Von Trollen und Ironie

Eineinhalb Jahre nach dem Fakt entdeckt, daß mir der leicht trollisch veranlagte Kommentator auf Wikipedia eine Antwort hinterlassen hat (ebenfalls um ein halbes Jahr verspätet). Natürlich werde ich seine Anmache nicht noch würdigen; don’t feed the troll und all das. Aber seine Bemerkung zu den Verlagen (er hat offenbar noch nie versucht, ein Manuskript bei einem Verlag unterzubringen) erinnerte mich daran, daß ich noch nie erwähnt habe, wie es damals ging, als ich eben dieses versuchte.
Rowohlt und Osburg hatten Interesse an dem Manuskript. Gerade über Rowohlt als Verleger hätte ich mich sehr gefreut, wegen der Verbindung, die Marta Hillers und insbesondere Kurt Marek zu diesem Verlag hatten. Aber am Ende lehnten beide Lektoren bedauernd ab, weil ihnen das Manuskript „zu akademisch“ war, mit all den Zitaten und Quellenangaben. Sie glaubten nicht, daß dieser Stil ein breiteres Publikum anspräche. Da ich ein komplettes Umschreiben des Manuskripts ablehnte, veröffentlichte ich am Ende über Books on Demand.

Es ist schon ironisch, daß mich genau diese Tatsache nun einerseits daran hindert, die Biographie als Quelle auf Wikipedia anzugeben, und andererseits Zweiflern wie dem anonymen Kommentator vermeintlich als Munition dient. Und daß das Manuskript akademischen Verlagen vermutlich als zu populärwissenschaftlich erschienen wäre. Es ist eine gute Sache, daß ich Ironie sehr zu schätzen weiß.

Ironie

Oder: Was eine Google-Suche so alles enthüllt.

Wikipedias Quellen-Richtlinien leuchten mir nicht ganz ein. Stellte nun fest, daß meine englische Artikelserie zu Marta im Berlin-Tempelhof-Eintrag zitiert wurde und das offenbar den Regeln entspricht. Meine Biographie als solche, von der die Blogserie ja nur eine übersetzte Kurzfassung ist, würde den Regeln allerdings nicht entsprechen, weil sie eine On-demand-Veröffentlichung ist. Hm.

Oh, und übrigens ist die Serie auf DVD erhältlich und diente als Grundlage für den Film A Woman in Berlin. Ich sollte dringend meine Tantiemen einfordern.

Rumours, exaggerations, and misunderstandings

An episode on BBC Radio 4 that I discovered only recently dealt, among other things, with A Woman in Berlin.
It was broadcast in 2013, so I will grant that the attendants couldn’t know any better since neither my German biography of Marta Hillers nor its abridged English version existed back then. So they simply repeated the usual rumours (which, however, are very hard to kill even now). But things took a bizarre turn when they actually stated that the German government banned the book in 1959/1960.
In that spirit, I want to address a few of the most persistent falsehoods attached to A Woman in Berlin. No, the book was never banned, neither by the government nor anyone else. It was never taken off the market; it simply never saw a second print run. There was no widespread outrage about the book. There were hardly even any reviews, and most of the few that I did manage to find were positive.

Some reviewers today, mainly from the US, are claiming that Marta Hillers lived in East Berlin in the spring of 1945. That’s simply a case of not knowing the facts about the fall of Berlin. During the time covered by Marta’s narrative there was no East and West Berlin yet, no Soviet zone. The Red Army conquered Berlin as a whole, plain and simple. US and other Allied troops didn’t move in until a while afterwards – in fact, Marta wrote about it in her book! And she never lived in East Berlin. It was Tempelhof at first, later Zehlendorf, both in the American sector or zone.

Die Kuckucks auf DVD

Da sich bei der DEFA-Stiftung *lange* Zeit nichts Neues in Sachen ihrer DVD-Serie „Brüche und Kontinuitäten“ tat, gab ich irgendwann auf, regelmäßig nach den Kuckucks Ausschau zu halten. Inzwischen aber ist der Film veröffentlicht: https://www.amazon.de/sagen-unseren-Kindern-Kuckucks-DVDs/dp/B01N6JNNIC/ref=sr_1_1?s=dvd&ie=UTF8&qid=1489580643&sr=1-1&keywords=B01N6JNNIC

Nirgendwo erwähnt findet man natürlich, daß Marta Hillers Co-Autorin des Drehbuchs war (unter ihrem Pseudonym Marta Moyland), gemeinsam mit Robert Stemmle. Ich schrieb bereits, daß sie eine idealisierte Version ihres Großcousins Hans Wolfgang Hillers in Gestalt von Heinz Krüger in der Handlung unterbrachte, komplett mit einem (fast) Originalzitat seiner selbst aus dem Theaterstück Die Töchter des Präsidenten, das die beiden Hillerse auch als Drehbuch der DEFA angeboten hatten.


Now available on DVD is DEFA film Die Kuckucks for which Marta Hillers co-wrote the script (under her pseudonym Marta Moyland), together with Robert Stemmle. I already mentioned that she put an idealised version of her cousin Hans Wolfgang Hillers into the story, in the character of Heinz Krüger, complete with an (almost) original quote of his from the play Die Töchter des Präsidenten which the two Hillers had also offered to DEFA as a movie script.

„Eine Frau in Berlin“ nun in arabischer Übersetzung

Bei Goodreads fiel mir seit kurzem ein auffälliger Zuwachs an arabischen Rezensionen von Eine Frau in Berlin auf. Eine Suche ergab, daß tatsächlich seit offenbar Oktober eine arabischsprachige Ausgabe auf dem Markt ist:

2016arabisch

(Erhältlich u. a. hier.)
Interessant ist in diesem Fall natürlich das Titelbild. Irre ich mich, oder sind das amerikanische GIs? Das kann auf simplem Nichtwissen des Umschlaggestalters beruhen, kann aber auch eine sehr politische Aussage sein!

Women, War and Peace Project 2015/16

Ein mit Marta zusammenhängendes Projekt war Women, War and Peace, das von der sozial- und bürgerrechtsbasierten Theatergesellschaft Smashing Times geleitet wurde. Im September fand dazu ein Symposium statt, damit verbunden die Inszenierung The Woman is Present, in der auch Martas Geschichte dargestellt wurde. (Es sind interessante Lebensbilder dabei, wer sich einmal durch das Infomaterial lesen möchte.)
Zu meiner Überraschung gehört auch die Uni Hannover zu den Projektpartnern. In einer seltsam bescheidenen Geste schweigt sie sich jedoch in ihren Pressemitteilungen und Veröffentlichungen darüber aus – Arne Schrader aus dem Institut für Didaktik der Demokratie war bei der Plenarsitzung dabei, daher vermute ich, daß der hannoversche Beitrag von dort stammt. Daß bei der Personenforschung nicht nur die campusansässige Biographin Marta Hillers‘, sondern gleich die gesamte Biographie übersehen wurde, obwohl sie im Bestand der Fachbibliothek Sozialwissenschaften vorhanden ist, irritiert bis ärgert mich leicht, bestätigt aber leider auch meine langjährige Erfahrung in Sachen faule Forscher. Über Wikipedia geht kaum jemand hinaus, so eben auch hier nicht. (Obwohl gerne auf eines „meiner“ inzwischen im Netz verbreiteten Marta-Fotos zurückgegriffen wurde.)