Marta auf Wikipedia

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Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Die Filmreihe Die Bibel

Ein Klassiker des christlichen Fernsehens ist die über mehrere Jahre US-deutsch-italienisch koproduzierte Filmreihe Die Bibel, die mit bekannten internationalen Schauspielern besetzt wurde. Die Qualität der Serie variiert sehr. Gerade die Episoden des Neuen Testaments versuchen sich mitunter an einem Humor, der nie funktioniert; dafür jedoch wurden in vielen Folgen um Jesus die gleichen Darsteller verwendet, so daß eine Kontinuität gegeben ist.

Die besten Episoden in meinen Augen sind große Geschichten aus dem Alten Testament: Josef, eine der frühesten Folgen der Serie, die nicht nur den Werdegang ihres Titelhelden erzählt, sondern sich insbesondere auch auf seine Brüder, darunter namentlich Juda, konzentriert. Nicht nur Josef selbst reift an den Ereignissen, sondern fast noch mehr die Verursacher seines langen Leidensweges, aber auch andere Personen der Handlung, so Potifas Aufseher Ednan, der sich von Josefs Peiniger zu seinem treuesten Diener entwickelt. Potifa selbst konnte nicht besser dargestellt werden als von dem großen Mann des britischen Kinos, Ben Kingsley, und überraschend erhält man auch einen Einblick in und damit ein gewisses Verständnis für das schwierige Eheleben Potifas und seiner Frau.

Jeremia ist ein weiteres Kapitel der Serie, das gefällt, ungeachtet der obligatorischen, aber überflüssigen Liebesgeschichte. Ein Prophet wider Willen, der vor allem Unheil warnt, aber es nicht verhindern kann – das Schicksal leider so vieler Propheten. Keine leichte Kost.

Esther, das einige Generationen nach den Geschehnissen von Jeremia stattfindet. Eine der am häufigsten verfilmten Geschichten der Bibel! Trotz seiner nicht immer einfachen Ereignisse schön und positiv, mit vielen mögenswerten Charakteren rund um die Titelheldin. Herausragend selbstverständlich F. Murray Abraham als Mordechai, der stolze, unbeugsame Jude, der allein schon die Episode sehenswert macht.

Danach begibt sich die Serie ins Neue Testament, die das Ansehen für Bekenner der Gralsbotschaft teilweise schwierig macht, weil die Darstellung eben sehr von dem abweicht, was die Botschaft lehrt und was die Wegbereiter berichten. Das heißt natürlich nicht, daß sich das Ansehen nicht lohnt. Joseph von Nazareth beispielsweise überraschte mich trotz aller Hinzudichtung positiv, weil es eine eigene Geschichte innerhalb der Geschichte zu erzählen versucht, so aufgebauscht die Ereignisse auch sind. Zwar macht sich die italienisch-katholische Sicht der Dinge (die Folge ist die einzige, die ausschließlich mit italienischen Darstellern besetzt ist) sehr bemerkbar und damit eine gewisse Typisierung. Josef ist beispielsweise der idealisierte Vater, aber genau an diesem Handlungsstrang gewinnt die Folge auch.

Maria Magdalena besticht, man kann es nicht anders sagen, zu allererst durch seine Hauptdarstellerin Maria Grazia Cucinotta, eine nicht nur schöne, sondern auch charismatische Frau. Obwohl die Ereignisse so überhaupt nicht mit den Wegbereitern übereinstimmen, ist die fiktionale Umsetzung doch in vielen Dingen gelungen. Eine runde Geschichte mit überzeugender Charakterentwicklung. Und es ist gut zu sehen, daß Johannes der Täufer endlich einmal nicht als alternder Mann präsentiert wird – immerhin war er ungefähr in einem Alter mit Jesus.

Thomas ist in vielem eine sehr weise Folge. Thomas hetzt auf der Suche nach irdisch Greifbarem durch die Handlung, ohne die vielen kleinen Dinge zu bemerken, mit denen er das Leben anderer zum Positiven verändert. Sein Tunnelblick ist auf Großes, für ihn Wichtiges gerichtet, während es das Kleine ist, mit dem er einen wirklichen Unterschied macht.

Die Apokalypse versucht wie so viele Folgen zuvor, aus nichts viel zu machen. Die gesamte Rahmenhandlung ist aufgebläht und hinterläßt keinen bleibenden Eindruck. Sehenswert dagegen sind die Schauungen, die nach christlicher Sicht natürlich dem Apostel Johannes zugeschrieben werden und alles christlich interpretieren. Dennoch sind sie ergreifend.

Die Offenbarung des Johannes ist ein nicht leichtes Kapitel der Bibel, das gerade christliche Leser je nach ihrer Religionsausrichtung interpretieren (ich fand die krudesten Theorien), das aber auch im Mainstream und der „pop culture“ viele Umsetzungen gefunden hat, gerade weil die wenigsten Nichtchristen es überhaupt gelesen haben. Vorrangig natürlich die falsch verstandene Zahl 666 und das (zweite) Tier, beides zum Beispiel in der bekannten Filmreihe The Omen behandelt, davor aber auch schon bei Aleister Crowley. (Ich war sehr versucht, den jungen Kassierer, der von der 666 als Zahl des Teufels sprach, zu fragen, ob er den entsprechenden Abschnitt jemals gelesen habe… aber ich ließ es dann doch.) In christlichen Filmproduktionen (dort hat man die Passage zumindest gelesen, wenn auch trotzdem nicht durchschaut) ist die Offenbarung sehr beliebt für Endzeitszenarien wie Left Behind, The Mark oder Revelation Road.

Was viele Leser nicht zu verstehen scheinen, ist, daß die Offenbarung keine lineare Abfolge schildert. Eigentlich ist es leicht zu erkennen, finde ich, aber ich stelle fest, daß das offenbar nicht generell bemerkt wird. Vielleicht habe ich einen Vorteil dadurch, daß ich selbst Schauungen habe und daher weiß, wie es funktioniert. Die Offenbarung setzt sich aus vielen Einzelschauungen zusammen, sie ist kein chronologisch ablaufender Bericht. Ebenso muß man verstehen, daß sie wortwörtlich aus „Schau“ungen besteht, aus übermittelten Bildern, was die Sache noch einmal verkompliziert, denn der Niederschreibende deutete sie nach seinem Verständnis, seinem persönlichen Filter in etwas um, das sie nicht unbedingt waren, zumal sich hier geistiges und irdisches Geschehen oftmals vermischen.

Über die Offenbarung wurde in der Literatur der Gralsbewegung schon einiges geschrieben, von Herrn Vollmann und Herrn Siffrid vornehmlich, die bereits so manches ausgezeichnet erklären.

„Siehe das Lamm Gottes, das der Welt Sünden trägt“ heißt durchaus nicht, daß es die Sünden der Welt und die Schuld der Menschen auf sich genommen hat, also dieser und diesen abgenommen hat, wie es die bequeme Menschheit in ihrer bekannten grenzenlosen Anmaßung gern haben möchte, sondern: In den Wundmalen trägt Christus der Welt Sünde, ihr Verbrechen sichtbar, das an ihm als dem Gottesboten begangen wurde.
Das Lamm trägt die Wahrzeichen der Sünde der Welt als dauernde Anklage! Durchaus nicht als Versöhnungszeichen.
Es wird auch in den Gesichten des Johannes mehrfach ganz besonders anklagend wiederholt: „Das Lamm, das erwürget wurde!“ Dieser Ausdruck, der vielfache Ausruf der Ältesten vor dem Throne Gottes bei dem
Gericht, klingt durchaus nicht wie Versöhnungsjubel, sondern wie eine Klage und zeigt unverkennbar das damit geschehene Verbrechen an. […]
Auch wenn in der Offenbarung des Johannes, Kap. 7, Vers 14 und 15 geschrieben steht: „Diese sind’s, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhle Gottes, und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Stuhle sitzt, wird über ihnen wohnen“, so ist das alles nur eine unbedingte Bestätigung meiner Vorträge. […]
Überlegen Sie selbst noch einmal ruhig, was darin steht, klar und deutlich: „… haben ihre Kleider gewaschen und helle gemacht!“ Lesen Sie das einmal richtig! Es wird damit ausdrücklich gesagt:
Sie haben es selbst getan! Nicht Christus hat ihnen die Kleider gewaschen. Er nahm also nicht ihre Schuld auf sich, sondern sie mußten ihre Sünden selbst abwaschen! Also das Gegenteil der Anschauung so vieler geistig leerer Gläubigen.
Auch die weiteren Ausführungen in der Offenbarung des Johannes sprechen in dem geschilderten Ergehen der Menschheit deutlich genug das Gegenteil aus, indem die Schalen des
Zornes Gottes über die Erde und Menschheit ausgegossen werden, was sicherlich nicht als Zeichen und Ausdruck der Versöhnung durch das von den Menschen gewaltsam vergossene Blut Christi aufzufassen ist, sondern deutlich genug als Strafe!
(Abd-ru-shin: Fragenbeanwortungen)

Hans Wolfgang Hillers in Marta Hillers‘ Drehbuch zu Die Kuckucks und andere Anklänge

Die Nachkriegsjahre (bis zu ihrer Verheiratung Anfang 1955) waren für Marta Hillers nicht nur geprägt von ihrer journalistischen Arbeit, sondern auch von den drei Filmproduktionen, an denen sie unter ihrem in dieser Zeit verwendeten Pseudonym Marta Moyland beteiligt war. Ihr Drehbuch für den heute oft und gern zitierten Film Toxi war vermutlich nur ein erster Entwurf, denn bis auf einen Artikel im Spiegel und natürlich ihre große Sammlung zu diesem Film (inklusive Premiereneinladung) findet sich keine Erwähnung ihrer Mitarbeit in den offiziellen, archivierten Unterlagen.


Für Sündige Grenze und Die Kuckucks hingegen ist die Aufteilung der Szenen zwischen Marta und Co-Autor Robert A. Stemmle sehr offensichtlich: Während sich Stemmle wie immer seinen geliebten Kinderszenen widmete, war Marta Hillers alias Moyland für die erwachsenen, namentlich die weiblichen Dialoge verantwortlich. Besonders erkennbar ist dies in Die Kuckucks. Gerade die zahlreichen Nebencharaktere, seien es die Chefs unserer jungen Helden, die Meldeamtbeamten oder die Vermieterinnen, sie alle kennzeichnet ihre scharfe, treffende Charakterisierung. Sie sind Berliner Typen ihrer Zeit und damit autobiographisch. Um so mehr eine Hauptfigur der Handlung. Heinz Krüger (dargestellt von dem früh verstorbenen Günther Güssefeldt) ist ein gleichermaßen genaues und verklärtes Portrait Hans Wolfgang Hillers‘: Charmant, charismatisch, großzügig und hilfsbereit, ein Frauenheld und Luftikus. Die negativen Seiten seines Charakters bleiben ausgeblendet, sei es aufgrund der Thematik des Films oder weil Marta Hillers selbst diese Seiten ausblendete. In ihrem Drehbuch findet man Zitate, sowohl von Hans Wolfgang Hillers als auch Anklänge an Eine Frau in Berlin.

„Ich wollte nur mal den alten Stall beschnuppern. Aus tierischer Anhänglichkeit sozusagen.“

Entnommen aus einer Szene, die Hans Wolfgang Hillers für das gemeinsame Theaterstück (auch als Drehbuchentwurf der DEFA vorgelegt) Die Töchter des Präsidenten schrieb. (Für größere Ansicht Bild anklicken.)

Gleich noch ein Zitat: Brief Hans Wolfgang Hillers an E. K. Beltzig, 10.5.46
„Ich habe mich keiner Partei und keiner Richtung verschrieben, meine alte Vergangenheit und mein Erbe aus der Arbeiterbewegung, erweitert durch die zwölfjährige Erfahrung einer historischen Tatsache, sind mein Rüstzeug, das ich auf eine durchaus eigene Weise handhabe.“

„Das Haar tut auch schon von alleine weh.“ – „Das nennt man Kater.“

Haarweh, ein heute kaum noch bekannter Begriff. Ich war beeindruckt, ihn in Philip Boehms englischer Übersetzung von Eine Frau in Berlin korrekt wiederzufinden.

Schlangestehen an der Pumpe, in Die Töchter des Präsidenten und Eine Frau in Berlin.

Die berüchtigten Luftschutzwachen!

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: „There is no such thing as spirit. We are made of matter and nothing more. We’re just a tiny, momentary speck within an indifferent universe.” – Der schwere Weg zu geistiger Größe in Doctor Strange

English translation in the comments section.

Kümmert euch nicht um Spötter, die dem Geistesleben noch entfremdet sind. Wie Trunkene, wie Kranke stehn sie vor dem großen Schöpfungswerke, das uns so viel bietet. Wie Blinde, die sich tastend durch das Erdendasein schieben und all die Herrlichkeit um sich nicht sehen!
Sie sind verwirrt, sie schlafen; denn wie kann ein Mensch zum Beispiel noch behaupten, daß nur das ist, was er sieht? Daß dort, wo er mit seinen Augen nichts bemerken kann, kein Leben ist? […] Weiß er nicht schon von vielen Dingen jetzt, wie eng begrenzt die Fähigkeit des Auges ist? Weiß er noch nicht, daß sie mit der an Raum und Zeit gebundenen Fähigkeit seines Gehirns zusammenhängt? Daß er aus diesem Grunde alles, was sich
über Raum und Zeit erhebt, mit seinem Auge nicht erkennen kann? Wurde noch keinem dieser Spötter solche logische Verstandesbegründung klar? Das Geistesleben, nennen wir es auch das Jenseits, ist doch nur etwas, das völlig über der irdischen Raum- und Zeiteinteilung steht, das also einen gleichartigen Weg benötigt, erkannt zu werden. […]
Man könnte also sagen: das Jenseits ist, was jenseits der Erkennungsfähigkeit unserer körperlichen Augen ist.
Eine Trennung aber zwischen Dies- und Jenseits gibt es nicht! Auch keine Kluft! Es ist alles einheitlich, wie die gesamte Schöpfung. Eine Kraft durchströmt das Diesseits wie das Jenseits, alles lebt und wirkt von diesem einen Lebensstrom und ist dadurch ganz untrennbar verbunden. […]
Den Begriff der Trennung hat allein der Mensch erfunden, weil er nicht alles sehen kann und sich als Mittelpunkt und Hauptpunkt der ihm sichtbaren Umgebung dünkt. Doch sein Wirkungskreis ist größer.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Erwachet!“)

Hauptsächlich von seiner an Inception erinnernden Bilderwucht lebend (leider mitunter auf Kosten der Handlung und Charakterzeichnung), bietet Doctor Strange aus dem Marvel-Comicuniversum doch so einiges, das ihn für diese Artikelserie interessant macht. Es finden sich sogar manche Parallelen zu Erdenbann, dem 1925 uraufgeführten Theaterstücks Oskar Ernst Bernhardts (Abd-ru-shins), das bereits viele grundlegende Themen der späteren Gralsbotschaft anreißt.
Dr. Stephen Strange ist ein Star der Neurochirurgie, doch der Erfolg seiner „magischen“ Hände hat seinem Charakter nicht gutgetan. Hochmütig, egozentrisch und von sich und seinen unbestreitbar vorhandenen Fähigkeiten eingenommen, zählt für ihn nicht das Wohl seiner Patienten, sondern nur der Ruhm, der mit ihrer Heilung einhergeht. „Gewöhnliche“ oder unheilbare Fälle interessieren den ehrgeizigen Arzt entsprechend nicht, sondern lediglich solche, an die sich niemand anderes herantraut, die jedoch Erfolg versprechen. Bis er einen schweren Autounfall erleidet, in dem seine Hände schwer verletzt werden – unheilbar für die Zwecke seiner millimetergenauen chirurgischen Arbeit. Strange greift nach jedem Strohhalm, der sich ihm bietet, verpulvert sein gesamtes Vermögen für experimentelle Verfahren, doch alles ohne Ergebnis. In seinem Selbstmitleid stößt er selbst die wenigen Personen zurück, die ihm freundlich gegenüberstehen. Seine letzte verbliebene Hoffnung ist ein Fall, der allem medizinischen Verständnis widerspricht: Ein Patient, der von einer vollständigen Querschnittslähmung genesen ist. Ein Patient, dessen Behandlung Strange ablehnte – unheilbar, kein Ruhm, der zu ernten war, wie ihm der Betroffene mit klarem Blick vorhält. Dennoch verweist er Strange auf seinen Ort der Heilung im fernen Katmandu.

Ruhm, Status, Geld als Lebenszweck…

… und die Suche nach Heilung und Wahrheit inmitten falscher Versprechungen. Ich liebe die Montage der Katmandu-Szenen für ihre reichen Andeutungen. Der Weg zur Heilung führt für Strange nur durch die Wahrheit, aber sie ist eine schmerzhafte Erfahrung. Denn zu allererst muß er sich der Wahrheit über sich selbst stellen. Ohne Selbsterkenntnis und Selbstaufgabe wird er seiner Heilung immer im Wege stehen.

Alles an dem mysteriösen Kloster und dessen mysteriöser Lehrerin stößt Strange in seinem materialistischen, orthodox-wissenschaftlichen Weltbild ab. Geist, Astralkörper, Heilung durch Glauben sind für ihn keine Konzepte, die überhaupt in Betracht gezogen werden können. Bis die ebenso humorvolle wie handfeste Weise ihn eines Besseren belehrt.

Der Astralkörper besteht aus mittlerer Grobstofflichkeit. Er muß von den kleinen Wesenhaften dem schweren, grobstofflichen Erdenkörper unmittelbar vorangehend geformt werden, so daß es fast erscheint, als wenn er gleichzeitig geformt würde. Dem ist aber nicht so; denn der Astralkörper – ich will der Einfachheit halber noch bei dieser bisher bekannten Bezeichnung bleiben – muß allem vorangehen, was in der schweren Grobstofflichkeit sich formen soll! […]
Der Astralkörper hängt mit dem Erdenkörper
zusammen, ist aber nicht abhängig von ihm, wie man bisher angenommen hat.
(„In der grobstofflichen Werkstatt der Wesenhaften“)

Strange stürzt sich in seine Studien und sein Training, jeden Mißerfolg immer wieder auf seine Verletzung oder auf die Umstände schiebend. Doch während die erhoffte Heilung seiner Hände sich nicht einstellen will, entdeckt er sein ungeahntes Talent für „paranormale“ Fähigkeiten. Unvermutet und ungewollt wird er zu einem dringend benötigten Streiter des Guten… und langsam beginnt sich auch seine Sicht auf seine Mitmenschen zu verändern.

Der Mensch ist in seiner geistigen Entwickelung so weit zurückgeblieben, daß er nicht einmal die ihm zu Gebote stehenden geistigen Kräfte zu voller Entfaltung bringen kann, sonst würde auch er für heutige Begriffe an das Wunderbare grenzende Leistungen vollbringen. […]
Stets stellten sie ihren eigenen Willen dabei voran. Und damit lähmten sie sich selbst, konnten sich nie höher aufschwingen, als ihr eigener Verstandeswille es zugab, welcher erdgebunden ist.
Die Menschen kennen also nicht einmal die Gesetze in der Schöpfung, die ihre geistige Macht auslöst oder freimacht, in denen sie ihre geistige Macht zu entfalten vermögen.

(„Steige herab vom Kreuze!“)

Überzeugender als in jedem Film, den ich je gesehen habe, gestaltet sich die Wandlung des Helden vom Egoisten zum Beschützer der Menschheit. Es gibt kein Schlüsselerlebnis, keinen Moment der Klarheit, sondern Strange geht viele kleine Einzelschritte, den gesamten Film hindurch. Die vermeintliche Katastrophe seines (selbstverschuldeten) Unfalls und seiner unheilbaren Verletzung erweist sich dabei als versteckter Segen, der Strange aus seiner selbstbezogenen Isolation, aber auch aus seinem Materialismus reißt. Die Entscheidung, was er mit seinem neuen erweiterten, ganzheitlichen Weltbild anfangen will, bleibt ihm dabei sehr deutlich selbst überlassen: Heilung und Rückkehr zu seinem altem Leben oder die Akzeptanz seiner neuen, unendlich härteren Bestimmung, dem Dienen eines höheren Zieles, das einhergeht mit Selbstlosigkeit. Die Erkenntnis, daß sich sein Weltbild gar nicht so sehr von dem seines Antagonisten unterscheidet, aber auch das komplexe Verhältnis zu seiner Lehrerin helfen ihm, seine Sicht der Dinge zu hinterfragen. Seine Selbstgerechtigkeit wird mit zunehmendem Verständnis seiner Nächsten ausgeschaltet.

“You cannot beat a river into submission. You have to surrender to its currents and use its power as your own.”

Inmitten des Ganzen aber steht der Mensch mit der ihm anvertrauten unermeßlichen Macht, durch sein Wollen diesem gewaltigen Räderwerk die Richtung anzugeben. […]
Das ganze wundersame Weben dient aber lediglich dazu, dem Menschen zu helfen, solange er die ihm gegebene Macht nicht in kindischem Vergeuden und falscher Anwendung hemmend dazwischen wirft. Er muß sich endlich anders einfügen, um das zu werden, was er sein soll. Gehorchen heißt in Wirklichkeit weiter nichts als verstehen! Dienen ist helfen. Helfen aber bedeutet herrschen. In kurzer Zeit kann jeder seinen Willen frei machen, wie er sein soll. Und damit wendet sich für ihn alles, da er sich innerlich zuerst gewendet hat.

(„Der Mensch und sein freier Wille“)

Die Ausdrücke: „Nur wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“, der Mensch muß sich „demütig vor seinem Gotte beugen“, um in dessen Reich eingehen zu können, er soll „gehorchen“, „dienen“, und was der biblischen Ratschläge noch mehr sind, sie stoßen den modernen Menschen in dieser einfachen, kindlichen und doch so treffenden Ausdrucksart von vornherein etwas ab, weil sie seinen Stolz verletzen, der in dem Bewußtsein des Verstandeswissens liegt. Er will nicht mehr so blind geführt sein, sondern selbst erkennend bewußt in allem mitwirken, um den zu allem Großen notwendigen inneren Aufschwung aus Überzeugung zu erhalten. Und das ist kein Unrecht!
Der Mensch
soll mit seiner Fortentwicklung in der Schöpfung bewußter dastehen, als es früher war. […] Ob nun gesagt wird: „In Demut sich dem Willen Gottes beugen“, oder „nach richtigem Erkennen der gewaltigen Naturgesetze sich deren Art und Wirken nutzbar machen“, ist ein und dasselbe.
Nutzbar machen kann sich der Mensch die Kräfte, die den Willen Gottes tragen, nur dann, wenn er sie genau studiert, also erkennt, und sich dann darnach richtet. Das Mit-ihnen-Rechnen oder Sich-darnach-Richten ist in Wirklichkeit aber weiter nichts als ein Sicheinfügen, also ein Sichbeugen! Sich nicht
gegen diese Kräfte stellen, sondern mit ihnen gehen. Nur indem der Mensch seinen Willen der Eigenart der Kräfte anpaßt, also die gleiche Richtung geht, vermag er die Gewalt der Kräfte auszunützen.
Das ist kein Bezwingen der Kräfte, sondern ein Sich-demutsvoll-Beugen vor dem göttlichen Willen! Wenn der Mensch so manches auch eigene Klugheit nennt oder eine Errungenschaft des Wissens, so ändert dies nichts an der Tatsache, daß alles nur ein sogenanntes „Finden“ von Auswirkungen bestehender Naturgesetze bedeutet, also des göttlichen Willens, den man damit „erkannt“ hat, und mit der Auswertung oder Verwendung sich diesem Willen „fügt“.

(„Symbolik im Menschenschicksal“)

The Woman is Present in Bielefeld und andere Gedanken über alltäglichen Sexismus

English translation in the comments section.

He wouldn’t know what it felt like to have his no ignored.

Das intereuropäische Krise – Trauma – Hoffnung -Theaterfestival 2017 wurde eröffnet von Smashing Times´ The Woman is Present, ein Stück, das bereits ein Jahr auf dem Buckel hat, aber derzeit auf seiner ersten Europa-Tournee ist. Natürlich fuhr ich hin; es ist schließlich nicht oft, daß sich solche Gelegenheiten ohne lange Reisen ergeben.

Bielefelds gastgebendes Theaterlabor liegt nun nicht gerade in einer guten Gegend, oder vielleicht treiben sich generell bei abendlicher Dunkelheit die gruseligen Gestalten unserer Gesellschaft herum. Lange ist es her, und ich habe es nicht vermißt; dachte auch, daß ich endlich aus dem Alter heraus wäre. Vielleicht ist es eine kulturelle Sache, ohne hier rassistisch werden zu wollen, aber patriarchalische Kulturen spielen bei so etwas nun einmal eine Rolle, daran kann keine political correctness etwas ändern. Tatsache ist, daß ich gleich zweimal an diesem Abend angemacht wurde, von jungen Männern „mit Migrationshintergrund“, die ungefähr halb so alt waren wie ich. Frau allein unterwegs scheint das einzige Kriterium sein, das da zählt.

Existierender Sexismus war auch Teil der Rede, die Organisatorin Yuri Anderson zur Eröffnung des Festivals hielt. „Darüber brauchen wir gar nicht viel zu reden“, erklärte sie vielsagend zum wissenden Nicken der anwesenden Frauen. Alltäglicher Sexismus ist entsprechend das Grundthema von The Woman is Present, das Stumm-machen von Frauen, das Ignorieren ihrer Identität als Mensch, das Ignorieren ihres Willens, das Auslöschen ihrer Leistungen, wenn nicht gar ihrer Existenz. Präsentiert wurde es als Zwei-Frauen-Stück; ich weiß nicht, ob es so entworfen oder reduziertem Personal während einer Tournee geschuldet ist. Die beiden Darstellerinnen schlüpften in die Rolle von sieben bzw. sechs Frauen, ein Querschnitt der Biographien von Women, War & Peace (und das Publikum hatte sichtlich Probleme mit dem heimischen irischen Dialekt): Margaret Skinnider, Mary Elmes, Dolores Ibárruri („La Pasionaria“ – Filmclip während Kostümwechsels), Neus Català Pallejà, Maria Eugenia Jasińska, Marta Hillers und Ettie Steinberg. So interessant die angerissenen Biographien sind – und man bekommt definitiv Lust, ihre Lebensgeschichten in Gänze kennenzulernen –, so unbefriedigend ist die Darstellung letztlich. „The Woman is Present“ ist ein erstaunlich treffender Titel, denn im Grunde genommen handelt es sich hier nur um eine Frau. Es gibt keine individuellen Stimmen in diesem Stück. Martas Ton jedenfalls fand ich trotz der Zitate aus ihrem Buch nicht, ebensowenig die nüchterne Mary Elmes, deren spannende Biographie ich kürzlich las. Das ist wohl die größte Ironie: Daß diesen Frauen ihre Stimme genommen wurde, indem man sie wieder an die Öffentlichkeit brachte. Andererseits natürlich kein Einzelfall in der künstlerischen Aufarbeitung von Biographien. Marta fand ich bisher noch in keinem Film und keiner Bühnenadaption wieder. Der Wunsch nach Drama ist wohl größer als alles andere. Die letzte Sektion, Ettie Steinberg, ist erheblich zu lang, aber weil sie posthum, von Etties Reise durch den Himmel aus erzählt wird, faßt sie abschließend auch die Fragen nach dem großen Warum all der vorhergehenden Sequenzen zusammen.