Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: „There is no such thing as spirit. We are made of matter and nothing more. We’re just a tiny, momentary speck within an indifferent universe.” – Der schwere Weg zu geistiger Größe in Doctor Strange

English translation in the comments section.

Kümmert euch nicht um Spötter, die dem Geistesleben noch entfremdet sind. Wie Trunkene, wie Kranke stehn sie vor dem großen Schöpfungswerke, das uns so viel bietet. Wie Blinde, die sich tastend durch das Erdendasein schieben und all die Herrlichkeit um sich nicht sehen!
Sie sind verwirrt, sie schlafen; denn wie kann ein Mensch zum Beispiel noch behaupten, daß nur das ist, was er sieht? Daß dort, wo er mit seinen Augen nichts bemerken kann, kein Leben ist? […] Weiß er nicht schon von vielen Dingen jetzt, wie eng begrenzt die Fähigkeit des Auges ist? Weiß er noch nicht, daß sie mit der an Raum und Zeit gebundenen Fähigkeit seines Gehirns zusammenhängt? Daß er aus diesem Grunde alles, was sich
über Raum und Zeit erhebt, mit seinem Auge nicht erkennen kann? Wurde noch keinem dieser Spötter solche logische Verstandesbegründung klar? Das Geistesleben, nennen wir es auch das Jenseits, ist doch nur etwas, das völlig über der irdischen Raum- und Zeiteinteilung steht, das also einen gleichartigen Weg benötigt, erkannt zu werden. […]
Man könnte also sagen: das Jenseits ist, was jenseits der Erkennungsfähigkeit unserer körperlichen Augen ist.
Eine Trennung aber zwischen Dies- und Jenseits gibt es nicht! Auch keine Kluft! Es ist alles einheitlich, wie die gesamte Schöpfung. Eine Kraft durchströmt das Diesseits wie das Jenseits, alles lebt und wirkt von diesem einen Lebensstrom und ist dadurch ganz untrennbar verbunden. […]
Den Begriff der Trennung hat allein der Mensch erfunden, weil er nicht alles sehen kann und sich als Mittelpunkt und Hauptpunkt der ihm sichtbaren Umgebung dünkt. Doch sein Wirkungskreis ist größer.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Erwachet!“)

Hauptsächlich von seiner an Inception erinnernden Bilderwucht lebend (leider mitunter auf Kosten der Handlung und Charakterzeichnung), bietet Doctor Strange aus dem Marvel-Comicuniversum doch so einiges, das ihn für diese Artikelserie interessant macht. Es finden sich sogar manche Parallelen zu Erdenbann, dem 1925 uraufgeführten Theaterstücks Oskar Ernst Bernhardts (Abd-ru-shins), das bereits viele grundlegende Themen der späteren Gralsbotschaft anreißt.
Dr. Stephen Strange ist ein Star der Neurochirurgie, doch der Erfolg seiner „magischen“ Hände hat seinem Charakter nicht gutgetan. Hochmütig, egozentrisch und von sich und seinen unbestreitbar vorhandenen Fähigkeiten eingenommen, zählt für ihn nicht das Wohl seiner Patienten, sondern nur der Ruhm, der mit ihrer Heilung einhergeht. „Gewöhnliche“ oder unheilbare Fälle interessieren den ehrgeizigen Arzt entsprechend nicht, sondern lediglich solche, an die sich niemand anderes herantraut, die jedoch Erfolg versprechen. Bis er einen schweren Autounfall erleidet, in dem seine Hände schwer verletzt werden – unheilbar für die Zwecke seiner millimetergenauen chirurgischen Arbeit. Strange greift nach jedem Strohhalm, der sich ihm bietet, verpulvert sein gesamtes Vermögen für experimentelle Verfahren, doch alles ohne Ergebnis. In seinem Selbstmitleid stößt er selbst die wenigen Personen zurück, die ihm freundlich gegenüberstehen. Seine letzte verbliebene Hoffnung ist ein Fall, der allem medizinischen Verständnis widerspricht: Ein Patient, der von einer vollständigen Querschnittslähmung genesen ist. Ein Patient, dessen Behandlung Strange ablehnte – unheilbar, kein Ruhm, der zu ernten war, wie ihm der Betroffene mit klarem Blick vorhält. Dennoch verweist er Strange auf seinen Ort der Heilung im fernen Katmandu.

Ruhm, Status, Geld als Lebenszweck…

… und die Suche nach Heilung und Wahrheit inmitten falscher Versprechungen. Ich liebe die Montage der Katmandu-Szenen für ihre reichen Andeutungen. Der Weg zur Heilung führt für Strange nur durch die Wahrheit, aber sie ist eine schmerzhafte Erfahrung. Denn zu allererst muß er sich der Wahrheit über sich selbst stellen. Ohne Selbsterkenntnis und Selbstaufgabe wird er seiner Heilung immer im Wege stehen.

Alles an dem mysteriösen Kloster und dessen mysteriöser Lehrerin stößt Strange in seinem materialistischen, orthodox-wissenschaftlichen Weltbild ab. Geist, Astralkörper, Heilung durch Glauben sind für ihn keine Konzepte, die überhaupt in Betracht gezogen werden können. Bis die ebenso humorvolle wie handfeste Weise ihn eines Besseren belehrt.

Der Astralkörper besteht aus mittlerer Grobstofflichkeit. Er muß von den kleinen Wesenhaften dem schweren, grobstofflichen Erdenkörper unmittelbar vorangehend geformt werden, so daß es fast erscheint, als wenn er gleichzeitig geformt würde. Dem ist aber nicht so; denn der Astralkörper – ich will der Einfachheit halber noch bei dieser bisher bekannten Bezeichnung bleiben – muß allem vorangehen, was in der schweren Grobstofflichkeit sich formen soll! […]
Der Astralkörper hängt mit dem Erdenkörper
zusammen, ist aber nicht abhängig von ihm, wie man bisher angenommen hat.
(„In der grobstofflichen Werkstatt der Wesenhaften“)

Strange stürzt sich in seine Studien und sein Training, jeden Mißerfolg immer wieder auf seine Verletzung oder auf die Umstände schiebend. Doch während die erhoffte Heilung seiner Hände sich nicht einstellen will, entdeckt er sein ungeahntes Talent für „paranormale“ Fähigkeiten. Unvermutet und ungewollt wird er zu einem dringend benötigten Streiter des Guten… und langsam beginnt sich auch seine Sicht auf seine Mitmenschen zu verändern.

Der Mensch ist in seiner geistigen Entwickelung so weit zurückgeblieben, daß er nicht einmal die ihm zu Gebote stehenden geistigen Kräfte zu voller Entfaltung bringen kann, sonst würde auch er für heutige Begriffe an das Wunderbare grenzende Leistungen vollbringen. […]
Stets stellten sie ihren eigenen Willen dabei voran. Und damit lähmten sie sich selbst, konnten sich nie höher aufschwingen, als ihr eigener Verstandeswille es zugab, welcher erdgebunden ist.
Die Menschen kennen also nicht einmal die Gesetze in der Schöpfung, die ihre geistige Macht auslöst oder freimacht, in denen sie ihre geistige Macht zu entfalten vermögen.

(„Steige herab vom Kreuze!“)

Überzeugender als in jedem Film, den ich je gesehen habe, gestaltet sich die Wandlung des Helden vom Egoisten zum Beschützer der Menschheit. Es gibt kein Schlüsselerlebnis, keinen Moment der Klarheit, sondern Strange geht viele kleine Einzelschritte, den gesamten Film hindurch. Die vermeintliche Katastrophe seines (selbstverschuldeten) Unfalls und seiner unheilbaren Verletzung erweist sich dabei als versteckter Segen, der Strange aus seiner selbstbezogenen Isolation, aber auch aus seinem Materialismus reißt. Die Entscheidung, was er mit seinem neuen erweiterten, ganzheitlichen Weltbild anfangen will, bleibt ihm dabei sehr deutlich selbst überlassen: Heilung und Rückkehr zu seinem altem Leben oder die Akzeptanz seiner neuen, unendlich härteren Bestimmung, dem Dienen eines höheren Zieles, das einhergeht mit Selbstlosigkeit. Die Erkenntnis, daß sich sein Weltbild gar nicht so sehr von dem seines Antagonisten unterscheidet, aber auch das komplexe Verhältnis zu seiner Lehrerin helfen ihm, seine Sicht der Dinge zu hinterfragen. Seine Selbstgerechtigkeit wird mit zunehmendem Verständnis seiner Nächsten ausgeschaltet.

“You cannot beat a river into submission. You have to surrender to its currents and use its power as your own.”

Inmitten des Ganzen aber steht der Mensch mit der ihm anvertrauten unermeßlichen Macht, durch sein Wollen diesem gewaltigen Räderwerk die Richtung anzugeben. […]
Das ganze wundersame Weben dient aber lediglich dazu, dem Menschen zu helfen, solange er die ihm gegebene Macht nicht in kindischem Vergeuden und falscher Anwendung hemmend dazwischen wirft. Er muß sich endlich anders einfügen, um das zu werden, was er sein soll. Gehorchen heißt in Wirklichkeit weiter nichts als verstehen! Dienen ist helfen. Helfen aber bedeutet herrschen. In kurzer Zeit kann jeder seinen Willen frei machen, wie er sein soll. Und damit wendet sich für ihn alles, da er sich innerlich zuerst gewendet hat.

(„Der Mensch und sein freier Wille“)

Die Ausdrücke: „Nur wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“, der Mensch muß sich „demütig vor seinem Gotte beugen“, um in dessen Reich eingehen zu können, er soll „gehorchen“, „dienen“, und was der biblischen Ratschläge noch mehr sind, sie stoßen den modernen Menschen in dieser einfachen, kindlichen und doch so treffenden Ausdrucksart von vornherein etwas ab, weil sie seinen Stolz verletzen, der in dem Bewußtsein des Verstandeswissens liegt. Er will nicht mehr so blind geführt sein, sondern selbst erkennend bewußt in allem mitwirken, um den zu allem Großen notwendigen inneren Aufschwung aus Überzeugung zu erhalten. Und das ist kein Unrecht!
Der Mensch
soll mit seiner Fortentwicklung in der Schöpfung bewußter dastehen, als es früher war. […] Ob nun gesagt wird: „In Demut sich dem Willen Gottes beugen“, oder „nach richtigem Erkennen der gewaltigen Naturgesetze sich deren Art und Wirken nutzbar machen“, ist ein und dasselbe.
Nutzbar machen kann sich der Mensch die Kräfte, die den Willen Gottes tragen, nur dann, wenn er sie genau studiert, also erkennt, und sich dann darnach richtet. Das Mit-ihnen-Rechnen oder Sich-darnach-Richten ist in Wirklichkeit aber weiter nichts als ein Sicheinfügen, also ein Sichbeugen! Sich nicht
gegen diese Kräfte stellen, sondern mit ihnen gehen. Nur indem der Mensch seinen Willen der Eigenart der Kräfte anpaßt, also die gleiche Richtung geht, vermag er die Gewalt der Kräfte auszunützen.
Das ist kein Bezwingen der Kräfte, sondern ein Sich-demutsvoll-Beugen vor dem göttlichen Willen! Wenn der Mensch so manches auch eigene Klugheit nennt oder eine Errungenschaft des Wissens, so ändert dies nichts an der Tatsache, daß alles nur ein sogenanntes „Finden“ von Auswirkungen bestehender Naturgesetze bedeutet, also des göttlichen Willens, den man damit „erkannt“ hat, und mit der Auswertung oder Verwendung sich diesem Willen „fügt“.

(„Symbolik im Menschenschicksal“)

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Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Outlander aus der Sicht von Schicksal und Reinkarnation

English translation in the comments section.

Die Zeit vergeht! Die Zeiten ändern sich! So hört man überall die Menschen sagen, und unwillkürlich taucht dabei ein Bild im Geiste auf: Wir sehen Zeiten wechselvoll an uns vorüberziehen! […]
Die Zeit! Vergeht sie wirklich? Weshalb stößt man bei dem Grundsatze auf Hindernisse, wenn man dabei weiter denken will? Sehr einfach, weil der Grundgedanke
falsch ist; denn die Zeit steht still! Wir aber eilen ihr entgegen! Wir stürmen in die Zeit, die ewig ist, und suchen darin nach der Wahrheit.
Die Zeit steht still. Sie bleibt dieselbe, heute, gestern und in tausend Jahren! Nur die Formen ändern sich. Wir tauchen in die Zeit, um aus dem Schoße ihrer Aufzeichnungen zu schöpfen, um unser Wissen in den Sammlungen der Zeit zu fördern! Denn nichts ging ihr verloren, alles hat sie aufbewahrt. Sie hat sich nicht geändert, weil sie ewig ist.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Erwachet!“)

Die bisher aus zwei Staffeln bestehende, auf Diana Gabaldons erfolgreicher Buchreihe beruhende TV-Serie Outlander kann auf verschiedenste Weise betrachtet werden; sie ist wahlweise Liebesgeschichte, historische Fiktion, Fantasy, und man sollte sicherlich nicht zu viel in sie hineininterpretieren. Dennoch erheben sich angesichts ihrer zahlreichen Charaktere und deren über zwei Jahrhunderte miteinander verwobenen Lebenslinien, die vor allem durch die Art und Weise, wie das Medium Film sie umsetzt, betont werden, Fragen spiritueller Art.

Die Handlung beginnt im Herbst 1945, als die ehemalige Frontkrankenschwester Claire Randall mit ihrem Mann Frank nach Schottland reist, um nach Jahren der Trennung ihr Eheleben wieder aufzunehmen. Beide haben sich voneinander entfremdet und hoffen auf die Heilkraft eines gemeinsamen Urlaubs. Während ihres Aufenthaltes betreibt Frank Ahnenforschung; einer seiner Vorfahren war während der 1740er Jahre als britischer Offizier in Schottland stationiert: Captain Jonathan Randall, bei den Einheimischen als „Black Jack“ bekannt. Claire steht Franks Begeisterung für Geschichte eher nachsichtig lächelnd gegenüber, doch sie freundet sich mit Mrs. Graham, der Haushälterin des Reverend Wakefield, an, bei dem Frank viele seiner Recherchen durchführt. Mrs. Graham ist eine Nachfahrin alter heidnischer Traditionen, sie glaubt an das „Übernatürliche“, kann Handlinien lesen und nimmt in der Nacht von Samhain an einer Zeremonie beim Steinkreis von Craigh na Dun teil, die Claire und Frank insgeheim beobachten. Als Claire später zum Steinkreis zurückkehrt, um eine Pflanze zu sammeln, die sie dort entdeckt hat, wird sie auf unerklärliche Weise zweihundert Jahre in die Vergangenheit zurückgerissen. In einem von inneren und äußeren Konflikten geplagten Schottland des 18. Jahrhunderts findet sich Claire von allen Seiten verdächtigt: Der Clan MacKenzie, der sie halb als Gast, halb als Gefangene aufnimmt, hält sie für eine englische Spionin; der Befehlshaber des nahen Fort Williams, kein anderer als der gefürchtete und verhaßte Black Jack Randall, für eine Verräterin. Zunächst durch die Umstände gezwungen, den jungen Schotten Jamie Fraser zu heiraten, entwickelt Claire bald eine tiefe Liebe zu ihm. Doch ihr Glück ist bedroht, zunächst durch Jack Randall, der eine gefährliche Obsession mit Jamie entwickelt hat, und dann durch die Geschichte: Nur zwei Jahre später, weiß Claire, ist die Highland-Kultur durch den zweiten Jakobiteraufstand dem Untergang geweiht.

Da es sich hier um eine Zeitreisegeschichte handelt, ist die Überlegung um Anfang und Ende naturgemäß etwas kompliziert. Ich habe mich daher, auch weil viele Themen in dieser Artikelserie bereits angesprochen wurden, für eine Analyse verschiedener Teilaspekte entschieden.

Das wohl auffallendste Thema, das sich durch die gesamte Handlung zieht, ist das eines unvermeidbaren Schicksals. So sehr sich Claire und Jamie auch bemühen, der Geschichte einen anderen Verlauf zu geben, so wenig erreichen sie am Ende damit. Die Geschehnisse gehen unweigerlich ihren vorbestimmten Gang.
Unbeabsichtigte Schuld ist ein weiteres, tragisches Thema der Serie. So ist es ausgerechnet Jamies Vater, der durch seine Äußerung des Stolzes auf Jamies Mut eine schreckliche Kettenreaktion in Gang setzt. Um seinen Vater nicht zu enttäuschen, lehnt Jamie Jack Randalls Angebot ab, gegen Sex mit ihm seine zweite Auspeitschung erlassen zu bekommen. Nicht nur ist dies der Beginn von Jacks Fixierung auf Jamie und von Jamies Leben auf der Flucht vor dem Gesetz, sondern angesichts der brutalen, blutigen Strafe erleidet Jamies Vater einen Herzinfarkt und stirbt noch an Ort und Stelle. Gleichermaßen verdammt Claires Entscheidung, bei Jamie zu bleiben, statt in ihre Zeit zurückzukehren, nicht nur Frank zu einem Leben in Ungewißheit, sondern unwissentlich gibt Claire damit Jack Randall das entscheidende Druckmittel gegen Jamie.

Reinkarnation und Karma

Hier handelt es sich um das strenge Gottgesetz gegen Verführung oder Vergewaltigung, sowie um die Besudelung durch die Gedanken eines heimlichen Begehrens! Schon dieses als der Ausgangspunkt des vollen Übels einer Tat ist Übertretung des Gebotes, das die Strafe durch ein Karma nach sich zieht, was sich in irgendeiner Weise unerläßlich auszulösen hat, bevor die Seele wieder frei davon sein kann. […]
Kommt das Gelüsten aber gar bis zur Verführung, also zu einer grobstofflichen Tat, so fürchtet die Vergeltung, wenn Ihr sie auf Erden nicht mehr körperlich und seelisch gutzumachen fähig seid!
Sei die Verführung nun in schmeichlerischster Art oder in strenger Forderung erfolgt, sei dadurch auch zuletzt ein Einverständnis […] noch errungen, die Wechselwirkung läßt sich damit nicht beirren, sie hat schon eingesetzt bei dem Begehr, und alle Klugheit, alle Künste tragen zur
Verschärfung bei. Die letzte Einwilligung hebt sie dann nicht auf!
(Abd-ru-shin: Die zehn Gebote Gottes / Das Vaterunser, Vortrag „Das neunte Gebot“)

Die Strategie, gleiche Darsteller für verschiedene Mitglieder eines Stammbaums einzusetzen, ist nicht unbekannt. Aufgrund des Themas seltener, aber ebenfalls nicht neu ist diese Strategie auch im Falle von Reinkarnation. Obwohl in Outlander schnell deutlich wird, daß Frank seinem tatsächlichen Vorfahren Alex Randall viel ähnlicher ist als seinem nominellen Ahnherrn Jack Randall, was auf die gleiche, reinkarnierte Seele deuten könnte, bietet die Annahme, Frank sei Jacks Reinkarnation, viel interessantere Möglichkeiten. Beginnt man nämlich unter dieser Prämisse die Betrachtung, findet man sehr bald Muster. Jack Randall ist ohne Zweifel ein Charakter, der alles Licht, alles Gute in sich ausgelöscht hat und sich dessen auch bewußt ist. Er ist nicht, was man gemeinhin als Triebtäter bezeichnen würde, denn er folgt keinem Trieb, sondern handelt rational, wissend. Er kann seine Taten kontrollieren, und er entschließt sich jedes Mal für den schlimmstmöglichen Weg. Dabei ist er hochintelligent, wahlweise bedrohlich oder auch gewinnend, introspektiv und vor allen Dingen völlig unberechenbar. In 1743 begegnen sich Claire und Jack zum ersten Mal in den schottischen Wäldern. Claire ist desorientiert, auf der Flucht vor einem Scharmützel zwischen vermeintlichen schottischen Banditen und britischen Soldaten; Jack Randall ist nicht weniger irritiert über die Engländerin, die ohne Begleitung durch die Wildnis irrt. Als sie jedoch zu fliehen versucht, sind all seine schlimmsten Instinkte geweckt. Claire entgeht einer drohenden Vergewaltigung nur durch das Eingreifen Murtaghs, durch den sie Jamie und die McKenzies kennenlernt. Monate später begegnen sich Claire und Jack unter sehr anderen Umständen wieder. Sie hat die Hilfe seines Vorgesetzten gesucht, um Geleitschutz nach Inverness zu erhalten, ist ganz Dame, galant umschwärmt von den stationierten englischen Offizieren, die ihrer Landsmännin nur zu gern behilflich sind. Erst bei dieser zweiten Begegnung, so scheint es, beginnt Jack Randall sie des Verrates, vielleicht der Spionage zu verdächtigen. Allein miteinander, führen sie ein gutes Gespräch, in dem Claire Jacks Sicht der Dinge bezüglich Jamies Auspeitschung kennenlernt, aber auch seine Selbsterkenntnis. Sie glaubt an das latente Gute in ihm, und er scheint aus diesem ihrem Glauben Hoffnung zu schöpfen… nur um im nächsten Moment die zivile Fassade fallenzulassen und sie als vermeintliche feindliche Spionin zu mißhandeln. Wieder wird sie gerettet, doch Jack Randall setzt nun auf das Gesetz, um ihre Auslieferung an die britischen Autoritäten zu fordern. In dieser Notlage bleibt Claire ebenfalls nur der Rechtsweg: Die einzige Möglichkeit, ihre Auslieferung zu verhindern, ist, schottische Staatsangehörige zu werden – durch Heirat mit Jamie.
Wie immer ist es das dritte Mal, das entscheidende Folgen hat. Claire gerät einmal mehr in Jack Randalls Fänge, wird bedroht mit Folter und Vergewaltigung, bis Jamie als Retter in der Not erscheint. Doch von nun an weiß Jack Randall um die Verbindung der beiden Objekte seiner Obsession und weiß dies in der schrecklichsten Szene der Serie zu seinem Vorteil auszuspielen.

Zwei Fotos, die als Paar betrachtet werden sollten und die, wie so vieles in Outlander, ohne Worte ganze Welten ausdrücken. Black Jack, der sich vom Licht abwendet und doch, auch in seiner selbstgeschaffenen Finsternis, darüber meditiert.

Die Wege der drei kreuzen sich später in Frankreich wieder, doch entscheidend ist die letzte Begegnung Claires und Jacks wenige Tage vor der Schlacht von Culloden in Schottland, zweieinhalb Jahre nach ihrem ersten Zusammentreffen. Erst hier lernt Claire (und der Zuschauer) den einzigen lichten Punkt kennen, den sich „Black Jack“ erhalten hat: seinen jüngeren Bruder Alex. Alex, ein sanfter, gutherziger junger Mann, hängt mit großer Liebe an Jack und glaubt an dessen bessere Natur, und im Gegenzug tut Jack Randall alles, um diesen Glauben nicht zu enttäuschen. Auch Mary Hawkins, Alex‘ Verlobte, kennt nur diese so ganz andere Seite ihres zukünftigen Schwagers. Doch Alex ist unheilbar krank, und selbst Claires Heilkünste können ihm nicht helfen. Alex, der Mary und sein ungeborenes Kind versorgt und beschützt wissen möchte, bittet Jack, Mary zu heiraten. Entsetzt lehnt dieser ab; nur zu gut weiß er, wozu er in der Lage ist, und die beiden Menschen, die seinem geliebten Bruder am meisten bedeuten, sind die letzten, die er dieser Gefahr aussetzen will. Hier nun finden Claire und Jack zum ersten und einzigen Mal zu einem ehrlichen und offenen Gespräch zusammen. Claire stimmt Alex zu; nur eine Heirat, so argumentiert sie, sichere Mary und ihrem Kind im Falle von Jacks Tod die Rechte an seinem Besitz und seiner Offizierspension. So, seinen vorhergesagten Tod in der kommenden Schlacht vor Augen, stimmt Jack schließlich zu. Alex überlebt die Heirat nur um wenige Stunden, und mit seinem Tod erlischt auch der letzte Rest von Hoffnung, vielleicht von Menschlichkeit, in Jack Randall.

Heirat im Licht, Heirat im Schatten

Springen wir zweihundert Jahre in die Zukunft.

Claire und Frank Randall versuchen nach Jahren der Trennung 1945 ihre Ehe wieder aufzunehmen. Sie haben sich einander entfremdet, finden glückliche und zärtliche Momente, doch ihre frühere Harmonie will sich nicht wieder einstellen, und ihre Kinderlosigkeit stellt sich als zunehmendes Problem heraus. Der Eindruck ist, daß Frank Claire mehr liebt als sie ihn. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich, als Frank in Schottland den Spuren seines (vermeintlichen) Vorfahren Jack Randall folgt und am mystischen Vorabend zu Allerheiligen den Geist eines Highlanders sieht, der zu Claires Fenster hinaufstarrt – um bei Ansprache im Nichts zu verschwinden. Verunsichert befragt Frank Claire nach Schotten unter den Soldaten, die sie als Krankenschwester während des Krieges pflegte; sie erkennt rasch seinen unterliegenden Verdacht einer Untreue. Doch Frank versichert ihr, ihr alles zu verzeihen, sie immer zu lieben, gleichgültig, was käme.

Als Claire spurlos verschwindet, lebt Frank für die kommenden zweieinhalb Jahre in einer Hölle aus Sorge und Ungewißheit. Polizei und Freunde versuchen ihn davon zu überzeugen, daß Claire ihn für einen anderen Mann verlassen habe; er akzeptiert diese Erklärung nicht.
Claires Rückkehr bedeutet ihm alles. Doch die Distanz zwischen ihnen ist ins Unermeßliche gewachsen. Claire liebt ihn nicht mehr, und sie ist schwanger von einem anderen Mann. Nach hartem inneren Ringen steht Frank jedoch zu seinem Wort und zu seiner Liebe. Er verzeiht Claire, er nimmt ihr Kind als seines an.

Wer will, kann hier durchaus Parallelen und Karma erkennen. Claire und Jamie, die sich Frank beide entziehen; die Verlassenheit, Furcht, Sorge, zu denen er einst andere verdammte; wieder und wieder das Thema Kind, in dem man – damals wie heute – eventuell eine Verbindung zu Jacks zahlreichen Vergewaltigungen erkennen kann. Jacks deutliche (wenn auch auf seine verzerrte Art gezeigte) Sympathie für Claire sowie das ungelöste Karma, das sie beide aneinander bindet, führt sie in ihrem Leben des 20. Jahrhunderts wieder zusammen.
Sucht man nach einem erlösenden Element in Jacks/Franks Geschichte, so findet man es unbestreitbar in seiner (Zieh-)Tochter Brianna, die mit großer Liebe an ihm hängt und ihm auch beruflich nachstrebt, die ihm, so der Eindruck, näher steht als ihrer Mutter.

Der Formende ist an sein eigenes Werk gebunden, wenn er es auch anderen zugedacht hat!
Wenn also heute ein Mensch den Entschluß faßt, einem anderen irgend etwas Übles zu tun, sei es nun in Gedanken, Worten oder Werken, so hat er damit etwas „in die Welt gesetzt“, ganz gleichgiltig, ob allgemein sichtbar oder nicht, ob also grobstofflich oder feinstofflich, es hat Kraft und somit Leben in sich, das sich in der gewollten Richtung weiter entwickelt und betätigt. […]
Das Gesetz der Wechselwirkung löst sich dabei aus, indem eine jede Erzeugung bei ihrer Bewegung durch das All verschiedene Gleicharten anzieht oder von solchen selbst angezogen wird, durch deren Zusammenschluß dann eine Kraftquelle entsteht, die verstärkte Kraft der gleichen Art wie von einer Zentrale aus an alle die zurücksendet, die durch ihre Erzeugungen wie an Schnüren mit dem Sammelplatze gleicher Arten verbunden werden.
Durch diese Verstärkung tritt auch eine immer größere Verdichtung ein, bis zuletzt ein grobstofflicher Niederschlag davon entsteht, in dem der einstige Erzeuger nun in der damals von ihm gewollten Art sich selbst ausleben muß, um endlich davon befreit zu werden.
Das ist das Entstehen und der Werdegang des so gefürchteten und verkannten Schicksals! […]
Viele erschrecken dabei und fürchten sich vor dem, was sie nach diesen Gesetzen in der Rückwirkung von früher her noch zu erwarten haben.
Doch das sind unnötige Sorgen für die, denen es ernst ist mit dem guten Wollen;
denn in den selbsttätigen Gesetzen liegt auch gleichzeitig die sichere Gewähr für Gnade und Vergebung!
Ganz abgesehen davon, daß mit dem festen Einsetzen des guten Wollens sofort eine Grenze gesetzt wird für den Punkt, wo die Kette der üblen Rückwirkungen ein Ende erreichen muß, tritt noch ein anderer Vorgang in Kraft, der von ungeheuerem Werte ist:
Durch das dauernd gute Wollen in allem Denken und Tun fließt ebenfalls rückwirkend aus der gleichartigen Kraftquelle beständige Verstärkung, so daß das Gute fester und fester in dem Menschen selbst wird, aus ihm heraustritt und zunächst die feinstoffliche Umgebung darnach formt, die ihn wie eine Schutzhülle umgibt […].
Kommen nun üble Rückwirkungen von früher her zur Auslösung auf diesen Menschen zurück, so gleiten sie a>n der Reinheit von dessen Umgebung oder Hülle ab und werden so von ihm abgelenkt.
Dringen sie aber trotzdem in diese Hülle ein, so werden die üblen Strahlungen entweder sofort zersetzt oder doch bedeutend abgeschwächt, wodurch die schädliche Auswirkung gar nicht oder nur in ganz geringem Maße stattfinden kann.
Außerdem ist durch die erfolgte Wandlung auch der eigentliche innere Mensch, auf den die Rückstrahlungen eingestellt sind, mit dem andauernden Bestreben zum guten Wollen viel verfeinerter und leichter geworden, so daß er der größeren Dichtheit übler oder niederer Strömungen nicht mehr gleichartig gegenübersteht. Ähnlich wie bei der drahtlosen Telegraphie, wenn der Empfangsapparat nicht auf die Stärke der Sendeapparates eingestellt ist.
Die natürliche Folge davon ist, daß die dichteren Strömungen, weil andersartig, nicht festhaken können und ohne üble Auswirkung schadlos hindurchgehen, gelöst durch eine unbewußt ausgeführte symbolische Handlung, von deren Arten ich später einmal sprechen werde.

(Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag “Schicksal”)

Eine ähnliche Interpretation von gleicher Darstellerin als Reinkarnation kann im Fall von Geillis/Gillian angewendet werden… und natürlich Claire selbst.

Wo immer auch ein Bund sich findet, der im Himmel geschlossen ist, das heißt, wo zwei sich so ergänzen, daß ein voller harmonischer Akkord entsteht, dort soll kein Dritter versuchen, eine Trennung herbeizuführen. Sei es, um Mißklang hineinzubringen, eine Vereinigung unmöglich zu machen oder eine Trennung herbeizuführen, gleichviel, ein solches Unterfangen wäre Sünde. Ein Unrecht, das sich in seiner Wechselwirkung schwer an den Urheber heften muß, da zwei Menschen gleichzeitig davon betroffen werden, und mit diesen auch der Segen, der durch ihr Glück sich ausgebreitet hätte in die grob- und feinstoffliche Welt.
(„Die Ehe“)

In bester Absicht zwar, doch nichtsdestotrotz auf Kosten des Glücks zweier Menschen verhindert Claire die Heirat zwischen Mary Hawkins und Alex Randall. Auch hier kann man Karma und Wechselwirkung erkennen in Claires Trennung von Frank, zuerst durch den Krieg, dann durch die Umstände, ebenso in Claires Trennung von Jamie.

Ringschlüsse finden wir überall, aus welcher Sicht wir Outlander auch betrachten. So muß Claire im Zuge der Handlung letzten Endes wieder in ihre Zeit zurückkehren, um ihre Verbindung zu Frank auszuleben. Ihre Rückkehr bedeutet für ihn nicht nur das Ende von mehr als zwei Jahren Ungewißheit, sondern in einer interessanten Wendung des Schicksals auch die Erfüllung seines Wunsches nach Kindern. Nachdem sich herausgestellt hat, daß Frank und Claire niemals Kinder haben können, ist es nun ausgerechnet Claires mit Jamie gezeugtes Kind, das das Schicksal Frank zuführt. „Einem Kind ohne Vater und einem Mann ohne Kind“, wie der lebensweise Reverend Wakefield seinem erschütterten Freund die Situation darlegt, „ist diese Chance gegeben worden, einander zu finden.“ Sollten sie einander nicht helfen?

Kinder und Vaterschaft

„Ich habe einem anderen Manne meine ganze ungeteilte Liebe geschenkt, wissend, daß ich ihn nicht halten könne. Es brach über mich herein wie ein Sturm und verließ mich ebenso schnell wieder. Nur etwas blieb mir – die Hoffnung auf mein Kind. – Joseph, dieses Kindes wegen komme ich […]; ich bitte nicht für mich!“ […]
Joseph kämpfte. Es galt jetzt zurückzutreten oder sich damit zu begnügen, die Rolle des Vaters und Gatten zu spielen. Maria verhehlte ihm ja nicht, daß sie ihn nicht liebe. […]
Trüben Blickes sah er hinab auf Maria, die er fast nicht wiedererkannte. Wo war ihre Hoheit, ihr Stolz, den er so bewundert hatte? Abgefallen war es, weil sie Furcht hatte vor den Menschen, die […] ihrem Kinde wehtun würden. Irgendwie jammerte es ihn, daß sie sich so ihrem Kleinmut hingab. Aber es erwachte auch eine starke Kraft in ihm; er war bereit, für sie zu sorgen.

(Aus verklungenen Jahrtausenden)

Recht überraschend für eine Geschichte, die sich in hohem Maße der weiblichen Sicht der Dinge widmet, ist ein wiederkehrendes Thema die Frage nach Vaterschaft. Eine bemerkenswert hohe Zahl der männlichen Charaktere der Handlung nimmt – wissentlich oder unwissentlich – Vaterstelle für ein Kind ein, das nicht ihr leibliches ist: Frank Randall, der nicht in der Lage ist, Kinder zu zeugen, akzeptiert Claires und Jamies ungeborenes Kind als sein eigenes. In einer interessanten Parallele dazu heiratet Jack Randall die Verlobte seines sterbenden Bruders und wird somit urkundlich und rechtlich zum Vater ihres ungeborenen Kindes. Reverend Wakefield adoptiert seinen Neffen Roger. Louise überzeugt ihren Ehemann, daß ihr mit Charles Stuart gezeugtes Kind sein eigenes sei. Dougal McKenzie zeugt in Übereinkunft mit seinem älteren Bruder dessen Erben Hamish. In geringerem Maße greift dieses Thema auch, als Jamie sich des elternlosen Fergus’ annimmt sowie im Falle des anfänglichen Verdachtes (und der realen Möglichkeit), Jennys ältester Sohn sei Jack Randalls Kind.
Nicht hoch genug einzuschätzen sind dabei zwei Charaktere, die in der Fülle von Personen und der Dramatik der Handlung leicht übersehen werden: Reverend Wakefield und seine Haushälterin Mrs. Graham. Gleichermaßen weise und bodenständig, sind sie nicht nur Freunde und Vertraute von Claire und Frank individuell, helfen ihnen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten, ihre Zweifel zu überwinden, sondern sie werden darüber hinaus zu Beschützern und Bewahrern ihrer Ehe und ihrer Zukunft miteinander.


Es ist auch auffallend, daß für jeden der vier zentralen Charaktere der Geschichte an irgendeinem Punkt die Zeit „stillsteht“. Sie bleiben an einem Punkt in ihrem Leben stehen, bleiben hängen, sei es aus eigenem Entschluß oder aus Fremdverschulden, während für alle anderen Personen das Leben weitergeht. Frank ist gefangen durch Claires Verschwinden; er lebt mehr als zwei Jahre mit der Unsicherheit über ihr Ergehen, ob sie lebt oder tot ist. Jack hat sich fixiert seit dem Tag von Jamies Auspeitschung; für ihn kann nur eine Fortsetzung, das Ausleben seiner Phantasie, Jamie zu brechen, ihn zu besitzen, Lösung bringen. Jamie ist auf seine Art gleich zweimal gefangen, einmal in Bezug auf seine Schwester Jenny, die er vor vier Jahren in einer furchtbaren Situation verlassen mußte (das Wiedersehen belehrt ihn schnell darüber, daß Jenny alles andere als ein hilfloses Opfer ist), und zum zweiten auf grausame Weise durch sein Trauma, das er bei Folterung und Mißbrauch durch Jack Randall erleidet. Claire wiederum kann die Trennung vom Jamie niemals wirklich überwinden. Sie lebt zwanzig Jahre lang ihr Leben an Franks Seite weiter, sieht ihre Tochter aufwachsen, doch ein Teil von ihr bleibt immer der Vergangenheit verhaftet.
In diesem Stehenbleiben, so unverschuldet es teilweise auch sein mag, öffnen alle vier eine Kluft zu den Menschen um sie herum. Ihre Reaktionen auf ihre Mitmenschen, ihr Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber entspricht nicht der Realität, die diese Mitmenschen erleben, weil sie sich längst von dem Punkt fortbewegt haben, an dem die Protagonisten noch hängen. Und so verursachen sie emotionale Schmerzen oder werden schuldig. Frank erwartet eine mehr oder weniger lückenlose Fortsetzung seiner Ehe mit Claire, doch für Claire liegen Welten zwischen ihren Gefühlen für Frank vor und nach ihrem Verschwinden. Jack muß erfahren, daß das Erlebnis, das so einschneidend für ihn war, für Jamie keine tiefergehende Bedeutung hatte, und so bindet er ihn in einer grauenhaften Erfahrung an sich und seine innere Finsternis. Claire ist diejenige, die die Folgen von Jamies Trauma am deutlichsten miterleben muß, während Jamie in seinem Versuch, sein Leben dort wieder aufzunehmen, wo er vor vier Jahren damit brach, Jenny verletzt. Und sowohl Frank als auch Brianna sind die Leidtragenden, als Claire jahrelang Vergangenem hinterhertrauert.

… Eure Gedanken sind die Boten, die ihr ausschickt, die mit dem von Euch Gedachten schwer beladen wiederkehren, sei es nun Gutes oder Böses. Es geschieht! Denket daran, daß Euere Gedanken Dinge sind, sich geistig formen, oft zu Gebilden werden, die das Erdenleben Eures Körpers überdauern, dann wird Euch vieles klar.
So kommt es auch, daß es ganz richtig heißt: „denn ihre Werke folgen ihnen nach!“ Gedankenschöpfungen sind Werke, die Euch einst erwarten! Die lichte oder dunkle Ringe um Euch bilden, die Ihr durchwandern müßt, um in die Geisteswelt zu dringen. Kein Schutz, kein Eingriff kann da helfen, weil Ihr die Selbstbestimmung habt. Der erste Schritt zu allem muß deshalb von Euch geschehen. Er ist nicht schwer, er liegt nur in dem Wollen, das sich durch Gedanken kündet. So tragt Ihr Himmel wie die Hölle in Euch selbst.
Entscheiden könnt Ihr, doch den Folgen Euerer Gedanken, Eures Wollens seid Ihr dann bedingungslos verfallen!

(Vortrag „Erwachet!“)

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Glaube, Überzeugung, Lichtstreben in „I’m Not Ashamed“

English translation in the comments section.

Der Glaube muß lebendig sein, das heißt, er muß noch mehr als Überzeugung werden, zur Tat! Zur Tat ist er geworden, sobald er alles durchdrungen hat, das ganze Empfinden, Denken und Tun. Er muß von innen heraus in allem, was zu dem Menschen gehört, unaufdringlich fühlbar und sichtbar werden, also zur Selbstverständlichkeit. Man darf ihn weder als Attrappe noch als Schild nur vorhalten; sondern alles äußerlich fühlbar Werdende muß lediglich das natürliche Ausstrahlen des inneren geistigen Kernes ergeben.
Volkstümlich gesprochen, muß also der rechte Glaube eine Kraft sein, die vom Geiste des Menschen ausstrahlend sein Fleisch und Blut durchdringt und so eine einzige natürliche Selbstverständlichkeit wird. Nichts Gekünsteltes, nichts Gezwungenes, nichts Erlerntes, sondern nur Leben!

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Glaube“)

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Obwohl I’m Not Ashamed (dt. Ja, ich glaube) in die bereits behandelte Kategorie der christlichen Filme gehört (Teil 1, Teil 2), verdient er aufgrund seiner Thematik einen eigenen Eintrag in dieser Serie. Beruhend auf dem Buch Rachel’s Tears ihrer Eltern Beth Nimmo und Darrell Scott sowie auf Tagebüchern erzählt er das kurze Leben Rachel Scotts, eines der Opfer der Schulschießerei an der Columbine High School am 20. April 1999.

Ungeachtet der schnell urteilenden Kommentatoren im Internet, die sofort nach Erscheinen des Trailers im Herbst 2015 (der Filmstart wurde zweimal verschoben) eine Negativdebatte starteten, ist I’m Not Ashamed kein Columbine-Film. Natürlich läuft er zwangsweise auf die Geschehnisse des 20. Aprils hinaus, und die Schule stellt ein wichtiges Element der Handlung dar, aber im Fokus steht das Leben, nicht der Tod des bemerkenswerten jungen Mädchens. Künstlerische Freiheit greift selbstverständlich auch hier; es wurde mehr Wert auf eine allgemeine Botschaft gelegt als auf Realitätstreue, und aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurden Namen geändert und verschiedene reale Personen in einer fiktionalen Figur zusammengefaßt.
Der Film wurde co-produziert von Beth Nimmo, Rachels Mutter, die einer strikt konventionellen, evangelistischen Glaubensausübung anhängt und, so unschön es klingt, die Geschichte ihrer Tochter, die sie als Märtyrerin bezeichnet, für ihren Glauben und als Instrument der Bekehrung vermarktet. Entsprechend konzentriert sich der Film als christliche Produktion vorwiegend auf religiöse Aussagen. Rachels Vater, Darrell Scott, hingegen hat die Fixierung auf die christliche Religion als Hindernis bei der Verbreitung von Rachels viel universellerer Botschaft von Nächstenliebe, positiven Einflüssen und dem Das-Beste-in-anderen-Sehen erkannt; seine Organisation Rachel’s Challenge ist überkonfessionell.

In vielem verkörperte Rachel Scott „den Menschen, wie er sein sollte“, oder doch zumindest den heranwachsenden Menschen, der sich zu dem entwickelte, was er sein könnte und sollte: Tief spirituell, dabei lebensbejahend, mit einer großen Liebe für ihre Mitmenschen und weise über ihre Jahre hinaus.

Man hat mir wiederholt gesagt, daß ich Menschen zu leicht vertraue, aber ich stelle fest, daß, wenn ich meinen Glauben und mein Vertrauen in Menschen lege, wo andere es nicht wagen, sie mich fast nie verraten. Ich würde hoffen, daß Menschen den gleichen Glauben in mich legten. Vertrauen und Ehrlichkeit sind Investitionen in Menschen; wenn du genug Vertrauen zu ihnen aufbaust und dich als ehrlich erweist, werden sie das gleiche dir gegenüber tun. Ich schätze Ehrlichkeit so sehr, und es ist eine Erwartung, die ich an mich selbst habe. Ich werde Ehrlichkeit vor die Gefahr von Demütigung setzen, vor Selbstsucht und vor alles, das weniger wert ist als die reine Wahrheit. […] Mitgefühl und Ehrlichkeit gehen Hand in Hand, wenn genug von beiden in eine Situation eingebracht wird. Ich bewundere diejenigen, die vertrauen und vertrauenswürdig sind. […]
Mitgefühl ist die größte Form von Liebe, die Menschen zu bieten haben. […] Meine Definition von Mitgefühl ist vergebend, liebend, helfend, führend und anderen Gnade zeigend. Ich habe diese Theorie, daß, wenn eine Person sich die Mühe macht, Mitgefühl zu zeigen, dies eine gleichartige Kettenreaktion auslöst. Man weiß nie, wie weit ein wenig Freundlichkeit gehen kann.
Ich habe erst vor kurzem gelernt, daß der erste, zweite und dritte Eindruck irreführend darüber sein können, was für eine Art Mensch jemand ist. Zum Beispiel, stell dir vor, daß du gerade jemanden kennengelernt hast, und du sprichst dreimal mit ihm über kurze, alltägliche Dinge. Er kommt herüber als eine barsche, grausame, sture und ignorante Person. Du basierst dein Urteil auf nur drei Begegnungen. Laß mich dich etwas fragen… hast du ihn jemals gefragt, was sein Ziel im Leben ist, wie seine Vergangenheit war, hat er Liebe erfahren, hat er Schmerz erfahren, hast du in seine Seele geblickt und nicht nur auf sein Äußeres? Bevor du nicht ihn kennst statt nur seinen „Typ“, hast du kein Recht, ihm aus dem Weg zu gehen. Du hast nicht nach seiner Schönheit gesucht, nach seinem Guten. Du hast nicht das Licht in seinen Augen gesehen. Sieh scharf genug hin, und du wirst immer ein Licht finden, und du kannst sogar helfen, es anwachsen zu lassen, wenn du dich nicht von diesen ersten drei Eindrücken abschrecken läßt. […]
Woher willst du wissen, daß Vertrauen, Mitgefühl und Schönheit diese Welt nicht zu einem besseren Ort machen und dieses Leben zu einem besseren? Mein Credo mag wie eine Phantasie klingen, die nie erreicht werden kann, aber probier es selbst aus und beobachte, welchen Effekt es auf das Leben der Menschen um dich herum hat. Du könntest womöglich eine Kettenreaktion starten.

(Rachel Scott: Schulaufsatz My Ethics, My Code of Life, Übersetzung: CS)

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Wie es ihre Mutter ausdrückt:

Wenn ich nach Worten suche, die ausdrücken, wie Rachel war, denke ich an Worte wie untraditionell, unorthodox und zeitgenössisch. […] Rachel studierte und las das Wort Gottes, und sie betete, aber vermutlich wäre keiner dieser Ansätze ihre erste Wahl gewesen, jemanden mit einer persönlichen Beziehung zu dem Herrn bekanntzumachen. […]
Es gibt Stellen im Neuen Testament, wo Jesus hinausgeht und Sünder besucht, Trinker und Prostituierte – kurz gesagt, all die Sorte Menschen, die heute in vielen religiösen Kreisen nicht willkommen wären. Rachel hatte ein Herz für diese Menschen, und das führte sie an Orte, wohin „traditionellere“ Christen nicht gehen würden.

(Beth Nimmo, Darrell Scott: Rachel’s Tears, Übersetzung: CS)

Brooks Brown, ein Freund sowohl Rachels als auch der Columbine-Täter Eric Harris und Dylan Klebold, beschreibt es aus seinem nicht-christlichen Blickwinkel:

Ich habe in der High School nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß ich kein religiöser Mensch war, und fromme Christen kamen an und erzählten mir, ich würde in der Hölle landen. Sie benutzten Zitate aus der Bibel, um mir Beleidigungen an den Kopf zu werfen. […] Sie wollten nicht hören, was man über Gott oder die Welt dachte. Alles, was sie hören wollten, war „Jesus Christus ist mein Retter“ – und wenn wir dem nicht zustimmten, waren wir es nicht wert, daß sie mit uns Umgang pflegten. […]
Ich kann mich nicht erinnern, daß mich ein Christ jemals zuvor nach meinen Überzeugungen fragte, ohne ständig zu unterbrechen oder meine Gedanken zu übergehen oder einfach dazusitzen und zu kichern. Aber Rachel war überhaupt nicht so. Rachel hörte mir zu, während ich über Taoismus und meine Probleme mit der Bibel und der Kirche sprach. Sie war wirklich interessiert und schien mich nicht dafür zu verurteilen.
Sie sprach auch über ihre eigene Überzeugung, aber nicht als Versuch, mich zu bekehren. Sie erklärte einfach nur, und ich hörte aufmerksam zu, genauso wie sie es bei mir gemacht hatte. […]
„Woher kommt dein Glaube an Gott?“ fragte ich. „Immerhin siehst du Gott nicht, oder? Wie kannst du also sicher sein, daß er wirklich existiert?“
„Ich kann ihn sehen“, erwiderte sie. „Ich weiß, daß Gott real ist. Ich weiß es in meinem Herzen. Du kannst nur an das glauben, von dem du weißt, daß es wahr ist. Du kennst deine eigene Wahrheit. Ich kenne meine. Jeder sollte das in sich selbst finden können. […] Ich versuche nicht, hinauszugehen und Menschen zu bekehren. Ich möchte einfach ein Vorbild sein. Ich will mein Leben für Gott leben und andere Leute daraus machen lassen, was sie wollen.“ […]
Man stelle sich vor, was für ein besserer Ort diese Welt durch die Jahrtausende hätte sein können, wenn mehr Menschen Rachel Scotts Sichtweise geteilt hätten. […]
Falls Eric und Dylan dachten, es all den Leuten heimzuzahlen, die sich über sie lustig gemacht hatten, begingen sie mit Rachels Ermordung einen furchtbaren Fehler. Wenn es einen Menschen gab, der sie akzeptiert hätte, dann war sie es.

(Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers, Übersetzung: CS)

Mit Eurem Wesen sollt Ihr Eurem Nächsten geben, Eurer Art! Nicht etwa unbedingt mit Geld und Gut. Dann würden ja die Mittellosen von der Möglichkeit des Gebens ausgeschlossen sein. Und in diesem Wesen, in dem „Sichgeben“ in dem Umgange mit Eurem Nächsten, in der Rücksicht, Achtung, die Ihr ihm freiwillig bietet, liegt das „Lieben“, das uns Jesus nennt, liegt auch die Hilfe, die Ihr Eurem Nächsten leistet, weil er darin sich selbst zu ändern oder seine Höhe weiter zu erklimmen fähig wird, weil er darin erstarken kann.
(Vortrag „Aufstieg“)

Und damit hatte sie das Potential, weltverändernd zu wirken. Darüber hinaus jedoch strebte die junge Rachel danach, als Instrument Gottes zu wirken. In ihren Tagebüchern schreibt sie von Strecken des Zweifels, der Einsamkeit, des Unverstandenseins, aber aus allen heraus klingt ihr unerschütterliches Vertrauen in Gott, den sie bittet, als Licht für die Menschheit dienen zu dürfen.

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Jugendliche Täter, jugendliches Opfer

Ein Mensch kann überhaupt nicht von einem Dämon „besessen“ sein! Das geht schon aus ganz natürlichen Gründen nicht; denn der Kern des Menschen ist Geist, ein Dämon aber Wesen, einst harmlos, doch durch Menschengeistwollen zum Dämon großgezogen. Und da Geist höher ist als Wesen in seiner Beschaffenheit, so vermag Wesen den Geist nicht zu verdrängen, auch nicht zeitweise, was bei Besessensein notwendig ist. Der Mensch kann aber dämonisch beeinflußt sein! Das ist ein großer Unterschied; denn zur Beeinflussung gehört ein gewolltes inneres Entgegenkommen des betreffenden Menschen, sei es nun hervorgerufen durch sein Handeln, also einen von außen nach innen wirkenden Vorgang, oder durch sein eigenes Wollen, irgendeinen Hang, den er sich angeeignet, also zur Eigenschaft gemacht hat. In diesem Falle öffnet er sich zuerst innerlich diesem üblen Einflusse und wirkt dann beeinflußt nach außen.
Dämonisch beeinflußt sein kann also nicht ohne eigenes Wollen geschehen. Aus
diesem Grunde wird auch eine Heilung oder Hilfe sehr erschwert. Der Zustand ist auch viel gefährlicher für den Menschen selbst und für seine Umgebung, da er berechnender, heimtückischer, vollkommen bewußt handelnd wirkt.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Wie ein Gedanke bei seinem Entstehen gleichzeitig mitempfunden wird, schwächer oder stärker, so wird auch sein feinstoffliches Gebilde entsprechendes Leben in sich tragen. Dicht bevölkert ist diese Gedankenwelt. Ganze Zentralen haben sich durch die gegenseitige Anziehungskraft gebildet, von denen durch ihre gesammelte Kraft Beeinflussungen ausströmen auf die Menschen.
In erster Linie immer auf die, die für die Gleichart geneigt sind, die also Ähnliches in sich tragen. Diese werden dadurch gestärkt in ihrem entsprechenden Willen und zu immer erneuter Zeugung ähnlicher Gebilde angeregt, die gleichartig wirkend in die Welt der Gedankenformen treten.
Aber auch andere Menschen, die diese Eigenarten nicht in sich tragen, können davon belästigt und nach und nach dazu herangezogen werden, wenn diese Zentralen durch dauernd neuen Zustrom ungeahnte Kraft erhalten. Geschützt davor sind nur die, die Andersartiges in größerer Stärke besitzen, wodurch eine Verbindung mit Nichtähnlichem unmöglich wird.
Nun sind es aber leider Haß, Neid, Mißgunst, Lüsternheit, Geiz und alle anderen Übel, die durch ihre größere Zahl der Anhänger die stärksten Kraftzentralen in der Welt der Gedankenformen haben. Weniger die Reinheit und die Liebe. Aus diesem Grunde nimmt das Übel mit unheimlicher Schnelligkeit an Ausdehnung zu. Dazu kommt, daß diese Kraftzentralen der Gedankenformen wiederum Verbindung erhalten mit den gleichartigen Sphären des Dunkels. Von dort werden sie besonders angefacht zu immer stärkerer Wirksamkeit, so daß sie weiterleitend unter der Menschheit förmliche Verheerungen anzurichten vermögen.

(Vortrag „Gedankenformen“)

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Es ist interessant, daß nicht nur Rachel, sondern auch Eric Harris und Dylan Klebold Tagebuch führten. Im Zuge der Ermittlungen nach Columbine wurden diese Schriften natürlich ausgiebig analysiert, und was Psychologen mit großer Übereinstimmung feststellten, läßt aus geistiger Hinsicht interessante Vergleiche zu. So sind sich die Analysierenden einig, daß Eric Harris eine psychopathische/soziopathische Persönlichkeit besaß und es zweifelhaft ist, daß ihm hätte geholfen werden können. Aus Sicht der Gralsbotschaft ergibt sich eine Umkehrung von Ursache und Wirkung: Nicht eine im Gehirn begründete „Persönlichkeitsstörung“ lag seiner haßerfüllten und gewaltverherrlichenden Weltsicht zugrunde, sondern die inkarnierte Seele brachte vermutlich diese Persönlichkeit bereits mit, die während der Kindheit lediglich schlummerte.

Durch die Umhüllung des grobstofflichen Körpers ist die Seele eines Menschen während aller Kinderjahre isoliert von den Strömungen, welche von außen her die Seele zu erreichen suchen. Alles Dunkle, Üble, was den Erdenplan belebt, findet seinen Weg zur Seele durch den grobstofflichen Erdenkörper abgeschnitten. Es kann dadurch auch keinen Einfluß auf das Kind gewinnen, kann ihm nicht Schaden bringen. Das Böse aber, das eine nochmals inkarnierte Seele von dem früheren Erleben mit sich brachte, bleibt ihr natürlich ebenso erhalten in der Kinderzeit.
Der Körper bildet diese Scheidewand, solange er noch unfertig und unreif ist. Es scheint, als ob die Seele sich in eine Burg zurückgezogen hätte, bei der die Zugbrücke emporgezogen ist. Eine unüberbrückbare Kluft besteht während dieser Jahre zwischen der Kinderseele und der feinstofflichen Schöpfung, in der die feinstofflichen Schwingungen von Schuld und Sühne leben.

(„Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“)

Vielleicht deshalb schrieb Eric Harris einen hochgelobten Aufsatz über seine Kindheitserlebnisse, und vielleicht deshalb überkamen ihn in einem selbstgedrehten Video, als er – in einer Zeit, in der er Pläne über Massenmord und Zerstörung schmiedete– darüber reminiszierte, Kindheitsfreunde zu besuchen, beinahe die Tränen. Es mag eine schwach empfundene Regung seines Geistes gewesen sein, seines besseren Kerns, der in der unbeschwerten, glücklichen Kindheit eine Erinnerung an Zeiten erkannte, als er sich noch nicht so sehr dem Dunkel hingegeben hatte.

Dieses Weichstimmen könnte der beste Boden zum Erwachen werden, wenn er genützt würde, sofort und auch mit aller Kraft! Aber leider kommen die Erwachsenen dabei nur noch in Träumereien, wobei die aufsteigende Kraft vergeudet wird, verspielt. Und in den Träumereien geht auch die Gelegenheit vorüber, ohne Nutzen bringen zu können oder verwendet worden zu sein.
Selbst wenn so mancher Mensch dabei einige Tränen fließen läßt, er schämt sich derer, sucht sie zu verbergen, rafft sich auf mit einem körperlichen Ruck, in dem so oft ein unbewußter Trotz erkennbar wird.
Wie vieles könnten Menschen bei dem allen lernen. Nicht umsonst webt sich in die Erinnerungen an die Kindheit eine leise Wehmut mit hinein. Es ist das unbewußte Nachempfinden, daß etwas verloren ist, was eine Leere hinterlassen hat […].

(„Weihnachten“)

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Der analytische Befund zu Dylan Klebold unterscheidet sich wesentlich von dem Eric Harris’. Die Psychologen diagnostizierten anhand seiner Tagebücher schwere Depressionen, und es ist eine verbreitete Meinung, daß sein Beweggrund für die Teilnahme an dem Massaker anders als Eric Harris’ nicht Lust am Töten war, sondern der Wunsch zu sterben. In der Erforschung ähnlicher Gewalttaten hat sich über die Jahre herausgestellt, daß, wenn zwei Täter beteiligt waren, es immer eine Zusammensetzung aus einer psychopathischen und einer depressiven Persönlichkeit war – eine „tödliche Dyade“. Hier gravitieren sichtlich zwei grundverschiedene, aber sich dadurch zu einem Ganzen ergänzende Seelen zueinander.

Es gibt also in dem Schöpfungswirken ein Anziehen und ein Anschlußverlangen! Die Wirkung beider Vorgänge ist nach außen hin gleich erscheinend. Die von innen dazu treibende Kraft ist jedoch ganz verschieden.
Die
Anziehung erfolgt von gleichen, in sich abgeschlossenen Arten aus, und das Anschlußverlangen liegt in den Artspaltungen, die bestrebt bleiben, wieder eine Art zu bilden!
Der von den Menschen aufgestellte Satz, daß Gegensätze sich berühren, gleiche Pole aber abstoßen, steht deshalb nur in
anscheinendem Widerspruche zu dem Gesetz der Anziehung der Gleichart. […]
Der Mensch selbst ist zum Beispiel keine bestimmte Art, sondern nur eine Spaltung, die Anschlußverlangen in sich trägt.

(„Verbogene Seelen“)

Ohne Ausnahme wurde Dylan Klebold von allen, die ihn kannten, als freundlich und hilfsbereit, wenn auch introvertiert, schüchtern und perfektionistisch beschrieben, und entsprechend konnten sich viele seine Teilnahme an dem Columbine-Massaker nur mit Erpressung, Drogeneinfluß oder gar Besessenheit erklären. Erst unter Berücksichtigung seiner nicht erkannten Minderwertigkeitsgefühle und Depression ergab sich ein anderes Bild. Vor allen Dingen enthüllen die Tagebuchaufzeichnungen eine erschreckende Passivität, die von Psychologen der Depression zugeschrieben wird – aber aus geistiger Sicht betrachtet vermutlich eher deren Ursache ist.

Minderwertigkeitskomplexe, wie es so schön heißt, kommen dort vor, wo sich der Geist nicht frei entfalten kann. Es ist sogar in vielen Fällen ein Beweis dafür, daß ein solcher Mensch geistig stärker ist, als er sich zeigen kann, deshalb leidet er unter dem Drucke einer ihm unbekannten Hemmung. […]
Aber es gibt auch noch eine andere Ursache dafür, bei der wenig zu helfen ist: das ist die Trägheit des Geistes! Der Mensch könnte sich schon selbst dazu aufraffen, den Druck abzuwerfen, wenn er nur wollte. Aber er ist zu bequem dazu und möchte, daß es andere tun.

(Fragenbeantwortungen)

Trägheit oder Schwäche des Geistes ist stets selbstverschuldet, kann aber von der Menschheit nicht erkannt werden. Der Zustand ist wiederum eine Folge der Verstandesherrschaft, die den Geist beengt und einmauert, ihn unterdrückt. […]
Ein Mensch mit müdem Geiste kann aber außergewöhnlich lebhaft im Denken sein, ebenso im Lernen, weil Geistesträgheit mit Verstandesschärfe gar nichts zu tun hat […].

(Vortrag „Besessen“)

Wenn auch die Ursachen für das Massaker tiefer liegen, so wurde es in seiner äußerlichen Form doch teilweise inspiriert von dem gewaltverherrlichenden Film Natural Born Killers, aus dem Dylan Klebold (offenbar unbewußt) in einem Video wörtlich zitierte.

Ich will hier nicht eingehen auf andere Abwege, bei denen der Geist ebenso zuviel der Sexualkraft für falsche Zwecke benötigt und damit für den Hauptzweck zu wenig hat, wie bei dem Lesen von Büchern, die in der Phantasie eine falsche Welt entstehen lassen, und anderes mehr.
(„Okkulte Schulung, Fleischkost oder Pflanzenkost“)

Die trotz aller Gewalt und Brutalität wesentliche Aussage des Films, Liebe sei das einzige, das den „inneren Dämon“ besiege, übersah der junge Mann dabei geflissentlich.

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Es fällt auf, daß dieser Ausdruck des Geistes – sei es in Rachels hohem Streben nach dem Licht, aber auch gelegentlichen Gefühlen von Verlassenheit, Erics weltumfassendem Haß und Dylans Zerrissenheit zwischen Sehnsucht nach Seelenliebe und vernichtenden Minderwertigkeitsgefühlen – bei allen in das gleiche Alter fiel.

Unterdessen reift der junge Körper heran, und nach und nach erwacht in ihm die Sexualkraft, die nur in der Grobstofflichkeit liegt. Sie ist die feinste und edelste Blüte aller Grobstofflichkeit, das Höchste, was die grobstoffliche Schöpfung bieten kann. In ihrer Feinheit bildet sie den Gipfel alles Grobstofflichen, also Irdischen, das dem Wesenhaften als äußerster lebendiger Ausläufer der Stofflichkeit am nächsten kommt. Die Sexualkraft ist das pulsierende Leben der Stofflichkeit und kann allein die Brücke bilden zu dem Wesenhaften, das wiederum den Fortgang zu dem Geistigen vermittelt.
Aus diesem Grunde ist das Erwachen der Sexualkraft in dem grobstofflichen Körper wie der Vorgang des Herablassens der Zugbrücke einer bisher verschlossenen Burg. Damit kann dann der Bewohner dieser Burg, also die Menschenseele, vollgerüstet streitbar hinaus, in gleichem Maße jedoch auch die diese Burg umlagernden Freunde oder Feinde zu ihm hinein. Diese Freunde oder Feinde sind in erster Linie feinstoffliche Strömungen guter oder übler Art, aber auch Jenseitige, die nur darauf warten, daß man ihnen durch irgendeinen Wunsch die Hand reicht, wodurch sie in die Lage kommen, sich fest einzuhaken und gleichartigen Einfluß auszuüben. […]
Bei normalem Heranreifen kann auch natürlichem Geschehen heraus immer nur auf beiden Seiten gleiche Stärke sein. […] Wenn der Burgbewohner aber
freiwillig einem außenbefindlichen feinstofflichen Freunde oder Feinde, auch Strömungen, die Hand reicht, also durch eigenen Wunsch oder freien Entschluß, so ist es natürlich ganz anders. Da er sich dadurch in eine bestimmte Art der außerhalb wartenden Belagerer einstellt, so können diese leicht die zehn- oder hundertfache Kraft entfalten gegen ihn. Ist diese gut, erhält er Hilfe, Segen. Ist sie aber böse, erntet er Verderben. […]
Die Sexualkraft hat die Aufgabe und auch die Fähigkeit, das ganze
geistige Empfinden einer Seele irdisch zu „durchglühen“. Der Geist kann dadurch erst rechte Verbindung mit der gesamten Stofflichkeit erhalten, wird deshalb auch erst irdisch vollwertig. […]
Deshalb setzt hier nun die Verantwortlichkeit ein! Ein ernster Wendepunkt in jedes Menschen Sein. […]
Mit Eintritt der Sexualkraft regt sich in erster Linie eine gewaltige Schwungkraft nach oben, zu allem Idealen, Schönen, Reinen! Bei unverdorbener Jugend beiderlei Geschlechtes ist das deutlich zu beobachten. Daher die von Erwachsenen leider oft belächelten Schwärmereien der Jugendjahre. Deshalb auch in diesen Jahren die unerklärlichen, leicht schwermütigen Empfindungen.
Die Stunden, in denen es scheint, als ob ein Jüngling oder eine Jungfrau den ganzen Weltschmerz zu tragen hätte, wo Ahnungen eines tiefen Ernstes an sie herantreten, sind nicht unbegründet.
Auch das so häufig vorkommende Sich-nicht-verstanden-Fühlen trägt in Wirklichkeit viel Wahres in sich. Es ist das zeitweise Erkennen der falschen Gestaltung der Umwelt, die den geheiligten Ansatz zu einem reinen Höhenfluge nicht verstehen will, noch kann, und erst zufrieden ist, wenn diese so stark mahnende Empfindung in den reifenden Seelen herabgezerrt wird in das ihnen verständlichere „Realere“ und Nüchterne, das sie als der Menschheit besser angepaßt erachten und in ihrem einseitigen Verstandessinne für das einzig Normale halten!
Der geheimnisvoll ausstrahlende Reiz einer unverdorbenen Jungfrau oder eines unverdorbenen Jünglings ist nichts anderes, als der von ihrer Umgebung mitempfundene
reine Auftrieb der erwachenden Sexualkraft nach Höherem, Edelstem, in Vermählung mit der Geisteskraft!
Sorgsam hat der Schöpfer darauf Bedacht gelegt, daß dies bei dem Menschen erst in ein Alter fällt, wo er sich seines Wollens und Handelns voll bewußt sein kann. Dann ist der Zeitpunkt da, an dem er alles Zurückliegende in Verbindung mit der nun in ihm liegenden Vollkraft spielend abzuschütteln vermag und abschütteln sollte. Es würde sogar von selbst abfallen, wenn der Mensch das Wollen zu dem Guten beibehält, wozu es ihn in dieser Zeit unaufhörlich drängt. Dann könnte er, wie die Empfindungen ganz richtig andeuten, mühelos emporsteigen zu der Stufe, auf die er als Mensch gehört!
Sehet das Verträumtsein der unverdorbenen Jugend! Es ist nichts anderes als das Empfinden des Auftriebes, des Sich-losreißen-Wollens von allem Schmutz, die heiße Sehnsucht nach Idealem. Die treibende Unruhe aber ist das Zeichen, die Zeit nicht zu versäumen, sondern energisch das Karma abzuschütteln und mit dem Emporsteigen des Geistes
einzusetzen.
Es ist etwas Herrliches, in dieser geschlossenen Kraft zu stehen,
darin und damit zu wirken! Jedoch nur, solange die Richtung eine gute ist, die der Mensch erwählt. Es gibt aber auch nichts Erbärmlicheres, als diese Kräfte einseitig in blindem Sinnestaumel zu vergeuden und seinen Geist damit zu lähmen.
(„Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“)

Obwohl viele von Dylan Klebolds Einträgen den erwachsenen Leser tatsächlich lächeln lassen – denn wer erinnert sich nicht an ähnlich phantasiebeladene Vorstellungen der eigenen Jugendjahre? –, ist ein bemerkenswertes Element für den spirituell ausgerichteten Menschen ein deutlich erkennbares Streben nach Hohem, Reinem (letzteres ein häufig auftauchendes Wort in den Aufzeichnungen). Es ist begraben unter allerlei falschen Ansätzen und Ideen, eine sichtlich verschwommene Vorstellung für den jungen Mann, der es mangels einer geistigen oder religiösen Überzeugung in vage, wechselnde Formen preßte, in späteren Einträgen in ein Überlegensheitsdenken und einen „Gott-Komplex“ – Gedankengänge, die durchaus beeinflußt sein mochten von Eric Harris‘ Superioritätswahn. Nichtsdestotrotz erkennt man geistige Ansätze in seiner klaren (wenn auch falsch interpretierten) Trennung zwischen seinem wahren Ich und seiner „menschlichen Form“ und vor allem seiner romantisierten Sicht der „Reinheit“ eines angeschwärmten Mädchens, seinem Versuch, sich im Gegenzug „rein“ zu halten, um ihrer wert zu sein.

Rachel Scott kämpfte mit ähnlichen Herausforderungen, doch durch ihren christlichen Glauben hatte sie konkrete Richtlinien, denen sie folgte. Auch sie strebte nach Hohem, danach, daß Gottes Licht aus ihr leuchten möge, um den Menschen den richtigen Weg zu zeigen. Und auch sie machte sich Gedanken über das andere Geschlecht und ihr Bedürfnis nach Reinheit.

Rachel hatte einen Freund, für den sie wirklich große Gefühle hegte, und mit der Zeit begann sie sich Sorgen zu machen, wohin sich ihre Beziehung körperlich entwickeln würde. Sie hatte Angst, ihren tiefverwurzelten moralischen Standard und ihre Vorstellungen von sexueller Reinheit zu verletzen.
Was machte sie? Sie gab ihren Freund auf. Sie verließ den vermutlich einzigen jungen Mann, den sie liebte, weil sie nicht wollte, daß die Beziehung sie von dem abwendete, wozu sie berufen war. Es war schwer für sie, und sie schrieb über ihren Kampf in ihren Tagebüchern.

(Rachel’s Tears)

Der Mensch von heute ist in dieser Beziehung nicht normal, sondern er trägt einen krankhaften, bis auf das Zehnfache gesteigerten sexuellen Trieb mit sich, dem er in hundertfältigen Formen und Arten einen Kult zu erbauen sucht, der zum Verderben der ganzen Menschheit werden muß.
Ansteckend, übertragend wie ein Pesthauch wirkt dies alles mit der Zeit auch auf die, die sich noch krampfhaft anzuklammern suchen an ein Ideal, das ihnen im Verborgenen ihres Halbbewußtseins vorschwebt. Sie strecken wohl verlangend ihre Arme darnach aus, lassen diese aber seufzend immer wieder sinken, hoffnungslos, verzweifelt, wenn sich ihr Blick auf die Umgebung richtet.

(Vortrag „Sittlichkeit“)

Fragt, wo Ihr wollt, was Keuschheit ist, Ihr werdet überall als Antwort den Begriff für körperliche Unberührtheit in irgendeiner Form erklärt erhalten, jedenfalls gipfelt für die Erdenmenschen darin ihre Anschauung.
Das zeugt so ganz von kleiner Denkungsart der Menschen, die sich dem Verstande unterordnen, welcher selbst die Grenzen alles Irdischen gezogen hat, weil er nicht weiter reichen kann mit seinen Fähigkeiten, die aus Irdischem geboren sind. […]
Keuschheit ist anders als die Menschen es sich denken, viel umfassender, größer, sie verlangt nicht, gegen die Natur sich einzustellen […].

(„Keuschheit“)

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Vorausgeahnter Tod und Folgen

In den Monaten vor ihrem Tod, als sich Rachels Ernsthaftigkeit ihrer Überzeugung gegenüber intensivierte, nahm das Geistige zunehmend mehr Raum in ihrem Leben ein.

April 20, 98

Es ist, als hätte ich ein schweres Herz und diese Last auf meinem Rücken… aber ich weiß nicht, was es ist. Ich könnte weinen wegen irgend etwas in mir… und ich weiß nicht einmal, was es ist. Dinge haben sich definitiv geändert. Die letzte Woche war so schwer… […] Ich habe alle meine Freunde an der Schule verloren. Jetzt, wo ich angefangen habe, meine Worte zu leben, machen sie sich über mich lustig. Ich weiß nicht einmal, was ich getan habe. Ich muß nicht einmal wirklich etwas sagen, und sie weisen mich ab.
Ich habe keine persönlichen Freunde mehr an der Schule. Aber weißt du was… für mich ist es das alles wert. […] Ich werde meinen Glauben ihnen gegenüber nicht rechtfertigen, und ich werde nicht das Licht verstecken, das Gott in mich gelegt hat.

(Rachel’s Tears)

Ihre Empfindung war wach, womit sich vieles erklärt, was ihre Familie, die nach ihrem Tod durch Tagebücher davon erfuhr, einer Eingabe durch Gott zuschreibt: Sie sah voraus, daß ihr Vater sie eines Tages in der beliebten Talkshow Oprah sehen würde (nach Rachels Tod war Darrell Scott zu Gast bei Oprah, wo er die große Bildprojektion eines Fotos seiner Tochter zu sehen bekam); mit dreizehn Jahren zeichnete sie die Umrisse ihrer Hände auf die Rückseite eines Schranks und schrieb dazu: „Diese Hände gehören Rachel Joy Scott und werden eines Tages Millionen von Herzen berühren“ (ihre Hand ist heute eines der Symbole der Organisation Rachel’s Challenge, die seit Jahren in ihren Programmen Rachels Geschichte und ihr Lebensmotto verwendet, um Mobbing an Schulen entgegenzuarbeiten – und damit bereits Millionen von Menschen berührt hat). Nicht zuletzt war Rachel schon früh bewußt, daß sie jung sterben würde. Mehrere Freunde berichteten von Anmerkungen, die sie darüber fallen ließ, und am 2. Mai 1998 notierte Rachel in ihrem Tagebuch:

Dies wird mein letztes Jahr sein, Herr.
Ich habe erhalten, was ich konnte.
Danke.

(Rachel’s Tears)

Es war ein Mann namens Frank Amedia, der Rachels Beisetzung einen Monat zuvor auf CNN gesehen hatte. […] Er sagte, daß er dreimal in seinem Leben Träume gehabt habe, von denen er wußte, daß sie von Gott kämen. Die ersten beiden betrafen sein Geschäft […]. Sein dritter Traum fand kurz nach Rachels Beisetzung statt. Er träumte von ihren Augen und einer Tränenflut, die etwas bewässerte, das er in seinem Traum nicht richtig sehen konnte. Er war entschieden, was die Augen und Tränen betraf und wollte wissen, ob mir das etwas sagte. Er war enttäuscht, als ich sagte: „Nein, Frank, ich habe keine Idee, was das bedeutet.“ Er sagte mir, daß der Traum ihn tagelang verfolgt habe, und er wußte, daß es einen Grund dafür gab. […]
Mehrere Tage vergingen, und ich vergaß meine Unterhaltung mit Frank. Dann erhielt ich einen Anruf von der Polizei, um mich wissen zu lassen, daß sie Rachels Rucksack freigäben, den sie trug, als sie ermordet wurde. Der Rucksack hatte ein Einschußloch, und sie hatten ihn als Beweisstück zurückgehalten, um festzustellen, aus wessen Waffe die Kugel stammte.
Wir vermuteten, daß Rachels letztes Tagebuch noch in dem Rucksack war, aber es waren tatsächlich zwei. [..]
Ich blätterte zum Ende ihres letzten Tagebuchs und konnte nicht glauben, was mich von der letzten Seite her anstarrte! Eine Zeichnung ihrer Augen mit einem Tränenstrom, der eine Rose bewässerte! Später wies jemand darauf hin, daß es dreizehn klare Tränen waren, die aus ihren Augen fielen, bevor sie die Rose berührten und sich in etwas verwandelten, das wie Bluttropfen aussah. Es gab natürlich dreizehn Opfer der zwei Mörder. Ich war so verblüfft, daß ich kaum atmen konnte. Eine Woche zuvor hatte ein völlig Fremder, der mehr als eintausend Meilen entfernt wohnte, exakt das beschrieben, was ich in Rachels letztem Tagebuch sah!

(Rachel’s Tears)

Später sollten ihre Eltern erfahren, daß Rachel die Zeichnung in einer der Schulstunden vor ihrem Tod angefertigt hatte. In einem Gespräch mit einer Freundin erwähnte Rachel außerdem, daß sie fühlte, irgend etwas sei seltsam an diesem Tag.

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Wir entdeckten die gleiche Rose in einem früheren Tagebuch, ein Jahr vor Rachels Tod gezeichnet. Die erste Zeichnung zeigt einfach die Rose mit den blutigen Tropfen, nicht ihre Augen oder die Tränen. Die erste Zeichnung stellt außerdem die Rose dar, wie sie aus einer Akelei [engl.: columbine] herauswächst. Columbine High School erhielt ihren Namen von der Staatsblume. Dazu hatte sie ein Kreuz gezeichnet mit den Worten: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“! […]
Ich teilte diese Geschichte in Jackson, Tennessee, mehrere Wochen, nachdem ich Rachels Zeichnung zum ersten Mal gesehen hatte. Am Ende der Versammlung kam ein junges Mädchen zu mir, einfach nur schluchzend. Sie sagte: „Mr. Scott, ich wußte nicht, worüber Sie reden würden, bevor Sie kamen, aber ich hatte mich dazu gedrängt gefühlt, daß Sie einige Verse aus der Bibel lesen sollten, und hier sind sie.“ Sie gab mir ihre Bibel, und sie war bei Jeremia 31:15-17 aufgeschlagen:
So spricht der Herr: Man hört eine klägliche Stimme und bitteres Weinen auf der Höhe; Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, denn es ist aus mit ihnen.
Aber der Herr spricht also: Laß dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Arbeit wird wohl belohnt werden, spricht der Herr. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes;
und deine Nachkommen haben viel Gutes zu erwarten, spricht der Herr; denn deine Kinder sollen wieder in ihre Grenze kommen.

(Rachel’s Tears, Bibelzitate nach Luther)

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Die genauen Umstände von Rachels Tod werden nur gemutmaßt. Es existiert ein Augenzeugenbericht, den I’m Not Ashamed seiner Darstellung zugrundelegt und der wahr oder nicht wahr sein mag.

Die meisten Geschichten wurden Richard Castaldo zugeschrieben, dem jungen Mann, der an jenem schicksalhaften Morgen mit Rachel außerhalb der Columbine-Bibliothek Lunch aß.
Richard, der mehr als ein halbes Dutzend Mal getroffen wurde und gelähmt bleibt, hat Schwierigkeiten, Erinnerungen an diesen Tag zurückzurufen, aber während der Aufnahmen für ein Segment für NBCs
Dateline -Nachrichtenmagazin im Januar 2000 bestätigte Richards Mutter, daß sie gehört habe, wie ihr Sohn Rachels Tod am Tag nach der Tragödie beschrieb.
Richards frühester Aussage zufolge saßen er und Rachel draußen, als sie Harris und Klebold herankommen sahen. Ohne Warnung eröffneten die beiden jungen Männer das Feuer, dabei Richards Rückgrat durchtrennend und Rachel zweimal in ihre Beine und einmal in ihren Torso treffend.
Während Richard benommen am Boden lag und Rachel versuchte, in Sicherheit zu kriechen, begannen die Täter wegzugehen, nur um Sekunden später zurückzukehren. Diesmal packte Harris angeblich bei den Haaren, hielt ihren Kopf hoch und stellte ihr die Frage: „Glaubst du an Gott?“
„Du weißt, daß ich das tue“, erwiderte Rachel.
„Dann geht zu Ihm“, gab Harris zurück, bevor er sie in den Kopf schoß.

(Rachel’s Tears)

Bei der Suche nach Märtyrern in der Tragödie, die bisweilen bizarre Züge trug, wie im Fall der bereits 1999 widerlegten, auf einem simplen Irrtum beruhenden, aber von seiten der Kirche bis heute bewußt aufrechterhaltenen Legende um Cassie Bernall oder der unbelegbaren Behauptung, die beiden Täter hätten bewußt christliche Opfer gewählt, wird in Rachels Tod von religiöser Seite mehr hineininterpretiert, als vermutlich vorhanden war.

Der Vorgang des Todes selbst ist weiter nichts als die Geburt in die feinstoffliche Welt. Ähnlich dem Vorgange der Geburt in die grobstoffliche Welt. Der feinstoffliche Körper ist mit dem grobstofflichen Körper nach der Lösung eine Zeitlang wie durch eine Nabelschnur verbunden, die um so weniger fest ist, je höher der also in die feinstoffliche Welt Geborene seine Seele schon in dem Erdensein nach der feinstofflichen Welt hin entwickelt hat. […]
Anders mit den Menschen, die den Aufstieg zu allem Edleren schon in dem Erdensein begannen. Weil diese die Überzeugung des Schrittes in die feinstoffliche Welt lebendig in sich tragen, ist die Loslösung auch viel leichter. Der feinstoffliche Körper und mit ihm die Verbindungsschnur ist nicht dicht, und dieser Unterschied in ihrer gegenseitigen Fremdheit mit dem grobstofflichen Körper läßt die Loslösung auch sehr schnell erfolgen, so daß der feinstoffliche Körper während des ganzen sogenannten Todeskampfes oder der letzten Muskelzuckungen des grobstofflichen Körpers schon lange neben diesem steht, wenn überhaupt von einem Todeskampfe bei normalem Sterben eines solchen Menschen gesprochen werden kann. Der lose, undichte Zustand des Verbindungsstranges läßt den danebenstehenden feinstofflichen Menschen keinerlei Schmerzen mitempfinden, da dieser leichte Verbindungsstrang in seinem undichten Zustande keinen Schmerzleiter vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen abgeben kann.
Dieser Strang sprengt auch infolge seiner größeren Feinheit die Verbindung schneller, so daß der feinstoffliche Körper in viel kürzerer Frist vollkommen frei wird und dann nach der Region in die Höhe schwebt, die aus der gleichen feineren und leichteren Art besteht.

(Vortrag „Der Tod“)

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Aus geistiger Sicht bliebe noch vieles zu Columbine zu sagen. Wer sich selbst mit der Thematik auseinandersetzen möchte, dem seien insbesondere Dave Cullens umfassendes Werk empfohlen sowie die Bücher Beth Nimmos und Darrell Scotts (nicht in deutscher Übersetzung erschienen) und das auch übersetzt vorliegende Buch Sue Klebolds, der Mutter eines der Täter.
In einer persönlichen Nebenanmerkung noch etwas zum Thema Vorurteile. Während Bekenner der Gralsbotschaft über das simple Himmel-und-Hölle-Konzept hinausblicken, das viele Christen auf die „Nachwirkungen“ von Columbine anwenden, sind sie damit doch nicht unbedingt weiser. Ich nehme mich da überhaupt nicht aus, im Gegenteil: Ich kann ja in erster Linie nur aus meinem Blickwinkel berichten. Und da hat man nun einmal gewisse Vorstellungen von karmischen Verstrickungen, Ebenen des Dunkels und der Notwendigkeit des Erkennens. Diese sind sicherlich nicht falsch. Aber in unserem Verständnis für die grundlegenden Zusammenhänge vernachlässigen wir vielleicht ein wenig zu oft die stillen „Wunder“ der Schöpfungsgesetze. Um es konkret zu sagen: Angesichts der Bindungen, die sich die beiden Täter auferlegt haben, angesichts des feinstofflichen Umfeldes, das sie sich schufen, ging ich davon aus, daß es eine sehr lange Zeit brauchen würde, ehe sie überhaupt zu besserer Erkenntnis kämen. Und darin mußte ich Demut erlernen und Staunen, Freude und Lobpreisung. Ich kann nicht auf Details eingehen, weil sie doch extrem privat sind und ganz andere Personen betreffen als mich, aber mir wurde ein Stück künftigen Lebensweges eines der Täter gezeigt, das im karmischen Zusammenhang völlig Sinn macht, aber mir nie zu Gedanken gekommen wäre. „Natürlich!“ sagte ich damals, halb lachend und halb weinend. So naheliegend. Und doch hatte ich bis zu dem Zeitpunkt wie so viele andere bei Columbine haltgemacht. Während der betreffende Geist innerhalb dieser wenigen siebzehn Jahre mit Riesenschritten vorangekommen sein muß, daß ich ihn so sehen konnte wie ich ihn sah. Mein Punkt ist: Wir wissen doch nichts über die Zusammenhänge. Folglich sollten wir uns hüten, ein Urteil zu sprechen – es könnte sein, daß wir uns als blind und ahnungslos ausweisen.

Übersicht „Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht“

Eine Liste der bisher erschienenen Artikel in dieser Serie:

Die erlösende Macht der Liebe: Angel und Spike in Buffy the Vampire Slayer

Geistiger Aufstieg und irdisches Glück in Peter Ustinovs Inszenierung von Mozarts Zauberflöte

Bindungen und Ablösung in Megan Harts Deeper

Christliche Filme, Teil 1

Christliche Filme, Teil 2

Ein Fremdling, Reinkarnation und Weiblichkeit in Doctor Who

Treue und Pflicht in einem sich wandelnden Gesellschaftsbild: The Last Samurai

Das Schöpfungswirken in Der Wunderapostel

Karma, Ringschlüsse, Wiedergeburt und Anziehung der Gleichart in Planescape: Torment

Dämonische Beeinflussung und lichte Streiter in Terry Brooks‘ Word and Void-Trilogie

Ringende Geister in einer gefallenen Welt: Dominion

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Ringende Geister in einer gefallenen Welt – „Dominion“

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Sicher ist Dominion kein naheliegender Kandidat für diese Artikelreihe, bekam der Film, auf dem die Fernsehserie aufbaut, Legion (2009), doch gerade von religiöser Seite viel Beschuß. Doch näher betrachtet, enthält die Handlung abseits von allen Grundlagen, „die nicht stimmen“, sehr viele Weisheiten. Man muß nur einmal bereit sein, tiefer zu schürfen.

25 Jahre nach dem Verschwinden Gottes und Erzengel Gabriels Krieg gegen die Menschen haben sich die Überlebenden in vereinzelten Städten verbarrikadiert. In Vega, den Resten des früheren Las Vegas, hat sich eine starre Gesellschaftsordnung etabliert, die anfangs Sicherheit und Ordnung garantierte, doch inzwischen zu einem Unrechtssystem verkommen ist. Die Hoffnung des Volkes beruht auf dem von Erzengel Michael verheißenen Retter, doch gerade unter der Elite der Gesellschaft lacht man nur noch über diesen Glauben.
Michael selbst hält sich bedeckt. Obwohl er in Vega eine Position des Vertrauens und der Ehrfurcht genießt und sogar eine Elite-Militäreinheit unter seinem Befehl hat, ist er in den Augen vieler doch gleichermaßen potentiell verdächtig, da zum Feind gehörig. Niemand weiß, daß er neutral verbliebenen Engeln Unterschlupf in Vega gewährt hat, ganz zu schweigen von seiner verbotenen Liaison mit einer der Konsulinnen der Stadt. Sein größtes Geheimnis jedoch bleibt die Identität des Auserwählten, Alex Lannen, ein junger Soldat unter seinem Kommando. Auch Alex weiß nichts von seiner Bestimmung; sein Plan ist es vielmehr, Vegas unterdrückerischem Regime zu entfliehen. Doch dann häufen sich Sichtungen der von niederen Engeln besessenen Truppen Gabriels – und es scheint, als hätten sich ihm auch höhere Engel angeschlossen.

Spätestens hier hat jeder Monotheist abgeschaltet, richtig?

Was Dominion mit seiner alttestamentarischen, aber von den Schriften abweichenden Grundidee so bestechend macht, ist nicht „Werktreue“. Filme über Engel, den Himmel, selbst über Gott gibt es seit vielen Jahren, und wohl keiner ist der Realität annähernd nahegekommen. Es gibt geglücktere Versuche als andere (Der Wunderapostel, Ink oder die Serie Twice in a Lifetime fallen dabei ein), aber sie beruhen fast immer auf einem sehr irdisch-menschlichen Denken. Dominion ist dabei sicher nicht „blasphemischer“ als andere. Denn wenn man einmal die Äußerlichkeiten ignoriert und zum Kern der Geschichte vorstößt, findet man innig vertraute Dinge. Ich spreche dabei nicht von in dieser Artikelserie bereits behandelten Themen wie geistigen Helfern (in Dominion beispielsweise Noma) oder Besessenheit. Dominion ist in seiner Art eine bemerkenswert ehrliche Geschichte über den suchenden Menschen, den ringenden Menschen in einer scheinbar gottlosen Welt. Jeder der handelnden Charaktere sucht seinen Lebensinhalt, seine Bestimmung, sei es im Versuch, eine bessere, gerechtere Gesellschaft zu schaffen auf Seiten der rein irdisch denkenden, aber „guten“ Charaktere, sei es Machtgier als Selbstzweck oder als Mittel zum Vorteil des eigenen Teiles der Gesellschaft bei den „bösen“ oder grauen Charakteren. Selbst die Charaktere, die über das Irdische hinausstreben oder selbst dem Höheren angehören, bleiben von den Irrungen der Niederungen nicht verschont. Wenn Michael in einer Episode erläutert, daß die zur Erde hinabgestiegenen Engel einander nicht mehr erkennen können, wie es „oben“ noch möglich war, so steckt viel Wahrheit dahinter. Es ist Geistern aus den urgeistigen und göttlichen Ebenen möglich, im Grobstofflichen zu inkarnieren. Es ist Wesen aus beiden Ebenen möglich, in die Tiefe zu steigen, um Aufgaben zu erfüllen, wie Luzifer es einst tat, der aber in der Entfernung vom Licht eigenen Willen entwickelte und somit zum Geist wurde. Während Luzifer niemals inkarnierte, dürfte dies schwächeren zum Geist gewordenen Wesen durchaus möglich sein. Doch damit geraten sie wie Menschengeister auch in die Versuchungen der Stofflichkeit.

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Zwischen den Kreaturen Geist und Wesen ist an sich in der Schöpfung kein Wertunterschied. Ein Unterschied besteht nur in der verschiedenen Art und der dadurch gegebenen andersartigen Notwendigkeit ihres Wirkens! Der Geist, der ja auch zu dem großen Wesenhaften gehört, kann Wege seiner eigenen Wahl gehen und entsprechend in der Schöpfung wirken. Das Wesen aber steht unmittelbar im Drang des Gotteswillens, hat also keine eigene Entschlußmöglichkeit oder, wie es der Mensch ausdrückt, nicht seinen eigenen, freien Willen. […]
Die Erzengel im Göttlichen sind Wesen, da unter dem größten Druck der Gottesnähe gar kein anderes Wollen möglich wäre außer dem, was in dem Gotteswillen rein und unverbogen schwingt.
Erst in ungeheuerer Entfernung, die für Euch unfaßbar ist, ganz an der Grenze der göttlichen Sphäre […], kann sich zum ersten Male ein Ichbewußtsein lösen in den Ewigen oder, wie sie manchmal auch bezeichnet werden, den Alten, die gleichzeitig die göttlichen Hüter des Heiligen Grales sind. Nur die Entfernung aus der Gottesnähe gab die Möglichkeit dazu.
Und erst von da an abwärts führend, konnten sich in immer weiterer Entfernung von der Gottesnähe auch die kleineren Ichbewußtseine entwickeln, die aber leider damit auch den eigentlichen Halt verloren und zuletzt abstrebten von dem Schwingen des reinen Gotteswillens.
Nur durch die immer größer werdende Entfernung konnte auch einst Luzifer sich ändern und im Eigenwollen die Verbindung für sich abschneiden, wodurch er selbsttätig Abgründe riß, die mit der Zeit unüberbrückbar wurden, und er dabei verdunkelnd, schwerer werdend, immer tiefer sank. So wurde er in der Verdichtung und der Abkühlung zum Geist, der freies Wollen hatte und mit seinen großen Anlagen, die ihm der Ursprung gab, zuletzt als
stärkster Geist unter der Stofflichkeit stand. […]
Alle Wesen stehen in dem Dienste Gottes, wozu sich Geister erst freiwillig selbst bekennen müssen, wenn sie segenbringend in der Schöpfung wirken wollen.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das Wesenhafte“)

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Gabriel glaubt (nicht ganz zu Unrecht), nur die völlige Vernichtung der Menschheit könne das Gleichgewicht in der Schöpfung wiederherstellen, doch seinem Urteil fehlt die notwendige Gerechtigkeit. Uriel versucht Frieden zu schaffen, doch sie handelt dabei nach dem Motto, daß der Zweck die Mittel heilige. Michael mit seiner großen Liebe für die Menschheit beweist von allen vielleicht noch den größten Glauben, doch auch er sucht nur blindlings seinen Weg. Alex wiederum weiß, daß er eine Bestimmung hat, doch nicht, was diese ist und was er tun soll, um sie zu erfüllen.

Die Binde wird Auserlesenen immer erst vorsichtig nach und nach gelockert, um der notwendigen Entwicklung nicht vorzugreifen; denn alle Zwischenstufen müssen ernsthaft erlebt sein, um zuletzt eine Erfüllung möglich zu machen. Zu frühes Bewußtsein der eigentlichen Aufgabe würde in der Entwicklung Lücken lassen, die eine spätere Erfüllung erschweren.
In dauerndem Hinblick auf das Endziel kommt die Gefahr des zu schnellen Vorwärtsstürmens, wobei vieles übersehen oder nur leicht erlernt wird, was zur Ausfüllung der eigentlichen Bestimmung unbedingt ernsthaft erlebt sein muß. Ernsthaft erleben aber kann der Mensch immer nur das, was er jeweils als seine wirkliche Lebensaufgabe betrachtet.

(„Die unbefleckte Empfängnis und Geburt des Gottessohnes“)

Allen ist gemein, daß die Stofflichkeit ihnen die Augen verschlossen hat, also das Erkennen des rechten Weges. Sie alle sind Suchende, die immer wieder über die ihnen in den Weg tretenden Hürden stolpern oder auf den rutschigen Abhang der Versuchungen geraten. Und darin unterscheiden sich wie leider in der Realität auch urgeistige und göttliche Geister nicht von den Menschengeistern. Die traurige Wahrheit dabei ist, daß solche vielleicht nur für eine spezifische Aufgabe inkarnierten „höheren“ Geister sich auf diesem Wege ein Karma schaffen, das sie gegebenenfalls über mehrere Inkarnationen ablösen müssen, was wieder die Gefahr für weitere Bindungen schafft – also am Ende einen wesentlich längeren Aufenthalt in der Grobstofflichkeit erfordert als ursprünglich geplant.

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Es ging ein Säemann aus, zu säen: Dort, wo das Feinstofflichste der Schöpfung an das Wesenhafte reicht, ist die Fläche der Aussaat der menschlichen Geistkeime. Fünkchen gehen von dem Wesenhaften über die Grenze und versenken sich in den jungfräulichen Boden des feinstofflichsten Teiles der Schöpfung, wie bei den elektrischen Entladungen eines Gewitters. Es ist, als ob die schaffende Hand des Heiligen Geistes Samenkörner ausstreut in das Stoffliche.
Während sich die Saat entwickelt und langsam der Ernte zureift, gehen viele Körner verloren. Sie gehen nicht auf, das heißt, sie haben ihre höheren Fähigkeiten nicht entwickelt, sondern sind verfault oder verdorrt und müssen sich im Stofflichen verlieren. Die aber aufgegangen sind und über die Fläche emporstreben, werden bei der Ernte streng gesichtet, die tauben Ähren von den vollen Ähren geschieden. Nach der Ernte wird dann nochmals sorgfältig die Spreu von dem Weizen getrennt. […]
Wenn geistige Funken überspringen in den Boden des feinstofflichen Ausläufers der stofflichen Schöpfung, so schließt sich um diese Funken sofort eine gasige Hülle von der gleichen Stoffart dieser zartesten Region des Stofflichen. Damit ist der Geisteskeim des Menschen eingetreten in die Schöpfung, die wie alles Stoffliche der Veränderung und dem Zergehen unterworfen ist. Er ist noch karmafrei und wartet der Dinge, die da kommen sollen.
Bis in diese äußersten Ausläufer hinein reichen nun die Schwingungen der starken Erlebnisse, die inmitten der Schöpfung in all dem Werden und Vergehen ununterbrochen vor sich gehen.
Wenn es auch nur die zartesten Andeutungen sind, die diese Feinstofflichkeit wie ein Hauch durchziehen, so genügen sie doch, das empfindsame Wollen in dem Geisteskeime zu wecken und aufmerksam zu machen. Er verlangt, von dieser oder jener Schwingung zu „naschen“, ihr nachzugehen, oder, wenn man es anders ausdrücken will, sich von dieser mitziehen zu lassen, das einem Sichanziehenlassen gleichkommt.
Darin liegt die erste Entscheidung des vielseitig veranlagten Geisteskeimes, der nun je nach seiner Wahl hier oder dorthin gezogen wird. Dabei knüpfen sich auch schon die ersten zartesten Fäden zu dem Gewebe, das für ihn später sein Lebensteppich werden soll. […]
Durch seinen Wunsch vermag er wie ein Steuer den Kurs zu ändern in den Strömungen, sobald ihm die eine nicht mehr behagt. So vermag er hier und da zu „kosten“. […]
Jede Schwenkung, die er macht, bildet einen Knoten in den Fäden, die er hinter sich herzieht, die bei vielen Irrwegen, bei vielem Hin und Her in zahlreichen Maschen wie zu einem Netze werden können, in das er sich verstrickt, wodurch er entweder darin untergeht, weil es ihn festhält, oder aus dem er sich gewaltsam herausreißen muß. […]
Die Fäden werden mit dem Wachsen des Geistkeimes dichter und stärker, bilden das Karma […].

(„Der Mensch und sein freier Wille“)

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Allen Empörungen religiös orientierter Menschen zum Trotz ist Dominion also eine überraschend akkurate Darstellung unserer Probleme in den Niederungen – gleichgültig, welchen Ursprungs wir sind.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Dämonische Beeinflussung und lichte Streiter in Terry Brooks‘ Word-and-Void-Trilogie

Autor Terry Brooks, der sich über lange Jahre hauptsächlich einen Namen als Verfasser seiner Shannara-Romane gemacht hatte, stieg 1997 in ein für ihn neues Genre ein: Kontemporäre Fantasy. Seine namenlose Trilogie, die von den Lesern The Word and the Void oder Demon Trilogy benannt wurde, ist in den USA der Gegenwart angesiedelt und bevölkert die für Menschen sichtbare Welt mit allerlei Kreaturen „zwischen Himmel und Erde“, die nur Ausgewählte wahrnehmen können. In den drei Romanen Running with the Demon, A Knight of the Word und Angel Fire East wird die Geschichte zweier solcher Ausgewählter erzählt, Nest Freemark, die in den Jahren der Handlung von einem jungen Mädchen mit besonderen Fähigkeiten zu einer Frauengestalt heranreift, wie sie sehr untypisch für Fantasy-Romane ist, und John Ross, ein Ritter der Lichts, der als bescheidener Wanderer seine Wege geht.
Während diverse Elemente der Romane natürlich reine Fantasy sind, finden sich doch bemerkenswerte Übereinstimmungen mit der Lehre der Gralsbotschaft.

Running with the Demon ist deutlich erkennbar auch eine Hommage des Autors an seine glückliche Kindheit in einer Kleinstadt der USA. Er schildert die Orte und Personen der Handlung mit einem liebevollen Realismus, der auch von Kritikern hochgelobt wurde. (Charakterzeichnung war von jeher die Stärke seiner Romane.) Hopewell ist eine verschlafene Kleinstadt, in der die Uhren langsamer gehen. Doch die Idylle trügt: Ein lang andauernder Streik ist zu einer aussichtslosen Verhärtung der Fronten angewachsen und lähmt das allgemeine Leben. Besonnene Köpfe unter den Arbeitern und Gewerkschaftlern mahnen zur Ruhe, haben jedoch keine Ideen, wie aus der Sackgasse herauszukommen ist, während hitzigere Elemente der Ansicht sind, nur eine gewalttätige Aktion könne die Industriebosse wieder an den Verhandlungstisch zwingen.
In diese Situation geraten zwei Fremde: John Ross, dem man seine Berufung als Streiter der Lichts schwerlich ansieht, und die Kreatur, die er jagt, ein Dämon, der sich die potentiell explosive Lage zunutze macht, um seine eigenen Pläne voranzutreiben. In Brooks‘ Geschichte folgt das Konzept von Dämonen nicht der klassischen, christlich verwurzelten Mythologie, die Dämonen als gefallene Engel darstellt (wie es beispielsweise Tolkien in seinen ebenfalls unter dem Blickwinkel der Gralslehre höchst aufschlußreichen Büchern tut), sondern hier sind es frühere Menschen mit mehr oder weniger menschlichen Körpern, die sich dem Dunkel verschrieben haben. Ihre Beweggründe für ihre Taten sind entsprechend sehr unterschiedlich, doch haben sie stets den Sturz starker Geister zum Ziel, während die verachteten schwächeren Geister bedenkenlos für dieses Ziel geopfert werden.
Ein weiterer solch starker Geist ist die vierzehnjährige Nest Freemark. Sie ist, was man landläufig hellsichtig nennt; sie kümmert sich zusammen mit ihrem Freund, einer Art Baumelf, um das Wohlergehen des nahen Stadtparks, und sie sieht die „Feeders“ genannten Wesen, die von den Emotionen der Menschen zehren und diese durch ihre Anwesenheit gleichzeitig verstärken – im Weltbild der Gralsbotschaft also entweder Gedanken- oder aber Empfindungsformen, also Dämonen.

Die lebendige Schöpfungskraft, die die Menschen durchflutet, rafft durch den geschlossenen Willen eines fertigen Gedankens Feinstoffliches zusammen und schließt es bindend zu einer Form, die dem Willen dieses Gedankens Ausdruck gibt. Also etwas Wirkliches, Lebendiges, das nun Gleichartiges in dieser Welt der Gedankenformen durch das Gesetz der Anziehungskraft der Gleichart anzieht oder sich von solchen anziehen läßt, je nach seiner eigenen Stärke.
Wie ein Gedanke bei seinem Entstehen gleichzeitig
mitempfunden wird, schwächer oder stärker, so wird auch sein feinstoffliches Gebilde entsprechendes Leben in sich tragen. Dicht bevölkert ist diese Gedankenwelt.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Gedankenformen“)

Die so erstarkte Empfindung eines Menschen zeugt nun in weiterer Abstufung unmittelbar selbsttätig ein Gebilde, das die Art der Empfindungen ganz genau verkörpert! […] Das Gebilde steht im Anfang in, dann neben seinem Erzeuger, mit diesem durch einen Ernährungsstrang verbunden. Gleichzeitig aber nimmt es selbsttätig sofort unter der Wirkung des Gesetzes der Anziehung der Gleichart Fühlung mit dem Sammelorte gleicher Arten von Gebilden und erhält von dort starken Zustrom, der mit dem jungen Gebilde nunmehr die feinstoffliche Umgebung des betreffenden Menschen gibt.
Unterdessen steigt die Empfindung höher bis zu dem Gehirn und erregt hier gleichartige
Gedanken, die sich das Ziel scharf prägen. So werden die Gedanken zu Kanälen oder Straßen, auf denen die Gebilde einem ganz bestimmten Ziele zutreiben, um dort zu schaden, wenn sie Boden dazu finden.
Hat aber der Mensch, der als Ziel davon betroffen werden soll, in sich nur reinen Boden, also reines Wollen, so bietet er für diese Gebilde keine Angriffsfläche, keinen Verankerungsgrund. Aber damit werden sie nicht etwa wieder unschädlich, sondern irren einzeln weiter oder vereinen sich mit den Gleicharten in deren Sammelstellen, die man „Ebenen“ nennen kann, da sie ja dem Gesetze ihrer geistigen Schwere unterworfen sind und deshalb
bestimmte Ebenen bilden müssen, die immer nur gleiche Arten zulassen und festhalten können.
Damit bleiben sie aber allen den Menschengeistern unbedingt gefährlich, die nicht genügend Reinheit starken Wollens zu dem Guten in sich tragen, und bringen schließlich auch ihren Erzeugern zuletzt das Verderben, da sie stets mit diesen in Verbindung bleiben und durch den Ernährungsstrang dauernd neue […] Energien auf sie zurückfließen lassen, die die Gebilde selbst aus der Ansammlung der Zentralen erhalten. […]
Die Erzeugnisse des Empfindungswollens menschlichen Geistes, die vorerwähnten Gebilde, hören aber nach der Loslösung von ihrem Erzeuger nicht auf zu sein, sondern bestehen
selbständig weiter, solange sie Nahrung von den ihrer Art gleichgesinnten Menschengeistern erhalten! Es braucht nicht ihr Erzeuger selbst zu sein. Sie suchen Gelegenheit, sich diesem oder jenem dazu bereiten Menschen oder auch nur in der Abwehr schwachen Menschen anzuhängen. Sie sind in üblem Sinne die Dämonen, entstanden aus Neid, Haß und allem Ähnlichen. […]
Diese Gebilde des menschlichen Empfindungswollens haben
in sich Kraft, weil sie aus geistigem Wollen in der Verbindung mit der „neutralen Hauptkraft“ erstehen […].
(„Im Reiche der Dämonen und Phantome“)

Nest weiß noch nicht, daß die beunruhigende wachsende Anzahl der Feeder mit der Anwesenheit sowohl John Ross‘ als auch des Dämons in Hopewell zusammenhängt, die durch ihre jeweilige Art anziehend auf diese Wesen wirken – Ross als Ritter des Lichts, um den herum sich zwangsläufig das Dunkel ballt; der Dämon, der durch geschickte Einflüsterungen die latenten Gewaltbereitschaft mancher Menschen anheizt.

Ein Mensch kann überhaupt nicht von einem Dämon „besessen“ sein! Das geht schon aus ganz natürlichen Gründen nicht; denn der Kern des Menschen ist Geist, ein Dämon aber Wesen, einst harmlos, doch durch Menschengeistwollen zum Dämon großgezogen. Und da Geist höher ist als Wesen in seiner Beschaffenheit, so vermag Wesen den Geist nicht zu verdrängen, auch nicht zeitweise, was bei Besessensein notwendig ist. Der Mensch kann aber dämonisch beeinflußt sein! Das ist ein großer Unterschied; denn zur Beeinflussung gehört ein gewolltes inneres Entgegenkommen des betreffenden Menschen, sei es nun hervorgerufen durch sein Handeln, also einen von außen nach innen wirkenden Vorgang, oder durch sein eigenes Wollen, irgendeinen Hang, den er sich angeeignet, also zur Eigenschaft gemacht hat. In diesem Falle öffnet er sich zuerst innerlich diesem üblen Einflusse und wirkt dann beeinflußt nach außen.
Dämonisch beeinflußt sein kann also nicht ohne eigenes Wollen geschehen. Aus
diesem Grunde wird auch eine Heilung oder Hilfe sehr erschwert. Der Zustand ist auch viel gefährlicher für den Menschen selbst und für seine Umgebung, da er berechnender, heimtückischer, vollkommen bewußt handelnd wirkt.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Das einige Jahre später eingesiedelte A Knight of the Word schildert dann anschaulich, wie der Sturz eines hohen Geistes zustandekommt, durch kleine Schritte, Zweifel, inneres, selbst kaum erkanntes Entgegenkommen, in das sich das Dunkel mit seinen Einflüsterungen sofort einhakt.

Angel Fire East ist ein stimmungsvoller Abschluß der Trilogie, dessen Stärke in seinen ruhigen Tönen liegt. Nest ist inzwischen zu einer verantwortungsvollen Frau herangewachsen, eine sowohl mütterliche als auch beschützende Präsenz für die verschiedenen Personen, die sich in ihrem Haus einfinden. Anders als so ziemlich alle übrigen Fantasy-Heldinnen ist sie keine Kriegerin; dies bleibt dem modernen Ritter John Ross überlassen. Dennoch besteht zu keinem Zeitpunkt Zweifel an Nests Stärke, im Gegenteil, gerade durch ihre ruhige, innerlich starke Natur präsentiert sie sich dem Dunkel als beachtliche Gegnerin. Sie ist eine weibliche Streiterin im besten Sinne.

Der Mann steht in der Schöpfung mit der Front nach außen, um zu kämpfen, das Weib jedoch hält, ihm den Rücken deckend, die Verbindung mit dem Licht und bildet so den Kern, die Kraftzufuhr und Stärkung.
(Vortrag „Die Aufgabe der Menschenweiblichkeit“)

Angel Fire East bedient sich übrigens stark christlicher Symbolik, mit seinen Themen von Weihnachten, jungfräulicher Empfängnis und einem kommenden Messias, während die gesamte Trilogie auch starke Elemente der Artus-Legende aufweist.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Karma, Ringschlüsse, Wiedergeburt und Anziehung der Gleichart in „Planescape: Torment“

Die Firma Black Isle setzte in den 90er Jahren das Rollenspielsystem Dungeons & Dragons für einige Computerspiele um. Während die meisten davon in „klassischen“, mittelalterlich orientierten Fantasy-Welten angesiedelt waren, zeigten sich die Macher ambitionierter in der Umsetzung von Planescape, einem aus diversen Fantasy-, Science-Fiction-, Mythologie- und Horrorelementen zusammengesetzten Setting. Torment, das resultierende Computerspiel, stellt auch einen großen Bruch mit anderen seiner Art dar, indem es weit weniger auf Kämpfe, sondern in erheblichem Maße auf Dialogoptionen setzt, intellektuelle und weltanschauliche Fragen zum Zentrum seiner Handlung erhebt. Bis heute ist Planescape: Torment eine Legende unter den Spielen, geliebt von einem großen Fankreis – ein sogenanntes Kultspiel. Seine enorme Textfülle war zu seiner Zeit völlig unbekannt und dürfte bis heute kaum übertroffen sein, obwohl erzählbasierte Spiele inzwischen keine solche Rarität mehr sind wie damals.

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Die Hauptfigur des Geschehens, die der Spieler lenkt, ist der sogenannte Namenlose. Er erwacht zu Beginn der Handlung ohne jede Erinnerung in der städtischen Leichenhalle – nur um im Laufe der Suche nach seiner Identität zu erfahren, daß dies nicht das erste Mal war. Sein Fluch, so scheint es, ist, niemals sterben zu können. Nach jedem Tod erwacht er erneut zum Leben, ohne sich an seine Vorleben zu erinnern. In seiner verzweifelten Suche nach der Ursache dieses Geschehens hinterläßt er jedesmal Spuren für seine nachfolgenden Inkarnationen, die in ihrer Persönlichkeit oft stark voneinander abweichen. So versucht er auch dieses Mal, die Hintergründe des Fluches herauszufinden… und wird sich dabei der Tatsache bewußt, daß er den Kreis durchbrechen muß, denn seine Taten in Vergangenheit und Gegenwart betreffen nicht nur ihn selbst, sondern auch die Personen um ihn herum.

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Langsam entrollt sich vor dem Namenlosen das Bild seiner Vergangenheit, und es ist kein erfreuliches. In seiner Ambition, unsterblich zu werden, um den nach seinem Tode unausweichlich auf ihn wartenden Folgen seiner Arbeit für das Dunkel zu entgehen, wandte er sich an eine Hexe, die aus Leidenschaft für ihn einwilligte, ihm zu helfen. Doch ihr Zauber verunglückte, mit der Folge, daß zwar der Körper des Namenlosen gewissermaßen unsterblich wurde, doch nicht seine Erinnerung. So verstrickt er sich unwissentlich in jedem neuen Leben weiter in Fehler oder auch regelrechte Verbrechen, die er niemals beheben kann, weil ihm das Verständnis für die Zusammenhänge fehlt. Seine „Werke“ folgen ihm dabei nach, sei es in Form noch lebender früherer Weggefährten, in Form der Seelen Verstorbener, die durch seine Schuld umkamen, in Form von Schuld und Schmerz – die nie endende Qual, die dem Spiel seinen Titel gibt. Unschwer sind hier Reinkarnation und Karma zu erkennen.

Das kleinste aller Übel, was sie sich damit auf ihren Wanderungen auferlegen, sind mannigfache in der Wechselwirkung sich anschließende Erdinkarnierungen, welche Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende in Anspruch nehmen und die Aufstiegsmöglichkeit des Geistes immer wieder neu verzögern, neues Leid erstehen lassen, andauernd neue Ketten von unnötigen Verstrickungen ergeben, welche alle unerläßlich bis zum letzten, feinsten Stäubchen zur Auslösung kommen müssen, bevor der Geist sich heben kann aus dem durch Eigensinn geschaffenen Gewirr.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Die Hüterin der Flamme“)

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Nach dem Gesetz der Anziehung gleicher Art steht der Namenlose zugleich auch im Zentrum des Phänomens, daß sich andere Weggefährten um ihn sammeln, die alle auf ihre Art eine versteckte Qual in sich tragen.

Zurück zu dem Gedanken, der die fremden Formen an sich zog und dadurch stark und immer stärker wurde. Er tritt zuletzt in festgeschlossenen Kraftwellen über Dich hinaus, durchbricht die Aura Deiner eigenen Person und übt auf weitere Umgebung einen Einfluß aus.
Das nennt die Menschheit Magnetismus der Person. Uneingeweihte sagen: „Du strahlst etwas aus!“ Je nach der Eigenart, Unangenehmes oder Angenehmes. Anziehend oder abstoßend. Es wird gefühlt!
Doch Du strahlst nichts aus! Der Vorgang zur Erzeugung des Gefühls in diesen anderen hat seinen Ursprung darin, daß Du alles geistig Gleichartige magnetisch an Dich ziehst. Und dieses Ziehen macht sich für die Nächsten fühlbar. Doch auch hierin liegt die Wechselwirkung. In der Verbindung fühlt der andere dann deutlich Deine Stärke, und die „Sympathie“ erwacht dadurch. […]
Hervorzuheben ist, daß nur das Gleichartige angezogen wird. Deshalb das Sprichwort: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“

(„Das Schweigen“)

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Das Spiel endet in vielsagender Weise mit einem Ringschluß: Der Namenlose kehrt nach seinem endgültigen Tod in die Graue Wüste zurück, in der vor Jahrhunderten der Kreislauf begann. Von hier aus muß er den langen Weg beginnen, seine Schuld zu begleichen.
Ein wesentlicher Punkt der Handlung ist somit das Bereuen all der Dinge, die der Namenlose über die Jahrhunderte seiner Existenz falsch gemacht oder gar verbrochen hat – und es sind so einige furchtbare Dinge darunter. Die Erkenntnis dessen und darüber, daß es sein ursprünglicher, egoistischer Wunsch nach Unsterblichkeit war, der all das Leid nach sich zog, ist denn auch der Beweggrund, warum er schließlich so entschieden nach einer Möglichkeit sucht, den Teufelskreis zu durchbrechen, solange er noch kann.

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Als sein Ziel erweist sich am Ende die rätselhafte „fortress of regret“ – die Festung des Bereuens also, ein Gebilde in einer gewissermaßen feinstofflichen Ebene. Unbewußt hat der Geist des Namenlosen hier im Laufe seiner Existenz eine Umgebung geformt, ein Spiegelbild seiner inneren Beschaffenheit.

Die lebendige Schöpfungskraft, die die Menschen durchflutet, rafft durch den geschlossenen Willen eines fertigen Gedankens Feinstoffliches zusammen und schließt es bindend zu einer Form, die dem Willen dieses Gedankens Ausdruck gibt. Also etwas Wirkliches, Lebendiges, das nun Gleichartiges in dieser Welt der Gedankenformen durch das Gesetz der Anziehungskraft der Gleichart anzieht oder sich von solchen anziehen läßt, je nach seiner eigenen Stärke.
(„Gedankenformen“)

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Neben Selbsterkenntnis und der Frage, was die Natur eines Menschen ändern kann, ist ein häufig auftauchendes Element der Handlung die Macht von Namen und Worten.

Die Worte, die Ihr formt, die Sätze, bilden Euer äußeres Geschick auf dieser Erde. Sie sind wie Saat in einen Garten, den Ihr um Euch baut; denn jedes Menschenwort gehört zu dem Lebendigsten, was Ihr in dieser Schöpfung für Euch wirken könnt!
Das gebe ich Euch heute warnend zu bedenken: es liegt auslösende Veranlagung in jedem Wort, weil alle Worte in den Schöpfungsurgesetzen fest verankert sind!
Ein jedes Wort, das der Mensch bildete, erstand unter dem Drucker höherer Gesetze, muß je nach seiner Anwendung sich formend auswirken in einer ganz bestimmten Art!
Die
Anwendung liegt in der Hand des Menschen nach seinem freien Wollen, die Auswirkung jedoch vermag er nicht zu meistern, sie wird dem Heiligen Gesetz entsprechend streng gerecht geführt von einer ihm bisher noch unbekannten Macht. […]
Ihr wißt, die ganze Schöpfung schwingt im Wort des Herrn! Gibt Euch das nicht zu denken? Die Schöpfung schwingt in Ihm wie auch Ihr selbst, die Ihr zur Schöpfung ja gehört; denn sie erstand aus Ihm und wird durch dieses Wort gehalten.
Es ist den Menschen klar gekündet worden: „Im Anfang war das Wort! Und das Wort war bei Gott! Und
Gott war das Wort!“
Darin ruhet für Euch alles Wissen, wenn Ihr es doch nur schöpfen würdet. Aber Ihr lest darüber hin und achtet dessen nicht. Es sagt Euch deutlich:
Das Wort kam
aus Gott! Es war und ist ein Teil aus Ihm.
Ein kleiner Abglanz von der Macht des
lebendigen Gotteswortes, das alles in sich trägt, alles umfaßt, was außerhalb Gottes ist, ein kleiner Abglanz davon liegt auch in dem Menschenworte!
Das Menschenwort vermag zwar seine Wirkung nur bis in die Ebenen der feinen Grobstofflichkeit zu versenden, aber das genügt, um Menschen- und auch Völkerschicksale in Rückwirkung zu formen
hier auf Erden!
(„Das Menschenwort“)