Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Bindungen und Ablösung in Megan Harts „Deeper“

Es rächt sich diese Übertretung sofort damit, daß ein solcher Mensch stets erdgebunden bleiben muß, wenn er hinübergeht ins feinstoffliche Reich. In Wirklichkeit hat er sich aber selbst nur erdgebunden durch den Hang an etwas, das auf Erden ist! Er wird damit von weiterem Aufstiege abgehalten, verliert die ihm dazu gewährte Zeit und läuft Gefahr, nicht rechtzeitig herauszukommen aus dem feinstofflichen Reich in einer Auferstehung daraus nach dem lichten Reich der freien Geister. […]
Der „Hänge“ gibt es leider nur zu viel, die sich der Mensch geschaffen hat und die er sich in größter Sorglosigkeit gern zu eigen macht! […] Wer aber einen Hang sich aneignet, der „hängt“, wie das Wort richtig wiedergibt. Er hängt dadurch am Grobstofflichen, wenn er in das Jenseits kommt zu seiner weiteren Entwicklung, und kann sich nicht leicht wieder davon lösen, wird also gehemmt, zurückgehalten!

(Abd-ru-shin: Die zehn Gebote / Das Vaterunser, Vortrag „Das erste Gebot“)

Geschichten über „Geister“ und ihre Interaktion mit den Lebenden gibt es wie Sand am Meer – man denke beispielsweise an Hollywood-Klassiker wie Ghost oder The Sixth Sense oder die Fernsehserie Ghost Whisperer, die eine spezifische Art von abgeschiedenen Menschenseelen behandeln: Solche Seelen, die noch etwas an die Erde bindet, sei es eine unerledigte Aufgabe, Schuld, der Wunsch, nahestehenden Menschen Gutes zu tun oder auch schlichtweg die Unfähigkeit, den eigenen Tod überhaupt zu akzeptieren.
Eine andere Form von Erdgebundenheit findet sich in Megan Harts Roman Deeper (vollkommen dämlicher deutscher Übersetzungstitel Deeper – Im Sog der Lust). Hart hat sich in erster Linie einen Namen als Autorin erotischer Romane mit starkem emotionalen Tiefgang gemacht, und Deeper bildet da keine Ausnahme. Es kann gleichermaßen als Parabel über den Einfluß der Jugendjahre gelesen werden als auch als das, was es in erster Linie ist: Eine „Geistergeschichte“ um zwei Menschen, die die starke Bindung zwischen ihnen nicht ausleben konnten und deshalb über den Tod hinaus aneinander gefesselt bleiben.

Während eines Ferienaufenthaltes am Meer lernt Bess einen Jungen des Ortes kennen. Es entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung zwischen ihnen, die mehr zu werden verspricht, doch jugendliche Unreife und Mißverständnisse errichten immer wieder Schranken zwischen ihnen. Eines Nachts wird Nick beim Baden im Meer von der Strömung mitgerissen und ertrinkt. Niemand erfährt davon; seine Leiche wird nie gefunden. Nur der drängende Wunsch, zu Bess zurückzukehren, begleitet ihn nach „drüben“. Im Glauben, daß Nick sie verlassen hat, lebt Bess ihr Leben weiter, heiratet, hat Kinder.
Zwanzig Jahre später kehrt sie an die Stätte ihrer Jugendromanze zurück. Sie hat ein Haus am Meer geerbt, ihre Ehe steht vor der Scheidung, ihre beiden Söhne sind so gut wie erwachsen. Doch die Rückkehr bringt alle verdrängten Emotionen von damals wieder an die Oberfläche. Bess hat sich niemals wirklich von Nick gelöst, ebenso wenig wie er von ihr; ihre gemeinsame Entwicklung zum Guten wie zum Schlechten war durch Nicks Tod abrupt abgebrochen worden. Nick selbst weiß weder von der Zeit, die vergeht, noch hat er ein Bewußtsein seines eigenen Todes; er treibt in einem Zwischenzustand, den er „das Grau“ nennt.

Der Mensch, welcher in seinem Erdenleben nichts davon wissen will, daß es auch Leben nach dem Tode gibt und er all sein Tun und Lassen einmal zu verantworten gezwungen ist, ist in der Feinstofflichkeit blind und taub, sobald er einst hinübergehen muß. Nur während er mit seinem abgelegten grobstofflichen Körper noch verbunden bleibt […], vermag er zeitweise auch wahrzunehmen, was um ihn her geschieht.
Ist er aber dann frei von dem sich auflösenden grobstofflichen Körper, so geht ihm diese Möglichkeit verloren. Er hört und sieht nichts mehr. Das ist aber nicht Strafe, sondern ganz natürlich, weil er nicht hören und sehen
wollte von der feinstofflichen Welt. Sein eigener Wille, der das Feinstoffliche schnell entsprechend formen kann, verhindert es, daß dieser feinstoffliche Körper sehen und auch hören kann. So lange, bis in dieser Seele langsam eine Veränderung entsteht. Ob dies nun Jahre oder Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte währt, ist die eigene Sache eines jeden Menschen. Ihm wird sein freier Wille vollständig gelassen. Auch Hilfe kommt ihm erst, wenn er es selbst ersehnt. Nicht früher. Nie wird er dazu gezwungen.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Abgeschieden“)

Bis er Bess seinen Namen nennen hört und ihn der Wunsch, bei ihr zu sein, zurück in die Welt der Lebenden zieht.
Megan Hart bricht hier mit der traditionellen Geistergeschichte, obwohl Elemente in älteren Erzählungen vorhanden sind und auch einen Kern der Wahrheit in sich tragen:

Je mehr er sich selbst durch sein Wollen an die Erde kettete, also an das Grobstoffliche […], desto fester gefügt wird durch dieses sein eigenes Wollen auch diese Schnur sein, die ihn an den grobstofflichen Körper bindet, und damit auch sein feinstofflicher Körper, dessen er als Gewand des Geistes in der feinstofflichen Welt bedarf.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag: „Der Tod“)

Nick materialisiert sich durchaus körperlich an Bess’ Strand, so, wie er zwanzig Jahre zuvor aussah. Es ist zum einen eine ganz natürliche Erscheinung, da ja keine Alterung stattfand. Zum anderen ist es aber auch eine Manifestation dessen, wie er in Bess’ Erinnerung „lebte“, des Punktes in der Zeit, an dem beide gefangen sind, weil sie nicht loslassen wollten oder konnten. Nick seinerseits kann Bess’ Alterung nicht sehen – für ihn sieht sie ebenfalls noch so aus wie ihr jugendliches Selbst. Ähnlich wie die Toten in The Sixth Sense, die am Augenblick vor ihrem Sterben hängengeblieben und unfähig sind, die Wirklichkeit wahrzunehmen, sieht auch Nick Bess nur so, wie sie für ihn zu dem Zeitpunkt real war, an dem er „hängt“… oder, genauer gesagt, an dem er sich unbewußt angeklammert und seine Entwicklung zum Stillstand gebracht hat.
Bess und Nick, so scheint es, wurde eine zweite Chance geschenkt. Sie sind glücklich miteinander, planen eine gemeinsame Zukunft. Doch von Anfang an zeigt sich, daß ihre Beziehung keine gewöhnliche ist und niemals werden kann. Nick atmet nicht, er hat keinen Herzschlag, benötigt keinen Schlaf und keine Nahrung. Er kann sich nicht über einen bestimmten Radius hinaus von Bess’ Haus entfernen, ohne sich unter Schmerzen wieder zu entmaterialisieren. Zum ersten Mal wird beiden bewußt, daß das Band zwischen ihnen genausogut ein Gefängnis sein kann. Ähnlich wie bei den Ehebrechern in Dantes Göttlicher Komödie hat diese Bindung aneinander das Potential, ihre Liebe in Haß umschwenken zu lassen.
Bess derweil kann ein normales Leben führen, sich weiterentwickeln. Sie trifft alte Freunde von damals wieder, plant in ein Geschäft einzusteigen, entwickelt Sympathien für einen guten Mann. Zunächst unmerklich, aber bald unübersehbar beginnt die Beziehung zwischen ihr und Nick zu zerfallen. Das Englische hat für diesen Vorgang einen in diesem Fall perfekten Begriff: „to unravel“. Fäden entknoten, entwirren sich, gehen auseinander. Bess und Nick hatten sich feinstofflich aneinander gebunden, und diese Bindung erlaubte es ihnen nicht nur, sie zwang sie sogar dazu, ihre Beziehung auszuleben und damit zu lösen.

Das Ende, wie zu erwarten, ist bitter und schmerzhaft für beide. Nick fühlt deutlich, daß er nicht mehr in die Welt der Lebenden gehört; er sehnt sich fort, weiß aber nicht, wie. An diesem Punkt schließlich sieht er Bess zum ersten Mal in ihrer wirklichen, gealterten Form. Beide lieben einander noch immer, doch Bess, die sieht, wie Nick leidet, ist nicht mehr selbstsüchtig genug, ihn weiterhin an sie zu ketten.
Alles endet mit einem Ringschluß. Bess und Nick gehen ins Meer, um sich von der Strömung aus dem Bannkreis hinausreißen zu lassen. Angesichts Bess’ Todeskampfes jedoch bringt Nick sie in sichere, flachere Gewässer, bevor er selbst aufs Meer hinaustreibt und ins Jenseits zurückkehrt. Auch er hat gelernt, loszulassen und nicht eigenes Glück auf Kosten eines anderen erzwingen zu wollen. Die Bindungen an die Vergangenheit sind für beide gelöst. Bess sieht ein, daß ihre Söhne sie trotz aller Differenzen noch brauchen, und sie ist nun wahrhaftig frei, ihr Leben weiterzuleben.

Wenn Derartige kein schweres Karma an andere Stelle bindet, fühlen sie sich ganz wohl, sie werden sich einer eigentlichen Strafe sehr selten bewußt. Nur wer das ganze Sein überschaut, erkennt die Strafe in der unausbleiblichen Wechselwirkung, die dahin geht, daß der Betreffende nicht höher kommen kann, solange ihn der dauernd in „Erleben“ schwingende Wunsch zur Befriedigung an andere noch in Fleisch und Blut lebende Menschen auf der Erde bindet […].
Ernst genommen ist es natürlich „Strafe“. Aber der dringende Wunsch der „Erdgebundenen“ läßt sie es nicht empfinden, sondern übertönt alles andere, und deshalb kann die Sehnsucht nach Edlerem, Höherem nicht so stark werden, daß es zum Haupterleben wird, sie dadurch von dem anderen befreit und hebt.
Was sie eigentlich damit versäumen, wird ihnen gar nicht bewußt, bis dieser Wunsch der Befriedigung […] wie eine langsame Entwöhnung nachläßt und verblaßt, so daß andere noch in ihm ruhende Empfindungen mit weniger starker Wunschkraft nach und nach an gleiche und dann an erste Stelle kommen, wodurch sie sofort zum Erleben und damit zur Kraft der Wirklichkeit gelangen.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Erdgebunden“)

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1 Kommentar

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