
Jackpot.

Die Geschichte des Exemplars versuche ich noch zu klären. Die Handschrift ist nicht Martas. Jedoch wurde eines ganz nach erprobter Krimimethode geklärt: Der Typenvergleich. Zweifelsohne wurde die Korrekturbeilage auf Martas „alter Klapperkiste“ getippt, das verraten nicht nur die Typen selbst, sondern vor allem das fehlerhafte f und das krumme r. Wer hätte an diese Möglichkeiten gedacht, als der herzensgute Gerd mir die Kiste vor einem Jahr in die Hand drückte?
Was hier vorliegt, ist klar: Martas Korrekturen für eine zweite Auflage, die sie an eine Lektorin weiterleitete, welche diese eintrug und außerdem einige übersehene Setzfehler ergänzte. Wann das geschah? Vielleicht weiß der frühere Eigentümer mehr.

Korrektur

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1 Kommentar

  1. Anmerkung: Diese Kommentare wurden per Hand kopiert aus meinem alten Blog http://mehralsanonyma.twoday.net/

    derwahnsinnhateinennamen – 6. Aug, 15:31
    sind die Veränderungen groß?
    antworten

    ClarissaS – 7. Aug, 06:27
    Nicht so groß wie die Veränderungen der englischen Erstausgabe gegenüber der deutschen Erstausgabe. (Das wäre noch interessant zu untersuchen, aber ich fürchte, diese Unterlagen hat Familie Marek in Verwahrung, die einen Kontakt ablehnt.) Für die deutsche Neuausgabe wurden ein paar kleinere Passagen gestrichen oder Formulierungen verändert; wie gesagt „Schietkram“ zu „Stil 1880“, zum Beispiel, oder das abgeänderte Ende, oder in Martas Ausführungen über den Wert von Armbanduhren machte sie aus „so ein Iwan“ „der Besitzer“ – erschien ihr wohl etwas zu harsch. Gleichermaßen der Satz, daß die deutschen Männer momentan „der letzte Dreck“ seien; wurde ersatzlos gestrichen.
    Sonst hauptsächlich Tippfehler, die korrigiert wurden. Zum Beispiel mußte Marta zweimal auflisten – mit Ausrufezeichen! -, daß das russische Wort nicht „nadno“ heißt, sondern „nado“ (müssen) oder daß es im Französischen „oui“ heißt, nicht „qui“. 🙂

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