Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Dämonische Beeinflussung und lichte Streiter in Terry Brooks‘ Word-and-Void-Trilogie

Autor Terry Brooks, der sich über lange Jahre hauptsächlich einen Namen als Verfasser seiner Shannara-Romane gemacht hatte, stieg 1997 in ein für ihn neues Genre ein: Kontemporäre Fantasy. Seine namenlose Trilogie, die von den Lesern The Word and the Void oder Demon Trilogy benannt wurde, ist in den USA der Gegenwart angesiedelt und bevölkert die für Menschen sichtbare Welt mit allerlei Kreaturen „zwischen Himmel und Erde“, die nur Ausgewählte wahrnehmen können. In den drei Romanen Running with the Demon, A Knight of the Word und Angel Fire East wird die Geschichte zweier solcher Ausgewählter erzählt, Nest Freemark, die in den Jahren der Handlung von einem jungen Mädchen mit besonderen Fähigkeiten zu einer Frauengestalt heranreift, wie sie sehr untypisch für Fantasy-Romane ist, und John Ross, ein Ritter der Lichts, der als bescheidener Wanderer seine Wege geht.
Während diverse Elemente der Romane natürlich reine Fantasy sind, finden sich doch bemerkenswerte Übereinstimmungen mit der Lehre der Gralsbotschaft.

Running with the Demon ist deutlich erkennbar auch eine Hommage des Autors an seine glückliche Kindheit in einer Kleinstadt der USA. Er schildert die Orte und Personen der Handlung mit einem liebevollen Realismus, der auch von Kritikern hochgelobt wurde. (Charakterzeichnung war von jeher die Stärke seiner Romane.) Hopewell ist eine verschlafene Kleinstadt, in der die Uhren langsamer gehen. Doch die Idylle trügt: Ein lang andauernder Streik ist zu einer aussichtslosen Verhärtung der Fronten angewachsen und lähmt das allgemeine Leben. Besonnene Köpfe unter den Arbeitern und Gewerkschaftlern mahnen zur Ruhe, haben jedoch keine Ideen, wie aus der Sackgasse herauszukommen ist, während hitzigere Elemente der Ansicht sind, nur eine gewalttätige Aktion könne die Industriebosse wieder an den Verhandlungstisch zwingen.
In diese Situation geraten zwei Fremde: John Ross, dem man seine Berufung als Streiter der Lichts schwerlich ansieht, und die Kreatur, die er jagt, ein Dämon, der sich die potentiell explosive Lage zunutze macht, um seine eigenen Pläne voranzutreiben. In Brooks‘ Geschichte folgt das Konzept von Dämonen nicht der klassischen, christlich verwurzelten Mythologie, die Dämonen als gefallene Engel darstellt (wie es beispielsweise Tolkien in seinen ebenfalls unter dem Blickwinkel der Gralslehre höchst aufschlußreichen Büchern tut), sondern hier sind es frühere Menschen mit mehr oder weniger menschlichen Körpern, die sich dem Dunkel verschrieben haben. Ihre Beweggründe für ihre Taten sind entsprechend sehr unterschiedlich, doch haben sie stets den Sturz starker Geister zum Ziel, während die verachteten schwächeren Geister bedenkenlos für dieses Ziel geopfert werden.
Ein weiterer solch starker Geist ist die vierzehnjährige Nest Freemark. Sie ist, was man landläufig hellsichtig nennt; sie kümmert sich zusammen mit ihrem Freund, einer Art Baumelf, um das Wohlergehen des nahen Stadtparks, und sie sieht die „Feeders“ genannten Wesen, die von den Emotionen der Menschen zehren und diese durch ihre Anwesenheit gleichzeitig verstärken – im Weltbild der Gralsbotschaft also entweder Gedanken- oder aber Empfindungsformen, also Dämonen.

Die lebendige Schöpfungskraft, die die Menschen durchflutet, rafft durch den geschlossenen Willen eines fertigen Gedankens Feinstoffliches zusammen und schließt es bindend zu einer Form, die dem Willen dieses Gedankens Ausdruck gibt. Also etwas Wirkliches, Lebendiges, das nun Gleichartiges in dieser Welt der Gedankenformen durch das Gesetz der Anziehungskraft der Gleichart anzieht oder sich von solchen anziehen läßt, je nach seiner eigenen Stärke.
Wie ein Gedanke bei seinem Entstehen gleichzeitig
mitempfunden wird, schwächer oder stärker, so wird auch sein feinstoffliches Gebilde entsprechendes Leben in sich tragen. Dicht bevölkert ist diese Gedankenwelt.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Gedankenformen“)

Die so erstarkte Empfindung eines Menschen zeugt nun in weiterer Abstufung unmittelbar selbsttätig ein Gebilde, das die Art der Empfindungen ganz genau verkörpert! […] Das Gebilde steht im Anfang in, dann neben seinem Erzeuger, mit diesem durch einen Ernährungsstrang verbunden. Gleichzeitig aber nimmt es selbsttätig sofort unter der Wirkung des Gesetzes der Anziehung der Gleichart Fühlung mit dem Sammelorte gleicher Arten von Gebilden und erhält von dort starken Zustrom, der mit dem jungen Gebilde nunmehr die feinstoffliche Umgebung des betreffenden Menschen gibt.
Unterdessen steigt die Empfindung höher bis zu dem Gehirn und erregt hier gleichartige
Gedanken, die sich das Ziel scharf prägen. So werden die Gedanken zu Kanälen oder Straßen, auf denen die Gebilde einem ganz bestimmten Ziele zutreiben, um dort zu schaden, wenn sie Boden dazu finden.
Hat aber der Mensch, der als Ziel davon betroffen werden soll, in sich nur reinen Boden, also reines Wollen, so bietet er für diese Gebilde keine Angriffsfläche, keinen Verankerungsgrund. Aber damit werden sie nicht etwa wieder unschädlich, sondern irren einzeln weiter oder vereinen sich mit den Gleicharten in deren Sammelstellen, die man „Ebenen“ nennen kann, da sie ja dem Gesetze ihrer geistigen Schwere unterworfen sind und deshalb
bestimmte Ebenen bilden müssen, die immer nur gleiche Arten zulassen und festhalten können.
Damit bleiben sie aber allen den Menschengeistern unbedingt gefährlich, die nicht genügend Reinheit starken Wollens zu dem Guten in sich tragen, und bringen schließlich auch ihren Erzeugern zuletzt das Verderben, da sie stets mit diesen in Verbindung bleiben und durch den Ernährungsstrang dauernd neue […] Energien auf sie zurückfließen lassen, die die Gebilde selbst aus der Ansammlung der Zentralen erhalten. […]
Die Erzeugnisse des Empfindungswollens menschlichen Geistes, die vorerwähnten Gebilde, hören aber nach der Loslösung von ihrem Erzeuger nicht auf zu sein, sondern bestehen
selbständig weiter, solange sie Nahrung von den ihrer Art gleichgesinnten Menschengeistern erhalten! Es braucht nicht ihr Erzeuger selbst zu sein. Sie suchen Gelegenheit, sich diesem oder jenem dazu bereiten Menschen oder auch nur in der Abwehr schwachen Menschen anzuhängen. Sie sind in üblem Sinne die Dämonen, entstanden aus Neid, Haß und allem Ähnlichen. […]
Diese Gebilde des menschlichen Empfindungswollens haben
in sich Kraft, weil sie aus geistigem Wollen in der Verbindung mit der „neutralen Hauptkraft“ erstehen […].
(„Im Reiche der Dämonen und Phantome“)

Nest weiß noch nicht, daß die beunruhigende wachsende Anzahl der Feeder mit der Anwesenheit sowohl John Ross‘ als auch des Dämons in Hopewell zusammenhängt, die durch ihre jeweilige Art anziehend auf diese Wesen wirken – Ross als Ritter des Lichts, um den herum sich zwangsläufig das Dunkel ballt; der Dämon, der durch geschickte Einflüsterungen die latenten Gewaltbereitschaft mancher Menschen anheizt.

Ein Mensch kann überhaupt nicht von einem Dämon „besessen“ sein! Das geht schon aus ganz natürlichen Gründen nicht; denn der Kern des Menschen ist Geist, ein Dämon aber Wesen, einst harmlos, doch durch Menschengeistwollen zum Dämon großgezogen. Und da Geist höher ist als Wesen in seiner Beschaffenheit, so vermag Wesen den Geist nicht zu verdrängen, auch nicht zeitweise, was bei Besessensein notwendig ist. Der Mensch kann aber dämonisch beeinflußt sein! Das ist ein großer Unterschied; denn zur Beeinflussung gehört ein gewolltes inneres Entgegenkommen des betreffenden Menschen, sei es nun hervorgerufen durch sein Handeln, also einen von außen nach innen wirkenden Vorgang, oder durch sein eigenes Wollen, irgendeinen Hang, den er sich angeeignet, also zur Eigenschaft gemacht hat. In diesem Falle öffnet er sich zuerst innerlich diesem üblen Einflusse und wirkt dann beeinflußt nach außen.
Dämonisch beeinflußt sein kann also nicht ohne eigenes Wollen geschehen. Aus
diesem Grunde wird auch eine Heilung oder Hilfe sehr erschwert. Der Zustand ist auch viel gefährlicher für den Menschen selbst und für seine Umgebung, da er berechnender, heimtückischer, vollkommen bewußt handelnd wirkt.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Das einige Jahre später eingesiedelte A Knight of the Word schildert dann anschaulich, wie der Sturz eines hohen Geistes zustandekommt, durch kleine Schritte, Zweifel, inneres, selbst kaum erkanntes Entgegenkommen, in das sich das Dunkel mit seinen Einflüsterungen sofort einhakt.

Angel Fire East ist ein stimmungsvoller Abschluß der Trilogie, dessen Stärke in seinen ruhigen Tönen liegt. Nest ist inzwischen zu einer verantwortungsvollen Frau herangewachsen, eine sowohl mütterliche als auch beschützende Präsenz für die verschiedenen Personen, die sich in ihrem Haus einfinden. Anders als so ziemlich alle übrigen Fantasy-Heldinnen ist sie keine Kriegerin; dies bleibt dem modernen Ritter John Ross überlassen. Dennoch besteht zu keinem Zeitpunkt Zweifel an Nests Stärke, im Gegenteil, gerade durch ihre ruhige, innerlich starke Natur präsentiert sie sich dem Dunkel als beachtliche Gegnerin. Sie ist eine weibliche Streiterin im besten Sinne.

Der Mann steht in der Schöpfung mit der Front nach außen, um zu kämpfen, das Weib jedoch hält, ihm den Rücken deckend, die Verbindung mit dem Licht und bildet so den Kern, die Kraftzufuhr und Stärkung.
(Vortrag „Die Aufgabe der Menschenweiblichkeit“)

Angel Fire East bedient sich übrigens stark christlicher Symbolik, mit seinen Themen von Weihnachten, jungfräulicher Empfängnis und einem kommenden Messias, während die gesamte Trilogie auch starke Elemente der Artus-Legende aufweist.

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