Von Trollen und Ironie

Eineinhalb Jahre nach dem Fakt entdeckt, daß mir der leicht trollisch veranlagte Kommentator auf Wikipedia eine Antwort hinterlassen hat (ebenfalls um ein halbes Jahr verspätet). Natürlich werde ich seine Anmache nicht noch würdigen; don’t feed the troll und all das. Aber seine Bemerkung zu den Verlagen (er hat offenbar noch nie versucht, ein Manuskript bei einem Verlag unterzubringen) erinnerte mich daran, daß ich noch nie erwähnt habe, wie es damals ging, als ich eben dieses versuchte.
Rowohlt und Osburg hatten Interesse an dem Manuskript. Gerade über Rowohlt als Verleger hätte ich mich sehr gefreut, wegen der Verbindung, die Marta Hillers und insbesondere Kurt Marek zu diesem Verlag hatten. Aber am Ende lehnten beide Lektoren bedauernd ab, weil ihnen das Manuskript „zu akademisch“ war, mit all den Zitaten und Quellenangaben. Sie glaubten nicht, daß dieser Stil ein breiteres Publikum anspräche. Da ich ein komplettes Umschreiben des Manuskripts ablehnte, veröffentlichte ich am Ende über Books on Demand.

Es ist schon ironisch, daß mich genau diese Tatsache nun einerseits daran hindert, die Biographie als Quelle auf Wikipedia anzugeben, und andererseits Zweiflern wie dem anonymen Kommentator vermeintlich als Munition dient. Und daß das Manuskript akademischen Verlagen vermutlich als zu populärwissenschaftlich erschienen wäre. Es ist eine gute Sache, daß ich Ironie sehr zu schätzen weiß.

Rumours, exaggerations, and misunderstandings

An episode on BBC Radio 4 that I discovered only recently dealt, among other things, with A Woman in Berlin.
It was broadcast in 2013, so I will grant that the attendants couldn’t know any better since neither my German biography of Marta Hillers nor its abridged English version existed back then. So they simply repeated the usual rumours (which, however, are very hard to kill even now). But things took a bizarre turn when they actually stated that the German government banned the book in 1959/1960.
In that spirit, I want to address a few of the most persistent falsehoods attached to A Woman in Berlin. No, the book was never banned, neither by the government nor anyone else. It was never taken off the market; it simply never saw a second print run. There was no widespread outrage about the book. There were hardly even any reviews, and most of the few that I did manage to find were positive.

Some reviewers today, mainly from the US, are claiming that Marta Hillers lived in East Berlin in the spring of 1945. That’s simply a case of not knowing the facts about the fall of Berlin. During the time covered by Marta’s narrative there was no East and West Berlin yet, no Soviet zone. The Red Army conquered Berlin as a whole, plain and simple. US and other Allied troops didn’t move in until a while afterwards – in fact, Marta wrote about it in her book! And she never lived in East Berlin. It was Tempelhof at first, later Zehlendorf, both in the American sector or zone.

Closed circle

Über die Jahre bin ich verschiedenen Personen begegnet, die entweder ihre eigene Theorie in Sachen Marta hatten und/oder meine Daten hinterfragten. Daran ist nichts Schlechtes. Nur so funktioniert Forschung.
Ich habe allerdings schon früh in meiner Recherche gelernt, mich neben harten Daten auch auf meine Intuition zu verlassen. Sie erwies sich meist als richtig. So führte ich in meiner Biographie den engen, fast schon inzestiösen Personenkreis an, in dem sich Marta Hillers bewegte, die gleichen Namen und Orte, auf die man über die Jahre immer wieder stößt, die vielen Partnertausche innerhalb dieses Kreises.
Wieder einmal bestätigt wurde diese Erfahrung bei meinem Besuch im Archiv der Deutschen Kinemathek, der eigentlich dem Zweck dienen sollte, eine Antwort auf die Frage zu geben, warum Marta zwar in einem Artikel des Spiegels als Drehbuchautorin Toxis genannt wird, in den Credits (und anderen Pressemitteilungen) jedoch Maria von der Osten-Sacken. Ich tippte auf eine Frühfassung des Drehbuchs, und tatsächlich nennt Robert A. Stemmles Vertrag ein „vorliegendes Roh-Drehbuch“, das von ihm, Maria Osten und Peter Francke überarbeitet und fertiggestellt werden soll. Viel interessanter jedoch ist Stemmles damalige (1951) Anschrift, nämlich die Limastraße 7 in Berlin-Zehlendorf. Genau dies war zu der Zeit auch Martas Adresse.

Zitiert

… wurde ich meines Wissens nun zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, nämlich Sabine Kebirs Frauen ohne Männer? über das Leben und Werk Elfriede Brünings. Schwerpunktmäßig betrifft es natürlich Hans Wolfgang Hillers, dessen Bio- und Bibliographie ich ja in groben Zügen in Mehr als Anonyma mit behandele, aber auch Martas Geschichte wird von Frau Kebir gestreift.