Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Die Sünden der Väter in The Hollow Crown

English translation in the comments section.


Die Beleuchtung ist der hilfreichste Schlüssel zum Verständnis der Zusammenhänge:
Licht und Farbe während der Herrschaft Richards II…

Eine vielbeachtete Verfilmung von Shakespeares Historienstücken (die es meines Wissens nie in eine deutsche Synchronisation schaffte) ist The Hollow Crown. Beginnend mit Richard II erzählt sie, teilweise unter massiver Kürzung der Originalvorlagen – ist Henry VI beispielsweise doch über neun Stunden lang! – die Geschichte der englischen Könige aus dem Geschlecht der Plantagenets bis zum Beginn der Tudors.
Nun war William Shakespeare kein Historiker, und mit Quellenmaterial nach heutigem Anspruch war es zu seiner Zeit auch nicht weit her, von einem völlig gewandelten Geschichtsverständnis ganz zu schweigen – man darf the history plays also nicht als historischen Abriß betrachten. Was Shakespeare statt dessen tat, war, eine fortlaufende Geschichte über Schuld und Sühne und letztlich Karma (was ihm sicherlich nicht bewußt war) zu gestalten. Das Heraustrennen einzelner Stücke, wie zum Beispiel die Dauerbrenner Henry V und Richard III, schadet dem Gesamtverständnis ungeheuer.

… Die Dämmerung bricht mit seinem Tod und Bolingbrokes Schuld herein…

Die BBC nahm in den 70er Jahren sämtliche Stücke in kompletter Länge in Studioverfilmung auf. Diese Umsetzung ist weder besonders spannend noch kann sie qualitätstechnisch mit größeren, aber gekürzten Shakespeare-Verfilmungen mithalten. Doch sie ist ungemein hilfreich für das Verständnis sowohl des roten Fadens der Geschichte als auch für den cleveren Aufbau von Shakespeares Stücken; also allein deshalb schon sehr zu empfehlen.
Es gibt auch sehr gute Lektüre zum Thema, so zum Beispiel Lily B. Campbells Shakespeare’s „Histories“.

… Halbdunkel und Schatten unter Henry IV…

Die Geschichte beginnt, als der aus der Verbannung zurückkehrende Henry Bolingbroke seinen Vetter, den rechtmäßigen, aber unfähigen König Richard II., stürzt und selbst die Herrschaft übernimmt. Obwohl für England vielleicht die bessere Wahl, löst diese Schuld eine Kette von Folgeverflechtungen aus, ein Karma nicht des englischen Volkes als solchem, sondern vielmehr das Karma eines Königshauses, das auf den falschen Weg abgeirrt ist und, da es sich als unfähig erweist, langfristig auf den rechten Weg zurückzufinden, unter den Rückwirkungen dieses Karmas zusammenbrechen muß.
Als Henry IV. hat Bolingbroke nicht nur gegen äußere Feinde zu kämpfen, die ihrerseits ihn stürzen wollen, sondern auch gegen Rebellion im eigenen Hause, als sein ältester Sohn und Thronfolger Hal seine Zeit in schlechter Gesellschaft verbringt und das Land unter seiner Herrschaft erneut in Elend zu versinken verspricht, genauso, wie es zuvor unter Richard geschah.

… Dunkelheit, doch Lichtblicke, beginnender Morgen während der letzten Stunden Henrys IV…

Doch der junge Hal überrascht am Ende. Schwer getroffen von dem Leid, das er seinem Vater zugefügt hat, ändert sich sein Wesen; und er von allen Königen vor und nach ihm begreift, wie falsch das Streben nach der Krone um der Macht willen ist – welchen unheilvollen Einfluß die Krone (Macht) ausübt und welchen hohen Preis sie verlangt, wenn sie aus falschen Gründen errungen wird. Hal, als Henry V. gekrönt, wird zur Lichtgestalt unter den englischen Königen. Da er sich selbst geläutert hat, kann das Karma, das sein Haus heimsucht, nicht an ihn heran, findet keinen Boden, um sich auszuleben.

… Tag unter der Thronbesteigung Hals…

Die einzelnen Fäden bilden den Weg der Rückwirkungen so lange, bis der Urheber in seinem Innenwesen keinen Anhaltspunkt mehr für die gleiche Art bietet, diesen Weg also von sich aus nicht mehr pflegt und frisch hält, wodurch sich diese Fäden nicht mehr festhalten können, nicht mehr einzuhaken vermögen und verdorrend von ihm abfallen müssen, gleichviel, ob es nun Übles oder Gutes ist.
Jeder Schicksalsfaden wird also durch den Willensakt bei dem Entschluß zu einer Handlung feinstofflich geformt, zieht hinaus, bleibt aber trotzdem in dem Urheber verankert und bildet so den sicheren Weg zu gleichen Arten, diese stärkend, gleichzeitig aber auch wieder von diesen Stärke erhaltend die den Weg zurückläuft zu dem Ausgangspunkte.
In diesem Vorgang liegt die Hilfe, die den nach Gutem Strebenden kommt, wie es verheißen ist, oder aber der Umstand, daß „Böses fortzeugend Böses gebären muß“.
Jedem Menschen bringen nun die Rückwirkungen dieser laufenden Fäden, zu denen er täglich neue knüpft, sein Schicksal, das er sich selbst geschaffen hat und dem er unterworfen ist. Jede Willkür ist dabei ausgeschlossen, also auch jede Ungerechtigkeit. Das Karma, das ein Mensch mit sich trägt und das wie eine einseitige Vorausbestimmung erscheint, ist in Wirklichkeit nur die unbedingte
Folge seiner Vergangenheit, soweit diese sich in der Wechselwirkung noch nicht ausgelöst hat.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das Geheimnis der Geburt)

… Schließlich Gold und Farbe bei seiner Krönung als Henry V…

Wenn auch hierbei der größte Teil alles Geschehens der Wechselwirkung nur in der feinstofflichen Welt erfolgt, so könnte doch das also arbeitende Karma niemals eine volle Ablösung finden, wenn das Ende nicht in irgendeiner Art in die grobstoffliche Welt hineinspielt und dort sichtbar wird. Erst mit einem dem Sinne der Wechselwirkung entsprechenden sichtbaren Vorgang kann ein laufender Ring geschlossen werden, wodurch die vollkommene Ablösung erfolgt, gleichviel, ob dies je nach Art des einstmaligen Anfanges gut oder böse ist, Glück oder Unglück bringt, Segen oder durch die Ablösung Vergebung. Diese letzte sichtbare Auswirkung muß kommen, an gleicher Stelle, wo der Ursprung liegt, also bei dem Menschen, der durch irgendeine Handlung einst den Anfang dazu gab. In keinem einzigen Fall ist sie zu vermeiden.
Wenn nun der betreffende Mensch sich unterdessen innerlich verändert hat, derart, daß Besseres in ihm lebendig wurde, als die einstmalige Handlung war, so kann die Rückwirkung in ihrer Art nicht festen Fuß fassen. Sie findet keinen gleichartigen Boden mehr in der aufwärtsstrebenden Seele, die lichter und damit leichter geworden ist nach dem Gesetz der geistigen Schwere.
Die natürliche Folge ist, daß eine trübere Auswirkung bei dem Herannahmen von der lichteren Umgebung des betreffenden Menschen durchsetzt und somit bedeutend abgeschwächt wird. Aber trotzdem muß das Gesetz des Kreislaufes und der Wechselwirkung voll erfüllt werden in seiner selbsttätig wirkenden Kraft. Ein Aufheben irgendeines Naturgesetzes ist unmöglich.
Deshalb wird sich eine so abgeschwächte rücklaufende Wechselwirkung den unverrückbaren Gesetzen entsprechend auch
sichtbar grobstofflich auswirken müssen, um wirklich abgelöst, also ausgelöscht zu sein. Das Ende muß in den Anfang zurückfließen. Wegen der lichtgewordenen Umgebung vermag aber dunkles Karma dem betreffenden Menschen nicht Schaden zu bringen, und so geschieht es, daß diese abgeschwächte Wechselwirkung nur derart auf die nähere Umgebung wirkt, daß der Betroffene in die Lage kommt, irgend etwas Freiwilliges zu tun, dessen Art nur noch dem Sinne der rückströmenden Wechselwirkung entspricht.
Der Unterschied von der eigentlichen ungebrochenen Stärke der für ihn bestimmt gewesenen Auswirkung des rücklaufenden dunklen Stromes ist der, daß es ihm keinerlei Schmerz bereitet oder Schaden bringt, sondern vielleicht sogar Freude macht.
Das ist dann eine
rein symbolische Auslösung manches schweren Karmas, aber den Gesetzen in der Schöpfung vollkommen entsprechend, durch die Veränderung des Seelenzustandes selbsttätig derart wirkend. Deshalb bleibt es den meisten Menschen auch oft ganz unbewußt.
(„Symbolik im Menschenschicksal“)

… Gedämpftere Farben und gedämpfteres Licht im Rückblick auf seine kurze Herrschaft…

Henry V. führt England in eine kurze Blütezeit, doch er stirbt bereits mit 35 Jahren. Sein Sohn Henry VI. ist kaum ein Jahr alt, als er zum König gekrönt wird, und in Folge übernehmen eine Schar von Regenten und Beratern die Herrschaft, die gegeneinander intrigieren und sich befehden. Die Rosenkriege mit ihren wechselnden Herrschern überziehen das Land, Schuld häuft sich auf Schuld, und die Sünden der Väter suchen die Könige heim, bis sich das Herrschergeschlecht zuletzt selbst zerfleischt, ausrottet und Platz schafft für eine neue, noch unbefleckte Dynastie.

… Erneutes Verblassen und zurückkehrende Dunkelheit bei seinem Tod…

… Die ultimative Dunkelheit bei der Ermordung Henry VI. durch den späteren Richard III., den letzten König aus dem Hause Plantagenet.

Advertisements

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Die gewaltigen Führer der Wesenhaften in Thor

(English translation in the comments section)

Wie lange versucht man schon, eine rechte Deutung und Verbindung mit der Jetztzeit zu erhalten über die bekannten Götter der vergangenen Zeiten. Berufene und studierte Köpfe suchen eine Lösung, die vollständige Klärung bringt. […]
Die Griechen, Römer, die Germanen zum Beispiel sahen dann noch mehr! Ihr inneres Schauen drang über die Stofflichkeit hinaus bis in das höher liegende Wesenhafte. Sie konnten mit ihrer weiteren Entwickelung zuletzt auch
die Führer der Wesenhaften und der Elemente schauen. Einige mediale Menschen in ihrer Begabung sogar in näheren Verkehr mit ihnen treten, da diese als bewußt-wesenhaft Geschaffenen immerhin Verwandtes haben mit der Wesenhaftigkeit, von der auch der Mensch außer dem Geistigen einen Teil in sich trägt.
Die Wesenhaften zu schauen, zu fühlen und zu hören, war für die
damalige Entwickelung der Völker das Höchste, was sie erreichen konnten. Es ist selbstverständlich, daß dann diese Völker die gewaltigen Führer der Elemente in deren Tätigkeit und Andersart als das Höchste ansahen und sie Götter nannten. Deren hohen, wirklich bestehenden burgartigen Sitz Olymp und Walhall.
Das innere Schauen und Hören der Menschen aber verbindet sich beim Zum-Ausdruck-Bringen immer mit deren jeweilig
persönlichem Begriffs- und Ausdrucksvermögen. Daraus ergibt sich, daß die Griechen, Römer und Germanen die gleichen Führer der Elemente und alles Wesenhaften nach Form und Begriff in der jeweiligen Anschauung ihrer derzeitigen Umgebung schilderten. Es waren jedoch bei allen trotz einiger Verschiedenheiten in den Schilderungen dieselben! […]
[D]ie sogenannten alten Götter sind noch heute unverändert an denselben Plätzen, in derselben Tätigkeit wie früher. Auch die höchste Veste dieser großen Führer aller Elemente, der Olymp oder Walhall, war niemals Märchen, sondern in Wirklichkeit geschaut.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Götter – Olymp – Walhall“)

„Odin statt Jesus“ lautete der Anstecker am Rucksack des jungen Mannes, der vor mir in die Bahn stieg. Ich lächelte damals in mich hinein. Ganz ungeachtet dessen, was sowohl die neuheidnische als auch die christliche Seite denkt, ist da nämlich kein Gegensatz.

Die Götter- und Heldensagen der Germanen (so der Titel des Buches, aus dem ich gleichermaßen die nordischen Sagen kennen- und die Frakturschrift lesen lernte; „Neu erzählt und gemeinverständlich dargestellt von Gustav A. Ritter“) sind natürlich nicht die zuverlässigste Quelle, was die wesenhaften Führer betrifft. Sie sind eine Mischung aus Überlieferungen, die einen wahren Kern enthalten, Begebenheiten, die Menschen geschahen und später den Göttern zugeschrieben wurden, und schlichtweg Erfindung. Ein gutes, wenn auch verhältnismäßig neues Beispiel ist die Sigurd-Saga und ihre spätere Gestalt, die Nibelungensage. Letztere hat noch deutlich erkennbare heidnische Wurzeln in ihrer Stammesstruktur, aber ihr wurde das christliche Weltbild mehr schlecht als recht passend übergestülpt. Interessanterweise fand Odin noch seinen Platz darin in Form des Hagen von Tronje: Einäugig mit Speer und natürlich der Gegenspieler des, nun ja, christlichen Siegfrieds. Während Högni in der Sigurd-Saga einer der „Guten“ war, nämlich einer der Brüder, die später zu Gernot und Giselher werden sollten. Siegfried ist letztlich auch eine neuere Baldur-Inkarnation, mit Hagen anstelle des blinden Hödur.

Doch wir wollen uns einer modernen Neufassung der Sagas annehmen, Thor von 2011, die gleichzeitig das erreicht, was Neuheiden wie Christen überwiegend nicht wahrhaben wollen – nämlich daß alte „Götter“ und das Gotterkennen Hand in Hand gehen können.
Thor ist gar nicht schlecht darin, die alten Göttersagen in eine moderne Form zu übertragen; man erkennt noch so einiges wieder, wenn es auch einerseits in eine halbwegs wissenschaftlich begründbare (die Bewohner von Asgard sind keine Götter, sondern einfach technisch fortgeschrittene Bewohner eines anderen Weltenteiles) und andererseits eine unterhaltsame, actionreiche und bildgewaltige Geschichte umgeschrieben wurde. Aber das geschah den „Göttern“ ja seither. So sieht der vorgebildete Zuschauer selbstverständlich voraus, daß sich mit der heimlichen (weil faszinierendsten) Hauptfigur des Films, Loki, nicht alles so verhält, wie es scheint – der „Trickster“ der nordischen Sagas ist immer für eine Überraschung gut, sei es positiver wie negativer Art.

Dabei schafft Thor aber auch den perfekten Übergang zwischen zwei Glaubenssystemen, wenn man so will. Der alte Götterglaube mit seinen Negativaspekten der Blutrache und des Rechts des Stärkeren ist verkörpert in Thor vor seinem Fall oder seiner Verbannung aus dem Paradies: Mit guten Anlagen, aber hochmütig, unbeherrscht, von sich und seinen Fähigkeiten eingenommen, ruhmsüchtig und rachedurstig und dabei wenig Gedanken an die Gefühle und das Wohl seiner Nächsten verschwendend. Es bedarf, wie sein weiser Vater Odin nur zu deutlich erkennt, des bitteren Weges der Erkenntnis, um Thor zu dem zu machen, was er sein soll und kann, und so wird der Irregehende als Mensch unter Menschen geschickt, um daran zu lernen und zu reifen. Mit dem zunehmenden Verständnis für seine Nächsten und der Erkenntnis der Schuld, die er auf sich geladen hat, ändert sich Thors ganzes Wesen – bis er sich zuletzt selbst opfert, um Unschuldige zu retten. Also gleichzeitig starke christliche Elemente, inklusive Auferstehung von den Toten. Mit dem Ablegen seines Egos erhält Thor seine Kraft zurück, die er in seiner blinden Arroganz verspielt hatte.
In weniger deutlicher Art findet man diese Entwicklung auch in Loki, gleichermaßen Antagonist wie alter ego des Titelhelden. Zunächst von Geschwisterneid und Verachtung für Thors Arroganz getrieben, spielt Loki einen vermeintlich harmlosen Streich, der schnell außer Kontrolle gerät und einen Krieg auszulösen droht. Auf seine hinterrückse Art versucht Loki, das schlimmste Unheil zu verhindern, doch die Ereignisse, einmal in Bewegung versetzt, entwickeln eine Eigendynamik. So sieht Loki die Lösung und letztlich auch Erlösung nur in der Vernichtung des Feindes um jeden Preis, selbst um den Preis seines Rufes und seines Lebens, für diejenigen, die er liebt – eine dunkle Variante der Selbstaufopferung, die unterschwellig einhergeht mit der Vernichtung der dunklen Seite in sich selbst, in der Handlung dargestellt durch Lokis biologische Abstammung aus dem Volk des Feindes. Und auch Loki erlebt seinen Sturz und sein Umherirren auf unbekannten Wegen.

Greifen wir einmal zurück und nehmen wir die einstigen Bekehrungen in deutschen Landen an. Der Überlegende, der sich nicht mit der trägen Durchschnittsmenge treiben läßt, muß ebenfalls dabei in allem nur die leere und für alles Innere nutzlose Form erkennen, die damals geschaffen wurde, welche keine Gotterkenntnis bringen konnte!
Bei jedem Volke, sogar bei jedem Menschen, auch den Menschen dieser Neuzeit muß
zuerst die Grundlage zur Aufnahme der hohen Gotterkenntnisse vorhanden sein, die in der Christuslehre liegen. Nur aus einer dazu reifen Grundlage heraus darf dann und muß der Menschengeist hineingeführt werden in alle Möglichkeiten einer Gotterkenntnis durch die Christuslehre.
So ist es, und es wird so bleiben bis in alle Ewigkeit!
Könnte es anders sein, so würde Gott sich auch schon
früher haben offenbaren lassen bei den Erdenvölkern. Er tat es nicht!
Erst wenn ein Volk in der Entwickelung so weit gekommen war, daß es von dem Wirken alles Wesenhaften wußte, dann konnte es vom Geistigen erfahren, von dem Urgeistigen, dem Göttlichen, und zuletzt auch von Gott!
Doch immer nur in einer Art, die es verständnisvoll hinausführte in
höheres Begreifen durch dazu berufene Propheten, welche nie das Alte dabei stürzten. Sie bauten auf! Genau, wie es auch Christus Jesus selbst dann tat und oft in seinem Wort hervorgehoben hat, was Ihr bisher nur nicht verstehen wolltet.
Die christlichen Kirchen wollen bei Bekehrungen aber vieles Alte stürzen und als falsch erklären oder doch nichtachtend ausschalten, anstatt darauf sorgfältig weiter aufzubauen und die notwendigen Übergänge dabei zu beachten. Sie erwarten und verlangen, daß der Menschengeist unmittelbar in diese höchste Christuslehre springt.
Man achtet dabei also nicht der Gottgesetze, trotzdem man oft das Gute will.
Auch die Germanen waren damals eng verbunden mit den Wesenhaften. Viele von ihnen vermochten sie zu schauen, zu erleben, so daß ihnen an deren wirklichem Bestehen keine Zweifel bleiben konnten, ebensowenig auch an deren Wirken. Sie
sahen es und wußten es darum.
Es war ihnen die reinste Überzeugung, deshalb heilig.
Und an diesem damaligen Heiligtum rüttelte Bonifazius mit roher Faust! Er wollte den Germanen die Wahrheit solchen Wissens abstreiten und es als falsch erklären. An dessen Stelle wollte er ihnen die Formen seiner Christuslehre aufzwingen. Solche unwissende Art mußte den Germanen schon von vornherein den Zweifel bringen über die Wahrheit dessen, was
er ihnen kündete, mußte ihnen jedes Vertrauen dazu nehmen.
Er hätte ihnen die Wahrheit ihres Wissens bestätigen sollen und sie dann erklärend weiter führen in die höheren Erkenntnisse! Aber da fehlte es ihm selbst am Schöpfungswissen. Er zeigte dieses Unwissen über das Weben in der Schöpfung nur zu deutlich, wenn er Wotan und die anderen von den Germanen als wirkende Götter angesehenen Wesenhaften mit Irrglauben und als nicht bestehend bezeichnete. Wenn sie auch keine Götter sind, so sind sie doch bestehend durch Gottes Kraft und in der Schöpfung wirkend.

(Vortrag „Das Gotterkennen“)

Ein einziges Mal „sah“ ich Thor/Donar für einen Sekundenbruchteil, in einer schroffen Felsenlandschaft stehend. Worte können diesen Eindruck nicht vermitteln, aber mich wundert nicht, daß frühere Kulturen diese großen, wirklich gewaltigen Wesenhaften als Götter ansahen.

Die Tugenden kommen von Gott. Sie sind edelste Gaben, die der Schöpfer in den Menschengeist legte. Daher sind die Tugenden ewig und wandeln sich nicht. Sie gehören zu den Fähigkeiten des Geistes, die das ihm anvertraute „Pfund“ sind, mit dem er „wuchern“ soll, das heißt, daß er seine Fähigkeiten nützen soll, damit sie Segen (Zinsen) bringen.
Doch ist der Mensch nicht gleich mit fertigen Tugenden versehen worden, er selbst muß sie zum Erwachen und zum Erblühen bringen. Dazu braucht er wieder entsprechende Strahlungen aus dem All, die ihm dabei helfen.
Die Ausgangspunkte dieser Strahlungen sind in den höchsten Höhen des urgeistigen Reiches zu finden. Es sind weibliche und männliche Idealgestalten, Vorbilder für alles Menschentum, von denen jede eine Tugend verkörpert. Sie senden ihre Strahlungen in die unter ihnen liegenden Schöpfungsteile, wo sie von vielen Mittlern aufgenommen und weitergeleitet werden bis in die Nachschöpfung, die als Welt bezeichnet wird und die aus verschiedenen Stofflichkeiten besteht. Dazu gehört auch unsere Erde.
Für jede Tugend, für alle Vorzüge, ja für alles, was den Menschen überhaupt innerlich bewegt, ist es nur rein, geben diese „strahlenden Hilfen“ Anregung, Belebung und Stärkung, seien es zum Beispiel nun: Treue, Wahrhaftigkeit, Anmut, Bescheidenheit, Fleiß, Heldentum, Mut, Gewandtheit, Pflichterfüllung, Weisheit, Demut oder Barmherzigkeit.
Die alten Völker kannten die Mittler, die in der leuchtenden Helferkette von oben die letzten sind, weil sie diese mit ihren inneren Augen noch zu schauen fähig waren. Sie nannten sie „Götter und Göttinnen“, weil diese ihnen als mächtige Persönlichkeiten erschienen, von denen sie an Kraft und Stärke übertroffen wurden.
Die „Götter und Göttinnen“ sind auch noch heute da, obwohl sie von den Menschen in das Reich des Unwirklichen, Sagenhaften verbannt worden sind. „Götter“ sind es allerdings nicht, sondern Diener des Allerhöchsten, Persönlichkeiten, die in edelster Vollkommenheit, unsterblich, jung und ewig schön auf der Höhe des Olymp (Walhall) leben, der unterhalb des menschlichen Paradieses liegt. Von dort aus wirken sie vielfältig hinab in die stoffliche Nachschöpfung, lenken und führen die in der Natur schaffenden Kräfte und Elemente und wirken dabei verbindend, treibend und formend.
Diese Diener des Höchsten und noch viele andere mit ihnen stehen fest in den Gesetzen der Schöpfung und kennen nur eine Aufgabe: Erfüllung des Gotteswillens. Das schließt die ihnen von den Menschen angedichteten Willkürhandlungen aus.
Die alten Völker gaben ihnen ihrer Sprache gemäß verschiedene Namen. So ist der Zeus der Griechen wesensgleich mit dem Jupiter der Römer und dem Odin (Wotan) der Germanen.
Allmählich ging der Glaube an die Götter verloren, weil die Verbindung zu ihnen durch das immer mehr hervortretende materiell-verstandliche Denken unterbrochen wurde. Die hehren Gestalten verblaßten, wurden in der Folgezeit vermenschlicht und von Bildern verdrängt, die menschliche Phantasie schuf. […]
Es ist nicht einfach, in den mannigfachen überlieferten Mythen und Sagen den Kern des wahren Wirkens der Götter in der Schöpfung, vor allem in Hinsicht auf den Menschengeist herauszufinden, weil die vielen menschlichen Zusätze, Erweiterungen und Ausschmückungen das Wesentliche kaum erkennen lassen. Deshalb sind auch die folgenden Schilderungen über einige der Götter und Göttinnen nur als ungefähre Aussagen zu betrachten.
So finden wir zum Beispiel in Zeus (Jupiter), dem Göttervater und Lenker der Welt, das Idealbild des königlichen Herrschers; ehrfurchtgebietend und würdevoll, streng und gerecht in der Führung seines hohen Amtes. In ihm sah man die Verkörperung des Prinzips unwandelbarer Ordnung und Harmonie. Die Weisheit seines Rates und die Tiefe seines Wissens wurden besonders geachtet.
In Hera (Juno), dem weiblichen Gegenbild des Zeus, erkennen wir das Ideal der Treue. Der hohe Adel edler Weiblichkeit findet in ihr Ausdruck. Sie ist besonders dem weiblichen Geschlecht eine treue und mütterliche Beschützerin. Man verehrte sie als Hüterin der Ehe und Beschützerin der Gebärenden, welche den Menschen die Achtung vor dem Muttertum einflößte.
Pallas Athene (Minerva) wird mit Helm, Schild und Lanze als wehrhafte Göttin dargestellt. Unbeirrbar und unerschütterlich ist ihr Wirken, das durch scharfblickende Wachsamkeit, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit ausgezeichnet ist. Sie beschirmt, schützt und erhält das Vaterland und begleitet als „Kriegsgöttin“ das ausziehende Heer, wenn es gilt, das Vaterland zu verteidigen.
Appollon (Apollo) ist der sieghafte Kämpfer gegen alles Unreine und Böse, gegen die Mächte der Finsternis; die Gabe der Weissagung ist ihm zu eigen. Er soll den Menschen für das geistige Aufwärtsstreben den Rat gegeben haben: „Gib dich selbst auf.“
Artemis (Diana) leuchtet in ihrer jungfräulichen Würde als ein Vorbild der Reinheit und der guten Sitten. Auf blumigen Wiesen führt sie mit ihren Nymphen liebliche Reigentänze auf. Sie wurde besonders von den jungen Mädchen verehrt.
Ares (Mars) vermittelt Kraft, Mut und freudige Kampfeslust. Der von ihm betreute Stern „Mars“ wirkt ebenfalls seiner Gleichart entsprechend anregend und erregend. Durch seine Strahlenkräfte wie auch durch die Strahlungen der anderen Planeten formten sich Metalle, Pflanzen und Steine auf der Erde.
Aphrodite (Astarte, Venus) ist die Göttin der Schönheit und Fruchtbarkeit. Heilig war sie allen Völkern, die nach der Reinheit der Frau strebten. Sie nannten sie auch Göttin des Mondes, weil sein Licht dem Licht ihrer Sphäre ähnlich war. Anmut und Liebreiz spenden ihre Strahlungen. Die Myrte als Symbol reiner Liebe wird ihr zugeschrieben. Auch ihr Stern, die Venus, schwingt in Reinheit und Schönheit. In seinen Strahlungen formen sich im Bereich des Stofflichen Farben und Töne in wundervoller Schönheit.
Hermes (Merkurius), der schnelle Götterbote, richtet die Befehle und Aufträge des Zeus aus. Er geleitet, schützt und vermittelt. Seine Gewandtheit, mit der er seine Aufträge durchführt, und seine Demut im Dienen sind dabei Vorbilder wahrer Tugenden. Der griechischen Jugend wurde er in seiner körperlichen und geistigen Gewandtheit als lebendes Vorbild hingestellt.
Hestia (Vesta) wurde als Schutzgöttin des Heimes und der Familie geehrt. Das Herdfeuer ist ihr Symbol. Rein und lauter wie die Flamme ist auch das Wesen dieser Göttin. Kolonisten, die zur Gründung einer neuen Ansiedlung ihre Heimat verließen, nahmen von dem Altar der Hestia, auf dem ein ewiges Feuer brannte, Feuer mit als Sinnbild der geistigen Verbindung zwischen der Heimat und der neuen Kolonie. Dem reinen Wesen dieser Göttin entsprechend durften nur keusche Jungfrauen in ihrem Tempel den Dienst versehen. […]
So sind die oft geschmähten und verleugneten „Götter und Göttinnen“ in Wirklichkeit die besten Helfer der Menschen. Ihre Strahlungen wecken, fördern und stärken auch die Tugenden, die der Mensch notwendig braucht, um wieder eines wahren Menschentumes würdig zu sein.

(Herbert Vollmann: Ein Tor öffnet sich, Kapitel „Die Tugenden“

Marta Dietschy-Hillers‘ Hörspiele

Während man im Netz zahllose Berichte über Eine Frau in Berlin findet (logisch, ist das doch das Buch, durch das Leser weltweit auf Marta Hillers stoßen), sind ihre übrigen Werke eher dünn gesät. Dank Jens Bisky und seiner einseitigen Recherche im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde werden einige ihrer Artikel und redaktionellen Arbeiten aus der Nazi-Zeit erwähnt. Für ihre Werke nach dem Krieg bis zu ihrem Tod interessiert sich scheinbar kaum jemand, dabei sind einige ihrer interessantesten darunter.
In den späten 40er und frühen 50er Jahren veröffentlichte sie hauptsächlich unter dem Pseudonym Marta Moyland. 1955 wurde sie natürlich zu Marta Dietschy; ihr Autorenkürzel in Basler Zeitungen war überwiegend „Madie“ (=Marta Dietschy).

Von ihren deutschen Nachkriegshörspielen hat sich nur (aber immerhin) das Manuskript erhalten. (Vier Ringe an der linken Hand, Erstausstrahlung 25.12.49, König Punkt und seine Sippschaft, Erstausstrahlung 22.9.53)
Mehr Glück hat der Forscher und Fan bei ihren Schweizer Hörspielen, die heute noch beim SRF als Kopie bestellt werden können. (Am besten Autorin und Titel angeben.)

Hermann Hesse und Elisabeth La Roche, Erstausstrahlung 3.4.73
Ein Thema, das sie in verschiedenen Formen verarbeitete. Es begann mit ihrer Sichtung der Autobiographie Elisabeth La Roches, durch die sie die Verbindung zu Hermann Hesse ent- und generell den Dichter wiederentdeckte. Ihr Nachlaß im Staatsarchiv Basel-Stadt enthält eine unglaubliche Menge von Hesse-Dokumenten.

Vom Wälderbub zur Exzellenz (Hans Thoma), Erstausstrahlung 24.11.74
Ein Nebenzweig der Hesse/La Roche-Recherche. Elisabeths ältere Schwester Marie war Schülerin des Malers.

Johanna Spyri, Erstausstrahlung 13.7.75
Wohl aufgrund eines Urlaubs in der Heimat der Schriftstellerin entstanden.

Die Marlitt – Geschichte eines Erfolges, 7.12.75
Eine interessante Querverbindung zu Marta Dietschy-Hillers’ eigenem schriftstellerischem Schaffen. Sie arbeitete vor allem die feministischen und demokratischen Tendenzen im Werk der Schriftstellerin heraus.

Elisabeth La Roche: Ein Leben für den Tanz, 16.11.76
Hier nun Elisabeth La Roches eigenständige Lebensgeschichte; Hermann Hesse wird natürlich erwähnt.

Buxtehudes Töchter, (Teil 1 und 2) Erstausstrahlung 1978
Ein Hörspiel um den Komponisten und – wie der Titel schon vermuten läßt – seine Töchter.

„Droben stehet die Kapelle…“ Eine musikalisch-poetische Reise, Erstausstrahlung 17.4.81
Ebenfalls das Ergebnis eines Urlaubes: Die Wurmlinger Kapelle in Gedicht und Lied.

Ein unbekanntes Werk des jungen Hermann Hesse, Erstausstrahlung 20.2.82
Damals noch unveröffentlicht und von Marta im La-Roche-Nachlaß entdeckt. Es handelt sich um die unbetitelte, inzwischen „Der Dichter“ benannte erotische Novelle, in der der junge Hesse Teil seiner Phantasiebeziehung mit Elisabeth La Roche literarisch auslebte.

Jolanthe Marès – Die Schriftstellerin von Berlin W. Teil 10. Ausgewählte Bibliographie

Lilli. Berlin: Borngräber, 1914
Lillis Ehe. Berlin: Borngräber, 1914
Begierde. Berlin: Borngräber, 1916
Mütterreigen. Berlin: Borngräber, 1917
Seine Beichte. Berlin: Borngräber, 1918
Das große Unrecht. Berlin: Borngräber, 1919
„Der Kater“, in: Reigen, Dezember 1919. Berlin: Borngräber
Die fremde Frau. Berlin: Neufeld & Henius, 1920
„Berlin W und seine Frauen“, in: Beiträge zur Sexual-Reform, Nr. 1 [ca. 1920]. Berlin: Reform-Verlag „Futuria“
Verschenktes Leben. Berlin: Schuster & Loeffler, 1921
Die Sünderin. Leipzig: Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung, 1922
Stationen der Liebe. Leipzig: Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung, 1922

„Die Genehmigung“, in: Berliner Leben, 26. Jahrgang 1923, Nr. 10
„Seine Väter“, in: Berliner Leben, 26. Jahrgang 1923, Nr. 14
Dela Steinthal. Leipzig: Borngräber, 1923
„Die Falle“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 2 (als Jolanthe Marée)
„Die eine Einzige – -“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 8
„Laune?“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 9
„Temperierte Liebe“, in: Reigen, 5. Jahrgang 1924, Nr. 6
„Die Unschuldige“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 15
„Das Resultat“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 17
„Liebessport“, in: Reigen, 5. Jahrgang 1924, Nr. 9
„Die Ausstattung“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 22
„Der Mut zur Sünde“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 29
„Verein zur Hebung von Sittlichkeit und Moral“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 30
„Der Kavalier“, in: Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 34
Elegantes Pack. Berlin: Almanach-Kunstverlag, 1925. Im Vorabdruck in Berliner Leben, 27. Jahrgang 1924, Nr. 24-33
„Die eine Einzige“, in: Das Magazin, 1925, Nr. 6. Berlin: Seitenstraßen-Verlag (nicht identisch mit der gleichnamigen Geschichte in Berliner Leben)
„Aschermittwoch“, in: Berliner Leben, 28. Jahrgang 1925, Nr. 10
„Sinnenrausch“, in: Berliner Leben, 28. Jahrgang 1925, Nr. 14
„Josefas Erlebnis“, in: Reigen, 6. Jahrgang 1925, Nr. 6
Idee zu Liebesfeuer (1925, Davidson-Film AG)
„Eine Weihnachtsbescherung“, in: Reigen, 6. Jahrgang 1925, Nr. 12
„Das beruhigte Gewissen“, in: Berliner Leben, 29. Jahrgang 1926, Nr. 1
„Die lustigen Ehemänner“, in: Reigen, 7. Jahrgang 1926, Nr. 2
„Die Maske“, in: Das Magazin, 1926, Nr. 7
Inge – seine Frau. Berlin: Internationale Bibliothek, 1927
„Wie es kam“, in: Der Junggeselle, 9. Jahrgang 1927, Nr. 23. Berlin: Deutsche Kunstdruckgesellschaft
Die Männer um Sibylle Wengler. Berlin: Globus-Verlag, 1930
Die Mausefalle Liebe. Berlin: P. J. Oestergaard, 1932
Sonja Holms Ehe. Reutlingen: Ensslin & Laiblin, Juni 1932
Unsterbliche Liebe. Berlin: Erika-Verlag, 1933
Meine Frau und ich. Halle: Fünf-Türme-Verlag, 1934

Übersetzungen

Lilli. Budapest: Herczka, 1918 (ungar. Übers.)
Legen med kvindehjerter. Hans Skriftemaal. Kopenhagen, 1918 (dän. Übers. von Seine Beichte)
Lilli házassága. Budapest: Herczka, 1919 (ungar. Übers. von Lillis Ehe)
Begær. Kopenhagen, 1919 (dän. Übers. von Begierde)
Vágy. Budapest: Kultura Könyvkaidó és Nyomda, 1919 (ungar. Übers. von Begierde)
Szenvedély, amely öl. Budapest: Nova Irodalmi Intézet, 1925 (ungar. Übers. von Seine Beichte)
Egy asszony, aki ugy él mint a férje. Budapest: Nova Irodalmi Intézet, 1925 (ungar. Übers. von Dela Steinthal)
Tāda ir dzīze. Riga: Orient, 1930 und Riga: SIA Elita, 1996 (lett. Übers. von Lilli)
Великая неправда. Riga: Kniga dlja wsech, 1931 (russ. Übers. von Das große Unrecht)

Verfilmungen

Lilli (1919)
Lillis Ehe (1919)
Seine Beichte (1919)
Three Women (1924)

Literaturverzeichnis

Berliner Leben. Berlin: 1922-1928
Budke, Petra und Schulze, Jutta: Schriftstellerinnen in Berlin 1871 bis 1945. Berlin: Orlanda-Frauenverlag, 1995
„Das war ein Vorspiel nur…“ Bücherverbrennung Deutschland 1933. Berlin und Wien: Medusa-Verlagsgesellschaft, 1983
Gunga, Luise: „Zimmer frei“. Berliner Pensionswirtinnen im Kaiserreich. Frankfurt und New York: Campus-Verlag, 1995
Der Junggeselle. Berlin: Deutsche Kunstdruckgesellschaft, 1922-1927
Krey, Franz: Maria und der Paragraph. Berlin u. a.: Internationaler Arbeiter-Verlag, 1931
Das Magazin. Berlin: Seitenstraßen-Verlag, 1925-1926
Marchlewitz, Ingrid: Irmgard Keun – Leben und Werk. Würzburg: Königshausen & Neumann, 1999
Reigen. Berlin: Borngräber, 1919-1926
van de Velde, Theodoor: Die vollkommene Ehe. Rüschlikon-Zürich: Albert-Müller-Verlag, 1926
Weber, Hans von: „Die Schreckenskammer“, in: Der Zwiebelfisch, 11. Band 1920
http://www.berlin.de/rubrik/hauptstadt/verbannte_buecher/
http://www.geschichtsportal-nordhausen.de/index.php?id=stammtafeln (Lesser, Johannes 001)


Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9

Jolanthe Marès – Die Schriftstellerin von Berlin W. Teil 9. Szenen dreier Ehen: Sonja Holms Ehe, Unsterbliche Liebe und Meine Frau und ich

„[…] Das war nicht mehr Sonja Holm, das war eine Frau, deren Größe zusammenschrumpft vor ihrer Liebe.“
„Wenn es so ist, so wäre es doch ein großes Glück.“ […]
„Ein Glück für Achim sicherlich; ob für Sonja, die von ihrer Liebe und von Achim überhaupt nun ganz abhängig wird, das weiß ich nicht.“
(1)

Die bekannte Schauspielerin Sonja Holm heiratet in eine Landadelsfamilie ein. Obwohl von den engsten Verwandten ihres Mannes großzügig aufgenommen, muß sie sich immer wieder gegen Hochmut und Vorurteile ihrem Beruf gegenüber wehren und kann die in sie gesetzten Erwartungen, als Gutsherrin zu walten, nicht erfüllen. Als sie auch noch eine Fehlgeburt erleidet, erträgt sie die Situation nicht länger. Sie kehrt zur Bühne zurück und bricht darüber mit ihrem Mann. Erst ein tragischer Todesfall führt sie wieder zusammen.
Ländliche Idylle prallt auf Berliner Großstadtleben, Karrierefrau beugt sich dem starken Mann, Germanentypus. Obwohl mit der adligen, aber berufstätigen Irene auch eine emanzipierte Frau vertreten ist, strebt alles in der Handlung von Sonja Holms Ehe zurück zur Unterwerfung unter den Willen des Mannes, zur Einsicht, daß Eigenständigkeit ein Heim nicht aufwiegt, daß der Mann und seine Familie in allem recht haben und daß eine andere Meinung nur verirrtes, selbstsüchtiges Denken war. Der Leser erkennt hier eine Rückwärtsentwicklung oder auch eine bedenkliche Vorwärtsentwicklung in Richtung der Ideale nazistischer Ausprägung.
Ein ausgesprochen humoristischer Seitenhieb ist der Besuch bei den Dreharbeiten zu einem Stummfilm, der mit seinen Elementen „Ehemann erschießt untreue Ehefrau“ und „Theaterbrand“ verdächtig nach Marès’ Liebesfeuer klingt…

Ein merkwürdiges Konglomerat ist Marès’ vorletzter Roman Unsterbliche Liebe von 1933. Seine Helden sind mehr der wilhelminischen Zeit verhaftet als der Neuzeit; so ist Klaus Winkler als Bräutigam vergangener Tage wesentlich älter als seine junge Braut, die wiederum weder von Berufsleben noch Selbständigkeit etwas wissen will, sondern sich anschmiegsam und hilfebedürftig nur nach Heim und Herd sehnt. (Tatsächlich ähnelt ihre Beschreibung auffallend Elisabeth aus Verschenktes Leben.) Als sie – ganz Courths-Mahlersche Bettelprinzeß – durch die Umstände gezwungen wird, einen Beruf zu ergreifen und sogar darin erfolgreich ist, so bedeutet dies für sie keine Erfüllung, sondern nur armseligen Ersatz für jene Frauen, denen die weibliche Bestimmung Heirat verwehrt bleibt. Diese vergangenen Zeiten entsprungene Heldin, die von einem Biedermeierzimmer träumt, schickt Autorin Marès in einer fast gezwungenen Anerkennung der Gegenwart von 1933 in einen Kinofilm mit Hans Albers…
In Unsterbliche Liebe stehen sich zwei Frauenbilder gegenüber, die Marès eigentlich bereits überwunden hatte: Die blonde, blauäugige Heldin Sibylle, jungfräulich, sanftmütig, deren Natur nach dem Mann sucht, an den sie sich anlehnen kann und die ihr höchstes Glück in Ehe, Familie, Haushalt sieht – im Kontrast dazu ihre Gegenspielerin, ganz Typus Neue Frau, geltungsbedürftig, berechnend, verschwenderisch, kokett, unabhängig vom Mann, in dem sie nur finanzielle Absicherung sucht. Kinder lehnt sie strikt ab. Nicht nur ist sie schwarzhaarig, sondern trägt (wohl nicht zufällig) den jüdischen Namen Ruth und ist darüber hinaus ihrem leichtlebigen Bruder in latentem Inzest verbunden. Auffällig ist dazu, daß in diesem Roman erstmals die „Scheußlichkeit“ des Schminkens angeprangert wird, dies gleich mehrfach und immer im Zusammenhang mit fragwürdigen Frauen – in offener Übereinstimmung mit der Losung der Nationalsozialisten, eine deutsche Frau schminke sich nicht.
Unsterbliche Liebe erschien im Berliner Erika-Verlag, der sich auf Frauen-/Liebesromane konzentrierte und zwar, wie ein Blick in das Verlagsprogramm von 1933 verrät, ganz im Sinne der neuen Machthaber: Heimat und Deutschtum stehen im Zentrum des Geschehens, tüchtige deutsche Mädels finden den Richtigen, Bodenständigkeit wird belohnt, Hochmut dagegen bestraft. Es ist erstaunlich zu sehen, wie schnell das in den frühen 30er Jahren noch sehr variierte kulturelle Leben in Deutschland mit Machtübernahme der Nationalsozialisten auf einen einheitlichen Kurs umschwenkte, eine übereifrige, freiwillige Gleichschaltung, bedingt durch politische Sympathien und geschäftlichen Opportunismus.

Wie verhielt es sich nun mit Jolanthe Marès? Ihre rasche Anpassung nach solch emanzipierten Romanen wie Begierde, Dela Steinthal, Inge – seine Frau und Die Mausefalle Liebe, gekoppelt mit ihrer über die Jahrzehnte gleichgebliebenen Anschauung von Ehe und Familie als wahrem Beruf der Frau, läßt mutmaßen, daß sie über die politische Entwicklung erleichtert war, vielleicht von einer Begeisterung für das neue Deutschland mitgerissen wurde. So unterschrieb sie ihren Aufnahmeantrag in den Reichsverband Deutscher Schriftsteller „mit treudeutschem Gruß“(2). Doch wieder verwirrt Marès, denn im Folgejahr erschien Meine Frau und ich.

Erst in diesem ihrem letzten Buch findet Marès zu einem modernen Ehebild. Hannelore Cleven ist erfolgreiche Angestellte in einem Warenhaus und glücklich in ihrer Arbeit und Karriere. Als ihr Ehemann, der Architekt Olaf, während der auf den Börsencrash folgenden großen Arbeitslosenwelle von 1931 entlassen wird, findet sie sich in der Rolle als Alleinversorgerin wieder und packt die Aufgabe weitsichtig und verantwortungsvoll an. Doch Olaf erträgt es nicht, sich von seiner Frau aushalten zu lassen, und so verläßt er sie kurzerhand, um allein wieder auf die Füße zu kommen. Er verdingt sich als Taxifahrer; als er auch diese Anstellung verliert, spielt er mit dem Gedanken an Selbstmord. Das resolute Proletariermädchen Erna nimmt sich seiner an, verschafft ihm Unterkunft und überzeugt ihn, endlich seinen Hochmut zu überwinden und das ihm zustehende Arbeitslosengeld zu akzeptieren. Ihre Romanze im armen Osten Berlins nimmt jedoch ein tragisches Ende, als Erna von ihrem kriminellen Ex-Freund schwer verwundet wird und einige Tage darauf stirbt. Über Bekannte in seinem neuen Milieu gerät Olaf an eine Komparsenrolle beim Film. Hier entdeckt er überraschende neue Möglichkeiten für einen Architekten: In den Spielpausen beginnt er, Szenenbilder zu entwerfen. Hannelore derweil hat eine Untermieterin aufgenommen, um nicht in eine leere Wohnung heimkehren zu müssen. Zwei Männer werben um sie, der Kunstflieger Buß und Direktor Rennert, eine Reisebekanntschaft. Doch sie fühlt sich unfähig, eine neue Beziehung einzugehen. Olaf hingegen glaubt sie aufgrund eines Mißverständnisses längst in anderen Händen. So vergeht ein Jahr. Nach einer weiteren Beschäftigung als Verkäufer an einem Bücherkarren werden Olafs Entwürfe von dem aufsteigenden Regisseur Sawaal entdeckt. Er holt Olaf als festes Mitglied in sein kreatives Team. Nun finanziell abgesichert und mit einer schönen, aber oberflächlichen Schauspielerin liiert, entschließt sich Olaf, endlich die überfällige Scheidung in die Wege zu leiten. Auch Hannelore hat sich schließlich durchgerungen, Rennert ihr Jawort zu geben.
Es ist schade, daß Jolanthe Marès diese schön gezeichnete Handlung nicht mit einem still-traurigen, aber realistischen Ende ausklingen ließ. So kommt es im besten Heile-Welt-Stil kurz vor Toresschluß noch zur Aussprache zwischen den entfremdeten Eheleuten, in der alle Zweifel beseitigt, die alten Gefühle bekräftigt und neue Partnerschaftspläne über Bord geworfen werden. Dennoch spürt man, daß sich die Autorin endlich in eine neue Zeit hineingearbeitet hatte – die, genaugenommen, bei Erscheinen des Buches von den politischen Ereignissen bereits wieder überholt worden war.

Meine Frau und ich blieb gezwungenermaßen Marès’ letztes Werk; ab 1935 ließ sie nicht mehr unter ihrem Künstlernamen in den Berliner Telefonbüchern verzeichnen. Als der Berliner Bibliothekar Dr. Wolfgang Herrmann 1933 seine „Schwarze Liste“ derjenigen Bücher, die aus Buchhandel und Büchereien zu entfernen seien, erstellte, fanden Marès’ Werke noch keinen Niederschlag darin. Bereits 1936 allerdings stand ihr Gesamtwerk auf der Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums der Reichsschrifttumskammer. In ihrem Antrag zur Aufnahme in die RSK im November 1937 – wohl ein Versuch, wieder in Lohn und Brot zu kommen – gab Marès an, seit 1933 keine Einnahmen aus schriftstellerischer Arbeit mehr bezogen zu haben und seit zwei Jahren nicht mehr schriftstellerisch tätig gewesen zu sein. Als sich dieser Antrag jedoch mit einer Notiz im Organ der Reichspressekammer, der Deutschen Presse, überschnitt, vor Annahme von Schriften Marès’ seien Erkundigungen einzuholen(3), zog die Autorin die Konsequenz und gab das Schreiben auf.(4)

1945, als mit der bevorstehenden Niederlage Deutschlands das Ende ihres Landes, das sie liebte, gekommen schien, entschloß sich die nun 78jährige zum Freitod. Sie verweigerte jegliche weitere Nahrungsaufnahme und starb am 12. April. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof Wilmersdorf.


(1) Sonja Holms Ehe, S. 38

(2) Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde: BArch (ehemaliges BDC) R9361-V/9813

(3) Ebenda; Meine Frau und ich war in Unkenntnis der Sachlage in der Zeitschrift Jede Woche ein Roman! abgedruckt worden.

(4) Ebenda


Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 10

Jolanthe Marès – Die Schriftstellerin von Berlin W. Teil 8. Anders, aber nicht zwangsläufig schlechter: Die Frauen in Die Mausefalle Liebe

„[…] Auch dürfen Sie nicht vergessen, liebe Renate, daß die Männer gelernt haben, Achtung zu haben vor Geist und Persönlichkeit der Frau. Ihr Mädchen von heut habt vor uns voraus, daß ihr euch den Männern gleichberechtigt an die Seite stellen könnt.“(1)

Einen ernstgemeinten Versuch, das Rollenverständnis Frauen damals – Frauen heute zu durchleuchten, stellt Die Mausefalle Liebe von 1932 dar. Inzwischen, so will es scheinen, hatte die Autorin gelernt, daß die gefürchtete „Neue Frau“ nicht gleichbedeutend war mit Dirne, und daß auch die berufstätige, bindungsunwillige Jugend durchaus ihre Wertvorstellungen hatte. So sind ihre drei Protagonistinnen Ursula Schön, Hedda Wiegand und Renate Moraht bei allem Flirt und aller Lebenslust anständige junge Frauen, denen ihre Müttergeneration fast entschuldigend veraltete Anschauungen abbittet – man meint, Jolanthe Marès’ gewandeltes Verständnis darin zu lesen.
Dennoch landen auch diese unabhängigen Heldinnen letztlich im Hafen der Ehe, dem altbewährten wahren Beruf der Weiblichkeit. (Von dem wahren Beruf eines Mannes als Gatte und Vater ist merkwürdigerweise nie die Rede.) Daß eine Frau nicht nur Versorgung, sondern auch Erfüllung in ihrer Berufstätigkeit finden könnte, soweit sollte Marès’ Vorstellungsvermögen trotz mancher geänderter Sicht Zeit ihres Lebens nicht reichen.

Die lebenslustige Ursula sammelt Verehrer, ohne sich dabei zu mehr als harmlosen Flirts hinreißen zu lassen – sie wartet auf die große Leidenschaft. Renate hat in Peter die Liebe ihres Lebens gefunden, doch eine Schwangerschaft und damit verbundene Besitzansprüche Peters treiben sie auseinander. Die freischaffende Modeschöpferin Hedda geht in ihrer Arbeit auf, bis Streß und Überarbeitung sie zum Umdenken zwingen.
Die Mausefalle Liebe ist neben Begierde einer der besten Marès-Romane; er ist auch, anders als alle übrigen Werke, ein von Grund auf positiv, heiter gestimmter Roman und eine Studie des jungen Berlins Anfang der 30er Jahre. Er glänzt mit spritzigen Dialogen, die man – ebenfalls im Gegensatz zu Marès’ meisten anderen Werken – so auch im realen Leben hören könnte. Gravität bringt Renates Handlungsstrang in die Erzählung, deren Ängste hinsichtlich der Ehe sich auf dem Fuße erfüllen. Sobald Renate dem geliebten Peter gesteht, sie sei schwanger, stellt er Forderungen: Sein Kind solle ehelich zur Welt kommen, er wünsche nicht, daß seine Frau arbeite, sondern daß sie den Haushalt führe… Und zu guter Letzt akzeptiert Renate all diese Bestimmungen über ihr Leben, aus Liebe, versteht sich. Daß sie die Schattenseiten dieses offenkundig noch immer als Ideal betrachteten Verhaltens bereits in Inge – seine Frau ausgelotet hatte, war Marès wohl nicht mehr bewußt.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei einem Vergleich des „Augenkontaktes“ mit Fremden, den Marès’ Frauengestalten seit Lilli suchen:

Dann nimmt sie ihn aufs Korn und fixiert ihn scharf. Er stutzt, kommt an uns vorbei. Suse läßt ihn nicht aus den Augen und lächelt ihn an.(2)

Schnell wanderten ihre Augen in die Runde, um festzustellen, ob die Umsitzenden auch von ihrem Erscheinen genügend Notiz genommen hätten.(3)

Sie knöpfte sich den Mantel zu, zog die Handschuhe an und warf noch einen Glutblick zu dem Nebentisch hinüber, an dem ein ältlicher, weißhaariger Herr sie stark fixierte.(4)

War der Blickkontakt in der ersten Hälfte ihres literarischen Schaffens noch den leichtlebigen, moralisch anstößigen Charakteren ihrer Romane vorbehalten und immer mit einem gesuchten Flirt (oder mehr) verbunden, so hat sich dies in Die Mausefalle Liebe geändert:

Während ihre Lippen sich zu einem Lächeln wölben, schickt sie ihre Blicke auf die Wanderschaft. Viele Augen ruhen mit Bewunderung und Begehrlichkeit auf ihr. Sie quittiert mit einem leichten Augenblinzeln. Es wirkt aufmunternd, aber nicht herausfordernd, dieses Blinzeln. Die Männer fühlen, es ist viel Lebensfreude um diese Frau, und das macht ihnen warm. Ihre lichte, blonde Erscheinung ist wie ein Sonnenstrahl. (5)

Auch gesellschaftlich beurteilt man die tanz- und modefreudigen jungen Frauen inzwischen anders:

„Die Frauen hier in Berlin erwecken den Eindruck, als haben sie nichts weiter zu tun, als sich zu amüsieren und sich für den Mann zu schmücken, und doch stehen die meisten im Berufsleben und erfüllen getreu ihre Pflichten. Immer finden sie noch Zeit, an ihre äußere Erscheinung zu denken. Man sieht viele geschmackvoll und elegant gekleidete Frauen in Deutschland.“
„Wir sind auch stolz auf unsere Frauen, die über ihrer Berufstätigkeit die Pflichten nicht vergessen, die sie an uns zu erfüllen haben.“
(6)

Die Tragik früherer Anschauungen findet ihre Darstellung in Ursulas Kollegin Fräulein Stoßmeister, der „grauen Motte“:

„Das sagen Sie, die Sie in eine neue Welt hineingeboren sind. Ich, die ich noch in der alten gelebt habe, bin beschwert worden mit Vorurteilen und Moralgesetzen. Früher hatte man Hemmungen.“
„Die hat man auch heut noch.“
„Zugegeben. Aber wer sie hat, der hat sie mit Verstand – nach seinen eigenen Erwägungen und Prinzipien, liebes Fräulein Schön. Das nämlich ist der springende Punkt. Weil ich nicht durfte – einfach nach vorgeschriebenen Grenzen nicht konnte – bin ich eingeschrumpft – seelisch und körperlich. Es wurde uns doch eingeimpft ins Blut – das Sichaufsparen für den einen Mann – und – das Treuehalten.“
(7)

Jedoch zieht sich durch die Handlung eine Kritik an der heiratsunwilligen weiblichen Jugend, die sich in der Arbeit für Fremde plagt, bei Fremden wohnt und deren Launen ausgesetzt ist, anstatt sich ein eigenes Heim zu schaffen, kurzum: als Hausfrau und Mutter die wahre Berufung zu finden. Hatte sich Jolanthe Marès in Mütterreigen und Das große Unrecht noch bemüht, eine Lanze für die Anerkennung unverheirateter Mütter zu brechen, so akzeptierte die weibliche Folgegeneration bereits ganz selbstverständlich die Möglichkeit, ein Kind ohne Vater aufzuziehen – in einem Maße, daß es Marès offenbar schon wieder daran gelegen war, für die intakte Familie zu werben.


(1) Die Mausefalle Liebe, S. 7

(2) Lilli, S. 99f.

(3) Dela Steinthal, S. 63

(4) Ebenda, S. 65f.

(5) Die Mausefalle Liebe, S. 18

(6) Ebenda, S. 21

(7) Ebenda, S. 38


Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 9
Teil 10