Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Outlander aus der Sicht von Schicksal und Reinkarnation

Die Zeit vergeht! Die Zeiten ändern sich! So hört man überall die Menschen sagen, und unwillkürlich taucht dabei ein Bild im Geiste auf: Wir sehen Zeiten wechselvoll an uns vorüberziehen! […]
Die Zeit! Vergeht sie wirklich? Weshalb stößt man bei dem Grundsatze auf Hindernisse, wenn man dabei weiter denken will? Sehr einfach, weil der Grundgedanke
falsch ist; denn die Zeit steht still! Wir aber eilen ihr entgegen! Wir stürmen in die Zeit, die ewig ist, und suchen darin nach der Wahrheit.
Die Zeit steht still. Sie bleibt dieselbe, heute, gestern und in tausend Jahren! Nur die Formen ändern sich. Wir tauchen in die Zeit, um aus dem Schoße ihrer Aufzeichnungen zu schöpfen, um unser Wissen in den Sammlungen der Zeit zu fördern! Denn nichts ging ihr verloren, alles hat sie aufbewahrt. Sie hat sich nicht geändert, weil sie ewig ist.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Erwachet!“)

Die bisher aus zwei Staffeln bestehende, auf Diana Gabaldons erfolgreicher Buchreihe beruhende TV-Serie Outlander kann auf verschiedenste Weise betrachtet werden; sie ist wahlweise Liebesgeschichte, historische Fiktion, Fantasy, und man sollte sicherlich nicht zu viel in sie hineininterpretieren. Dennoch erheben sich angesichts ihrer zahlreichen Charaktere und deren über zwei Jahrhunderte miteinander verwobenen Lebenslinien, die vor allem durch die Art und Weise, wie das Medium Film sie umsetzt, betont werden, Fragen spiritueller Art.

Die Handlung beginnt im Herbst 1945, als die ehemalige Frontkrankenschwester Claire Randall mit ihrem Mann Frank nach Schottland reist, um nach Jahren der Trennung ihr Eheleben wieder aufzunehmen. Beide haben sich voneinander entfremdet und hoffen auf die Heilkraft eines gemeinsamen Urlaubs. Während ihres Aufenthaltes betreibt Frank Ahnenforschung; einer seiner Vorfahren war während der 1740er Jahre als britischer Offizier in Schottland stationiert: Captain Jonathan Randall, bei den Einheimischen als „Black Jack“ bekannt. Claire steht Franks Begeisterung für Geschichte eher nachsichtig lächelnd gegenüber, doch sie freundet sich mit Mrs. Graham, der Haushälterin des Reverend Wakefield, an, bei dem Frank viele seiner Recherchen durchführt. Mrs. Graham ist eine Nachfahrin alter heidnischer Traditionen, sie glaubt an das „Übernatürliche“, kann Handlinien lesen und nimmt in der Nacht von Samhain an einer Zeremonie beim Steinkreis von Craigh na Dun teil, die Claire und Frank insgeheim beobachten. Als Claire später zum Steinkreis zurückkehrt, um eine Pflanze zu sammeln, die sie dort entdeckt hat, wird sie auf unerklärliche Weise zweihundert Jahre in die Vergangenheit zurückgerissen. In einem von inneren und äußeren Konflikten geplagten Schottland des 18. Jahrhunderts findet sich Claire von allen Seiten verdächtigt: Der Clan MacKenzie, der sie halb als Gast, halb als Gefangene aufnimmt, hält sie für eine englische Spionin; der Befehlshaber des nahen Fort Williams, kein anderer als der gefürchtete und verhaßte Black Jack Randall, für eine Verräterin. Zunächst durch die Umstände gezwungen, den jungen Schotten Jamie Fraser zu heiraten, entwickelt Claire bald eine tiefe Liebe zu ihm. Doch ihr Glück ist bedroht, zunächst durch Jack Randall, der eine gefährliche Obsession mit Jamie entwickelt hat, und dann durch die Geschichte: Nur zwei Jahre später, weiß Claire, ist die Highland-Kultur durch den zweiten Jakobiteraufstand dem Untergang geweiht.

Da es sich hier um eine Zeitreisegeschichte handelt, ist die Überlegung um Anfang und Ende naturgemäß etwas kompliziert. Ich habe mich daher, auch weil viele Themen in dieser Artikelserie bereits angesprochen wurden, für eine Analyse verschiedener Teilaspekte entschieden.

Das wohl auffallendste Thema, das sich durch die gesamte Handlung zieht, ist das eines unvermeidbaren Schicksals. So sehr sich Claire und Jamie auch bemühen, der Geschichte einen anderen Verlauf zu geben, so wenig erreichen sie am Ende damit. Die Geschehnisse gehen unweigerlich ihren vorbestimmten Gang.
Unbeabsichtigte Schuld ist ein weiteres, tragisches Thema der Serie. So ist es ausgerechnet Jamies Vater, der durch seine Äußerung des Stolzes auf Jamies Mut eine schreckliche Kettenreaktion in Gang setzt. Um seinen Vater nicht zu enttäuschen, lehnt Jamie Jack Randalls Angebot ab, gegen Sex mit ihm seine zweite Auspeitschung erlassen zu bekommen. Nicht nur ist dies der Beginn von Jacks Fixierung auf Jamie und von Jamies Leben auf der Flucht vor dem Gesetz, sondern angesichts der brutalen, blutigen Strafe erleidet Jamies Vater einen Herzinfarkt und stirbt noch an Ort und Stelle. Gleichermaßen verdammt Claires Entscheidung, bei Jamie zu bleiben, statt in ihre Zeit zurückzukehren, nicht nur Frank zu einem Leben in Ungewißheit, sondern unwissentlich gibt Claire damit Jack Randall das entscheidende Druckmittel gegen Jamie.

Reinkarnation und Karma

Hier handelt es sich um das strenge Gottgesetz gegen Verführung oder Vergewaltigung, sowie um die Besudelung durch die Gedanken eines heimlichen Begehrens! Schon dieses als der Ausgangspunkt des vollen Übels einer Tat ist Übertretung des Gebotes, das die Strafe durch ein Karma nach sich zieht, was sich in irgendeiner Weise unerläßlich auszulösen hat, bevor die Seele wieder frei davon sein kann. […]
Kommt das Gelüsten aber gar bis zur Verführung, also zu einer grobstofflichen Tat, so fürchtet die Vergeltung, wenn Ihr sie auf Erden nicht mehr körperlich und seelisch gutzumachen fähig seid!
Sei die Verführung nun in schmeichlerischster Art oder in strenger Forderung erfolgt, sei dadurch auch zuletzt ein Einverständnis […] noch errungen, die Wechselwirkung läßt sich damit nicht beirren, sie hat schon eingesetzt bei dem Begehr, und alle Klugheit, alle Künste tragen zur
Verschärfung bei. Die letzte Einwilligung hebt sie dann nicht auf!
(Abd-ru-shin: Die zehn Gebote Gottes / Das Vaterunser, Vortrag „Das neunte Gebot“)

Die Strategie, gleiche Darsteller für verschiedene Mitglieder eines Stammbaums einzusetzen, ist nicht unbekannt. Aufgrund des Themas seltener, aber ebenfalls nicht neu ist diese Strategie auch im Falle von Reinkarnation. Obwohl in Outlander schnell deutlich wird, daß Frank seinem tatsächlichen Vorfahren Alex Randall viel ähnlicher ist als seinem nominellen Ahnherrn Jack Randall, was auf die gleiche, reinkarnierte Seele deuten könnte, bietet die Annahme, Frank sei Jacks Reinkarnation, viel interessantere Möglichkeiten. Beginnt man nämlich unter dieser Prämisse die Betrachtung, findet man sehr bald Muster. Jack Randall ist ohne Zweifel ein Charakter, der alles Licht, alles Gute in sich ausgelöscht hat und sich dessen auch bewußt ist. Er ist nicht, was man gemeinhin als Triebtäter bezeichnen würde, denn er folgt keinem Trieb, sondern handelt rational, wissend. Er kann seine Taten kontrollieren, und er entschließt sich jedes Mal für den schlimmstmöglichen Weg. Dabei ist er hochintelligent, wahlweise bedrohlich oder auch gewinnend, introspektiv und vor allen Dingen völlig unberechenbar. In 1743 begegnen sich Claire und Jack zum ersten Mal in den schottischen Wäldern. Claire ist desorientiert, auf der Flucht vor einem Scharmützel zwischen vermeintlichen schottischen Banditen und britischen Soldaten; Jack Randall ist nicht weniger irritiert über die Engländerin, die ohne Begleitung durch die Wildnis irrt. Als sie jedoch zu fliehen versucht, sind all seine schlimmsten Instinkte geweckt. Claire entgeht einer drohenden Vergewaltigung nur durch das Eingreifen Murtaghs, durch den sie Jamie und die McKenzies kennenlernt. Monate später begegnen sich Claire und Jack unter sehr anderen Umständen wieder. Sie hat die Hilfe seines Vorgesetzten gesucht, um Geleitschutz nach Inverness zu erhalten, ist ganz Dame, galant umschwärmt von den stationierten englischen Offizieren, die ihrer Landsmännin nur zu gern behilflich sind. Erst bei dieser zweiten Begegnung, so scheint es, beginnt Jack Randall sie des Verrates, vielleicht der Spionage zu verdächtigen. Allein miteinander, führen sie ein gutes Gespräch, in dem Claire Jacks Sicht der Dinge bezüglich Jamies Auspeitschung kennenlernt, aber auch seine Selbsterkenntnis. Sie glaubt an das latente Gute in ihm, und er scheint aus diesem ihrem Glauben Hoffnung zu schöpfen… nur um im nächsten Moment die zivile Fassade fallenzulassen und sie als vermeintliche feindliche Spionin zu mißhandeln. Wieder wird sie gerettet, doch Jack Randall setzt nun auf das Gesetz, um ihre Auslieferung an die britischen Autoritäten zu fordern. In dieser Notlage bleibt Claire ebenfalls nur der Rechtsweg: Die einzige Möglichkeit, ihre Auslieferung zu verhindern, ist, schottische Staatsangehörige zu werden – durch Heirat mit Jamie.
Wie immer ist es das dritte Mal, das entscheidende Folgen hat. Claire gerät einmal mehr in Jack Randalls Fänge, wird bedroht mit Folter und Vergewaltigung, bis Jamie als Retter in der Not erscheint. Doch von nun an weiß Jack Randall um die Verbindung der beiden Objekte seiner Obsession und weiß dies in der schrecklichsten Szene der Serie zu seinem Vorteil auszuspielen.

Zwei Fotos, die als Paar betrachtet werden sollten und die, wie so vieles in Outlander, ohne Worte ganze Welten ausdrücken. Black Jack, der sich vom Licht abwendet und doch, auch in seiner selbstgeschaffenen Finsternis, darüber meditiert.

Die Wege der drei kreuzen sich später in Frankreich wieder, doch entscheidend ist die letzte Begegnung Claires und Jacks wenige Tage vor der Schlacht von Culloden in Schottland, zweieinhalb Jahre nach ihrem ersten Zusammentreffen. Erst hier lernt Claire (und der Zuschauer) den einzigen lichten Punkt kennen, den sich „Black Jack“ erhalten hat: seinen jüngeren Bruder Alex. Alex, ein sanfter, gutherziger junger Mann, hängt mit großer Liebe an Jack und glaubt an dessen bessere Natur, und im Gegenzug tut Jack Randall alles, um diesen Glauben nicht zu enttäuschen. Auch Mary Hawkins, Alex‘ Verlobte, kennt nur diese so ganz andere Seite ihres zukünftigen Schwagers. Doch Alex ist unheilbar krank, und selbst Claires Heilkünste können ihm nicht helfen. Alex, der Mary und sein ungeborenes Kind versorgt und beschützt wissen möchte, bittet Jack, Mary zu heiraten. Entsetzt lehnt dieser ab; nur zu gut weiß er, wozu er in der Lage ist, und die beiden Menschen, die seinem geliebten Bruder am meisten bedeuten, sind die letzten, die er dieser Gefahr aussetzen will. Hier nun finden Claire und Jack zum ersten und einzigen Mal zu einem ehrlichen und offenen Gespräch zusammen. Claire stimmt Alex zu; nur eine Heirat, so argumentiert sie, sichere Mary und ihrem Kind im Falle von Jacks Tod die Rechte an seinem Besitz und seiner Offizierspension. So, seinen vorhergesagten Tod in der kommenden Schlacht vor Augen, stimmt Jack schließlich zu. Alex überlebt die Heirat nur um wenige Stunden, und mit seinem Tod erlischt auch der letzte Rest von Hoffnung, vielleicht von Menschlichkeit, in Jack Randall.

Heirat im Licht, Heirat im Schatten

Springen wir zweihundert Jahre in die Zukunft.

Claire und Frank Randall versuchen nach Jahren der Trennung 1945 ihre Ehe wieder aufzunehmen. Sie haben sich einander entfremdet, finden glückliche und zärtliche Momente, doch ihre frühere Harmonie will sich nicht wieder einstellen, und ihre Kinderlosigkeit stellt sich als zunehmendes Problem heraus. Der Eindruck ist, daß Frank Claire mehr liebt als sie ihn. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich, als Frank in Schottland den Spuren seines (vermeintlichen) Vorfahren Jack Randall folgt und am mystischen Vorabend zu Allerheiligen den Geist eines Highlanders sieht, der zu Claires Fenster hinaufstarrt – um bei Ansprache im Nichts zu verschwinden. Verunsichert befragt Frank Claire nach Schotten unter den Soldaten, die sie als Krankenschwester während des Krieges pflegte; sie erkennt rasch seinen unterliegenden Verdacht einer Untreue. Doch Frank versichert ihr, ihr alles zu verzeihen, sie immer zu lieben, gleichgültig, was käme.

Als Claire spurlos verschwindet, lebt Frank für die kommenden zweieinhalb Jahre in einer Hölle aus Sorge und Ungewißheit. Polizei und Freunde versuchen ihn davon zu überzeugen, daß Claire ihn für einen anderen Mann verlassen habe; er akzeptiert diese Erklärung nicht.
Claires Rückkehr bedeutet ihm alles. Doch die Distanz zwischen ihnen ist ins Unermeßliche gewachsen. Claire liebt ihn nicht mehr, und sie ist schwanger von einem anderen Mann. Nach hartem inneren Ringen steht Frank jedoch zu seinem Wort und zu seiner Liebe. Er verzeiht Claire, er nimmt ihr Kind als seines an.

Wer will, kann hier durchaus Parallelen und Karma erkennen. Claire und Jamie, die sich Frank beide entziehen; die Verlassenheit, Furcht, Sorge, zu denen er einst andere verdammte; wieder und wieder das Thema Kind, in dem man – damals wie heute – eventuell eine Verbindung zu Jacks zahlreichen Vergewaltigungen erkennen kann. Jacks deutliche (wenn auch auf seine verzerrte Art gezeigte) Sympathie für Claire sowie das ungelöste Karma, das sie beide aneinander bindet, führt sie in ihrem Leben des 20. Jahrhunderts wieder zusammen.
Sucht man nach einem erlösenden Element in Jacks/Franks Geschichte, so findet man es unbestreitbar in seiner (Zieh-)Tochter Brianna, die mit großer Liebe an ihm hängt und ihm auch beruflich nachstrebt, die ihm, so der Eindruck, näher steht als ihrer Mutter.

Der Formende ist an sein eigenes Werk gebunden, wenn er es auch anderen zugedacht hat!
Wenn also heute ein Mensch den Entschluß faßt, einem anderen irgend etwas Übles zu tun, sei es nun in Gedanken, Worten oder Werken, so hat er damit etwas „in die Welt gesetzt“, ganz gleichgiltig, ob allgemein sichtbar oder nicht, ob also grobstofflich oder feinstofflich, es hat Kraft und somit Leben in sich, das sich in der gewollten Richtung weiter entwickelt und betätigt. […]
Das Gesetz der Wechselwirkung löst sich dabei aus, indem eine jede Erzeugung bei ihrer Bewegung durch das All verschiedene Gleicharten anzieht oder von solchen selbst angezogen wird, durch deren Zusammenschluß dann eine Kraftquelle entsteht, die verstärkte Kraft der gleichen Art wie von einer Zentrale aus an alle die zurücksendet, die durch ihre Erzeugungen wie an Schnüren mit dem Sammelplatze gleicher Arten verbunden werden.
Durch diese Verstärkung tritt auch eine immer größere Verdichtung ein, bis zuletzt ein grobstofflicher Niederschlag davon entsteht, in dem der einstige Erzeuger nun in der damals von ihm gewollten Art sich selbst ausleben muß, um endlich davon befreit zu werden.
Das ist das Entstehen und der Werdegang des so gefürchteten und verkannten Schicksals! […]
Viele erschrecken dabei und fürchten sich vor dem, was sie nach diesen Gesetzen in der Rückwirkung von früher her noch zu erwarten haben.
Doch das sind unnötige Sorgen für die, denen es ernst ist mit dem guten Wollen;
denn in den selbsttätigen Gesetzen liegt auch gleichzeitig die sichere Gewähr für Gnade und Vergebung!
Ganz abgesehen davon, daß mit dem festen Einsetzen des guten Wollens sofort eine Grenze gesetzt wird für den Punkt, wo die Kette der üblichen Rückwirkungen ein Ende erreichen muß, tritt noch ein anderer Vorgang in Kraft, der von ungeheuerem Werte ist:
Durch das dauernd gute Wollen in allem Denken und Tun fließt ebenfalls rückwirkend aus der gleichartigen Kraftquelle beständige Verstärkung, so daß das Gute fester und fester in dem Menschen selbst wird, aus ihm heraustritt und zunächst die feinstoffliche Umgebung darnach formt, die ihn wie eine Schutzhülle umgibt […].
Kommen nun üble Rückwirkungen von früher her zur Auslösung auf diesen Menschen zurück, so gleiten sie a>n der Reinheit von dessen Umgebung oder Hülle ab und werden so von ihm abgelenkt.
Dringen sie aber trotzdem in diese Hülle ein, so werden die üblen Strahlungen entweder sofort zersetzt oder doch bedeutend abgeschwächt, wodurch die schädliche Auswirkung gar nicht oder nur in ganz geringem Maße stattfinden kann.
Außerdem ist durch die erfolgte Wandlung auch der eigentliche innere Mensch, auf den die Rückstrahlungen eingestellt sind, mit dem andauernden Bestreben zum guten Wollen viel verfeinerter und leichter geworden, so daß er der größeren Dichtheit übler oder niederer Strömungen nicht mehr gleichartig gegenübersteht. Ähnlich wie bei der drahtlosen Telegraphie, wenn der Empfangsapparat nicht auf die Stärke der Sendeapparates eingestellt ist.
Die natürliche Folge davon ist, daß die dichteren Strömungen, weil andersartig, nicht festhaken können und ohne üble Auswirkung schadlos hindurchgehen, gelöst durch eine unbewußt ausgeführte symbolische Handlung, von deren Arten ich später einmal sprechen werde.

(Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag “Schicksal”)

Eine ähnliche Interpretation von gleicher Darstellerin als Reinkarnation kann im Fall von Geillis/Gillian angewendet werden… und natürlich Claire selbst.

Wo immer auch ein Bund sich findet, der im Himmel geschlossen ist, das heißt, wo zwei sich so ergänzen, daß ein voller harmonischer Akkord entsteht, dort soll kein Dritter versuchen, eine Trennung herbeizuführen. Sei es, um Mißklang hineinzubringen, eine Vereinigung unmöglich zu machen oder eine Trennung herbeizuführen, gleichviel, ein solches Unterfangen wäre Sünde. Ein Unrecht, das sich in seiner Wechselwirkung schwer an den Urheber heften muß, da zwei Menschen gleichzeitig davon betroffen werden, und mit diesen auch der Segen, der durch ihr Glück sich ausgebreitet hätte in die grob- und feinstoffliche Welt.
(„Die Ehe“)

In bester Absicht zwar, doch nichtsdestotrotz auf Kosten des Glücks zweier Menschen verhindert Claire die Heirat zwischen Mary Hawkins und Alex Randall. Auch hier kann man Karma und Wechselwirkung erkennen in Claires Trennung von Frank, zuerst durch den Krieg, dann durch die Umstände, ebenso in Claires Trennung von Jamie.

Ringschlüsse finden wir überall, aus welcher Sicht wir Outlander auch betrachten. So muß Claire im Zuge der Handlung letzten Endes wieder in ihre Zeit zurückkehren, um ihre Verbindung zu Frank auszuleben. Ihre Rückkehr bedeutet für ihn nicht nur das Ende von mehr als zwei Jahren Ungewißheit, sondern in einer interessanten Wendung des Schicksals auch die Erfüllung seines Wunsches nach Kindern. Nachdem sich herausgestellt hat, daß Frank und Claire niemals Kinder haben können, ist es nun ausgerechnet Claires mit Jamie gezeugtes Kind, das das Schicksal Frank zuführt. „Einem Kind ohne Vater und einem Mann ohne Kind“, wie der lebensweise Reverend Wakefield seinem erschütterten Freund die Situation darlegt, „ist diese Chance gegeben worden, einander zu finden.“ Sollten sie einander nicht helfen?

Kinder und Vaterschaft

„Ich habe einem anderen Manne meine ganze ungeteilte Liebe geschenkt, wissend, daß ich ihn nicht halten könne. Es brach über mich herein wie ein Sturm und verließ mich ebenso schnell wieder. Nur etwas blieb mir – die Hoffnung auf mein Kind. – Joseph, dieses Kindes wegen komme ich […]; ich bitte nicht für mich!“ […]
Joseph kämpfte. Es galt jetzt zurückzutreten oder sich damit zu begnügen, die Rolle des Vaters und Gatten zu spielen. Maria verhehlte ihm ja nicht, daß sie ihn nicht liebe. […]
Trüben Blickes sah er hinab auf Maria, die er fast nicht wiedererkannte. Wo war ihre Hoheit, ihr Stolz, den er so bewundert hatte? Abgefallen war es, weil sie Furcht hatte vor den Menschen, die […] ihrem Kinde wehtun würden. Irgendwie jammerte es ihn, daß sie sich so ihrem Kleinmut hingab. Aber es erwachte auch eine starke Kraft in ihm; er war bereit, für sie zu sorgen.

(Aus verklungenen Jahrtausenden)

Recht überraschend für eine Geschichte, die sich in hohem Maße der weiblichen Sicht der Dinge widmet, ist ein wiederkehrendes Thema die Frage nach Vaterschaft. Eine bemerkenswert hohe Zahl der männlichen Charaktere der Handlung nimmt – wissentlich oder unwissentlich – Vaterstelle für ein Kind ein, das nicht ihr leibliches ist: Frank Randall, der nicht in der Lage ist, Kinder zu zeugen, akzeptiert Claires und Jamies ungeborenes Kind als sein eigenes. In einer interessanten Parallele dazu heiratet Jack Randall die Verlobte seines sterbenden Bruders und wird somit urkundlich und rechtlich zum Vater ihres ungeborenen Kindes. Reverend Wakefield adoptiert seinen Neffen Roger. Louise überzeugt ihren Ehemann, daß ihr mit Charles Stuart gezeugtes Kind sein eigenes sei. Dougal McKenzie zeugt in Übereinkunft mit seinem älteren Bruder dessen Erben Hamish. In geringerem Maße greift dieses Thema auch, als Jamie sich des elternlosen Fergus’ annimmt sowie im Falle des anfänglichen Verdachtes (und der realen Möglichkeit), Jennys ältester Sohn sei Jack Randalls Kind.
Nicht hoch genug einzuschätzen sind dabei zwei Charaktere, die in der Fülle von Personen und der Dramatik der Handlung leicht übersehen werden: Reverend Wakefield und seine Haushälterin Mrs. Graham. Gleichermaßen weise und bodenständig, sind sie nicht nur Freunde und Vertraute von Claire und Frank individuell, helfen ihnen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten, ihre Zweifel zu überwinden, sondern sie werden darüber hinaus zu Beschützern und Bewahrern ihrer Ehe und ihrer Zukunft miteinander.


Es ist auch auffallend, daß für jeden der vier zentralen Charaktere der Geschichte an irgendeinem Punkt die Zeit „stillsteht“. Sie bleiben an einem Punkt in ihrem Leben stehen, bleiben hängen, sei es aus eigenem Entschluß oder aus Fremdverschulden, während für alle anderen Personen das Leben weitergeht. Frank ist gefangen durch Claires Verschwinden; er lebt mehr als zwei Jahre mit der Unsicherheit über ihr Ergehen, ob sie lebt oder tot ist. Jack hat sich fixiert seit dem Tag von Jamies Auspeitschung; für ihn kann nur eine Fortsetzung, das Ausleben seiner Phantasie, Jamie zu brechen, ihn zu besitzen, Lösung bringen. Jamie ist auf seine Art gleich zweimal gefangen, einmal in Bezug auf seine Schwester Jenny, die er vor vier Jahren in einer furchtbaren Situation verlassen mußte (das Wiedersehen belehrt ihn schnell darüber, daß Jenny alles andere als ein hilfloses Opfer ist), und zum zweiten auf grausame Weise durch sein Trauma, das er bei Folterung und Mißbrauch durch Jack Randall erleidet. Claire wiederum kann die Trennung vom Jamie niemals wirklich überwinden. Sie lebt zwanzig Jahre lang ihr Leben an Franks Seite weiter, sieht ihre Tochter aufwachsen, doch ein Teil von ihr bleibt immer der Vergangenheit verhaftet.
In diesem Stehenbleiben, so unverschuldet es teilweise auch sein mag, öffnen alle vier eine Kluft zu den Menschen um sie herum. Ihre Reaktionen auf ihre Mitmenschen, ihr Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber entspricht nicht der Realität, die diese Mitmenschen erleben, weil sie sich längst von dem Punkt fortbewegt haben, an dem die Protagonisten noch hängen. Und so verursachen sie emotionale Schmerzen oder werden schuldig. Frank erwartet eine mehr oder weniger lückenlose Fortsetzung seiner Ehe mit Claire, doch für Claire liegen Welten zwischen ihren Gefühlen für Frank vor und nach ihrem Verschwinden. Jack muß erfahren, daß das Erlebnis, das so einschneidend für ihn war, für Jamie keine tiefergehende Bedeutung hatte, und so bindet er ihn in einer grauenhaften Erfahrung an sich und seine innere Finsternis. Claire ist diejenige, die die Folgen von Jamies Trauma am deutlichsten miterleben muß, während Jamie in seinem Versuch, sein Leben dort wieder aufzunehmen, wo er vor vier Jahren damit brach, Jenny verletzt. Und sowohl Frank als auch Brianna sind die Leidtragenden, als Claire jahrelang Vergangenem hinterhertrauert.

… Eure Gedanken sind die Boten, die ihr ausschickt, die mit dem von Euch Gedachten schwer beladen wiederkehren, sei es nun Gutes oder Böses. Es geschieht! Denket daran, daß Euere Gedanken Dinge sind, sich geistig formen, oft zu Gebilden werden, die das Erdenleben Eures Körpers überdauern, dann wird Euch vieles klar.
So kommt es auch, daß es ganz richtig heißt: „denn ihre Werke folgen ihnen nach!“ Gedankenschöpfungen sind Werke, die Euch einst erwarten! Die lichte oder dunkle Ringe um Euch bilden, die Ihr durchwandern müßt, um in die Geisteswelt zu dringen. Kein Schutz, kein Eingriff kann da helfen, weil Ihr die Selbstbestimmung habt. Der erste Schritt zu allem muß deshalb von Euch geschehen. Er ist nicht schwer, er liegt nur in dem Wollen, das sich durch Gedanken kündet. So tragt Ihr Himmel wie die Hölle in Euch selbst.
Entscheiden könnt Ihr, doch den Folgen Euerer Gedanken, Eures Wollens seid Ihr dann bedingungslos verfallen!

(Vortrag „Erwachet!“)

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Glaube, Überzeugung, Lichtstreben in „I’m Not Ashamed“

Der Glaube muß lebendig sein, das heißt, er muß noch mehr als Überzeugung werden, zur Tat! Zur Tat ist er geworden, sobald er alles durchdrungen hat, das ganze Empfinden, Denken und Tun. Er muß von innen heraus in allem, was zu dem Menschen gehört, unaufdringlich fühlbar und sichtbar werden, also zur Selbstverständlichkeit. Man darf ihn weder als Attrappe noch als Schild nur vorhalten; sondern alles äußerlich fühlbar Werdende muß lediglich das natürliche Ausstrahlen des inneren geistigen Kernes ergeben.
Volkstümlich gesprochen, muß also der rechte Glaube eine Kraft sein, die vom Geiste des Menschen ausstrahlend sein Fleisch und Blut durchdringt und so eine einzige natürliche Selbstverständlichkeit wird. Nichts Gekünsteltes, nichts Gezwungenes, nichts Erlerntes, sondern nur Leben!

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Glaube“)

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Obwohl I’m Not Ashamed in die bereits behandelte Kategorie der christlichen Filme gehört (Teil 1, Teil 2), verdient er aufgrund seiner Thematik einen eigenen Eintrag in dieser Serie. Beruhend auf dem Buch Rachel’s Tears ihrer Eltern Beth Nimmo und Darrell Scott sowie auf Tagebüchern erzählt er das kurze Leben Rachel Scotts, eines der Opfer der Schulschießerei an der Columbine High School am 20. April 1999.

Ungeachtet der schnell urteilenden Kommentatoren im Internet, die sofort nach Erscheinen des Trailers im Herbst 2015 (der Filmstart wurde zweimal verschoben) eine Negativdebatte starteten, ist I’m Not Ashamed kein Columbine-Film. Natürlich läuft er zwangsweise auf die Geschehnisse des 20. Aprils hinaus, und die Schule stellt ein wichtiges Element der Handlung dar, aber im Fokus steht das Leben, nicht der Tod des bemerkenswerten jungen Mädchens. Künstlerische Freiheit greift selbstverständlich auch hier; es wurde mehr Wert auf eine allgemeine Botschaft gelegt als auf Realitätstreue, und aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurden Namen geändert und verschiedene reale Personen in einer fiktionalen Figur zusammengefaßt.
Der Film wurde co-produziert von Beth Nimmo, Rachels Mutter, die einer strikt konventionellen, evangelistischen Glaubensausübung anhängt und, so unschön es klingt, die Geschichte ihrer Tochter, die sie als Märtyrerin bezeichnet, für ihren Glauben und als Instrument der Bekehrung vermarktet. Entsprechend konzentriert sich der Film als christliche Produktion vorwiegend auf religiöse Aussagen. Rachels Vater, Darrell Scott, hingegen hat die Fixierung auf die christliche Religion als Hindernis bei der Verbreitung von Rachels viel universellerer Botschaft von Nächstenliebe, positiven Einflüssen und dem Das-Beste-in-anderen-Sehen erkannt; seine Organisation Rachel’s Challenge ist überkonfessionell.

In vielem verkörperte Rachel Scott „den Menschen, wie er sein sollte“, oder doch zumindest den heranwachsenden Menschen, der sich zu dem entwickelte, was er sein könnte und sollte: Tief spirituell, dabei lebensbejahend, mit einer großen Liebe für ihre Mitmenschen und weise über ihre Jahre hinaus.

Man hat mir wiederholt gesagt, daß ich Menschen zu leicht vertraue, aber ich stelle fest, daß, wenn ich meinen Glauben und mein Vertrauen in Menschen lege, wo andere es nicht wagen, sie mich fast nie verraten. Ich würde hoffen, daß Menschen den gleichen Glauben in mich legten. Vertrauen und Ehrlichkeit sind Investitionen in Menschen; wenn du genug Vertrauen zu ihnen aufbaust und dich als ehrlich erweist, werden sie das gleiche dir gegenüber tun. Ich schätze Ehrlichkeit so sehr, und es ist eine Erwartung, die ich an mich selbst habe. Ich werde Ehrlichkeit vor die Gefahr von Demütigung setzen, vor Selbstsucht und vor alles, das weniger wert ist als die reine Wahrheit. […] Mitgefühl und Ehrlichkeit gehen Hand in Hand, wenn genug von beiden in eine Situation eingebracht wird. Ich bewundere diejenigen, die vertrauen und vertrauenswürdig sind. […]
Mitgefühl ist die größte Form von Liebe, die Menschen zu bieten haben. […] Meine Definition von Mitgefühl ist vergebend, liebend, helfend, führend und anderen Gnade zeigend. Ich habe diese Theorie, daß, wenn eine Person sich die Mühe macht, Mitgefühl zu zeigen, dies eine gleichartige Kettenreaktion auslöst. Man weiß nie, wie weit ein wenig Freundlichkeit gehen kann.
Ich habe erst vor kurzem gelernt, daß der erste, zweite und dritte Eindruck irreführend darüber sein können, was für eine Art Mensch jemand ist. Zum Beispiel, stell dir vor, daß du gerade jemanden kennengelernt hast, und du sprichst dreimal mit ihm über kurze, alltägliche Dinge. Er kommt herüber als eine barsche, grausame, sture und ignorante Person. Du basierst dein Urteil auf nur drei Begegnungen. Laß mich dich etwas fragen… hast du ihn jemals gefragt, was sein Ziel im Leben ist, wie seine Vergangenheit war, hat er Liebe erfahren, hat er Schmerz erfahren, hast du in seine Seele geblickt und nicht nur auf sein Äußeres? Bevor du nicht ihn kennst statt nur seinen „Typ“, hast du kein Recht, ihm aus dem Weg zu gehen. Du hast nicht nach seiner Schönheit gesucht, nach seinem Guten. Du hast nicht das Licht in seinen Augen gesehen. Sieh scharf genug hin, und du wirst immer ein Licht finden, und du kannst sogar helfen, es anwachsen zu lassen, wenn du dich nicht von diesen ersten drei Eindrücken abschrecken läßt. […]
Woher willst du wissen, daß Vertrauen, Mitgefühl und Schönheit diese Welt nicht zu einem besseren Ort machen und dieses Leben zu einem besseren? Mein Credo mag wie eine Phantasie klingen, die nie erreicht werden kann, aber probier es selbst aus und beobachte, welchen Effekt es auf das Leben der Menschen um dich herum hat. Du könntest womöglich eine Kettenreaktion starten.

(Rachel Scott: Schulaufsatz My Ethics, My Code of Life, Übersetzung: CS)

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Wie es ihre Mutter ausdrückt:

Wenn ich nach Worten suche, die ausdrücken, wie Rachel war, denke ich an Worte wie untraditionell, unorthodox und zeitgenössisch. […] Rachel studierte und las das Wort Gottes, und sie betete, aber vermutlich wäre keiner dieser Ansätze ihre erste Wahl gewesen, jemanden mit einer persönlichen Beziehung zu dem Herrn bekanntzumachen. […]
Es gibt Stellen im Neuen Testament, wo Jesus hinausgeht und Sünder besucht, Trinker und Prostituierte – kurz gesagt, all die Sorte Menschen, die heute in vielen religiösen Kreisen nicht willkommen wären. Rachel hatte ein Herz für diese Menschen, und das führte sie an Orte, wohin „traditionellere“ Christen nicht gehen würden.

(Beth Nimmo, Darrell Scott: Rachel’s Tears, Übersetzung: CS)

Brooks Brown, ein Freund sowohl Rachels als auch der Columbine-Täter Eric Harris und Dylan Klebold, beschreibt es aus seinem nicht-christlichen Blickwinkel:

Ich habe in der High School nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß ich kein religiöser Mensch war, und fromme Christen kamen an und erzählten mir, ich würde in der Hölle landen. Sie benutzten Zitate aus der Bibel, um mir Beleidigungen an den Kopf zu werfen. […] Sie wollten nicht hören, was man über Gott oder die Welt dachte. Alles, was sie hören wollten, war „Jesus Christus ist mein Retter“ – und wenn wir dem nicht zustimmten, waren wir es nicht wert, daß sie mit uns Umgang pflegten. […]
Ich kann mich nicht erinnern, daß mich ein Christ jemals zuvor nach meinen Überzeugungen fragte, ohne ständig zu unterbrechen oder meine Gedanken zu übergehen oder einfach dazusitzen und zu kichern. Aber Rachel war überhaupt nicht so. Rachel hörte mir zu, während ich über Taoismus und meine Probleme mit der Bibel und der Kirche sprach. Sie war wirklich interessiert und schien mich nicht dafür zu verurteilen.
Sie sprach auch über ihre eigene Überzeugung, aber nicht als Versuch, mich zu bekehren. Sie erklärte einfach nur, und ich hörte aufmerksam zu, genauso wie sie es bei mir gemacht hatte. […]
„Woher kommt dein Glaube an Gott?“ fragte ich. „Immerhin siehst du Gott nicht, oder? Wie kannst du also sicher sein, daß er wirklich existiert?“
„Ich kann ihn sehen“, erwiderte sie. „Ich weiß, daß Gott real ist. Ich weiß es in meinem Herzen. Du kannst nur an das glauben, von dem du weißt, daß es wahr ist. Du kennst deine eigene Wahrheit. Ich kenne meine. Jeder sollte das in sich selbst finden können. […] Ich versuche nicht, hinauszugehen und Menschen zu bekehren. Ich möchte einfach ein Vorbild sein. Ich will mein Leben für Gott leben und andere Leute daraus machen lassen, was sie wollen.“ […]
Man stelle sich vor, was für ein besserer Ort diese Welt durch die Jahrtausende hätte sein können, wenn mehr Menschen Rachel Scotts Sichtweise geteilt hätten. […]
Falls Eric und Dylan dachten, es all den Leuten heimzuzahlen, die sich über sie lustig gemacht hatten, begingen sie mit Rachels Ermordung einen furchtbaren Fehler. Wenn es einen Menschen gab, der sie akzeptiert hätte, dann war sie es.

(Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers, Übersetzung: CS)

Mit Eurem Wesen sollt Ihr Eurem Nächsten geben, Eurer Art! Nicht etwa unbedingt mit Geld und Gut. Dann würden ja die Mittellosen von der Möglichkeit des Gebens ausgeschlossen sein. Und in diesem Wesen, in dem „Sichgeben“ in dem Umgange mit Eurem Nächsten, in der Rücksicht, Achtung, die Ihr ihm freiwillig bietet, liegt das „Lieben“, das uns Jesus nennt, liegt auch die Hilfe, die Ihr Eurem Nächsten leistet, weil er darin sich selbst zu ändern oder seine Höhe weiter zu erklimmen fähig wird, weil er darin erstarken kann.
(Vortrag „Aufstieg“)

Und damit hatte sie das Potential, weltverändernd zu wirken. Darüber hinaus jedoch strebte die junge Rachel danach, als Instrument Gottes zu wirken. In ihren Tagebüchern schreibt sie von Strecken des Zweifels, der Einsamkeit, des Unverstandenseins, aber aus allen heraus klingt ihr unerschütterliches Vertrauen in Gott, den sie bittet, als Licht für die Menschheit dienen zu dürfen.

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Jugendliche Täter, jugendliches Opfer

Ein Mensch kann überhaupt nicht von einem Dämon „besessen“ sein! Das geht schon aus ganz natürlichen Gründen nicht; denn der Kern des Menschen ist Geist, ein Dämon aber Wesen, einst harmlos, doch durch Menschengeistwollen zum Dämon großgezogen. Und da Geist höher ist als Wesen in seiner Beschaffenheit, so vermag Wesen den Geist nicht zu verdrängen, auch nicht zeitweise, was bei Besessensein notwendig ist. Der Mensch kann aber dämonisch beeinflußt sein! Das ist ein großer Unterschied; denn zur Beeinflussung gehört ein gewolltes inneres Entgegenkommen des betreffenden Menschen, sei es nun hervorgerufen durch sein Handeln, also einen von außen nach innen wirkenden Vorgang, oder durch sein eigenes Wollen, irgendeinen Hang, den er sich angeeignet, also zur Eigenschaft gemacht hat. In diesem Falle öffnet er sich zuerst innerlich diesem üblen Einflusse und wirkt dann beeinflußt nach außen.
Dämonisch beeinflußt sein kann also nicht ohne eigenes Wollen geschehen. Aus
diesem Grunde wird auch eine Heilung oder Hilfe sehr erschwert. Der Zustand ist auch viel gefährlicher für den Menschen selbst und für seine Umgebung, da er berechnender, heimtückischer, vollkommen bewußt handelnd wirkt.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Wie ein Gedanke bei seinem Entstehen gleichzeitig mitempfunden wird, schwächer oder stärker, so wird auch sein feinstoffliches Gebilde entsprechendes Leben in sich tragen. Dicht bevölkert ist diese Gedankenwelt. Ganze Zentralen haben sich durch die gegenseitige Anziehungskraft gebildet, von denen durch ihre gesammelte Kraft Beeinflussungen ausströmen auf die Menschen.
In erster Linie immer auf die, die für die Gleichart geneigt sind, die also Ähnliches in sich tragen. Dieser werden dadurch gestärkt in ihrem entsprechenden Willen und zu immer erneuter Zeugung ähnlicher Gebilde angeregt, die gleichartig wirkend in die Welt der Gedankenformen treten.
Aber auch andere Menschen, die diese Eigenarten nicht in sich tragen, können davon belästigt und nach und nach dazu herangezogen werden, wenn diese Zentralen durch dauernd neuen Zustrom ungeahnte Kraft erhalten. Geschützt davor sind nur die, die Andersartiges in größerer Stärke besitzen, wodurch eine Verbindung mit Nichtähnlichem unmöglich wird.
Nun sind es aber leider Haß, Neid, Mißgunst, Lüsternheit, Geiz und alle anderen Übel, die durch ihre größere Zahl der Anhänger die stärksten Kraftzentralen in der Welt der Gedankenformen haben. Weniger die Reinheit und die Liebe. Aus diesem Grunde nimmt das Übel mit unheimlicher Schnelligkeit an Ausdehnung zu. Dazu kommt, daß diese Kraftzentralen der Gedankenformen wiederum Verbindung erhalten mit den gleichartigen Sphären des Dunkels. Von dort werden sie besonders angefacht zu immer stärkerer Wirksamkeit, so daß sie weiterleitend unter der Menschheit förmliche Verheerungen anzurichten vermögen.

(Vortrag „Gedankenformen“)

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Es ist interessant, daß nicht nur Rachel, sondern auch Eric Harris und Dylan Klebold Tagebuch führten. Im Zuge der Ermittlungen nach Columbine wurden diese Schriften natürlich ausgiebig analysiert, und was Psychologen mit großer Übereinstimmung feststellten, läßt aus geistiger Hinsicht interessante Vergleiche zu. So sind sich die Analysierenden einig, daß Eric Harris eine psychopathische/soziopathische Persönlichkeit besaß und es zweifelhaft ist, daß ihm hätte geholfen werden können. Aus Sicht der Gralsbotschaft ergibt sich eine Umkehrung von Ursache und Wirkung: Nicht eine im Gehirn begründete „Persönlichkeitsstörung“ lag seiner haßerfüllten und gewaltverherrlichenden Weltsicht zugrunde, sondern die inkarnierte Seele brachte vermutlich diese Persönlichkeit bereits mit, die während der Kindheit lediglich schlummerte.

Durch die Umhüllung des grobstofflichen Körpers ist die Seele eines Menschen während aller Kinderjahre isoliert von den Strömungen, welche von außen her die Seele zu erreichen suchen. Alles Dunkle, Üble, was den Erdenplan belebt, findet seinen Weg zur Seele durch den grobstofflichen Erdenkörper abgeschnitten. Es kann dadurch auch keinen Einfluß auf das Kind gewinnen, kann ihm nicht Schaden bringen. Das Böse aber, das eine nochmals inkarnierte Seele von dem früheren Erleben mit sich brachte, bleibt ihr natürlich ebenso erhalten in der Kinderzeit.
Der Körper bildet diese Scheidewand, solange er noch unfertig und unreif ist. Es scheint, als ob die Seele sich in eine Burg zurückgezogen hätte, bei der die Zugbrücke emporgezogen ist. Eine unüberbrückbare Kluft besteht während dieser Jahre zwischen der Kinderseele und der feinstofflichen Schöpfung, in der die feinstofflichen Schwingungen von Schuld und Sühne leben.

(„Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“)

Vielleicht deshalb schrieb Eric Harris einen hochgelobten Aufsatz über seine Kindheitserlebnisse, und vielleicht deshalb überkamen ihn in einem selbstgedrehten Video, als er – in einer Zeit, in der er Pläne über Massenmord und Zerstörung schmiedete– darüber reminiszierte, Kindheitsfreunde zu besuchen, beinahe die Tränen. Es mag eine schwach empfundene Regung seines Geistes gewesen sein, seines besseren Kerns, der in der unbeschwerten, glücklichen Kindheit eine Erinnerung an Zeiten erkannte, als er sich noch nicht so sehr dem Dunkel hingegeben hatte.

Dieses Weichstimmen könnte der beste Boden zum Erwachen werden, wenn er genützt würde, sofort und auch mit aller Kraft! Aber leider kommen die Erwachsenen dabei nur noch in Träumereien, wobei die aufsteigende Kraft vergeudet wird, verspielt. Und in den Träumereien geht auch die Gelegenheit vorüber, ohne Nutzen bringen zu können oder verwendet worden zu sein.
Selbst wenn so mancher Mensch dabei einige Tränen fließen läßt, er schämt sich derer, sucht sie zu verbergen, rafft sich auf mit einem körperlichen Ruck, in dem so oft ein unbewußter Trotz erkennbar wird.
Wie vieles könnten Menschen bei dem allen lernen. Nicht umsonst webt sich in die Erinnerungen an die Kindheit eine leise Wehmut mit hinein. Es ist das unbewußte Nachempfinden, daß etwas verloren ist, was eine Leere hinterlassen hat […].

(„Weihnachten“)

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Der analytische Befund zu Dylan Klebold unterscheidet sich wesentlich von dem Eric Harris’. Die Psychologen diagnostizierten anhand seiner Tagebücher schwere Depressionen, und es ist eine verbreitete Meinung, daß sein Beweggrund für die Teilnahme an dem Massaker anders als Eric Harris’ nicht Lust am Töten war, sondern der Wunsch zu sterben. In der Erforschung ähnlicher Gewalttaten hat sich über die Jahre herausgestellt, daß, wenn zwei Täter beteiligt waren, es immer eine Zusammensetzung aus einer psychopathischen und einer depressiven Persönlichkeit war – eine „tödliche Dyade“. Hier gravitieren sichtlich zwei grundverschiedene, aber sich dadurch zu einem Ganzen ergänzende Seelen zueinander.

Es gibt also in dem Schöpfungswirken ein Anziehen und ein Anschlußverlangen! Die Wirkung beider Vorgänge ist nach außen hin gleich erscheinend. Die von innen dazu treibende Kraft ist jedoch ganz verschieden.
Die
Anziehung erfolgt von gleichen, in sich abgeschlossenen Arten aus, und das Anschlußverlangen liegt in den Artspaltungen, die bestrebt bleiben, wieder eine Art zu bilden!
Der von den Menschen aufgestellte Satz, daß Gegensätze sich berühren, gleiche Pole aber abstoßen, steht deshalb nur in
anscheinendem Widerspruche zu dem Gesetz der Anziehung der Gleichart. […]
Der Mensch selbst ist zum Beispiel keine bestimmte Art, sondern nur eine Spaltung, die Anschlußverlangen in sich trägt.

(„Verbogene Seelen“)

Ohne Ausnahme wurde Dylan Klebold von allen, die ihn kannten, als freundlich und hilfsbereit, wenn auch introvertiert, schüchtern und perfektionistisch beschrieben, und entsprechend konnten sich viele seine Teilnahme an dem Columbine-Massaker nur mit Erpressung, Drogeneinfluß oder gar Besessenheit erklären. Erst unter Berücksichtigung seiner nicht erkannten Minderwertigkeitsgefühle und Depression ergab sich ein anderes Bild. Vor allen Dingen enthüllen die Tagebuchaufzeichnungen eine erschreckende Passivität, die von Psychologen der Depression zugeschrieben wird – aber aus geistiger Sicht betrachtet vermutlich eher deren Ursache ist.

Minderwertigkeitskomplexe, wie es so schön heißt, kommen dort vor, wo sich der Geist nicht frei entfalten kann. Es ist sogar in vielen Fällen ein Beweis dafür, daß ein solcher Mensch geistig stärker ist, als er sich zeigen kann, deshalb leidet er unter dem Drucke einer ihm unbekannten Hemmung. […]
Aber es gibt auch noch eine andere Ursache dafür, bei der wenig zu helfen ist: das ist die Trägheit des Geistes! Der Mensch könnte sich schon selbst dazu aufraffen, den Druck abzuwerfen, wenn er nur wollte. Aber er ist zu bequem dazu und möchte, daß es andere tun.

(Fragenbeantwortungen)

Trägheit oder Schwäche des Geistes ist stets selbstverschuldet, kann aber von der Menschheit nicht erkannt werden. Der Zustand ist wiederum eine Folge der Verstandesherrschaft, die den Geist beengt und einmauert, ihn unterdrückt. […]
Ein Mensch mit müdem Geiste kann aber außergewöhnlich lebhaft im Denken sein, ebenso im Lernen, weil Geistesträgheit mit Verstandesschärfe gar nichts zu tun hat […].

(Vortrag „Besessen“)

Wenn auch die Ursachen für das Massaker tiefer liegen, so wurde es in seiner äußerlichen Form doch teilweise inspiriert von dem gewaltverherrlichenden Film Natural Born Killers, aus dem Dylan Klebold (offenbar unbewußt) in einem Video wörtlich zitierte.

Ich will hier nicht eingehen auf andere Abwege, bei denen der Geist ebenso zuviel der Sexualkraft für falsche Zwecke benötigt und damit für den Hauptzweck zu wenig hat, wie bei dem Lesen von Büchern, die in der Phantasie eine falsche Welt entstehen lassen, und anderes mehr.
(„Okkulte Schulung, Fleischkost oder Pflanzenkost“)

Die trotz aller Gewalt und Brutalität wesentliche Aussage des Films, Liebe sei das einzige, das den „inneren Dämon“ besiege, übersah der junge Mann dabei geflissentlich.

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Es fällt auf, daß dieser Ausdruck des Geistes – sei es in Rachels hohem Streben nach dem Licht, aber auch gelegentlichen Gefühlen von Verlassenheit, Erics weltumfassendem Haß und Dylans Zerrissenheit zwischen Sehnsucht nach Seelenliebe und vernichtenden Minderwertigkeitsgefühlen – bei allen in das gleiche Alter fiel.

Unterdessen reift der junge Körper heran, und nach und nach erwacht in ihm die Sexualkraft, die nur in der Grobstofflichkeit liegt. Sie ist die feinste und edelste Blüte aller Grobstofflichkeit, das Höchste, was die grobstoffliche Schöpfung bieten kann. In ihrer Feinheit bildet sie den Gipfel alles Grobstofflichen, also Irdischen, das dem Wesenhaften als äußerster lebendiger Ausläufer der Stofflichkeit am nächsten kommt. Die Sexualkraft ist das pulsierende Leben der Stofflichkeit und kann allein die Brücke bilden zu dem Wesenhaften, das wiederum den Fortgang zu dem Geistigen vermittelt.
Aus diesem Grunde ist das Erwachen der Sexualkraft in dem grobstofflichen Körper wie der Vorgang des Herablassens der Zugbrücke einer bisher verschlossenen Burg. Damit kann dann der Bewohner dieser Burg, also die Menschenseele, vollgerüstet streitbar hinaus, in gleichem Maße jedoch auch die diese Burg umlagernden Freunde oder Feinde zu ihm hinein. Diese Freunde oder Feinde sind in erster Linie feinstoffliche Strömungen guter oder übler Art, aber auch Jenseitige, die nur darauf warten, daß man ihnen durch irgendeinen Wunsch die Hand reicht, wodurch sie in die Lage kommen, sich fest einzuhaken und gleichartigen Einfluß auszuüben. […]
Bei normalem Heranreifen kann auch natürlichem Geschehen heraus immer nur auf beiden Seiten gleiche Stärke sein. […] Wenn der Burgbewohner aber
freiwillig einem außenbefindlichen feinstofflichen Freunde oder Feinde, auch Strömungen, die Hand reicht, also durch eigenen Wunsch oder freien Entschluß, so ist es natürlich ganz anders. Da er sich dadurch in eine bestimmte Art der außerhalb wartenden Belagerer einstellt, so können diese leicht die zehn- oder hundertfache Kraft entfalten gegen ihn. Ist diese gut, erhält er Hilfe, Segen. Ist sie aber böse, erntet er Verderben. […]
Die Sexualkraft hat die Aufgabe und auch die Fähigkeit, das ganze
geistige Empfinden einer Seele irdisch zu „durchglühen“. Der Geist kann dadurch erst rechte Verbindung mit der gesamten Stofflichkeit erhalten, wird deshalb auch erst irdisch vollwertig. […]
Deshalb setzt hier nun die Verantwortlichkeit ein! Ein ernster Wendepunkt in jedes Menschen Sein. […]
Mit Eintritt der Sexualkraft regt sich in erster Linie eine gewaltige Schwungkraft nach oben, zu allem Idealen, Schönen, Reinen! Bei unverdorbener Jugend beiderlei Geschlechtes ist das deutlich zu beobachten. Daher die von Erwachsenen leider oft belächelten Schwärmereien der Jugendjahre. Deshalb auch in diesen Jahren die unerklärlichen, leicht schwermütigen Empfindungen.
Die Stunden, in denen es scheint, als ob ein Jüngling oder eine Jungfrau den ganzen Weltschmerz zu tragen hätte, wo Ahnungen eines tiefen Ernstes an sie herantreten, sind nicht unbegründet.
Auch das so häufig vorkommende Sich-nicht-verstanden-Fühlen trägt in Wirklichkeit viel Wahres in sich. Es ist das zeitweise Erkennen der falschen Gestaltung der Umwelt, die den geheiligten Ansatz zu einem reinen Höhenfluge nicht verstehen will, noch kann, und erst zufrieden ist, wenn diese so stark mahnende Empfindung in den reifenden Seelen herabgezerrt wird in das ihnen verständlichere „Realere“ und Nüchterne, das sie als der Menschheit besser angepaßt erachten und in ihrem einseitigen Verstandessinne für das einzig Normale halten!
Der geheimnisvoll ausstrahlende Reiz einer unverdorbenen Jungfrau oder eines unverdorbenen Jünglings ist nichts anderes, als der von ihrer Umgebung mitempfundene
reine Auftrieb der erwachenden Sexualkraft nach Höherem, Edelstem, in Vermählung mit der Geisteskraft!
Sorgsam hat der Schöpfer darauf Bedacht gelegt, daß dies bei dem Menschen erst in ein Alter fällt, wo er sich seines Wollens und Handelns voll bewußt sein kann. Dann ist der Zeitpunkt da, an dem er alles Zurückliegende in Verbindung mit der nun in ihm liegenden Vollkraft spielend abzuschütteln vermag und abschütteln sollte. Es würde sogar von selbst abfallen, wenn der Mensch das Wollen zu dem Guten beibehält, wozu es ihn in dieser Zeit unaufhörlich drängt. Dann könnte er, wie die Empfindungen ganz richtig andeuten, mühelos emporsteigen zu der Stufe, auf die er als Mensch gehört!
Sehet das Verträumtsein der unverdorbenen Jugend! Es ist nichts anderes als das Empfinden des Auftriebes, des Sich-losreißen-Wollens von allem Schmutz, die heiße Sehnsucht nach Idealem. Die treibende Unruhe aber ist das Zeichen, die Zeit nicht zu versäumen, sondern energisch das Karma abzuschütteln und mit dem Emporsteigen des Geistes
einzusetzen.
Es ist etwas Herrliches, in dieser geschlossenen Kraft zu stehen,
darin und damit zu wirken! Jedoch nur, solange die Richtung eine gute ist, die der Mensch erwählt. Es gibt aber auch nichts Erbärmlicheres, als diese Kräfte einseitig in blindem Sinnestaumel zu vergeuden und seinen Geist damit zu lähmen.
(„Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“)

Obwohl viele von Dylan Klebolds Einträgen den erwachsenen Leser tatsächlich lächeln lassen – denn wer erinnert sich nicht an ähnlich phantasiebeladene Vorstellungen der eigenen Jugendjahre? –, ist ein bemerkenswertes Element für den spirituell ausgerichteten Menschen ein deutlich erkennbares Streben nach Hohem, Reinem (letzteres ein häufig auftauchendes Wort in den Aufzeichnungen). Es ist begraben unter allerlei falschen Ansätzen und Ideen, eine sichtlich verschwommene Vorstellung für den jungen Mann, der es mangels einer geistigen oder religiösen Überzeugung in vage, wechselnde Formen preßte, in späteren Einträgen in ein Überlegensheitsdenken und einen „Gott-Komplex“ – Gedankengänge, die durchaus beeinflußt sein mochten von Eric Harris‘ Superioritätswahn. Nichtsdestotrotz erkennt man geistige Ansätze in seiner klaren (wenn auch falsch interpretierten) Trennung zwischen seinem wahren Ich und seiner „menschlichen Form“ und vor allem seiner romantisierten Sicht der „Reinheit“ eines angeschwärmten Mädchens, seinem Versuch, sich im Gegenzug „rein“ zu halten, um ihrer wert zu sein.

Rachel Scott kämpfte mit ähnlichen Herausforderungen, doch durch ihren christlichen Glauben hatte sie konkrete Richtlinien, den sie folgte. Auch sie strebte nach Hohem, danach, daß Gottes Licht aus ihr leuchten möge, um den Menschen den richtigen Weg zu zeigen. Und auch sie machte sich Gedanken über das andere Geschlecht und ihr Bedürfnis nach Reinheit.

Rachel hatte einen Freund, für den sie wirklich große Gefühle hegte, und mit der Zeit begann sie sich Sorgen zu machen, wohin sich ihre Beziehung körperlich entwickeln würde. Sie hatte Angst, ihren tiefverwurzelten moralischen Standard und ihre Vorstellungen von sexueller Reinheit zu verletzen.
Was machte sie? Sie gab ihren Freund auf. Sie verließ den vermutlich einzigen jungen Mann, den sie liebte, weil sie nicht wollte, daß die Beziehung sie von dem abwendete, wozu sie berufen war. Es war schwer für sie, und sie schrieb über ihren Kampf in ihren Tagebüchern.

(Rachel’s Tears)

Der Mensch von heute ist in dieser Beziehung nicht normal, sondern er trägt einen krankhaften, bis auf das Zehnfache gesteigerten sexuellen Trieb mit sich, dem er in hundertfältigen Formen und Arten einen Kult zu erbauen sucht, der zum Verderben der ganzen Menschheit werden muß.
Ansteckend, übertragend wie ein Pesthauch wirkt dies alles mit der Zeit auch auf die, die sich noch krampfhaft anzuklammern suchen an ein Ideal, das ihnen im Verborgenen ihres Halbbewußtseins vorschwebt. Sie strecken wohl verlangend ihre Arme darnach aus, lassen diese aber seufzend immer wieder sinken, hoffnungslos, verzweifelt, wenn sich ihr Blick auf die Umgebung richtet.

(Vortrag „Sittlichkeit“)

Fragt, wo Ihr wollt, was Keuschheit ist, Ihr werdet überall als Antwort den Begriff für körperliche Unberührtheit in irgendeiner Form erklärt erhalten, jedenfalls gipfelt für die Erdenmenschen darin ihre Anschauung.
Das zeugt so ganz von kleiner Denkungsart der Menschen, die sich dem Verstande unterordnen, welcher selbst die Grenzen alles Irdischen gezogen hat, weil er nicht weiter reichen kann mit seinen Fähigkeiten, die aus Irdischem geboren sind. […]
Keuschheit ist anders als die Menschen es sich denken, viel umfassender, größer, sie verlangt nicht, gegen die Natur sich einzustellen […].

(„Keuschheit“)

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Vorausgeahnter Tod und Folgen

In den Monaten vor ihrem Tod, als sich Rachels Ernsthaftigkeit ihrer Überzeugung gegenüber intensivierte, nahm das Geistige zunehmend mehr Raum in ihrem Leben ein.

April 20, 98

Es ist, als hätte ich ein schweres Herz und diese Last auf meinem Rücken… aber ich weiß nicht, was es ist. Ich könnte weinen wegen irgend etwas in mir… und ich weiß nicht einmal, was es ist. Dinge haben sich definitiv geändert. Die letzte Woche war so schwer… […] Ich habe alle meine Freunde an der Schule verloren. Jetzt, wo ich angefangen habe, meine Worte zu leben, machen sie sich über mich lustig. Ich weiß nicht einmal, was ich getan habe. Ich muß nicht einmal wirklich etwas sagen, und sie weisen mich ab.
Ich habe keine persönlichen Freunde mehr an der Schule. Aber weißt du was… für mich ist es das alles wert. […] Ich werde meinen Glauben ihnen gegenüber nicht rechtfertigen, und ich werde nicht das Licht verstecken, das Gott in mich gelegt hat.

(Rachel’s Tears)

Ihre Empfindung war wach, womit sich vieles erklärt, was ihre Familie, die nach ihrem Tod durch Tagebücher davon erfuhr, einer Eingabe durch Gott zuschreibt: Sie sah voraus, daß ihr Vater sie eines Tages in der beliebten Talkshow Oprah sehen würde (nach Rachels Tod war Darrell Scott zu Gast bei Oprah, wo er die große Bildprojektion eines Fotos seiner Tochter zu sehen bekam); mit dreizehn Jahren zeichnete sie die Umrisse ihrer Hände auf die Rückseite eines Schranks und schrieb dazu: „Diese Hände gehören Rachel Joy Scott und werden eines Tages Millionen von Herzen berühren“ (ihre Hand ist heute eines der Symbole der Organisation Rachel’s Challenge, die seit Jahren in ihren Programmen Rachels Geschichte und ihr Lebensmotto verwendet, um Mobbing an Schulen entgegenzuarbeiten – und damit bereits Millionen von Menschen berührt hat). Nicht zuletzt war Rachel schon früh bewußt, daß sie jung sterben würde. Mehrere Freunde berichteten von Anmerkungen, die sie darüber fallen ließ, und am 2. Mai 1998 notierte Rachel in ihrem Tagebuch:

Dies wird mein letztes Jahr sein, Herr.
Ich habe erhalten, was ich konnte.
Danke.

(Rachel’s Tears)

Es war ein Mann namens Frank Amedia, der Rachels Beisetzung einen Monat zuvor auf CNN gesehen hatte. […] Er sagte, daß er dreimal in seinem Leben Träume gehabt habe, von denen er wußte, daß sie von Gott kämen. Die ersten beiden betrafen sein Geschäft […]. Sein dritter Traum fand kurz nach Rachels Beisetzung statt. Er träumte von ihren Augen und einer Tränenflut, die etwas bewässerte, das er in seinem Traum nicht richtig sehen konnte. Er war entschieden, was die Augen und Tränen betraf und wollte wissen, ob mir das etwas sagte. Er war enttäuscht, als ich sagte: „Nein, Frank, ich habe keine Idee, was das bedeutet.“ Er sagte mir, daß der Traum ihn tagelang verfolgt habe, und er wußte, daß es einen Grund dafür gab. […]
Mehrere Tage vergingen, und ich vergaß meine Unterhaltung mit Frank. Dann erhielt ich einen Anruf von der Polizei, um mich wissen zu lassen, daß sie Rachels Rucksack freigäben, den sie trug, als sie ermordet wurde. Der Rucksack hatte ein Einschußloch, und sie hatten ihn als Beweisstück zurückgehalten, um festzustellen, aus wessen Waffe die Kugel stammte.
Wir vermuteten, daß Rachels letztes Tagebuch noch in dem Rucksack war, aber es waren tatsächlich zwei. [..]
Ich blätterte zum Ende ihres letzten Tagebuchs und konnte nicht glauben, was mich von der letzten Seite her anstarrte! Eine Zeichnung ihrer Augen mit einem Tränenstrom, der eine Rose bewässerte! Später wies jemand darauf hin, daß es dreizehn klare Tränen waren, die aus ihren Augen fielen, bevor sie die Rose berührten und sich in etwas verwandelten, das wie Bluttropfen aussah. Es gab natürlich dreizehn Opfer der zwei Mörder. Ich war so verblüfft, daß ich kaum atmen konnte. Eine Woche zuvor hatte ein völlig Fremder, der mehr als eintausend Meilen entfernt wohnte, exakt das beschrieben, was ich in Rachels letztem Tagebuch sah!

(Rachel’s Tears)

Später sollten ihre Eltern erfahren, daß Rachel die Zeichnung in einer der Schulstunden vor ihrem Tod angefertigt hatte. In einem Gespräch mit einer Freundin erwähnte Rachel außerdem, daß sie fühlte, irgend etwas sei seltsam an diesem Tag.

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Wir entdeckten die gleiche Rose in einem früheren Tagebuch, ein Jahr vor Rachels Tod gezeichnet. Die erste Zeichnung zeigt einfach die Rose mit den blutigen Tropfen, nicht ihre Augen oder die Tränen. Die erste Zeichnung stellt außerdem die Rose dar, wie sie aus einer Akelei [engl.: columbine] herauswächst. Columbine High School erhielt ihren Namen von der Staatsblume. Dazu hatte sie ein Kreuz gezeichnet mit den Worten: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde“! […]
Ich teilte diese Geschichte in Jackson, Tennessee, mehrere Wochen, nachdem ich Rachels Zeichnung zum ersten Mal gesehen hatte. Am Ende der Versammlung kam ein junges Mädchen zu mir, einfach nur schluchzend. Sie sagte: „Mr. Scott, ich wußte nicht, worüber Sie reden würden, bevor Sie kamen, aber ich hatte mich dazu gedrängt gefühlt, daß Sie einige Verse aus der Bibel lesen sollten, und hier sind sie.“ Sie gab mir ihre Bibel, und sie war bei Jeremia 31:15-17 aufgeschlagen:
So spricht der Herr: Man hört eine klägliche Stimme und bitteres Weinen auf der Höhe; Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, denn es ist aus mit ihnen.
Aber der Herr spricht also: Laß dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Arbeit wird wohl belohnt werden, spricht der Herr. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes;
und deine Nachkommen haben viel Gutes zu erwarten, spricht der Herr; denn deine Kinder sollen wieder in ihre Grenze kommen.

(Rachel’s Tears, Bibelzitate nach Luther)

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Die genauen Umstände von Rachels Tod werden nur gemutmaßt. Es existiert ein Augenzeugenbericht, den I’m Not Ashamed seiner Darstellung zugrundelegt und der wahr oder nicht wahr sein mag.

Die meisten Geschichten wurden Richard Castaldo zugeschrieben, dem jungen Mann, der an jenem schicksalhaften Morgen mit Rachel außerhalb der Columbine-Bibliothek Lunch aß.
Richard, der mehr als ein halbes Dutzend Mal getroffen wurde und gelähmt bleibt, hat Schwierigkeiten, Erinnerungen an diesen Tag zurückzurufen, aber während der Aufnahmen für ein Segment für NBC’s
Dateline Nachrichtenmagazin im Januar 2000 bestätigte Richards Mutter, daß sie gehört habe, wie ihr Sohn Rachels Tod am Tag nach der Tragödie beschrieb.
Richards frühester Aussage zufolge saßen er und Rachel draußen, als sie Harris und Klebold herankommen sahen. Ohne Warnung eröffneten die beiden jungen Männer das Feuer, dabei Richards Rückgrat durchtrennend und Rachel zweimal in ihre Beine und einmal in ihren Torso treffend.
Während Richard benommen am Boden lag und Rachel versuchte, in Sicherheit zu kriechen, begannen die Täter wegzugehen, nur um Sekunden später zurückzukehren. Diesmal packte Harris angeblich bei den Haaren, hielt ihren Kopf hoch und stellte ihr die Frage: „Glaubst du an Gott?“
„Du weißt, daß ich das tue“, erwiderte Rachel.
„Dann geht zu Ihm“, gab Harris zurück, bevor er sie in den Kopf schoß.

(Rachel’s Tears)

Bei der Suche nach Märtyrern in der Tragödie, die bisweilen bizarre Züge trug, wie im Fall der bereits 1999 widerlegten, auf einem simplen Irrtum beruhenden, aber von seiten der Kirche bis heute bewußt aufrechterhaltenen Legende um Cassie Bernall oder der unbelegbaren Behauptung, die beiden Täter hätten bewußt christliche Opfer gewählt, wird in Rachels Tod von religiöser Seite mehr hineininterpretiert, als vermutlich vorhanden war.

Der Vorgang des Todes selbst ist weiter nichts als die Geburt in die feinstoffliche Welt. Ähnlich dem Vorgange der Geburt in die grobstoffliche Welt. Der feinstoffliche Körper ist mit dem grobstofflichen Körper nach der Lösung eine Zeitlang wie durch eine Nabelschnur verbunden, die um so weniger fest ist, je höher der also in die feinstoffliche Welt Geborene seine Seele schon in dem Erdensein nach der feinstofflichen Welt hin entwickelt hat. […]
Anders mit den Menschen, die den Aufstieg zu allem Edleren schon in dem Erdensein begannen. Weil diese die Überzeugung des Schrittes in die feinstoffliche Welt lebendig in sich tragen, ist die Loslösung auch viel leichter. Der feinstoffliche Körper und mit ihm die Verbindungsschnur ist nicht dicht, und dieser Unterschied in ihrer gegenseitigen Fremdheit mit dem grobstofflichen Körper läßt die Loslösung auch sehr schnell erfolgen, so daß der feinstoffliche Körper während des ganzen sogenannten Todeskampfes oder der letzten Muskelzuckungen des grobstofflichen Körpers schon lange neben diesem steht, wenn überhaupt von einem Todeskampfe bei normalem Sterben eines solchen Menschen gesprochen werden kann. Der lose, undichte Zustand des Verbindungsstranges läßt den danebenstehenden feinstofflichen Menschen keinerlei Schmerzen mitempfinden, da dieser leichte Verbindungsstrang in seinem undichten Zustande keinen Schmerzleiter vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen abgeben kann.
Dieser Strang sprengt auch infolge seiner größeren Feinheit die Verbindung schneller, so daß der feinstoffliche Körper in viel kürzerer Frist vollkommen frei wird und dann nach der Region in die Höhe schwebt, die aus der gleichen feineren und leichteren Art besteht.

(Vortrag „Der Tod“)

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Aus geistiger Sicht bliebe noch vieles zu Columbine zu sagen. Wer sich selbst mit der Thematik auseinandersetzen möchte, dem seien insbesondere Dave Cullens umfassendes Werk empfohlen sowie die Bücher Beth Nimmos und Darrell Scotts (nicht in deutscher Übersetzung erschienen) und das auch übersetzt vorliegende Buch Sue Klebolds, der Mutter eines der Täter.
In einer persönlichen Nebenanmerkung noch etwas zum Thema Vorurteile. Während Bekenner der Gralsbotschaft über das simple Himmel-und-Hölle-Konzept hinausblicken, das viele Christen auf die „Nachwirkungen“ von Columbine anwenden, sind sie damit doch nicht unbedingt weiser. Ich nehme mich da überhaupt nicht aus, im Gegenteil: Ich kann ja in erster Linie nur aus meinem Blickwinkel berichten. Und da hat man nun einmal gewisse Vorstellungen von karmischen Verstrickungen, Ebenen des Dunkels und der Notwendigkeit des Erkennens. Diese sind sicherlich nicht falsch. Aber in unserem Verständnis für die grundlegenden Zusammenhänge vernachlässigen wir vielleicht ein wenig zu oft die stillen „Wunder“ der Schöpfungsgesetze. Um es konkret zu sagen: Angesichts der Bindungen, die sich die beiden Täter auferlegt haben, angesichts des feinstofflichen Umfeldes, das sie sich schufen, ging ich davon aus, daß es eine sehr lange Zeit brauchen würde, ehe sie überhaupt zu besserer Erkenntnis kämen. Und darin mußte ich Demut erlernen und Staunen, Freude und Lobpreisung. Ich kann nicht auf Details eingehen, weil sie doch extrem privat sind und ganz andere Personen betreffen als mich, aber mir wurde ein Stück künftigen Lebensweges eines der Täter gezeigt, das im karmischen Zusammenhang völlig Sinn macht, aber mir nie zu Gedanken gekommen wäre. „Natürlich!“ sagte ich damals, halb lachend und halb weinend. So naheliegend. Und doch hatte ich bis zu dem Zeitpunkt wie so viele andere bei Columbine haltgemacht. Während der betreffende Geist innerhalb dieser wenigen siebzehn Jahre mit Riesenschritten vorangekommen sein muß, daß ich ihn so sehen konnte wie ich ihn sah. Mein Punkt ist: Wir wissen doch nichts über die Zusammenhänge. Folglich sollten wir uns hüten, ein Urteil zu sprechen – es könnte sein, daß wir uns als blind und ahnungslos ausweisen.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Ringende Geister in einer gefallenen Welt – „Dominion“

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Sicher ist Dominion kein naheliegender Kandidat für diese Artikelreihe, bekam der Film, auf dem die Fernsehserie aufbaut, Legion (2009), doch gerade von religiöser Seite viel Beschuß. Doch näher betrachtet, enthält die Handlung abseits von allen Grundlagen, „die nicht stimmen“, sehr viele Weisheiten. Man muß nur einmal bereit sein, tiefer zu schürfen.

25 Jahre nach dem Verschwinden Gottes und Erzengel Gabriels Krieg gegen die Menschen haben sich die Überlebenden in vereinzelten Städten verbarrikadiert. In Vega, den Resten des früheren Las Vegas, hat sich eine starre Gesellschaftsordnung etabliert, die anfangs Sicherheit und Ordnung garantierte, doch inzwischen zu einem Unrechtssystem verkommen ist. Die Hoffnung des Volkes beruht auf dem von Erzengel Michael verheißenen Retter, doch gerade unter der Elite der Gesellschaft lacht man nur noch über diesen Glauben.
Michael selbst hält sich bedeckt. Obwohl er in Vega eine Position des Vertrauens und der Ehrfurcht genießt und sogar eine Elite-Militäreinheit unter seinem Befehl hat, ist er in den Augen vieler doch gleichermaßen potentiell verdächtig, da zum Feind gehörig. Niemand weiß, daß er neutral verbliebenen Engeln Unterschlupf in Vega gewährt hat, ganz zu schweigen von seiner verbotenen Liaison mit einer der Konsulinnen der Stadt. Sein größtes Geheimnis jedoch bleibt die Identität des Auserwählten, Alex Lannen, ein junger Soldat unter seinem Kommando. Auch Alex weiß nichts von seiner Bestimmung; sein Plan ist es vielmehr, Vegas unterdrückerischem Regime zu entfliehen. Doch dann häufen sich Sichtungen der von niederen Engeln besessenen Truppen Gabriels – und es scheint, als hätten sich ihm auch höhere Engel angeschlossen.

Spätestens hier hat jeder Monotheist abgeschaltet, richtig?

Was Dominion mit seiner alttestamentarischen, aber von den Schriften abweichenden Grundidee so bestechend macht, ist nicht „Werktreue“. Filme über Engel, den Himmel, selbst über Gott gibt es seit vielen Jahren, und wohl keiner ist der Realität annähernd nahegekommen. Es gibt geglücktere Versuche als andere (Der Wunderapostel, Ink oder die Serie Twice in a Lifetime fallen dabei ein), aber sie beruhen fast immer auf einem sehr irdisch-menschlichen Denken. Dominion ist dabei sicher nicht „blasphemischer“ als andere. Denn wenn man einmal die Äußerlichkeiten ignoriert und zum Kern der Geschichte vorstößt, findet man innig vertraute Dinge. Ich spreche dabei nicht von in dieser Artikelserie bereits behandelten Themen wie geistigen Helfern (in Dominion beispielsweise Noma) oder Besessenheit. Dominion ist in seiner Art eine bemerkenswert ehrliche Geschichte über den suchenden Menschen, den ringenden Menschen in einer scheinbar gottlosen Welt. Jeder der handelnden Charaktere sucht seinen Lebensinhalt, seine Bestimmung, sei es im Versuch, eine bessere, gerechtere Gesellschaft zu schaffen auf Seiten der rein irdisch denkenden, aber „guten“ Charaktere, sei es Machtgier als Selbstzweck oder als Mittel zum Vorteil des eigenen Teiles der Gesellschaft bei den „bösen“ oder grauen Charakteren. Selbst die Charaktere, die über das Irdische hinausstreben oder selbst dem Höheren angehören, bleiben von den Irrungen der Niederungen nicht verschont. Wenn Michael in einer Episode erläutert, daß die zur Erde hinabgestiegenen Engel einander nicht mehr erkennen können, wie es „oben“ noch möglich war, so steckt viel Wahrheit dahinter. Es ist Geistern aus den urgeistigen und göttlichen Ebenen möglich, im Grobstofflichen zu inkarnieren. Es ist Wesen aus beiden Ebenen möglich, in die Tiefe zu steigen, um Aufgaben zu erfüllen, wie Luzifer es einst tat, der aber in der Entfernung vom Licht eigenen Willen entwickelte und somit zum Geist wurde. Während Luzifer niemals inkarnierte, dürfte dies schwächeren zum Geist gewordenen Wesen durchaus möglich sein. Doch damit geraten sie wie Menschengeister auch in die Versuchungen der Stofflichkeit.

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Zwischen den Kreaturen Geist und Wesen ist an sich in der Schöpfung kein Wertunterschied. Ein Unterschied besteht nur in der verschiedenen Art und der dadurch gegebenen andersartigen Notwendigkeit ihres Wirkens! Der Geist, der ja auch zu dem großen Wesenhaften gehört, kann Wege seiner eigenen Wahl gehen und entsprechend in der Schöpfung wirken. Das Wesen aber steht unmittelbar im Drang des Gotteswillens, hat also keine eigene Entschlußmöglichkeit oder, wie es der Mensch ausdrückt, nicht seinen eigenen, freien Willen. […]
Die Erzengel im Göttlichen sind Wesen, da unter dem größten Druck der Gottesnähe gar kein anderes Wollen möglich wäre außer dem, was in dem Gotteswillen rein und unverbogen schwingt.
Erst in ungeheuerer Entfernung, die für Euch unfaßbar ist, ganz an der Grenze der göttlichen Sphäre […], kann sich zum ersten Male ein Ichbewußtsein lösen in den Ewigen oder, wie sie manchmal auch bezeichnet werden, den Alten, die gleichzeitig die göttlichen Hüter des Heiligen Grales sind. Nur die Entfernung aus der Gottesnähe gab die Möglichkeit dazu.
Und erst von da an abwärts führend, konnten sich in immer weiterer Entfernung von der Gottesnähe auch die kleineren Ichbewußtseine entwickeln, die aber leider damit auch den eigentlichen Halt verloren und zuletzt abstrebten von dem Schwingen des reinen Gotteswillens.
Nur durch die immer größer werdende Entfernung konnte auch einst Luzifer sich ändern und im Eigenwollen die Verbindung für sich abschneiden, wodurch er selbsttätig Abgründe riß, die mit der Zeit unüberbrückbar wurden, und er dabei verdunkelnd, schwerer werdend, immer tiefer sank. So wurde er in der Verdichtung und der Abkühlung zum Geist, der freies Wollen hatte und mit seinen großen Anlagen, die ihm der Ursprung gab, zuletzt als
stärkster Geist unter der Stofflichkeit stand. […]
Alle Wesen stehen in dem Dienste Gottes, wozu sich Geister erst freiwillig selbst bekennen müssen, wenn sie segenbringend in der Schöpfung wirken wollen.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das Wesenhafte“)

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Gabriel glaubt (nicht ganz zu Unrecht), nur die völlige Vernichtung der Menschheit könne das Gleichgewicht in der Schöpfung wiederherstellen, doch seinem Urteil fehlt die notwendige Gerechtigkeit. Uriel versucht Frieden zu schaffen, doch sie handelt dabei nach dem Motto, daß der Zweck die Mittel heilige. Michael mit seiner großen Liebe für die Menschheit beweist von allen vielleicht noch den größten Glauben, doch auch er sucht nur blindlings seinen Weg. Alex wiederum weiß, daß er eine Bestimmung hat, doch nicht, was diese ist und was er tun soll, um sie zu erfüllen.

Die Binde wird Auserlesenen immer erst vorsichtig nach und nach gelockert, um der notwendigen Entwicklung nicht vorzugreifen; denn alle Zwischenstufen müssen ernsthaft erlebt sein, um zuletzt eine Erfüllung möglich zu machen. Zu frühes Bewußtsein der eigentlichen Aufgabe würde in der Entwicklung Lücken lassen, die eine spätere Erfüllung erschweren.
In dauerndem Hinblick auf das Endziel kommt die Gefahr des zu schnellen Vorwärtsstürmens, wobei vieles übersehen oder nur leicht erlernt wird, was zur Ausfüllung der eigentlichen Bestimmung unbedingt ernsthaft erlebt sein muß. Ernsthaft erleben aber kann der Mensch immer nur das, was er jeweils als seine wirkliche Lebensaufgabe betrachtet.

(„Die unbefleckte Empfängnis und Geburt des Gottessohnes“)

Allen ist gemein, daß die Stofflichkeit ihnen die Augen verschlossen hat, also das Erkennen des rechten Weges. Sie alle sind Suchende, die immer wieder über die ihnen in den Weg tretenden Hürden stolpern oder auf den rutschigen Abhang der Versuchungen geraten. Und darin unterscheiden sich wie leider in der Realität auch urgeistige und göttliche Geister nicht von den Menschengeistern. Die traurige Wahrheit dabei ist, daß solche vielleicht nur für eine spezifische Aufgabe inkarnierten „höheren“ Geister sich auf diesem Wege ein Karma schaffen, das sie gegebenenfalls über mehrere Inkarnationen ablösen müssen, was wieder die Gefahr für weitere Bindungen schafft – also am Ende einen wesentlich längeren Aufenthalt in der Grobstofflichkeit erfordert als ursprünglich geplant.

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Es ging ein Säemann aus, zu säen: Dort, wo das Feinstofflichste der Schöpfung an das Wesenhafte reicht, ist die Fläche der Aussaat der menschlichen Geistkeime. Fünkchen gehen von dem Wesenhaften über die Grenze und versenken sich in den jungfräulichen Boden des feinstofflichsten Teiles der Schöpfung, wie bei den elektrischen Entladungen eines Gewitters. Es ist, als ob die schaffende Hand des Heiligen Geistes Samenkörner ausstreut in das Stoffliche.
Während sich die Saat entwickelt und langsam der Ernte zureift, gehen viele Körner verloren. Sie gehen nicht auf, das heißt, sie haben ihre höheren Fähigkeiten nicht entwickelt, sondern sind verfault oder verdorrt und müssen sich im Stofflichen verlieren. Die aber aufgegangen sind und über die Fläche emporstreben, werden bei der Ernte streng gesichtet, die tauben Ähren von den vollen Ähren geschieden. Nach der Ernte wird dann nochmals sorgfältig die Spreu von dem Weizen getrennt. […]
Wenn geistige Funken überspringen in den Boden des feinstofflichen Ausläufers der stofflichen Schöpfung, so schließt sich um diese Funken sofort eine gasige Hülle von der gleichen Stoffart dieser zartesten Region des Stofflichen. Damit ist der Geisteskeim des Menschen eingetreten in die Schöpfung, die wie alles Stoffliche der Veränderung und dem Zergehen unterworfen ist. Er ist noch karmafrei und wartet der Dinge, die da kommen sollen.
Bis in diese äußersten Ausläufer hinein reichen nun die Schwingungen der starken Erlebnisse, die inmitten der Schöpfung in all dem Werden und Vergehen ununterbrochen vor sich gehen.
Wenn es auch nur die zartesten Andeutungen sind, die diese Feinstofflichkeit wie ein Hauch durchziehen, so genügen sie doch, das empfindsame Wollen in dem Geisteskeime zu wecken und aufmerksam zu machen. Er verlangt, von dieser oder jener Schwingung zu „naschen“, ihr nachzugehen, oder, wenn man es anders ausdrücken will, sich von dieser mitziehen zu lassen, das einem Sichanziehenlassen gleichkommt.
Darin liegt die erste Entscheidung des vielseitig veranlagten Geisteskeimes, der nun je nach seiner Wahl hier oder dorthin gezogen wird. Dabei knüpfen sich auch schon die ersten zartesten Fäden zu dem Gewebe, das für ihn später sein Lebensteppich werden soll. […]
Durch seinen Wunsch vermag er wie ein Steuer den Kurs zu ändern in den Strömungen, sobald ihm die eine nicht mehr behagt. So vermag er hier und da zu „kosten“. […]
Jede Schwenkung, die er macht, bildet einen Knoten in den Fäden, die er hinter sich herzieht, die bei vielen Irrwegen, bei vielem Hin und Her in zahlreichen Maschen wie zu einem Netze werden können, in das er sich verstrickt, wodurch er entweder darin untergeht, weil es ihn festhält, oder aus dem er sich gewaltsam herausreißen muß. […]
Die Fäden werden mit dem Wachsen des Geistkeimes dichter und stärker, bilden das Karma […].

(„Der Mensch und sein freier Wille“)

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Allen Empörungen religiös orientierter Menschen zum Trotz ist Dominion also eine überraschend akkurate Darstellung unserer Probleme in den Niederungen – gleichgültig, welchen Ursprungs wir sind.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Dämonische Beeinflussung und lichte Streiter in Terry Brooks‘ Word-and-Void-Trilogie

Autor Terry Brooks, der sich über lange Jahre hauptsächlich einen Namen als Verfasser seiner Shannara-Romane gemacht hatte, stieg 1997 in ein für ihn neues Genre ein: Kontemporäre Fantasy. Seine namenlose Trilogie, die von den Lesern The Word and the Void oder Demon Trilogy benannt wurde, ist in den USA der Gegenwart angesiedelt und bevölkert die für Menschen sichtbare Welt mit allerlei Kreaturen „zwischen Himmel und Erde“, die nur Ausgewählte wahrnehmen können. In den drei Romanen Running with the Demon, A Knight of the Word und Angel Fire East wird die Geschichte zweier solcher Ausgewählter erzählt, Nest Freemark, die in den Jahren der Handlung von einem jungen Mädchen mit besonderen Fähigkeiten zu einer Frauengestalt heranreift, wie sie sehr untypisch für Fantasy-Romane ist, und John Ross, ein Ritter der Lichts, der als bescheidener Wanderer seine Wege geht.
Während diverse Elemente der Romane natürlich reine Fantasy sind, finden sich doch bemerkenswerte Übereinstimmungen mit der Lehre der Gralsbotschaft.

Running with the Demon ist deutlich erkennbar auch eine Hommage des Autors an seine glückliche Kindheit in einer Kleinstadt der USA. Er schildert die Orte und Personen der Handlung mit einem liebevollen Realismus, der auch von Kritikern hochgelobt wurde. (Charakterzeichnung war von jeher die Stärke seiner Romane.) Hopewell ist eine verschlafene Kleinstadt, in der die Uhren langsamer gehen. Doch die Idylle trügt: Ein lang andauernder Streik ist zu einer aussichtslosen Verhärtung der Fronten angewachsen und lähmt das allgemeine Leben. Besonnene Köpfe unter den Arbeitern und Gewerkschaftlern mahnen zur Ruhe, haben jedoch keine Ideen, wie aus der Sackgasse herauszukommen ist, während hitzigere Elemente der Ansicht sind, nur eine gewalttätige Aktion könne die Industriebosse wieder an den Verhandlungstisch zwingen.
In diese Situation geraten zwei Fremde: John Ross, dem man seine Berufung als Streiter der Lichts schwerlich ansieht, und die Kreatur, die er jagt, ein Dämon, der sich die potentiell explosive Lage zunutze macht, um seine eigenen Pläne voranzutreiben. In Brooks‘ Geschichte folgt das Konzept von Dämonen nicht der klassischen, christlich verwurzelten Mythologie, die Dämonen als gefallene Engel darstellt (wie es beispielsweise Tolkien in seinen ebenfalls unter dem Blickwinkel der Gralslehre höchst aufschlußreichen Büchern tut), sondern hier sind es frühere Menschen mit mehr oder weniger menschlichen Körpern, die sich dem Dunkel verschrieben haben. Ihre Beweggründe für ihre Taten sind entsprechend sehr unterschiedlich, doch haben sie stets den Sturz starker Geister zum Ziel, während die verachteten schwächeren Geister bedenkenlos für dieses Ziel geopfert werden.
Ein weiterer solch starker Geist ist die vierzehnjährige Nest Freemark. Sie ist, was man landläufig hellsichtig nennt; sie kümmert sich zusammen mit ihrem Freund, einer Art Baumelf, um das Wohlergehen des nahen Stadtparks, und sie sieht die „Feeders“ genannten Wesen, die von den Emotionen der Menschen zehren und diese durch ihre Anwesenheit gleichzeitig verstärken – im Weltbild der Gralsbotschaft also entweder Gedanken- oder aber Empfindungsformen, also Dämonen.

Die lebendige Schöpfungskraft, die die Menschen durchflutet, rafft durch den geschlossenen Willen eines fertigen Gedankens Feinstoffliches zusammen und schließt es bindend zu einer Form, die dem Willen dieses Gedankens Ausdruck gibt. Also etwas Wirkliches, Lebendiges, das nun Gleichartiges in dieser Welt der Gedankenformen durch das Gesetz der Anziehungskraft der Gleichart anzieht oder sich von solchen anziehen läßt, je nach seiner eigenen Stärke.
Wie ein Gedanke bei seinem Entstehen gleichzeitig
mitempfunden wird, schwächer oder stärker, so wird auch sein feinstoffliches Gebilde entsprechendes Leben in sich tragen. Dicht bevölkert ist diese Gedankenwelt.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Gedankenformen“)

Die so erstarkte Empfindung eines Menschen zeugt nun in weiterer Abstufung unmittelbar selbsttätig ein Gebilde, das die Art der Empfindungen ganz genau verkörpert! […] Das Gebilde steht im Anfang in, dann neben seinem Erzeuger, mit diesem durch einen Ernährungsstrang verbunden. Gleichzeitig aber nimmt es selbsttätig sofort unter der Wirkung des Gesetzes der Anziehung der Gleichart Fühlung mit dem Sammelorte gleicher Arten von Gebilden und erhält von dort starken Zustrom, der mit dem jungen Gebilde nunmehr die feinstoffliche Umgebung des betreffenden Menschen gibt.
Unterdessen steigt die Empfindung höher bis zu dem Gehirn und erregt hier gleichartige
Gedanken, die sich das Ziel scharf prägen. So werden die Gedanken zu Kanälen oder Straßen, auf denen die Gebilde einem ganz bestimmten Ziele zutreiben, um dort zu schaden, wenn sie Boden dazu finden.
Hat aber der Mensch, der als Ziel davon betroffen werden soll, in sich nur reinen Boden, also reines Wollen, so bietet er für diese Gebilde keine Angriffsfläche, keinen Verankerungsgrund. Aber damit werden sie nicht etwa wieder unschädlich, sondern irren einzeln weiter oder vereinen sich mit den Gleicharten in deren Sammelstellen, die man „Ebenen“ nennen kann, da sie ja dem Gesetze ihrer geistigen Schwere unterworfen sind und deshalb
bestimmte Ebenen bilden müssen, die immer nur gleiche Arten zulassen und festhalten können.
Damit bleiben sie aber allen den Menschengeistern unbedingt gefährlich, die nicht genügend Reinheit starken Wollens zu dem Guten in sich tragen, und bringen schließlich auch ihren Erzeugern zuletzt das Verderben, da sie stets mit diesen in Verbindung bleiben und durch den Ernährungsstrang dauernd neue […] Energien auf sie zurückfließen lassen, die die Gebilde selbst aus der Ansammlung der Zentralen erhalten. […]
Die Erzeugnisse des Empfindungswollens menschlichen Geistes, die vorerwähnten Gebilde, hören aber nach der Loslösung von ihrem Erzeuger nicht auf zu sein, sondern bestehen
selbständig weiter, solange sie Nahrung von den ihrer Art gleichgesinnten Menschengeistern erhalten! Es braucht nicht ihr Erzeuger selbst zu sein. Sie suchen Gelegenheit, sich diesem oder jenem dazu bereiten Menschen oder auch nur in der Abwehr schwachen Menschen anzuhängen. Sie sind in üblem Sinne die Dämonen, entstanden aus Neid, Haß und allem Ähnlichen. […]
Diese Gebilde des menschlichen Empfindungswollens haben
in sich Kraft, weil sie aus geistigem Wollen in der Verbindung mit der „neutralen Hauptkraft“ erstehen […].
(„Im Reiche der Dämonen und Phantome“)

Nest weiß noch nicht, daß die beunruhigende wachsende Anzahl der Feeder mit der Anwesenheit sowohl John Ross‘ als auch des Dämons in Hopewell zusammenhängt, die durch ihre jeweilige Art anziehend auf diese Wesen wirken – Ross als Ritter des Lichts, um den herum sich zwangsläufig das Dunkel ballt; der Dämon, der durch geschickte Einflüsterungen die latenten Gewaltbereitschaft mancher Menschen anheizt.

Ein Mensch kann überhaupt nicht von einem Dämon „besessen“ sein! Das geht schon aus ganz natürlichen Gründen nicht; denn der Kern des Menschen ist Geist, ein Dämon aber Wesen, einst harmlos, doch durch Menschengeistwollen zum Dämon großgezogen. Und da Geist höher ist als Wesen in seiner Beschaffenheit, so vermag Wesen den Geist nicht zu verdrängen, auch nicht zeitweise, was bei Besessensein notwendig ist. Der Mensch kann aber dämonisch beeinflußt sein! Das ist ein großer Unterschied; denn zur Beeinflussung gehört ein gewolltes inneres Entgegenkommen des betreffenden Menschen, sei es nun hervorgerufen durch sein Handeln, also einen von außen nach innen wirkenden Vorgang, oder durch sein eigenes Wollen, irgendeinen Hang, den er sich angeeignet, also zur Eigenschaft gemacht hat. In diesem Falle öffnet er sich zuerst innerlich diesem üblen Einflusse und wirkt dann beeinflußt nach außen.
Dämonisch beeinflußt sein kann also nicht ohne eigenes Wollen geschehen. Aus
diesem Grunde wird auch eine Heilung oder Hilfe sehr erschwert. Der Zustand ist auch viel gefährlicher für den Menschen selbst und für seine Umgebung, da er berechnender, heimtückischer, vollkommen bewußt handelnd wirkt.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Das einige Jahre später eingesiedelte A Knight of the Word schildert dann anschaulich, wie der Sturz eines hohen Geistes zustandekommt, durch kleine Schritte, Zweifel, inneres, selbst kaum erkanntes Entgegenkommen, in das sich das Dunkel mit seinen Einflüsterungen sofort einhakt.

Angel Fire East ist ein stimmungsvoller Abschluß der Trilogie, dessen Stärke in seinen ruhigen Tönen liegt. Nest ist inzwischen zu einer verantwortungsvollen Frau herangewachsen, eine sowohl mütterliche als auch beschützende Präsenz für die verschiedenen Personen, die sich in ihrem Haus einfinden. Anders als so ziemlich alle übrigen Fantasy-Heldinnen ist sie keine Kriegerin; dies bleibt dem modernen Ritter John Ross überlassen. Dennoch besteht zu keinem Zeitpunkt Zweifel an Nests Stärke, im Gegenteil, gerade durch ihre ruhige, innerlich starke Natur präsentiert sie sich dem Dunkel als beachtliche Gegnerin. Sie ist eine weibliche Streiterin im besten Sinne.

Der Mann steht in der Schöpfung mit der Front nach außen, um zu kämpfen, das Weib jedoch hält, ihm den Rücken deckend, die Verbindung mit dem Licht und bildet so den Kern, die Kraftzufuhr und Stärkung.
(Vortrag „Die Aufgabe der Menschenweiblichkeit“)

Angel Fire East bedient sich übrigens stark christlicher Symbolik, mit seinen Themen von Weihnachten, jungfräulicher Empfängnis und einem kommenden Messias, während die gesamte Trilogie auch starke Elemente der Artus-Legende aufweist.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Das Schöpfungswirken in „Der Wunderapostel“

Die Ältesten in der göttlichen Sphäre, welche gleichzeitig die Hüter des Heiligen Grales im göttlichen Teile der Gralsburg sind, zeigen in ihrer Ausstrahlung ebenfalls das gleichschenklige Kreuz.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das schwache Geschlecht“)

Das Kreuz war schon vor Christi Erdenzeit bekannt. Es ist das Zeichen göttlicher Wahrheit! Nicht nur das Zeichen, sondern die lebendige Form dafür. […] Man kann sagen, sie ist das Kreuz selbst. Dort, wo dieses strahlende Kreuz ist, ist damit auch die Wahrheit, weil dieses Kreuz von der Wahrheit nicht zu trennen geht, sondern beides eins ist […].
Deshalb sagte der Gottessohn zu den Menschen, daß diese das Kreuz aufnehmen und ihm folgen sollten, das heißt also, die Wahrheit aufzunehmen und darnach zu leben!

(„Der Weltenlehrer“)

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Vermutlich das naheste, was es auf dem Markt zu einer filmischen Verarbeitung der Lehre der Gralsbotschaft gibt, ist Der Wunderapostel von 1993. Basierend auf den Romanen Der Sonnenbruder und Der Wunderapostel von Hans Sterneder, beinhaltet der Film auch Aussagen Bruno Grönings, dessen Freundeskreis die Produktion der Filmumsetzung ermöglichte.

Durch einen Unfall verliert Starviolinist Beatus Klingohr die Fähigkeit zum Spielen. In seiner Verzweiflung bricht er alle Brücken zu seinem bisherigen Leben ab und zieht als Walzbruder durch die Lande. Eines Tages hört er von einem geheimnisvollen Mann, der der „Wunderapostel“ genannt wird und in dessen Nähe Heilungen geschehen sein sollen. Lange Zeit führt Beatus’ Suche nach ihm ihn in die Irre. Doch inmitten von Enttäuschungen und Entbehrung lernt er Nächstenliebe und Gottvertrauen.
Nachdem seine Suche scheinbar im Nichts verlaufen ist, gewinnt Beatus in der unberührten Natur des Dachsteingebirges neue Kraft. Bis die Erscheinung eines leuchtenden Kreuzes den Wunsch wieder in ihm aufsteigen läßt, den Wunderapostel zu finden.
Mit Hilfe einer einfachen Bäuerin ist seine Suche diesmal erfolgreich. An der Seite des Wunderapostels wird er in das Schöpfungswissen und -wirken eingeführt.

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Während die Figur des Beatus für den suchenden Menschen steht, ist der Wunderapostel deutlich erkennbar eine Christus-Gestalt. Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Thomas Busse erklärte in einem Interview*, das Aussehen des Wunderapostels, das stark von Sterneders Beschreibung abweicht, gehe auf einen Traum zurück, in dem er sich selbst als diese Figur gesehen habe – obwohl er bis dahin nicht geplant habe, die Rolle zu übernehmen. Er hielt diesen Traum für ein Zeichen, „daß es wohl so sein solle“. Dabei entspricht der filmische Wunderapostel trotz Aussehens und „Wunder“heilungen aber weniger dem Christus-Bild, das heute in kirchlichen Gemeinschaften vorherrscht, sondern er legt die schöpfungsgesetzmäßigen Vorgänge größtenteils in einer Weise dar, wie sie auch die Gralsbotschaft erläutert.

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So lehrt er, daß in den Heilungen scheinbar hoffnungsloser Fälle keinerlei Wunder liegt.

Alles, was einer strengen Folgerichtigkeit entbehrt, ist ungöttlich. Jedes Wunder ist ein unbedingt natürlicher Vorgang, nur in außergewöhnlicher Schnelligkeit und konzentrierter Kraft; niemals kann etwas Unnatürliches geschehen. Das ist vollkommen ausgeschlossen.
Erfolgen Heilungen bisher als unheilbar geltender Krankheiten, so ruht darin keine Veränderung der Naturgesetze, sondern es zeigt nur die großen Lücken des menschlichen Wissens. Um so mehr muß es als eine Gnade des Schöpfers erkannt werden, der einzelne Menschen hier und da mit besonderer Kraft begabt, die sie zum Heile leidender Menschheit verwenden können. Immer aber werden es nur solche sein, die sich allem Dünkel einer Wissenschaft fernhielten, da das erdgebundene Wissen die Fähigkeit, höhere Gaben entgegenzunehmen, ganz naturgemäß erstickt.

(„Wunder“)

Seine Erklärung, Gott strafe nicht mit Krankheiten, sondern der Mensch bürde sich diese selbst auf dadurch, daß er sich von der göttlichen Kraft abschneide, leuchtet den Zuhörern ein. Doch dann erhebt sich die Frage nach der Schuld von Kindern, die von Geburt an krank seien. Nachsichtig erläutert der Wunderapostel die größeren Zusammenhänge durch mehrere Erdenleben.

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So sind in der gewaltigen Maschinerie des Weltalls viele Dinge, die mitwirken an dem „Ergehen“ des Menschen, aber es gibt nichts, wozu der Mensch nicht selbst zuerst die Ursache gegeben hat.
Er liefert die Fäden, aus denen im unermüdlichen Webstuhle des Seins der Mantel gefertigt wird, den er zu tragen hat.
Christus drückte klar und scharf dasselbe aus, als er sagte: „Was der Mensch säet, das
wird er ernten.“ Er sagte nicht, „kann“ er ernten, sondern er „wird“. Das ist dasselbe wie: er muß das ernten, was er sät.
Wie oft hört man sonst sehr vernünftige Menschen sagen: „Daß Gott so etwas zuläßt, ist mir unbegreiflich!“
Unbegreiflich aber ist es, daß Menschen so etwas reden können! Wie klein stellen sie sich dieser Äußerung nach Gott vor. Sie geben damit den Beweis, daß sie sich ihn als einen „
willkürlich handelnden Gott“ denken.
Aber Gott greift in alle diese kleinen und großen Menschensorgen, Kriege, Elend und was Irdisches noch mehr ist, gar nicht direkt ein! Er hat von Anfang an in die Schöpfung seine vollkommenen Gesetze gewoben, die selbsttätig ihre unbestechliche Arbeit durchführen, so daß sich alles haarscharf erfüllt, ewig gleich sich auslöst, wodurch eine Bevorzugung ebenso ausgeschlossen ist wie eine Benachteiligung, jede Ungerechtigkeit unmöglich bleibt.
Gott braucht sich also darum nicht besonders zu kümmern, sein Werk ist lückenlos.
Ein Hauptfehler so vieler Menschen ist aber der, daß sie nur nach dem Grobstofflichen urteilen und sich darin als Mittelpunkt sehen, sowie mit
einem Erdenleben rechnen, während sie in Wirklichkeit schon mehrere Erdenleben hinter sich haben. Diese, sowie auch die Zwischenzeiten in der feinstofflichen Welt, gelten als ein einheitliches Sein, durch das die Fäden, ohne abzubrechen, straff gezogen sind, so daß also in den Auswirkungen eines jeweiligen irdischen Daseins nur ein kleiner Teil dieser Fäden sichtbar wird.
Ein großer Irrtum ist es demnach, zu glauben, daß mit dem Geborenwerden ein vollkommen neues Leben einsetzt, daß ein Kind also „unschuldig“ ist, und daß alle Geschehnisse nur auf das kurze Erdendasein berechnet werden dürfen. Wäre dies wirklich, so müßten selbstverständlich bei bestehender Gerechtigkeit Ursachen, Wirkungen und Rückwirkungen geschlossen auf die Spanne eines Erdendaseins fallen.
Wendet Euch ab von diesem Irrtum. Ihr werden dann schnell die jetzt so oft vermißte Logik und Gerechtigkeit in allen Geschehnissen entdecken!

(„Schicksal“)

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In einer Instanz erweckt der Wunderapostel sogar den verstorbenen Bürgermeister der Stadt wieder zum Leben.

Totenerweckungen durch göttliche Kraft liegen nicht außerhalb göttlicher Gesetze, sobald es innerhalb einer gewissen Zeit geschieht, die für jeden Menschen verschieden ist. Je geistig gereifter eine sich vom grobstofflichen Körper trennende Seele ist, desto schneller ist sie von diesem frei und desto kürzer die Zeit der gesetzmäßigen Möglichkeit des Zurückrufens, da dies nur während des Nochverbundenseins der Seele mit dem Körper geschehen kann.
Dem göttlichen Willen, also der göttlichen Kraft, muß die vom Geist belebte Seele gehorchen und auf seinen Ruf hin auf der feinstofflichen Brücke in den schon verlassenen grobstofflichen Körper zurückkehren, solange die Brücke noch nicht abgebrochen ist.

(„Steige herab vom Kreuze!“)

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Thomas Busses erklärte Absicht bei der Filmadaption war nicht, „Unterhaltung“ zu schaffen, sondern eine Alternative zu dem von ihm als bedenklich empfundenen gängigen Fernseh- und Filmprogramm unserer Gesellschaft zu präsentieren.

Als gelernter Diplom-Sozialpädagoge, mit Schwerpunkt Freizeit- und Medienpädagogik, beschäftigte ich mich bereits einige Jahre intensiv mit dem enormen Einfluß, den der Fernseh-, Video- und Kinobereich auf den Zuschauer hat. War es nicht längst an der Zeit, der Flut von Action-, Horror- und Sexfilmen oder sonstigen fragwürdigen Filmen etwas entgegenzusetzen?
Ich war und bin davon überzeugt, dass im Filmbereich ein großer Umdenkprozeß stattfinden muß. Der nicht wegzudiskutierende Anstieg von gewaltverherrlichenden Filmen in Deutschland in den letzten Jahren ist in höchstem Grade erschreckend. Gleichzeitig stellt man bei vielen Menschen eine wachsende Bereitschaft fest, Gewalt anzuwenden, was sich vor allem in der steigenden Kinder- und Jugendkriminalitätsrate deutlich zeigt. Sicherlich gibt es vielerlei Gründe dafür, doch der Einfluß der Medien wird dabei nach meiner Überzeugung total unterschätzt, obwohl es mittlerweile sehr differenzierte Studien darüber gibt, die unzweifelbar einen ursächlichen Zusammenhang aufzeigen. Warum wohl werden Millionen für Werbemaßnahmen in den Medien investiert, wenn man nicht sicher ist, dass sie beim Zuschauer etwas bewirken, ihn beeinflussen und manipulieren können?
Doch allen Bedenken zum Trotz wird der Einfluß solch fragwürdiger Filme beharrlich ignoriert. Letzten Endes geht es nur um die Einnahmen, die ein Film einspielt. Nicht der Inhalt ist wichtig, sondern ausschließlich finanzieller Erfolg und Ruhm. Dabei ist den meisten Filmemachern jedes Mittel recht. Das Verantwortungsgefühl bleibt dabei auf der Strecke!
Wenn man einerseits davon ausgehen kann, dass bestimmte filmische Ausstrahlungen beim Betrachter negative Empfindungen hervorrufen können, dann ist andererseits die logische Schlussfolgerung, dass Filme auch zum inneren Aufbau dienen können. Und ich fragte mich im Jahre 1989, ob die Zeit nicht reif wäre, Zuschauer auch im Kino, im Fernsehen oder auf Video mit geistigen Inhalten zu konfrontieren. Über einige Jahre hinweg hatte ich bereits auf Esoterik-Messen den enormen Anstieg von Büchern in diesem Bereich verfolgt. Sicherlich gibt es auch dort fragwürdige Entwicklungen, doch ebenso positiv inspirierende, weiterführende Gedankengänge. Offensichtlich zeichnet sich bei immer mehr Menschen eine Bewußtseinsänderung ab. Immer häufiger sieht man ein, dass uns der Weg des Materialismus, das Raffen nach Luxus, Ruhm und Macht an einen Abgrund geführt hat. Der scheinbare Fortschritt unserer heutigen Zivilisation entpuppt sich deutlicher denn je als ein Rückschritt, der sich durch überfüllte Krankenhäuser, hungernde Menschen, gequälte
Tiere bei Tiertransporten und Tierversuchen, die verheerende Naturzerstörung, genmanipulierte Entartungen, radioaktive Verseuchungen, Kleinkriege in Ehen und Familien, Bürgerkriege und Großkriege in vielen Ländern der Erde bemerkbar macht. Die Abkehr von der Natur und letzten Endes von den Schöpfungsgesetzen Gottes hat offensichtlich ihren Preis! Ursache gleich Wirkung! Aber war nicht gerade das die Botschaft des Wunderapostels: der Aufruf zur Rückkehr zur Natur und zu unserem Herrgott?! Hochaktuelle Themen, die heutzutage viele Menschen bewegen, werden im Roman Hans Sterneders aufgegriffen und in einer neuen Dimension beantwortet.

(Thomas Busse: Der Wunderapostel – Das Buch zum Spielfilm)

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Der Natur wird in Sterneders Romanen eine besondere Stelle eingeräumt. Entsprechend bemüht sich auch der Film, dies nach Möglichkeit umzusetzen, in wunderschönen Landschaftsaufnahmen wie auch in Beatus‘ Liebe zur Natur. Der Wunderapostel selbst wird mehrmals in stiller Kommunikation mit Blumen, Bäumen oder den Elementarwesen während eines Gewitters dargestellt. Die Begegnung mit einem Forscher bringt außerdem nachdrücklich die Verantwortung der Wissenschaft zur Sprache, die längst nicht mehr danach fragt, was sie darf oder nicht.

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Seht Euch in Ruhe einmal an, was Ihr Natur zu nennen pflegt: die Berge, Seen, Wälder, Matten! Zu allen Jahreszeiten. Trunken kann das Augen werden an der Schönheit alles dessen, was es sieht. Und nun bedenkt: Was Euch so zu erfreuen weiß und Euch Erholung gibt, das sind die Früchte eines Wirkens alles Wesenhaften, welches in der Schöpfung unter dem Geistigen steht, dessen Kraft Euch zu eigen wurde!
Dann sucht die Früchte
Eures Schaffens, die Ihr geistig seid und Höheres zu wirken hättet als das vor Euch hergehende Wesenhafte.
Was seht Ihr da? Nur kalten Abklatsch alles dessen, was das Wesenhafte bereits fertigbrachte, aber keine Fortentwickelung zu idealer Höhe im Lebendigen und damit in der Schöpfung!

(Vortrag „Der Kampf in der Natur“)

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Die Position der Kirche zu dem schlichten, bescheidenen, aber unbeirrbaren Wahrheitsbringer wird durch zwei ihrer Würdenträger porträtiert: Der Bischof von Würzburg, der die Totenerweckung des Bürgermeisters mitangesehen und in Folge viel Zeit mit dem Wunderapostel verbracht hat, verkörpert den ernsthaft Suchenden und nach göttlicher Wahrheit Strebenden, während Kardinal Bachmann für die Vertreter des Dogmas und des kirchlichen Machtanspruchs steht.

Wo immer auch es war, daß irgendein Bote des Lichtes die Wahrheit zu verkünden hatte nach dem Willen Gottes, er wurde angegriffen, beschmutzt, verleumdet und verfolgt in allererster Linie von den Vertretern und den Dienern der dort jeweils herrschenden Gottesanschauungen, die vorgaben, Gott zu dienen, und von den Menschen, die sich gar anmaßten, Vertreter des göttlichen Willens sein zu wollen. […]
Vieltausendjährige Erfahrungen bestätigen immer und immer wieder, daß die Priester niemals fähig waren, Gotteswahrheiten zu erkennen, sondern sich in ihrem Dünkel stets davor verschlossen, manchmal auch aus Furcht oder träger Bequemlichkeit. Sie haben es auch immer wieder neu bewiesen, weil sie
jeden Gottesboten stets bekämpften mit den unsaubersten Mitteln, die ein Mensch nur anzuwenden fähig ist. Darüber läßt sich gar nicht streiten; denn die Vergangenheiten selbst geben den unumstößlichsten Beweis!
In jeder Art, selbst bei dem Gottessohne. Es war auch keine Menschenliebe, die die Priester dazu trieb, sondern Berufsneid, weiter nichts! Die Wahrheit
störte sie, weil sie noch nie getreu der Wahrheit lehrten, die sie selbst nicht kannten.
Und zuzugeben, daß sie vieles noch nicht wußten und deshalb in manchen Dingen falsche Anschauungen verbreiteten, dazu waren sie menschlich viel zu schwach und auch nicht fähig in der Sorge, daß ihr Ansehen damit ins Schwanken kam. […]
Gehet doch hin und fragt ernsthafte Menschen, die der Kirche dienen und trotzdem noch Mut zu offenem Bekenntnis der innersten Regungen besitzen, welche sich nicht scheuen, ehrlich gegen sich zu sein…, sie alle werden Euch zugeben müssen, daß die Kirche auch noch heute jeden Menschen wird unmöglich machen wollen und gegen ihn wühlt, wenn er die starren Dogmen, die die Kirchen stützen, in Gefahr des Wankens bringen kann! Auch wenn Christus Jesus noch einmal als Erdenmensch jetzt plötzlich in gleicher Gestalt wie damals unter ihnen wandeln würde! Gibt er nicht zu, daß sie in ihrer Art die einzig rechte Anschauung besitzen, behandeln sie ihn ohne weiteres
als Feind und würden gar nicht zögern, ihn wiederum der Gotteslästerung zu zeihen!

(„Meidet die Pharisäer!“)

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Der einzige Punkt in den Erörterungen des Wunderapostels, der mit der Lehre der Gralsbotschaft nicht übereinstimmt, ist der Gedanke, daß Gott oder das Göttliche in jedem Lebewesen – Mensch, Tier, Pflanze – liegt.

Die Selbstvergöttlichung, die sich in der Behauptung zeigt, daß Göttliches im Menschen sei, ist ein schmutziges Tasten nach der Erhabenheit und Reinheit Eures Gottes, das Euch das Heiligste, nach dem Ihr aufschaut in dem seligsten Vertrauen, damit schändet! […] Es ist ganz richtig, wenn gesagt wird, daß der Erdenmensch in weihevollen Augenblicken die Nähe seines Gottes spürt. Zum Frevel aber wird es, will man aus dieser wundervollen Brücke des Bewußtwerdens göttlicher Nähe heraus die Behauptung aufstellen, selbst einen Funken Gottheit in sich zu haben.

(„Was trennt so viele Menschen heute von dem Licht?“)

Selbstverständlich kann auch der Ursprung des Menschen zuletzt logischerweise auf Gott zurückgeführt werden, aber er liegt nicht in Gott selbst, sondern außerhalb des Göttlichen, deshalb stammt der Mensch nur indirekt von Gott.

(„Ich bin der Herr, Dein Gott!“)

Gott selbst, der Ursprung alles Seins und Lebens, ist, wie schon das Wort sagt, göttlich! Der Mensch wurde von Seinem Geist erschaffen!
Geist ist der
Wille Gottes. Aus diesem Willen nun erstand die erste Schöpfung. Halten wir uns doch an diese einfache Tatsache, sie gibt die Möglichkeit des besseren Verstehens.
Man stelle sich doch einmal zum Vergleich den eigenen Willen vor. Er ist ein Akt, nicht aber ein Stück Mensch, sonst müßte sich der Mensch auflösen mit der Zeit in seinen vielen Willensakten. Es würde gar nichts von ihm übrig bleiben.
Nicht anders auch bei Gott! Sein Wille schuf das Paradies! Sein Wille aber ist der Geist, den man als „Heiligen Geist“ bezeichnet. Das Paradies war wiederum auch nur das
Werk des Geistes, nicht ein Stück von ihm selbst. Darin liegt eine Abstufung nach unten zu. Der schöpferische Heilige Geist, also der lebendige Wille Gottes, ging nicht in seiner Schöpfung auf. Er gab darein auch nicht ein Stück von sich, sondern er blieb selbst ganz außerhalb der Schöpfung. Das bringt die Bibel schon ganz klar und deutlich mit den Worten: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern“, nicht Gott in eigener Person! Das ist schließlich ein Unterschied. Der Mensch trägt also auch nichts von dem Heiligen Geiste selbst in sich, sondern nur von dem Geiste, der ein Werk des Heiligen Geistes ist, ein Akt.

(„Irrungen“)

Alle an Ort und Stelle gebundenen Formen auf der Erde haben keine eigene Seele, die ja zu sehr abhängig werden müßte von dem, was an sie herantritt, und damit jeder Willkür in der Grobstofflichkeit preisgegeben sein würde.
Solche Unausgeglichenheit ist in der weisen Einrichtung des Schöpfers in seinem Werke ganz unmöglich.
Deshalb haben solche Formen keine eigene Seele, sondern sie dienen nur als Behausungen von Wesen, die ganz unabhängig von den Formen sind und diese nur schützen und pflegen.
Zu diesen Formen gehören Pflanzen und Gestein!

(„Der Ring des Wesenhaften“)

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Als am Ende die Zeit des Abschieds gekommen ist und Beatus allein in seine Aufgabe in diesem Erdenleben hineinwachsen muß, weist der Wunderapostel auf das bevorstehende Weltgericht hin und beginnt, vom heiligen Gral zu sprechen.

Das jüngste, das heißt, das letzte Gericht kommt einmal für jeden stofflichen Weltenkörper, aber es geschieht nicht gleichzeitig in der ganzen Schöpfung.
Es ist ein notwendiger Vorgang in jenem jeweiligen Teile der Schöpfung, der in seinem Kreislaufe den Punkt erricht, an dem seine Auflösung beginnen muß, um auf dem weiteren Wege wieder neu sich bilden zu können. […]
Der Punkt, an dem die Auflösung eines jeden Weltenkörpers zu beginnen hat, ist genau festgesetzt, auch wieder auf Grund der Folgerichtigkeit natürlicher Gesetze. Ein ganz bestimmter Platz, an dem der Vorgang der Zersetzung sich entwickeln
muß, unabhängig von dem Zustande des betreffenden Weltenkörpers und seiner Bewohner.
Unaufhaltsam treibt der Kreislauf jeden Weltenkörper darauf zu, ohne Aufschub wird die Stunde des Zerfallens sich erfüllen, das wie bei allem in der Schöpfung in Wirklichkeit nur eine Wandlung, die Gelegenheit zu einer Fortentwicklung bedeutet. Dann ist die Stunde des „Entweder-Oder“ da für jeden Menschen. Entweder er wird hochgehoben dem Lichte zu, wenn er dem Geistigen zustrebt, oder er bleibt an die Stofflichkeit gekettet, an der er hängt, wenn er aus Überzeugung nur Materielles für Wertvolles erklärt.
In solchem Falle kann er sich in der gesetzmäßigen Folge seines eigenen Wollens nicht von der Stofflichkeit erheben und wird mit ihr dann auf der letzten Strecke Weges in die Auflösung gezogen. […]
Diese auf Grund ganz natürlicher Vorgänge und Gesetze erfolgende Scheidung des Geistes von der Materie ist das sogenannte „Jüngste Gericht“, das mit großen Umwälzungen und Wandlungen verbunden ist. […]
Jede Stunde des Erdenseins ist deshalb kostbar, mehr als je. Wer ernsthaft sucht und lernen will, der reiße sich mit aller Anstrengung heraus aus niederen Gedanken, die ihn an das Irdische ketten müssen. Er läuft sonst Gefahr, an der Stofflichkeit hängen zu bleiben und mit ihr der vollständigen Auflösung entgegengezogen zu werden.
Nach dem Lichte Strebende aber werden von der Stofflichkeit nach und nach gelockert und zuletzt emporgehoben zu der Heimat alles Geistigen.
Dann ist die Spaltung zwischen Licht und Dunkel endgiltig vollbracht und das Gericht erfüllt.

(„Die Welt“)

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* Enthalten in der 2-DVD-Ausgabe des Traumleben-Verlags

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Treue und Pflicht in einem sich wandelnden Gesellschaftsbild – The Last Samurai

Dieser Artikel könnte stark von anderen in dieser Serie abweichen, da ein wenig Hintergrunderklärungen dazugehören. Vielleicht ist meine persönliche Verbindung dazu sogar größer als sein „spiritueller Gehalt“, aber wie bereits zum Start der Serie erwähnt, kann (und sollte?) man Geistiges in sehr vielen Produktionen sehen, wenn man sich einmal die Mühe macht, genauer hinzuschauen.

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Zunächst also eine längere Erläuterung zu meiner besagten persönlichen Verbindung zum Thema von The Last Samurai. Daß ich von jungen Jahren an von den Samurai fasziniert war, ist an sich nicht so ungewöhnlich – das geht sehr vielen so. Diese Krieger aus dem Land der aufgehenden Sonne haben eine große Fangemeinde und werden vermutlich auch irgendwie verklärt dargestellt – so natürlich ebenfalls in The Last Samurai. Ihre Geschichte ist sehr komplex; hier nur ganz vereinfacht zur Erklärung, daß Samurai (von denen es wiederum eine ganze Bandbreite von Rängen gab) einem Herrn unterstellt waren, während herrenlose Samurai als „Ronin“ bezeichnet wurden. Als größte Tugend galt die Treue zu ihrem Dienstherrn – eine Eigenschaft, die ja auch gerade im deutschen/germanischen Raum lange Zeit als eine der höchsten und lobenswertesten Tugenden angesehen wurde. Mit allen Schattenseiten; man betrachte sich das Nibelungenlied, das, denke ich, auch wunderbar in die japanische Legendenwelt passen würde.

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Die Pflichterfüllung galt immer schon als höchste Tugend eines Menschen. Sie nahm bei allen Völkern einen Rang ein, welcher höher stand als alles andere, höher noch als das Leben selbst. […]
Das Bewußtsein notwendiger Pflichterfüllung blieb, daran konnte nicht einmal die Verstandesherrschaft rütteln. Aber das Dunkel fand doch einen Angriffspunkt und nagte an der
Wurzel. Der Gedanke an die Pflichterfüllung blieb, aber die Pflichten selbst wurden von dem Verstande aufgestellt und damit erdgebunden, Stückwerk, unvollkommen.
Es ist daher nur selbstverständlich, daß oft ein Empfindungsmensch die ihm bestimmten Pflichten nicht als richtig anerkennen kann. Er kommt in Zwiespalt mit sich selbst. Die Pflichterfüllung gilt auch ihm als eins der obersten Gesetze, die ein Mensch erfüllen soll, und doch muß er sich gleichzeitig sagen, daß er bei der Erfüllung der ihm auferlegten Pflichten manchmal gegen seine Überzeugung handelt. […]
Pflicht und innere Überzeugung müssen stets
im Einklang zueinander stehen. Falsch ist es, wenn ein Mensch sein Leben einsetzt in Erfüllung einer Pflicht, die er nicht in sich selbst als richtig anerkennen kann! […] Er muß es um der Liebe willen tun. Aus Liebe zu der Sache! Dadurch wird auch die Pflicht, der er damit erfüllt, lebendig und so hoch gehoben, daß er deren Erfüllung über alles setzt. […]
Blinder Gehorsam, blinde Pflichterfüllung sind deshalb so wenig wert wie blinder Glaube! Beiden fehlt das Leben, weil darin die Liebe fehlt! […]
Wo Liebe fehlt, ist auch kein Leben, dort ist alles tot. Darauf hat Christus oft schon hingewiesen. Das liegt in den Schöpfungsurgesetzen, ist deshalb weltumfassend ohne Ausnahmen. […] Laßt deshalb echte Treue in Euch auferstehen oder bleibet fern von dem, wo Ihr nicht Treue halten könnt.
Treue! Oft besungen und doch nie erfaßt! Wie alles, hat der Erdenmensch auch den Begriff der Treue tief herabgezerrt, beengt, in starre Formen gepreßt. Das Große, Freie, Schöne darin wurde ausdruckslos und kalt. Das Selbstverständliche
gewollt!
Die Treue nach den jetzigen Begriffen hörte auf, zum Seelenadel zu gehören, wurde zur Charaktereigenschaft gemacht. Ein Unterschied wie Tag zur Nacht. Die Treue wurde damit seelenlos. Sie ist zur Pflicht geworden dort, wo sie notwendig ist. Damit hat man sie selbständig erklärt, sie steht auf eignen Füßen, ganz für sich, und deshalb… falsch! Auch sie wurde unter der Menschen Sinn verbogen und entstellt.
Treue ist
nicht etwas Selbständiges, sondern nur die Eigenschaft der Liebe! Der rechten Liebe, die alles umfaßt. […]
Die rechte Liebe schließt nichts aus, was rein ist oder rein gehalten wird, gleichviel, ob es Personen trifft oder das Vaterland, wie auch die Arbeit oder die Natur.
Darin liegt das Umfassende. Und dieser rechten Liebe Eigenschaft ist Treue […].
Wirkliche Treue ohne Liebe gibt es nicht, wie es auch keine wahre Liebe ohne Treue gibt.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Pflicht und Treue“)

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Weitere Aspekte des „bushido“, des Wegs des Kriegers, waren die… ich will nicht sagen Furchtlosigkeit vor dem Tod, die Sache ist etwas philosophischer – also eher die Abgeklärtheit dem Tode gegenüber. Der Zen-Buddhismus mit seinem bewußten Leben des Augenblicks hatte darauf großen Einfluß bzw. bildete sich in Wechselbeziehung dazu aus. Ein für westliche Augen eher bizarrer Seiteneffekt war der ritualisierte Selbstmord im Falle von Ehrverlust oder auf Befehl hin, der so gern fälschlich als „Harakiri“ bezeichnet wird, und der gleichzeitig als probates Mittel galt, seine Ehre wiederherzustellen bzw. ehrenvoll zu sterben.
Dies in groben Zügen zu Themen in The Last Samurai. Ich war mir also schon früh relativ sicher, einmal in Japan inkarniert gewesen zu sein, aber ich ging davon aus, wie in allen mir bekannten Leben auch dort eine Frau gewesen zu sein. Hundertprozentig verneinen kann ich das bis heute nicht, aber die Spuren deuten in eine andere Richtung.
Wenn ich etwas über die Jahre gelernt habe – und das „Sehen“ begann bei mir erst mit Ende 20, Anfang 30 –, dann ist es, daß sich viele Dinge langsam, gemächlich enthüllen, vermutlich als eine Art Gewöhnungszeit, so daß die letztliche Enthüllung kein solcher Schock mehr ist. Und ich habe festgestellt, daß ich ganz persönlich (bei anderen mir bekannten Menschen ist es anders) oft in Forscherart Hinweise zusammensetze, um das Gesamtbild zu erhalten. Ich bekomme also Puzzleteile, und wenn ich Geduld und Aufmerksamkeit aufweise, sehe ich plötzlich das Bild vor mir. „Ach so! Ja, logisch.“

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Mein Japan-Leben ist in der Beziehung ausgesprochen spannend. So hatte ich vor vielen Jahren einen Traum, der eine richtige kleine Geschichte erzählte. Seine handelnden Personen sahen nicht japanisch aus, aber das bedeutet in diesen Dingen nicht unbedingt etwas. Als da wären: Ein König, hart, streng, unbeugsam. Seine vier Töchter, zwei aus erster und zwei aus zweiter Ehe. Und der entfernte, rangmäßig weit unter ihnen stehende junge Verwandte, der die zweitälteste Prinzessin liebte und von ihr geliebt wurde. Dieser junge Ritter war ich. Natürlich war der König auch nicht annähernd bereit, eine Heirat der beiden Liebenden zu gestatten, was eines Tages zu einem großen Eklat im Thronsaal führte, als der Held unserer Handlung ihm diese Ungerechtigkeit offen an den Kopf warf. Er wurde vor Ort dafür getötet. Entsprechend erfuhr ich nie, wie es nun mit seiner/meiner Liebsten weiterging. Mir gefiel die Geschichte trotzdem, gerade wegen ihrer so klar umrissenen Figuren, und ich versuchte, sie schriftstellerisch zu verarbeiten, aber es wurde nie etwas Konkretes daraus. Dennoch denke ich heute, daß sie mir dadurch stärker als üblich in Erinnerung blieb, denn ich hielt sie für einen interessanten, aber nichtssagenden Traum.
Jahre später. In meinem damaligen Gralskreis gab es ein junges Ehepaar, das – wie ich später erfuhr – eine starke Beziehung zu Japan hatte. Aus irgendeinem Grund kam das Gespräch darauf, daß sie sich schon in einem früheren Leben kannten, und zwar durch seltsame Umstände: Sie hatten sich damals im Gefängnis kennengelernt. Die junge Frau saß dort, weil sie eine Prinzessin war, die sich in einen Mann verliebt hatte, mit dem ihr Vater nicht einverstanden gewesen war…
Wie man sich denken kann, horchte ich auf. Leider kamen wir schnell vom Thema ab. Bis heute weiß ich nicht, ob dies mit ihrer Japan-Affinität zusammenhing, sprich ob diese Geschehnisse in Japan stattfanden. Ich bin mir auch nicht mehr sicher, ob etwas über den unglücklichen Liebhaber gesagt wurde.
Nun ja. Wie gesagt, erfuhr ich erst später, daß dieses Paar eine Beziehung zu Japan hatte. Ich erzählte auch nie etwas von meinem Traum oder der Parallele zum früheren Leben dieses Paares.
Wieder vergingen Jahre. Zu irgendeinem Anlaß erheischte meine Mutter einen „Blick“ in mein japanisches Leben, kurz und nicht ergiebig, aber sie sagte: „Da kam so etwas Feuriges herüber, so etwas Kriegerisches… warst du damals ein Mann?“
Das also sind meine Puzzleteile. Ich habe noch keine Bestätigung für oder wider erhalten. Oh, ein weiteres, das damit aber nur am Rande zu tun hat, ist ein ehemaliger guter Freund, der der Meinung war, einmal als Samurai gelebt zu haben. Ich vertrete ja die Theorie, daß wir heute nur noch in engeren oder halbwegs engeren Kontakt mit Menschen kommen, die wir aus früheren Leben kennen – muß gar nichts Besonderes gewesen sein, Nachbarn vielleicht, Kollegen oder Verwandte. Als solches wäre V. eine Bekanntschaft aus einem gemeinsamen japanischen Leben, vielleicht ein Freund oder Waffenbruder.

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Nach all diesen Ausführungen überrascht also vielleicht nicht, daß ich eine besondere Vorliebe für The Last Samurai hatte, als er 2003 ins Kino kam, wo ich ihn mehrmals sah und mir natürlich später auch die DVD kaufte.
Als Hollywood-Produktion ist er einerseits für westliche Augen zugänglicher als japanische Samurai-Filme, andererseits aber folgt er selbstverständlich einem stark amerikanischen Muster der Erzähltechnik und geht bei aller Kritik an Machtmenschen westlicher wie östlicher Prägung nicht auf die Ursache der dargestellten Konflikte ein, nämlich die von Amerika mit Waffengewalt erzwungene Öffnung Japans für den westlichen Handel. In seinem Erzählmuster ähnelt er beispielsweise Dances With Wolves / Der mit dem Wolf tanzt: Der Weiße, der durch Erleben seine Vorurteile der einheimischen Bevölkerung gegenüber überwindet und beginnt, sich mit dieser zu identifizieren, nur um ihre Zeit zu einem Ende kommen zu sehen. Als solches führt Hollywood eine fiktive Aussöhnung beider Kulturen herbei, und sei es auch nur durch einen Einzelnen – man könnte eventuell so weit gehen, hier eine Verarbeitung eines unbewußten Schuldgefühls zu vermuten.

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The Last Samurai ignoriert wie gesagt den Grund für die Öffnung Japans und setzt gleich mit den Problemen ein, die diese Öffnung national verursacht. Der junge Kaiser Meiji ist der Ansicht, nur ein westlich ausgerichtetes Japan habe langfristig eine Zukunft; technisch wie weltpolitisch ist sein isoliertes Land im Mittelalter stehengeblieben. Er führt massive Reformen durch und möchte mit Hilfe westlicher Experten Japan modernisieren. Damit stößt er die frühere Elite seiner Armee wie auch der Regionsherrscher, die Samurai, vor den Kopf. Personifiziert werden sie in The Last Samurai durch Katsumoto Moritsugu, einen Traditionalisten und im wahrsten Sinne des Wortes Konservativen, der die Verwestlichung Japans für einen großen Fehler hält. Er bekämpft die Reformen, gerade weil er sich als den einzig treugebliebenen Diener des Kaisers betrachtet. Japan dürfe nicht vergessen, woher es komme, ist seine Meinung, es brauche keine Hilfe und damit Einflußnahme westlicher Mächte auf Kosten seiner eigenen Kultur.

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Doch diese gottgewollte Schönheit kann nicht werden, solange Führer ihrem Volke, ihrem Lande fremde Sitten und Gebräuche, fremde Kleidung, fremden Baustil aufzuzwingen suchen in dem Wahne, daß damit ein Fortschritt komme für ihr Volk. Nachahmung ist nicht Hebung, ist kein eigen Werk! Vereinheitlichung in der Anlehnung ist falsch! […]
Seht den Chinesen im Zylinderhut, auch den Japaner und den Türken. Zerrbilder europäischer Kultur. Seht die Japanerin Euch an, die europäisch sich jetzt kleidet, und schaut sie dann in ihrer Tracht des
eignen Landes! Welcher Unterschied! Wieviel geht ihr verloren in der ihrem Lande fremden Tracht! Es ist ein großer Verlust für sie. –
Hebung der eigenen Kultur allein ist wahrer Fortschritt für ein jedes Volk! Wohl soll der Aufstieg sein in allem und kein Stillstand. Aber dieser Aufstieg in dem Fortschritt muß stets auf dem eigenen Grunde und von diesem aus erfolgen, nicht durch Übernahme fremder Dinge, sonst ist es niemals Fortschritt. Das Wort selbst in seinem wahren Sinne weist Anlehnungen zurück. Der Fortschritt für ein Volk kann ja nur Aufschwung sein von dem, was es schon hat, nicht aber Übernahme von etwas Erborgtem. Aufnehmen ist kein Fortschritt, der in Folgerungen des Bestehenden sich zeigt; das müßte schon Nachdenken zeugen. Erborgtes oder Übernommenes ist auch nicht Eigentum, auch wenn man es sich zu eigen machen will. Es ist nicht selbst erworben, nicht ein Produkt des eignen Geistes eines Volkes, auf das allein es stolz sein könnte, stolz sein muß! […]
Die rechte Harmonie ersteht aber gerade durch ihre
Verschiedenart, nicht etwa durch Vereinheitlichung unter allen Völkern. Wenn das gewollt gewesen wäre, dann hätte es auch nur ein Land gegeben und ein Volk. Es würde jedoch bald ein Stillstand dabei kommen und zuletzt ein Hinsiechen und Absterben, weil die Erfrischung durch Ergänzung fehlt!
Auch hier seht nur die Blumen auf den Fluren an, welche gerade in ihrer Verschiedenartigkeit beleben und erfrischen, ja beglücken! […]
Ich wiederhole noch einmal: Hebung der eigenen Kultur allein ist wahrer Fortschritt für ein jedes Volk! Dem Boden angepaßt, dem Klima und der Rasse! Der Mensch muß in dem reinsten Sinne
bodenständig werden, wenn er wachsen will und Hilfe aus dem Licht erwartet!

(Vortrag „Schönheit der Völker“)

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Der Amerikaner Nathan Algren kommt als militärischer Ratgeber nach Japan, um dort eine Armee nach westlichen Standards aufzubauen. Doch die unerfahrenen Rekruten werden zu früh in einen Kampf mit Katsumotos Kriegern geschickt und verlieren trotz moderner Waffen gegen die mittelalterlichen Ritter Japans. (Eine der bemerkenswertesten Szenen des Films, als sich die legendären berittenen Krieger in ihren furchteinflößenden Rüstungen aus den Nebelschwaden schälen.)

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Algren gelingt es im Nahkampf einen der Samurai zu töten, doch Katsumoto, der den verbissen um sein Leben kämpfenden Weißen aus einer Vision wiedererkennt, beschließt, ihn als Gefangenen mit in sein Dorf zu nehmen. Dort lernt Algren gegen viele innere wie äußere Widerstände das Leben dieser scheinbaren Rebellen kennen und lieben. Zum ersten Mal findet der von seiner Vergangenheit gefolterte Amerikaner inneren Frieden. Zwischen ihm und Katsumoto, der sich als alles andere als ein stereotyper Rebellenführer entpuppt, entwickelt sich eine brüderliche Freundschaft und zu Taka, Katsumotos Schwester und Witwe des von Algren getöteten Kriegers, eine leise Liebe. Doch die politische Realität holt sie alle bald wieder ein. Eine Audienz beim Kaiser bringt keine Lösung des Konflikts, und so stehen sich schließlich Katsumotos Getreue und die inzwischen trainierte Armee des Landes gegenüber. Trotz anfänglicher Erfolge der Samurai erweist sich am Ende die moderne Technik als ausschlaggebend – die berittenen Truppen sterben im Kugelhagel der Maschinengewehre.

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Algren, Überlebender der Schlacht, überreicht dem Kaiser Katsumotos Schwert; eine Erinnerung an diejenigen, die Japan lange Zeit stützten und eine Mahnung, ihren Geist auch im modernen Japan nicht zu vergessen.
(Etwas, das von Historikern durchaus anerkannt wird; beispielsweise gelten die Kamikaze-Flieger des Zweiten Weltkriegs als direkt den Tugenden der Samurai verpflichtet – Selbstaufopferung für ihren Herrn, Treue bis in den Tod, Todesverachtung.)

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Tradition versus Reform, Festhalten am Alten und Stillstand versus Neuerungen sind also entscheidende Themen des Films, aber auch die Frage, ob Neuerungen um jeden Preis gerechtfertigt sind und ob Treue und Rebellion immer so leicht zugeordnet werden können wie es scheint. Karma und Ablösung können sich in Algrens Person finden, der unter Custer am Little Bighorn kämpfte und seinen Befehlshaber für seine falschen, arroganten Entscheidungen verwünscht, während er sich gleichzeitig des versuchten Völkermordes schuldig machte. Entsprechend fühlt er sich zunächst, als würde sich in Japan die Geschichte wiederholen: Technisch weit unterlegene „Primitive“ besiegen eine moderne Armee. Doch am Ende findet er sich auf Seiten dieser vermeintlich Primitiven gegen die moderne Armee, und obwohl er einmal mehr die verlierende Seite gewählt hat, erkennt er dies als die richtige Entscheidung.

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The Last Samurai besticht abseits von allen vertretenen Hollywood-Klischees durch den Kontrast beider Kulturen. So sind es gerade die Westler, deren laute, aufdringliche Art im Gegensatz zu der stark disziplinierten, alles verinnerlichenden Mentalität der Japaner fast schmerzhaft abstößt und mehr als einmal die ironische Frage aufwirft, wer eigentlich die „Wilden“ sind.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Ein Fremdling, Reinkarnation und Weiblichkeit in „Doctor Who“

„He’s like fire and ice and rage. He’s like the night and the storm and the heart of the sun. He’s ancient and forever. He burns at the centre of time, and he can see the turn of the universe. And he’s wonderful.” (Doctor Who, “The Family of Blood”)

Genießen wir also die „Tapeten“, die momentan unser Leben begleiten – aber „kleben“ wir möglichst nicht an ihnen. Denn der nächste Wechsel kommt bestimmt. (Werner Huemer: „Inkarnation und Reinkarnation“)

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Doctor Who ist die wohl langlebigste Fernsehserie aller Zeiten, die Generationen von treuen Zuschauern in ihren Bann gezogen hat. Erstmals ausgestrahlt 1963 von der BBC, erfindet sich die Serie immer wieder neu, behält jedoch ihre Grundelemente bei.
Doctor Who war nie wirklich als bierernste Unterhaltung gedacht, sondern startete fast von Anfang an mit einer gesunden Portion Humor, was sich bis heute erhalten hat. Während das ursprüngliche Konzept vorsah, Geschichte unterhaltsam zu vermitteln, gewann bald der Science-Fiction-Anteil die Oberhand, so daß selbst historische Folgen immer auch ein Fremdelement zu enthalten begannen. Der Charakter des titelgebenden Doktors entwickelte sich erst nach und nach; in den ersten Staffeln der Serie blieb sein Hintergrund so gut wie unbekannt. Im Grunde genommen war er in dieser Phase nichts anderes als der klassische verrückte Wissenschaftler so vieler Science-Fiction-Filme, dessen Technik es den Helden ermöglichte, in verschiedene Epochen der Erde zu reisen oder auch andere Planeten zu besuchen. Erst im Laufe der Zeit rückte er als eigenständige Figur ins Zentrum der Handlung, und entsprechend wurde seine Geschichte weiter ausgearbeitet; er wurde „dreidimensional“.
Diese Entwicklungsgeschichte ist eng verbunden mit einem der interessantesten Elemente der Serie. Dem Bild des besagten zerstreuten Professors entsprechend wurde der Doktor zuerst mit einem älteren Darsteller, William Hartnell, besetzt, was gleichzeitig erlaubte, die junge Zuschauergeneration in Form seiner fünfzehnjährigen Enkelin Susan in die Serie einzubinden. Als sich jedoch in der vierten Staffel Hartnells Gesundheitszustand verschlechterte, erfanden die Autoren eine Möglichkeit, die Serie ohne Wechsel der titelgebenden Hauptfigur fortzuführen: Die „Regeneration“.

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Der Doktor ist ein zeitreisender Außerirdischer, der sich scheinbar nicht viel von Menschen unterscheidet. Er besitzt keine Superkräfte, er kann verletzt, auch getötet werden, er begeht sehr menschliche Fehler, er hat menschliche Gefühle.

Betrachten wir uns nur einmal einige der phantastischen Erzählungen, die über Marsmenschen geschrieben und gedruckt wurden! Jede Zeile davon zeigt Verständnislosigkeit den Gottgesetzen in der Schöpfung gegenüber. Und schließlich müssen wir ja doch den Mars wie alles andere zur Schöpfung rechnen.
Es werden Kreaturen da geschildert, die tatsächlich einer
kranken Phantasie entspringen, in dem Gedanken wurzelnd, daß die Menschen dort ganz anders gestaltet sein müssen als hier auf der Erde, weil der Mars ein anderer Planet ist. […]
Ich sagte schon oft, daß gar kein Grund vorhanden ist, sich etwas anders zu denken in der Schöpfung, weil es von der Erde entfernter sich befindet oder mit grobstofflichen Augen nicht aufzunehmen ist. Die Schöpfung ist aus
einheitlichen Gesetzen erstanden, ist ebenso einheitlich in ihrer Entwickelung und wird auch ebenso einheitlich erhalten. […]
Jeder
Mensch der Nachschöpfung ist ein Abbild der urgeschaffenen Ebenbilder Gottes. In der ganzen Schöpfung tragen die Menschen deshalb nur die eine ihnen als Mensch bestimmte Form, mehr oder weniger veredelt. Aber die Form an sich ist immer zu erkennen und kann nicht etwa drei Beine haben oder durchweg nur ein Auge in der Mitte des Kopfes, es sei denn, daß es sich um eine hier und da einmal einzeln vorkommende Mißgeburt handelt. Darin liegt aber nichts Grundlegendes.
Was
nicht die grundlegende Menschenform trägt, ist auch kein Mensch zu nennen.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Meidet die Pharisäer!“)

Gleichzeitig ist der Doktor jedoch wesentlich mehr als ein Mensch. Seine Spezies, die „Time Lords“, sind Hüter des Raum-Zeit-Kontinuums und besitzen tiefes Wissen von dem Lauf der Schöpfung, deren Bewegungen und Strömungen sie wahrnehmen können. Übertragen auf das Schöpfungsbild der Gralsbotschaft ist der Doktor also mindestens ein Mensch auf einer höheren Entwicklungsstufe, viel wahrscheinlicher aber ein inkarnierter Geist aus einer der Ebenen oberhalb des Ursprungs der entwickelten Menschengeister, ein urgeistiger Helfer oder Engel (als der er in einer Folge bezeichnet wird).
In dieser Eigenschaft ist der Doktor ein Fremdling unter den Menschengeistern, auf welchem Planeten auch immer diese inkarniert sind. Er ist oftmals strenger als seine menschlichen Begleiter verstehen, zeigt aber auch oft unerwartete Milde. Dennoch ist er bei weitem nicht vollkommen. Wie es auch Urgeistigen bei einem Aufenthalt in der tiefen Grobstofflichkeit ergeht (selbst Erzengel Luzifer aus den noch viel höher gelegenen göttlichen Ebenen), verliert sich in dem Abstand vom Licht leicht die Perspektive, das Irdische beginnt mehr und mehr Raum einzunehmen, Versuchungen setzen ein, Stürze sind möglich.

Eine Eigenschaft der Time Lords ist ihre Fähigkeit, ihren Körper zu regenerieren, wenn dieser zu alt oder zu sehr beschädigt wird. Sofern ihr Tod nicht plötzlich eintritt, sterben sie nicht, sondern wechseln in eine andere Erscheinungsform. Dies ist natürlich eine fiktionale Umsetzung der Reinkarnation. Wie bei dieser bleibt die grundlegende Persönlichkeit des Geistes erhalten, nimmt jedoch in jeder Inkarnation andere Ausprägungen an.

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In den „Toden“ des Doktors ist, wie im realen Leben, eine ganze Bandbreite von Ursachen vorhanden – von Altersschwäche bis gewaltsamem Tod. Dabei findet man oft das große Motiv der Selbstaufopferung für die Menschheit oder auch „nur“ für eine Einzelperson, damit die Werte unterstreichend, für die er steht – in ihrem Kern zutiefst christliche Werte.

“You failed to save a civilisation, but at least you helped one man.” Worauf es wirklich ankommt: Der Einzelne.
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Anders mit den Menschen, die den Aufstieg zu allem Edleren schon in dem Erdensein begannen. Weil diese die Überzeugung des Schrittes in die feinstoffliche Welt lebendig in sich tragen, ist die Loslösung auch viel leichter. […] Ein solcher leichter und weniger dichter feinstofflicher Körper erscheint naturgemäß auch heller und lichter, bis er zuletzt in so große Verfeinerung kommt, daß das in ihm ruhende Geistige strahlend durchzubrechen beginnt, bevor er als ganz lichtstrahlend in das Geistige eingeht.
(Vortrag „Der Tod“)

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Der Doktor durchläuft in den Jahrzehnten der Serie mehrere Inkarnationen; seine Erinnerung an seine Vorleben bleibt dabei intakt. Welche Gestalt die jeweils neue Inkarnation annimmt, scheint zufällig zu sein; sie wechseln in Alter und Aussehen ohne erkennbares Muster. Fast – denn vielleicht übt das Wollen des Geistes unbewußt doch einen Einfluß aus, so wie bei realen Inkarnationen Schicksalsfäden und Anziehung die Wahl des neuen Erdenkörpers steuern. Deutlich wird dies in der Serie an zwei gleichen Beispielen: Der Übergang von der dritten zur vierten und von der neunten zur zehnten Inkarnation. In beiden Fällen ist das auslösende Element die stärkste Macht des Universums: Die Liebe. In beiden früheren Inkarnationen ist das (äußere) Altersverhältnis zwischen dem Doktor und der Frau, die er liebt oder die ihm zumindest nahesteht, ungleich. Die jeweils folgende Inkarnation paßt sich im Aussehen entsprechend an, wird jünger, attraktiver.

Die geistige, wesenhafte und feinstoffliche Form des Körpers verändert sich, sobald ein Geistkeim seine Tätigkeit verändert. […]
Zur Veränderung kann jedoch die Schale irdischer Grobstofflichkeit nicht so schnell folgen. Diese ist nicht derart wandlungsfähig, deshalb ja auch nur für ganz kurze Zeit bestimmt. Hier zeigt sich eine Wendung dann bei
Wiederinkarnierungen, deren in den meisten Fällen viele sind.

(Vortrag „Geschlecht“)

Abgesehen von diesem natürlichen Zusammenfinden bestimmter Gleicharten können auch „Schicksalsfäden“, die zwei Menschen miteinander verbinden, ausschlaggebend für eine Inkarnation sein.

Wer bewußter auf sein Innenleben achtet, muß sehr bald bemerken, daß ihn jede Handlung, die er setzt, jedes Wort, das er äußert, ja, jeder Gedanke, den er hegt, in entsprechender Stärke, Art und Weise mit seinen Nebenmenschen verbindet. Eine wohlwollende Gesinnung, Zuneigung und Liebe führen zu fördernden Bindungen, eine ablehnende oder sogar haßerfüllte Gesinnung und Handlung dagegen zu hemmenden Bindungen, zu inneren Fesseln, die wieder gelöst werden müssen.

Nun können starke Bindungen zwischen Menschen – seien sie förderlicher oder hemmender Art – über den Tod hinaus bestehenbleiben und dazu führen, daß die Betroffenen auch in einem neuen Erdenleben in passender Art miteinander in Verbindung stehen.

(Werner Huemer: „Inkarnation und Reinkarnation“)

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Eine Doppelfolge geht sogar so weit, in fiktiver Form die Strahlenverbindung zwischen einem nicht inkarnierten Urgeistigen und einem für ihn bereiteten Menschengeist zu verdeutlichen – das Konzept also, daß ein Geist aus der urgeistigen oder gar göttlichen Ebene einen Erdenmenschen als „Avatar“ verwenden kann. Diese Folge kehrt im Ausgangspunkt das Prinzip zunächst einmal um: Der Doktor verändert mit Hilfe von Technologie seinen Körper in den eines Erdenmenschen und trennt sein Bewußtsein, seinen Geist von diesem. Was danach geschieht, folgt jedoch fast buchstabengetreu dem tatsächlichen Vorgang des „Andockens“, der Strahlenverbindung. John Smith ist im England von 1913 ein Lehrer an einem Jungeninternat. Er ist in keiner Weise herausragend, ein Mann seiner Zeit, doch in seinen Träumen teilt er das Wissen und die Erfahrungen eines anderen. (Im Kontext der Geschichte sind dies Resterinnerungen.) Man kann dies als seine Vorbereitung verstehen. Schließlich erfordern die Geschehnisse die Vereinigung des höheren Bewußtseins mit John Smiths Erdenkörper, und obwohl er sich in dem Wissen, alles aufgeben zu müssen, was ihm etwas bedeutet, ja, selbst als Persönlichkeit „überschrieben“ zu werden, zunächst widersetzt, beugt er sich für das Wohl aller zuletzt seiner Pflicht – eine Bestimmung, für die er immer vorgesehen war und für die er bereitet wurde.

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So eine Erden-Lichtgeburt bedarf der größten, umfangreichsten Vorbereitungen von oben her, und es kann nach jahrhundertelanger Mühe so ein kleiner Erdenmenschengeist durch seine Schwäche wieder Änderungen nötig machen noch im letzten Augenblick.

(Vortrag „Die urgeistigen Ebenen VII“)

Um noch einmal auf Werner Huemers oben zitierten Artikel zurückzukommen:

Weitaus schlüssiger erscheint demgegenüber der Gedanke, daß auch jede Inkarnation – wie letztlich alles Geschehen in der Schöpfung – bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt. Denn gerechterweise muß ja die äußere Ausgangslage, in die eine Seele geboren wird, genau zu deren innerer Eigenart passen.
Zunächst: Wir wissen aus Erfahrung, daß Menschen mit gleichartigen Interessen, Neigungen oder Zielen sich sozusagen „automatisch“ zusammenfinden: Gleich und gleich gesellt sich gern! Auf dieser Grundlage werden Vereine gegründet, Internet-Gemeinschaften oder auch religiöse Gruppierungen. Der Automatismus darin aber, also die Tatsache, daß dieses Zusammenfinden sich
wie von selbst vollzieht, zeigt das Wirken einer Gesetzmäßigkeit: der Anziehung der Gleichart!

Wir müssen nun lediglich voraussetzen, daß dieses Gesetz der Gleichart auch bei Inkarnationen wirksam ist – und schon finden wir bemerkenswerte Lösungen: Nehmen wir zum Beispiel an, eine Menschenseele hat die ausgeprägte, dominierende Eigenart, immer stur und rücksichtslos „mit dem Kopf durch die Wand“ zu wollen.

Auf Grund der Anziehung der Gleichart kommt diese Seele also in einem familiären Umfeld zur Inkarnation, in dem diese Art von Sturheit ebenfalls stark ausgeprägt ist, denn eine gleichartige „Schwingung“ verbindet Eltern und Kind.

Die aus einer solchen Konstellation resultierenden Konflikte sind freilich vorhersehbar – aber haben alle Beteiligten in der „Reibung“ aneinander nicht auch die beste Gelegenheit zur Erkenntnis ihrer Fehler und somit zu einer Änderung, zur Entwicklung und Reife?

Im übrigen muß der zur Inkarnierung kommenden Menschenseele das Hingezogenwerden zu einer Gleichart gar nicht als Zwang erscheinen, denn sie fühlt sich ja von einer vertrauten Schwingung angezogen. Müssen und Wollen können in diesem Vorgang also eins sein.

Gegenteilig zu dem in der Serie gezeigten Konflikt ist auch die Strahlenverbindung kein Zwang, kein Kampf gegen einen übergeordneten Willen. Die Gleichart spielt auch hier eine wesentliche Rolle. Die meist lange Vorbereitungszeit ist nötig dazu, eine Annäherung, Angleichung beider Geister über die bestehende Gleichart (soweit man bei der natürlichen Kluft zwischen Menschengeistigem und Urgeistigem oder Göttlichem davon sprechen kann) hinaus zu schaffen, so daß der endliche Akt des „Andockens“ zu einem glatten, fließenden Übergang wird.

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Eine weitere Eigenheit der Time Lords ist die Wahl ihres Namens. Während manche von ihnen den Namen tragen, mit dem sie geboren wurden, legen andere von ihnen diesen bewußt ab, verzichten sogar auf einen „Namen“ im eigentlichen Sinne, sondern nehmen statt dessen eine Bezeichnung an, die dem, was sie tun oder wofür sie stehen, entspricht. Die Tätigkeit bildet die Form; die Funktion wird zum Namen. Der Doktor beispielsweise ist jemand, der andere besser macht, heilt, während einer seiner Gegenspieler, der „Meister“, nach Herrschaft über andere strebt.

[I]mmerfort webt auch der Menschengeist wie jede Kreatur in den Gesetzesfäden sich sein Schicksal, die Art seines Weges. Jede Regung seines Geistes, jede Schwankung seiner Seele, jede Handlung seines Körpers, jedes Wort knüpft ihm unbewußt und selbsttätig immer aufs neue Fäden zu den bisherigen, aneinander, miteinander, durcheinander. Formt und formt, formt sich sogar dabei den Erdennamen schon im voraus, den er tragen muß bei einem nächsten Erdensein, und den er unvermeidbar tragen wird, da ihn die Fäden seines eigenen Gewebes sicher, unbeirrbar dahin führen!
Dadurch steht auch ein jeder Erdenname im Gesetz. Er ist nie zufällig, nie ohne daß der Träger selbst die Grundlage dazu vorher gegeben hat, da jede Seele zu der Inkarnierung an den Fäden
eigenen Gewebes wie auf Schienen unaufhaltsam dorthin läuft, wohin sie nach dem Schöpfungsurgesetz genau gehört. […]
Und die Eltern tragen auch schon
den Namen, den sie sich erwarben durch die Art, wie sie die Fäden für sich woben. Deshalb muß auch der gleiche Name passend sein für die herankommende gleichgeartete Seele, die sich inkarnieren muß. Sogar die Vornamen des neuen Erdenmenschen werden dann trotz anscheinender Überlegung immer nur in einer Art gegeben, wie sie der Gleichart entsprechen wird, da sich das Denken und das Überlegen immer genau nur der bestimmten Art anschmiegt. Die Art ist in dem Denken immer genau zu erkennen, und deshalb sind auch bei den Gedankenformen trotz der tausendfältigen Verschiedenheiten klar und scharf die Arten zu unterscheiden, denen sie angehören. […]
So trägt nun jeder Mensch auf Erden auch genau
den Namen, den er sich erwarb. Deshalb heißt er nicht nur so, wie der Name lautet, er wird nicht nur so genannt, sondern er ist so. Der Mensch ist das, was sein Name sagt!
Darin gibt es keine Zufälle. Auf irgendeine Art
kommt es zum vorgeschriebenen Zusammenhang; denn die Fäden bleiben für die Menschen unzerreißbar, bis sie abgelebt sind von den Menschengeistern, welche sie betreffen, die an ihnen hängen.

(Vortrag „Der Name“)

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Der Doktor lebt seit rund neunhundert Jahren in der Grobstofflichkeit, beginnt sich also zu einem gewissen Grad mit ihr zu identifizieren. Ihn fasziniert alles, was er auf seinen Reisen durch das Universum antrifft, und nach anfänglichen Schwierigkeiten (mit gelegentlichen Rückfällen) entwickelt er eine besondere Zuneigung für die Erdenmenschheit, deren Stärken und Schwächen er gut kennt. Seine große Liebe zu dem Nächsten faßt er in der schlichten Aussage „Alle denkenden Lebensformen sind uns verwandt“ zusammen. Waffengewalt ist ein Antithema für ihn; in jeder Auseinandersetzung bevorzugt er Verständnis, Gewitztheit und, wenn absolut nötig, nicht-tödliche Selbstverteidigung. Aus ihm spricht dabei das Geistige, „dessen höchstes Ziel aufbauendes und friedevolles Schaffen ist“ (Vortrag „Die urgeistigen Ebenen IV“). An einem Punkt vergleicht der Doktor das Töten mit einer Infektion. Er weiß dabei, wovon er spricht. Als er gezwungenermaßen an dem großen Krieg zwischen den Daleks und den Time Lords teilnimmt, der beide Zivilisationen vernichtet, also gegen alles handelt, was ihn ausmacht, frißt sich die „Infektion“ bei seiner überzeugten pazifistischen Einstellung tiefer und zunächst versteckter in sein Wesen hinein als es vielleicht anderweitig der Fall gewesen wäre. Gegen alle seine Überzeugung, gegen sein Gewissen gehandelt habend, auch wenn es notwendig war, ist er in seinem innersten Kern verwundet.
Er findet sich in der Rolle des einzigen Überlebenden wieder. Schlagartig wächst seine Verantwortung ins Riesenhafte. Allein kann er das Gewebe der Zeit nicht aufrechterhalten, er kann nicht als Einzelner die Aufgabe seiner gesamten Spezies bewältigen. Doch er tut, was ihm möglich ist. Er ist und bleibt ein Time Lord, und obwohl er unter seinesgleichen als Rebell galt, kennt und erfüllt er seine Pflicht.
Er begreift auch, was es heißt, einsam zu sein. Er ist nun wahrhaftig ein Fremdling in einer Welt, die ihn braucht, aber ihm seine Hilfe selten dankt, sofern sie sich dieser überhaupt bewußt wird. Und während einzelne Personen ihm Dankbarkeit und Freundschaft entgegenbringen, führt die Enthüllung seiner wahren Identität im allgemeinen zu Furcht, Verfolgung oder Ausnutzung seiner Fähigkeiten für selbstsüchtige Zwecke.

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Die Geschehnisse haben Spuren hinterlassen. Zum ersten Mal in seiner Existenz lernt der Doktor zu hassen, unerbittlich zu sein. Er trägt eine gefährliche Mischung aus Macht und Kummer, Schuldgefühlen, aber auch Wut auf die Urheber seines Schmerzes in sich. Die „Infektion“ hat sich in ihm ausgebreitet, läßt ihn seine Überzeugungen vergessen und beginnt, ihn als das, was er ist, zu zerstören. Es ist der Sturz eines hohen Geistes, hervorgebracht durch Schwächen in seiner Rüstung, in die sich das Dunkel sofort einhakt. Glücklicherweise stellt das Schicksal ihm Hilfen zur Seite. Auch lichte Geister benötigen dann und wann Unterstützung, und so sind es in besonders symbolträchtiger Weise drei Frauen, die als Heilerinnen für die verwundete Seele des Doktors fungieren und ihm helfen, die „Infektion“ zu bekämpfen und zu besiegen.

Die Dreiheit hat, schon allein angefangen mit der Dreieinigkeit Gottes, eine hohe Bedeutung im Schöpfungswirken, und die drei Frauen sind ebenfalls etwas, das sich nicht nur durch menschliche Überlieferungen, sondern durch viele Schöpfungsebenen zieht: Die „weibliche“ Ebene der Rosen-, Lilien- und Schwaneninsel; Johanna, Cella und Josepha; die drei Nornen, um nur einige zu nennen.

Die höchste Aufgabe im Sein der Weiblichkeit auf Erden ist dieselbe, wie sie in den höheren Regionen immer schon besteht: Veredelung ihrer Umgebung und stete Zufuhr aus dem Licht, die nur die Weiblichkeit in ihrer Zartheit der Empfindung vermitteln kann! Veredelung aber bringt unbedingten Aufstieg nach den lichten Höhen! Das ist Geistesgesetz! Deshalb bedingt allein das Sein der echten Weiblichkeit ganz unverrückbar auch den Aufstieg, die Veredelung und Reinhaltung der ganzen Schöpfung. […]
Veredelung ihrer Umgebung ist also die Hauptaufgabe einer Frau auch hier auf Erden in der Stofflichkeit! Sie ist, von oben kommend, sich mit ihrem Zartempfinden oben haltend, damit wiederum nach oben führend,
die Verankerung des Mannes mit dem Licht, der Halt, den dieser braucht in seinem Wirken in der Schöpfung.

(Vortrag „Die Aufgabe der Menschenweiblichkeit“)

In dieser kritischen Phase im Leben des Doktors tritt die weibliche Dreiheit auf in Form von Rose Tyler, Martha Jones und Donna Noble. Die Namen allein verraten viel über ihre Funktion: Rose, die den Doktor durch die Macht der Liebe zu heilen beginnt. Martha, bodenständige Tätigkeit (man denke an die biblische Martha), die Heilerin – angehende Ärztin –, die den Doktor unerwidert liebt, aber ihm eine treue Gefährtin ist und sich am Ende als unbeirrbare Kriegerin für das Gute erweist. Donna Noble, „die edle Frau“, die ihrem Namen entgegen jeder Erwartung alle Ehre macht. Zunächst mit einfachem Gemüt, sturer Entschlossenheit und unbekümmerter Art eine willkommene Reisegefährtin, die es dem Doktor erlaubt, endlich einmal wieder leichtherzig und unbeschwert die Welt zu genießen; ein frischer Atemzug. Donna stellt im Laufe der Zeit jedoch auch tiefergehende Qualitäten unter Beweis, vor allem Mitgefühl und eine universelle Mütterlichkeit. Es ist kein Zufall, daß gerade diese so unwahrscheinliche und geistig vermeintlich überhaupt nicht herausragende Heldin diejenige ist, die einen wichtigen Regenerationsprozeß in Bewegung setzt und diejenige, deren DNA als wohl einzige unter der Erdenmenschheit mit der eines Time Lords kombiniert wird – im übertragenen Sinne also eine Verbindung zwischen dem Höhergeistigen und der Erdenmenschheit schafft.

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Nicht vergessen werden soll auch, daß es eine weitere Frau, Sarah Jane, eine frühere Weggefährtin des Doktors, ist, die ihn mit einer aus ihrem eigenen Kummer und Verlust geborenen Weisheit davor bewahrt, einer Versuchung, die alle wunden Punkte in ihm berührt, nachzugeben.

Das große, alles umfassende Göttlich-Wesenhafte hat sich gespalten in zwei Teile, in einen aktiven Teil und einen passiven Teil oder in einen positiven und einen negativen Teil.
Der passive oder negative Teil ist der
feinere Teil, der empfindsamere, weichere Teil, der aktive oder positive Teil der gröbere, nicht so empfindsame Teil!
Der empfindsamere Teil, also der passive Teil, ist aber der
stärkere und alles überwiegende Teil, der in Wirklichkeit führend wirkt. Er ist in seiner Empfindsamkeit aufnahmefähiger und druckempfindlicher, und deshalb befähigt, sicherer in der Kraft des Heiligen Gotteswillens als dem höchsten Drucke zu stehen und zu handeln. Unter Druck ist hier die gesetzmäßige Beeindruckung der höheren Art auf die niederere Art gemeint, nicht etwa irgendein willkürlicher Gewaltakt, kein Druck einer gewalttätigen wandelbaren Herrschsucht. […]
So verkörpert in der Abstufung das Menschen
weib der Nachschöpfung das empfindsamere Wesenhafte als negativer, passiver Teil, und der Mann das gröbere Geistige als positiver, aktiver Teil; denn die einmal eingesetzte Spaltung wiederholt sich auch weiterhin in den bereits abgespaltenen Teilen immer wieder und weiter fortlaufend, so daß man sagen kann, die ganze Schöpfung besteht eigentlich nur aus Spaltungen! Der wirklich stärkere Teil, also tatsächlich herrschend, ist dabei aber immer der empfindsamere Teil, also unter den Menschen die Weiblichkeit! Sie hat es ihrer Art entsprechend viel leichter, dem Druck des Gotteswillens empfindend zu gehorchen. Damit hat und gibt sie auch die beste Verbindung mit der einzigen, wirklich lebendigen Kraft! […]
Weib, wenn Du nicht erwachst zu Deinem
eigentlichen Werte in der Schöpfung und dann darnach handelst, wird Dich die Rückwirkung der großen Schuld zerschmettern, ehe Du es ahnst! Und Du, Mann, sieh nun endlich in dem Weibe jene große Hilfe, die Du brauchst und nie entbehren kannst, wenn Du in den Gesetzen Gottes schwingen willst. Und ehre in dem Weibe das, wozu es Gott bestimmte! Die Art Deines Empfindens zu dem Weibe wird für Dich das Tor zum Licht. Vergiß das nie.
(Vortrag „Weib und Mann“)

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