Auf der Fährte

Nach Marta und Jolanthe wurde ich ständig nach neuen Projekten befragt. Ich hatte keine, und die Vorschläge, die mir gemacht wurden, interessierten mich so überhaupt nicht. Das Thema würde mich finden, sagte ich mir. Und irgendwie hat es das nun getan.

Einiges Schürfen später, und meine Sammlung zu Dagobert von Mikusch wächst. Ursprünglich war er eine Nebenfährte zu T. E. Lawrence, und das ursprüngliche Thema ist auch nicht vom Tisch, aber Mikuschs Leben erweist sich ganz unabhängig davon als so interessant, daß ich dranbleiben möchte. Wie weit ich damit jemals komme, steht in den Sternen! Es wäre (vermutlich) so viel hilfreicher, wenn die Familie sich auf Kontakt einließe. Ich kann nur mutmaßen, warum sie es im Gegensatz zu Martas und Jolanthes Angehörigen nicht tut: Fürchtet man, ich würde mich speziell auf Mikuschs Schriften während des Dritten Reiches stürzen? Daß ich einseitige Berichterstattung ablehne, sollte gerade Martas Fall bewiesen haben – ich verstehe die Biographie als nötiges Gegengewicht zu Jens Biskys Artikel und den darauf basierenden Wikipedia-Eintrag. Oder bin ich grundsätzlich suspekt, weil man mich nicht kennt? Sicher: Käme jemand daher und fragte nach meinem Urgroßvater, würde ich ja auch erst einmal schauen wollen, wer diese Person ist; aber genau dafür nimmt man Kontakt auf. Will man nicht, daß eine Außenstehende über die Familie schreibt? Das könnte man mir einfach mitteilen. Oder aber lehnt die Familie selbst den namhaften Vorfahren ab? Auch das ist mir schon begegnet.

Als Biographin und als Familienforscherin bedauere ich es schlichtweg. Je mehr Generationen dazwischenliegen, desto mehr Informationen verschwinden ganz einfach. Daten, die vergessen werden. Anekdoten, die nicht weitererzählt werden. Unterlagen, die irgendwann im Altpapier landen. Das ist ein reiches, gelebtes Leben, von dem niemand mehr erfahren wird und das früher oder später auch die Familie nicht mehr kennt.
Der Informationsfluß ist ja selten einseitig. In meinen früheren Recherchen erhielt ich ungeahnte Wissensschätze durch die Angehörigen, aber im Gegenzug konnte ich ihnen auch Dinge mitteilen, von denen sie nie gehört hatten. Für beide Seiten ist so etwas bereichernd.

Nun, ohne diese Quellen bleibt abzuwarten, wie viel sich anderswo noch finden läßt. Ich werde berichten.

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Bilanz 2018

Die Jahresrückschau. Was gibt es zu erwähnen?

Meistgelesener Beitrag in diesem Blog: Ungeschlagen meine englische Marta-Serie, nominell angeführt von der Introduktion.
Es folgen verschiedene Gral-Artikel.

Bestes gelesenes Buch: Behind the Lawrence Legend von Philip Walker.

Bester neuentdeckter Autor: E. M. Forster

Beinahe neues Recherchethema gehabt, aber leider von allen Seiten blockiert.

Dagobert von Mikusch and the Red Army

There are points in research where one becomes stuck because the essential contacts don’t exist and cannot be established. This is what happened in my efforts to find the two units that took Berlin-Tempelhof in 1945. In Russian military forums, where the experts are, I was either ignored (woman! German! And does not speak fluent Russian!) or not even accepted at the registration. Nothing came out of contacts who might have contacts.

Same story with the actually very interesting search for a letter of T. E. Lawrence „to a German officer“. The few, extremely vague clues I have on hand seem to me to point to Dagobert von Mikusch-Buchberg, the German translator of Seven Pillars and Revolt in the Desert. There is some but not really much literature on Mr Mikusch. And while I can partly understand the non-reaction in the case of the 8th Guard Army (even if I think it silly), it does not make sense to me in this case. We are talking about T. E. Lawrence, about whom at least one new book is published every year. And about a local whose family is not really hard to Google. But nobody reacts. Neither Lawrence’s „official biographer“ deigns to answer [I recently learned that he’s passed away], nor Mikusch’s relatives. (One of them was just in the news, to my amusement.) And also in the research on Reinhard Hüber, who first quoted the letter, almost nobody reacts. (Exception Sven Olaf Berggötz – my sincerest thanks!)

Maybe I’m spoiled. During the Marta Hillers research I was accepted so freely and naturally that it often amazed me. The fact that one was not viewed with suspicion as a basic attitude and suspected of all sorts of things or even disdained was so pleasant in our times, and it gave me hope. In the Jolanthe Marès research, too, there was never any suspicion or reservation. Wonderful. But perhaps that was the exception, and now I am meeting the norm.

Addition 23.12.18

In Backing into the Limelight, Michael Yardley quotes Stanley Weintraub’s Private Shaw and Public Shaw after „Erik Lonroth“ (let’s take Erik Lönnroth) that a „Kurt von Ludecke“ (rather Kurt Lüdecke? Not all Germans are „von“s, you know) contacted Lawrence in 1932 – so maybe Lawrence’s letter to the Air Ministry refers to him? (Lüdecke wasn’t an officer, though.) I’ll look into it.

„Verständnislos, einsam steht eine Seele in dem Sterbezimmer…“

English translation in the comments section.

Wohl zwei oder mehr Wochen schrieb ich an einem Blogeintrag, der thematisch ausgezeichnet war: Marta Hillers’ und T. E. Lawrences literarische Kriegsmemoiren und ihre zu wörtlichen Kritiker. Es war ein guter Artikel. Er hatte nur einen grundlegenden Fehler: Ich wußte zu wenig über Lawrence. Je mehr ich daran arbeitete, diesen Mangel zu beseitigen, desto größer wurden die Änderungen an meinem Artikel, bis ich zuletzt aufgab. Es gab zu viel über Lawrence zu sagen und zu wenige Parallelen zu Marta.
So etwas ist frustrierend. Vergleichbar all meinen angefangenen Romanen, die ich früher oder später entsorgte, weil ich nicht in der Lage bin, einen Plot zu bauen. Allerdings das erste Mal, daß es mir mit einem Sachtext so erging.
Natürlich sollte ich die Zeit nicht als verschwendet betrachten. Ich habe viel gelernt. Und wenig ist befriedigender, als zu Erkenntnissen zu kommen und diese dann in einem offiziellen Werk bestätigt zu finden – nur 20 Jahre vorher. Michael Ashers Lawrence – The Uncrowned King of Arabia ist dieses Werk. Ich war sehr, sehr glücklich damit. Solide Recherche, logische Schlußfolgerungen und begründete Kritik. Kein Wunder, daß es so unbeliebt unter TEL-Enthusiasten ist.

Lawrence war eine komplexe, komplizierte und zutiefst beschädigte Persönlichkeit. Es ist wichtig, das zu verstehen. Anders als alle anderen Bücher über ihn, die ich gelesen habe, zensiert Asher die unappetitlichen Aspekte nicht oder spielt sie herunter; denn sie sind Grundlagen, die bei der Bewertung alles, das Lawrence schrieb (inklusive seiner Briefe), beachtet werden müssen. Seven Pillars of Wisdom ist, wie Lawrence selbst gestand, eine Enthüllung seines Ichs. Es ist unbedingt autobiographisch in dem Sinne, daß es (fast) alles über ihn verrät – nicht die äußeren Taten, sondern seine inneren Prozesse, Gedanken, Gelüste, Selbstbild, die pathologischen, keinerlei Sinn erfüllenden Lügen.
Mir ist unverständlich, wie viele ernsthaft sein wollende Forscher diese Aspekte bis heute ignorieren. Joe Bertons Illustrated Guide zum Beispiel ist vor lauter Zuckerguß kaum auszuhalten. Selbst das sonst so solide Lawrence of Arabia’s War – Day by Day erwähnt nicht einmal James Barrs Rekonstruktion der fehlenden Tagebuchseite, die eindeutig zeigt, daß Dera’a niemals stattfand. (Jahre nach Ashers Buch, der aber alle Gegenhinweise erkannte, die auch ich zusammengetragen hatte.)
Der Fehler liegt sicherlich in mehreren Gründen. Man will das Objekt seines Interesses mögen. Das ist ganz natürlich. Man will nicht glauben, daß es vielleicht genau so ein Idiot wie der Kollege/Nachbar/Verwandte ist, den man auf den Tod nicht ausstehen kann. Man will seine Zeit, sein Interesse und seine Zuneigung nicht auf jemanden verschwendet haben, der unwürdig ist.
Im Fall von Lawrence speziell kommt seine masochistische Praxis hinzu, die sowieso erst einmal jeden zurückschrecken läßt – igitt! Also wird verzweifelt und durchaus mit besten Absichten Ursache und Wirkung vertauscht. Deraa war schuld. Die wenigsten wollen akzeptieren, daß Deraa in Seven Pillars das Kind eines längst vorhandenen Hanges war. Ich bewundere Lawrence grenzenlos für seinen Nerv, diese Phantasie zu veröffentlichen. Er breitet sich vor aller Welt aus: „Das ist es, was ich mag. Davon phantasiere ich.“
Vielleicht habe ich weniger Probleme als die meisten mit der Realität dieser Seite Lawrences, denn ich verstehe sie. Ich habe nach vielen Jahren gelernt, damit zu leben. Lawrence versuchte sie gleichzeitig zu unterdrücken und auszuleben; beides ist der falsche Weg. Man muß lernen (und dieser Weg führt einzig und allein durch Ausrichtung nach „oben“), über ihr zu stehen. Aktiv gegen sie zu kämpfen oder aber sie auszuleben bedeutet, ihr Macht über einen selbst zu geben. Sie ist ein Ding der Stofflichkeiten. Wir sind Geist. Und so nehme ich sie zur Kenntnis, wenn sie sich wieder einmal regt, aber ich kenne sie zur Genüge, ich weiß, wie sie funktioniert, und ich weiß auch, daß sie nicht das Eigentliche ist, nach dem ich mich sehne.
Die Ausrichtung nach oben ist es denn auch, die mich Lawrence nicht verdammen läßt. Sicher: Mir geht Wahrheit über alles, und Lawrence belog vermutlich sogar sich selbst. Er hatte kein Recht, die Menschen so zu behandeln, die ihn ehrlich mochten und ihm ehrlich helfen wollten. Er hatte kein Recht, Menschen in das Miasma seiner Lüste zu ziehen, die nichts davon wußten. Das ist ein neues Karma, das er sich schuf und unter dem er vielleicht zusammenbrechen muß.
Dennoch: Etwas war um ihn. Ganz am Anfang, als ich erstmals die Dokumentation Lawrence and Arabia sah, ahnte ich ein enormes Karma, das er mitbrachte – ob in Bezug auf Arabien oder etwas anderes, ob es sich örtlich auslösen mußte oder auf Personen bezogen, weiß ich nicht. Aber ganz sicher war seine Rolle kein Zufall. Danach wurde ihm Zeit geschenkt, wieder so auffällig. Er durfte seine Zeit in der RAF, an der ihm nach anfänglichen Rückfällen so viel lag, abschließen, danach war Schluß. Doch selbst darin wurde ihm noch Gnade: Sechs Tage durfte er lernen, daß es weitergeht – ein großes Geschenk für seinen künftigen Weg – und vielleicht, wie ehrlich er geliebt wurde. Und dann durfte er seinen so verhaßten Körper endgültig zurücklassen, oder vielleicht war er nun bereit, ihn loszulassen. Er war behütet. So auffällig passiert das keinen Menschen, die nichts Lichtes in sich tragen. Sein Name schwingt nach den Zahlengesetzen fast ausschließlich auf der Seelenebene. Ich hoffe, er hat seinen Weg gefunden.

Natürlich hat all das keinen Platz in einem akademischen Artikel. (Zum Schaden der Akademiker, würde ich sagen.) Ich bedauere immer noch, daß ich die ursprüngliche Idee nicht umsetzen konnte, denn es *gibt* Parallelen in den Werken Martas und Lawrences. Aber vielleicht muß auch das andere einmal gesagt werden.
In jedem Fall: Michael Asher sollte gleichfalls nicht von wohlmeinenden Lawrence-Fans verdammt werden. Er schrieb sein Buch nicht, weil er Lawrence haßte. Im Gegenteil, er betont liebevoll seine positiven Charakterzüge. Aber die anderen Seiten existierten ebenfalls und dürfen um der Gerechtigkeit willen nicht totgeschwiegen werden. Daß jede Geschichte trotzdem nur die halbe Geschichte ist… das ist eine Erkenntnis, zu der man immer irgendwann kommt.

Die Hymne, die bei Lawrences Beisetzung gesungen wurde, angeblich seine Lieblingshymne. Sehr bezeichnend.

Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Die Sünden der Väter in The Hollow Crown

English translation in the comments section.


Die Beleuchtung ist der hilfreichste Schlüssel zum Verständnis der Zusammenhänge:
Licht und Farbe während der Herrschaft Richards II…

Eine vielbeachtete Verfilmung von Shakespeares Historienstücken (die es meines Wissens nie in eine deutsche Synchronisation schaffte) ist The Hollow Crown. Beginnend mit Richard II erzählt sie, teilweise unter massiver Kürzung der Originalvorlagen – ist Henry VI beispielsweise doch über neun Stunden lang! – die Geschichte der englischen Könige aus dem Geschlecht der Plantagenets bis zum Beginn der Tudors.
Nun war William Shakespeare kein Historiker, und mit Quellenmaterial nach heutigem Anspruch war es zu seiner Zeit auch nicht weit her, von einem völlig gewandelten Geschichtsverständnis ganz zu schweigen – man darf the history plays also nicht als historischen Abriß betrachten. Was Shakespeare statt dessen tat, war, eine fortlaufende Geschichte über Schuld und Sühne und letztlich Karma (was ihm sicherlich nicht bewußt war) zu gestalten. Das Heraustrennen einzelner Stücke, wie zum Beispiel die Dauerbrenner Henry V und Richard III, schadet dem Gesamtverständnis ungeheuer.

… Die Dämmerung bricht mit seinem Tod und Bolingbrokes Schuld herein…

Die BBC nahm in den 70er Jahren sämtliche Stücke in kompletter Länge in Studioverfilmung auf. Diese Umsetzung ist weder besonders spannend noch kann sie qualitätstechnisch mit größeren, aber gekürzten Shakespeare-Verfilmungen mithalten. Doch sie ist ungemein hilfreich für das Verständnis sowohl des roten Fadens der Geschichte als auch für den cleveren Aufbau von Shakespeares Stücken; also allein deshalb schon sehr zu empfehlen.
Es gibt auch sehr gute Lektüre zum Thema, so zum Beispiel Lily B. Campbells Shakespeare’s „Histories“.

… Halbdunkel und Schatten unter Henry IV…

Die Geschichte beginnt, als der aus der Verbannung zurückkehrende Henry Bolingbroke seinen Vetter, den rechtmäßigen, aber unfähigen König Richard II., stürzt und selbst die Herrschaft übernimmt. Obwohl für England vielleicht die bessere Wahl, löst diese Schuld eine Kette von Folgeverflechtungen aus, ein Karma nicht des englischen Volkes als solchem, sondern vielmehr das Karma eines Königshauses, das auf den falschen Weg abgeirrt ist und, da es sich als unfähig erweist, langfristig auf den rechten Weg zurückzufinden, unter den Rückwirkungen dieses Karmas zusammenbrechen muß.
Als Henry IV. hat Bolingbroke nicht nur gegen äußere Feinde zu kämpfen, die ihrerseits ihn stürzen wollen, sondern auch gegen Rebellion im eigenen Hause, als sein ältester Sohn und Thronfolger Hal seine Zeit in schlechter Gesellschaft verbringt und das Land unter seiner Herrschaft erneut in Elend zu versinken verspricht, genauso, wie es zuvor unter Richard geschah.

… Dunkelheit, doch Lichtblicke, beginnender Morgen während der letzten Stunden Henrys IV…

Doch der junge Hal überrascht am Ende. Schwer getroffen von dem Leid, das er seinem Vater zugefügt hat, ändert sich sein Wesen; und er von allen Königen vor und nach ihm begreift, wie falsch das Streben nach der Krone um der Macht willen ist – welchen unheilvollen Einfluß die Krone (Macht) ausübt und welchen hohen Preis sie verlangt, wenn sie aus falschen Gründen errungen wird. Hal, als Henry V. gekrönt, wird zur Lichtgestalt unter den englischen Königen. Da er sich selbst geläutert hat, kann das Karma, das sein Haus heimsucht, nicht an ihn heran, findet keinen Boden, um sich auszuleben.

… Tag unter der Thronbesteigung Hals…

Die einzelnen Fäden bilden den Weg der Rückwirkungen so lange, bis der Urheber in seinem Innenwesen keinen Anhaltspunkt mehr für die gleiche Art bietet, diesen Weg also von sich aus nicht mehr pflegt und frisch hält, wodurch sich diese Fäden nicht mehr festhalten können, nicht mehr einzuhaken vermögen und verdorrend von ihm abfallen müssen, gleichviel, ob es nun Übles oder Gutes ist.
Jeder Schicksalsfaden wird also durch den Willensakt bei dem Entschluß zu einer Handlung feinstofflich geformt, zieht hinaus, bleibt aber trotzdem in dem Urheber verankert und bildet so den sicheren Weg zu gleichen Arten, diese stärkend, gleichzeitig aber auch wieder von diesen Stärke erhaltend die den Weg zurückläuft zu dem Ausgangspunkte.
In diesem Vorgang liegt die Hilfe, die den nach Gutem Strebenden kommt, wie es verheißen ist, oder aber der Umstand, daß „Böses fortzeugend Böses gebären muß“.
Jedem Menschen bringen nun die Rückwirkungen dieser laufenden Fäden, zu denen er täglich neue knüpft, sein Schicksal, das er sich selbst geschaffen hat und dem er unterworfen ist. Jede Willkür ist dabei ausgeschlossen, also auch jede Ungerechtigkeit. Das Karma, das ein Mensch mit sich trägt und das wie eine einseitige Vorausbestimmung erscheint, ist in Wirklichkeit nur die unbedingte
Folge seiner Vergangenheit, soweit diese sich in der Wechselwirkung noch nicht ausgelöst hat.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das Geheimnis der Geburt)

… Schließlich Gold und Farbe bei seiner Krönung als Henry V…

Wenn auch hierbei der größte Teil alles Geschehens der Wechselwirkung nur in der feinstofflichen Welt erfolgt, so könnte doch das also arbeitende Karma niemals eine volle Ablösung finden, wenn das Ende nicht in irgendeiner Art in die grobstoffliche Welt hineinspielt und dort sichtbar wird. Erst mit einem dem Sinne der Wechselwirkung entsprechenden sichtbaren Vorgang kann ein laufender Ring geschlossen werden, wodurch die vollkommene Ablösung erfolgt, gleichviel, ob dies je nach Art des einstmaligen Anfanges gut oder böse ist, Glück oder Unglück bringt, Segen oder durch die Ablösung Vergebung. Diese letzte sichtbare Auswirkung muß kommen, an gleicher Stelle, wo der Ursprung liegt, also bei dem Menschen, der durch irgendeine Handlung einst den Anfang dazu gab. In keinem einzigen Fall ist sie zu vermeiden.
Wenn nun der betreffende Mensch sich unterdessen innerlich verändert hat, derart, daß Besseres in ihm lebendig wurde, als die einstmalige Handlung war, so kann die Rückwirkung in ihrer Art nicht festen Fuß fassen. Sie findet keinen gleichartigen Boden mehr in der aufwärtsstrebenden Seele, die lichter und damit leichter geworden ist nach dem Gesetz der geistigen Schwere.
Die natürliche Folge ist, daß eine trübere Auswirkung bei dem Herannahmen von der lichteren Umgebung des betreffenden Menschen durchsetzt und somit bedeutend abgeschwächt wird. Aber trotzdem muß das Gesetz des Kreislaufes und der Wechselwirkung voll erfüllt werden in seiner selbsttätig wirkenden Kraft. Ein Aufheben irgendeines Naturgesetzes ist unmöglich.
Deshalb wird sich eine so abgeschwächte rücklaufende Wechselwirkung den unverrückbaren Gesetzen entsprechend auch
sichtbar grobstofflich auswirken müssen, um wirklich abgelöst, also ausgelöscht zu sein. Das Ende muß in den Anfang zurückfließen. Wegen der lichtgewordenen Umgebung vermag aber dunkles Karma dem betreffenden Menschen nicht Schaden zu bringen, und so geschieht es, daß diese abgeschwächte Wechselwirkung nur derart auf die nähere Umgebung wirkt, daß der Betroffene in die Lage kommt, irgend etwas Freiwilliges zu tun, dessen Art nur noch dem Sinne der rückströmenden Wechselwirkung entspricht.
Der Unterschied von der eigentlichen ungebrochenen Stärke der für ihn bestimmt gewesenen Auswirkung des rücklaufenden dunklen Stromes ist der, daß es ihm keinerlei Schmerz bereitet oder Schaden bringt, sondern vielleicht sogar Freude macht.
Das ist dann eine
rein symbolische Auslösung manches schweren Karmas, aber den Gesetzen in der Schöpfung vollkommen entsprechend, durch die Veränderung des Seelenzustandes selbsttätig derart wirkend. Deshalb bleibt es den meisten Menschen auch oft ganz unbewußt.
(„Symbolik im Menschenschicksal“)

… Gedämpftere Farben und gedämpfteres Licht im Rückblick auf seine kurze Herrschaft…

Henry V. führt England in eine kurze Blütezeit, doch er stirbt bereits mit 35 Jahren. Sein Sohn Henry VI. ist kaum ein Jahr alt, als er zum König gekrönt wird, und in Folge übernehmen eine Schar von Regenten und Beratern die Herrschaft, die gegeneinander intrigieren und sich befehden. Die Rosenkriege mit ihren wechselnden Herrschern überziehen das Land, Schuld häuft sich auf Schuld, und die Sünden der Väter suchen die Könige heim, bis sich das Herrschergeschlecht zuletzt selbst zerfleischt, ausrottet und Platz schafft für eine neue, noch unbefleckte Dynastie.

… Erneutes Verblassen und zurückkehrende Dunkelheit bei seinem Tod…

… Die ultimative Dunkelheit bei der Ermordung Henry VI. durch den späteren Richard III., den letzten König aus dem Hause Plantagenet.